Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

Erinnerungsort Olympia-Attentat: Siegentwurf steht fest

 

 
des Büros Brückner & Brückner Architekten  
Siegerentwurf (Bild: Franz Kimmel)
 
des Büros Brückner & Brückner Architekten  
Siegerentwurf Seitenansicht (Bild: Brückner & Brückner Architekten)
 

Zum Verfahren waren folgende Büros eingeladen:

- Bertron Schwarz Frey, Berlin, Ulm, mit Tehiru Architects, Tel Aviv
- Brückner & Brückner Architekten, Würzburg, Tirschenreuth
- chezweitz, Berlin
- hg merz architekten museumsgestalter, Berlin, Stuttgart
- Martin Kohlbauer Architekt, Wien
- sinai. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin, mit ON architektur,
- Gestaltungsbüro für Architektur und Ausstellungen, Berlin

Im Zentrum des Ausstellungskonzeptes, mit dem sich die Beiträge auseinandersetzen, stehen der Terroranschlag vom 5./6. September 1972 bei den XX. Olympischen Sommerspielen sowie die Biografien der elf israelischen Opfer. Daneben werden aber auch die politische Dimension Olympias, die Nachwirkungen
des Attentats, die deutsch-israelischen Beziehungen sowie der Terrorismus der 1970er Jahre beleuchtet.

Die Aufgabenstellung für die Teilnehmer am Verfahren gab dabei folgende Rahmenbedingungen vor: Inhaltlich war eine Sequenz dreier Opferbiografien mit Film-, Text- und Bildelementen exemplarisch darzustellen; zudem sollte - basierend auf dem Ausstellungskonzept - eine architektonische Struktur entwickelt werden, deren Gestalt dem Erinnerungsort funktional sowie inhaltlich und atmosphärisch gerecht wird.

Als Standort des Erinnerungsortes ist die Anhöhe am Kolehmainenweg südlich der Connollystraße vorgesehen. Daher war auch die Auseinandersetzung mit dem Gesamtgefüge des Olympiaparks ein wesentlicher Aspekt der Aufgabenstellung. Dabei ist sowohl eine Konzentration auf eine Stelle als auch eine dezentrale Gestaltung auf der festgelegten Fläche möglich.

Der Freistaat Bayern ist Auftraggeber und Bauherr dieses Vorhabens und wird durch das Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst vertreten; innerhalb des Ministeriums ist die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit verantwortlich. Die bauliche Planung und Realisierung erfolgt unter der Leitung des Staatlichen Bauamtes München 2, das auch Auslober des Verfahrens war. Der Direktor des Jüdischen Museums München sowie der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg begleiten die Landeszentrale bei der Realisierung des Projekts.

Die Kosten des Projektes trägt der Freistaat Bayern, er wird dabei in erheblichem Maße von der Bundesrepublik Deutschland, der Landeshauptstadt München, dem Internationalen Olympischen Komitee, der Foundation for Global Sports Development und dem Deutschen Olympischen Sportbund unterstützt.

 

Auswahlverfahren

 

Der Siegerentwurf des Büros Brückner & Brückner zeichnet sich in besonderer Weise dadurch aus, dass er einen Raum schafft, der mit der vorhandenen Landschaft in Interaktion tritt: Ein Schnitt durch den bestehenden Hügel schafft einen Ort des Innehaltens, der in unmittelbarem Bezug zum Tatort Connollystraße 31 steht. Der so entstehende geschützte Ort bietet gleichzeitig überzeugend den Rahmen für die Darstellung der Geschichte des terroristischen Anschlags und der Biografien der Opfer.

Die Arbeit öffnet ausreichend Spielraum für die weitere kuratorische Entwicklung. Der Entwurf gestaltet einen Erinnerungsort, in dem sich die Besucher auf die Opfer besinnen können. Er verbindet Konzentration und Kontemplation einerseits mit dem Moment der Irritation andererseits.

Der konzipierte Raum bietet ausreichend Fläche für Gruppen; die überdachte, atriumähnliche Konstruktion schafft eine Aura der Würde. Der Raum ermöglicht gleichzeitig durch seine Offenheit und seine Positionierung eine intensive Befassung mit den inhaltlichen Schwerpunkten des Konzepts: der politischen Dimension
Olympias, den Nachwirkungen des Attentats, dem internationalen Terrorismus und den deutsch-israelischen Beziehungen.

Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle: „Dies ist ein faszinierender Entwurf, der von Brückner & Brückner geschaffene Raum bietet Informationen in einer würdigen architektonischen Form.“

Generalkonsul des Staates Israel, Dr. Dan Shaham: „Der Raum schafft ein Zentrum, in dem sich Gruppen zusammen finden, sich aber auch individuell informieren können. Es ist ein definierter und dennoch freier Ort der Begegnung. Der Raum strahlt Würde aus, in ihm können sich die Besucher Zeit nehmen, um sichüber das Attentat, über die israelischen Sportler und auch den getöteten deutschen Polizisten zu informieren. Hierdurch wird ein tieferes Wissen über die Themen, die hier vermittelt werden, erreicht.“

 

Wertungskommission

 

Prof. Barbara Holzer, Architektin, Ausstellungsgestalterin, Zürich (Vorsitzende der Wertungskommission) | Minister of State Dr. Ludwig Spaenle, Bayerisches Staatsministerium für Bildung, Kultus, Wissenschaft und Kunst | MDirig Friedrich Geiger, Oberste Baubehörde München | RDin Sibylle Ludovisy, Bayerisches Staatsministerium für Bildung, Kultus, Wissenschaft und Kunst | Ltd. RD Werner Karg, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit | Dr. Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Stadt München | Prof. Dr.(I) Elisabeth Merk, Stadtbaurätin der Stadt München | Generalkonsul Dr. Dan Shaham, Generalkonsulat des Staates Israel in München | Prof. Wolfgang Lorch, Architekt, Saarbrücken | Stefan Behnisch, Architekt, Vertreter der Urheber Olympiapark, Stuttgart | Ltd. BD Gero Hoffmann, Staatliches Bauamt München 2 | Prof. Maria Auböck, Landschaftsarchitektin, München-Wien

 

Brückner & Brückner Architekten mit Dr. Winfried Helm

 

Bereits der Vater von Peter und Christian Brückner, Klaus-Peter Brückner (1939– 2011), gründete 1972 in Tirschenreuth ein Ingenieurbüro. Mit dem Eintritt der Söhne in den Jahren 1990 und 1996 erweiterte sich das Büro zum Architekturbüro Brückner& Brückner mit Standorten in Tirschenreuth und Würzburg.

Peter Brückner (*1962 in Tirschenreuth) studierte Architektur an der Technischen Universität München.
Christian Brückner (*1971 in Tirschenreuth) studierte Architektur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

Projekte Brückner & Brückner (Auswahl)
· B10 Bürogebäude Siemens AG, Nürnberg, 2012
· Bilder in der Landschaft. Neubau Himmelsleiter, Naturschutzgroßprojekt Waldnaabaue, 2010-2012
· Umbau und Generalsanierung des Zisterzienserinnen-Klosters, Waldsassen, 2001-2010
· Wie ein Fels. Neubau Granitmuseum Bayerischer Wald, Hauzenberg, 2002-2005

Dr. Winfried Helm ist Kulturwissenschaftler und leitet das kulturwissenschaftliche Büro „Theorie und Praxis“ in Passau.

 

Im Fokus: Erinnerungsort Olympia-Attentat in München

 
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© Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit   •   letzte Änderung am: 10.03.2015 13:35