Einsichten und Perspektiven. Bayerische Zeitschrift für Politik und Geschichte Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

Das zerrissene Dreiländereck „Bayern – Thüringen – Sachsen“:

Über die Bedeutung der einstigen Zonenränder für das wiedervereinigte Deutschland

Von Miriam Müller

 

Wachturm an der deutsch-deutschen Grenze, 1961
Foto: Aufnahme der Bayerischen Grenzpolizei

„Zur Unterbindung der feindlichen Tätigkeit […] Westdeutschlands und Westberlins wird eine solche Kontrolle an den Grenzen der DDR einschließlich der Grenze zu den Westsektoren von Groß-Berlin eingeführt, wie sie an den Grenzen jedes souveränen Staates üblich ist.“1)'Beschluss des Ministerrates der DDR vom 12. August 1961

„Die haben immer gesagt: antifaschistischer Schutzwall. Aber die ganze Sache war verkehrt herum gebaut. […] Die [Mauer] war so gebaut, dass von unserer Seite [der DDR] praktisch keiner rüber konnte. Aber von drüben [aus Westdeutschland] hätte alles rüberrollen können.“2)
Zeitzeugenbericht eines NVA-Grenzsoldaten über die Mauer in Berlin

 

Am 13. August 1961 startete unter der Einsatzleitung Erich Honeckers um Mitternacht die „Aktion X“. Der spätere Chef der DDR war zu diesem Zeitpunkt bereits ein wichtiger Mann im SED-Staat und seit 1958 als Sekretär des Zentralkomitees (ZK) zuständig für Sicherheitsfragen. Ziel der Aktion war es, entlang der Grenze durch Berlin eine Mauer zu errichten, um die Flüchtlingsexplosion von Ost- nach West-Berlin zurückzudrängen. Dafür veranlasste Honecker über 7.000 Mann der Nationalen Volksarmee (NVA) mit Panzern und Panzerfahrzeugen entlang der zukünftigen Mauer und um ganz Berlin herum in Stellung zu gehen. Die Staatsführung der DDR befürchtete zu diesem Zeitpunkt die Gegenwehr der Bevölkerung, konnte aber auch ein Eingreifen der drei Westalliierten USA, Großbritannien und Frankreich nicht ausschließen. Der Beginn der Bauarbeiten bedeutete gleichzeitig das Ende des alltäglichen Berliner Pendelverkehrs zwischen Ost und West mit über einer halben Million Menschen.3) Nicht wenige nutzten den letzten Tag vor der Schließung der Grenze, um mit der S-Bahn nach West-Berlin zu fliehen. Der Berliner Mauerbau mit Stacheldraht und Hohlblocksteinen markierte als pars pro toto den Abschluss der sich seit der Staatsgründung vollziehenden Abriegelung der DDR nach Westen. Denn auch die innerdeutsche Grenze wurde von der Ostsee bis zum Vogtland zwar ohne Mauer, aber nicht weniger unmenschlich ausgebaut, die Abwehrmechanismen immer engmaschiger, die Grenze immer undurchdringlicher. Entgegen der offiziellen Proklamationen der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) und ihrer Organisationen richteten sich die Grenzanlagen allerdings lediglich in zweiter Instanz gegen die Bedrohung der DDR von außen durch den ungeliebten Zwillingsbruder Bundesrepublik und seine Schutzpatrone im Westen.4) Hauptrichtung der Sicherungsmaßnahmen war das Staatsgebiet der DDR und ihre Kernaufgabe, die Verhinderung „unerlaubter Grenzübertritte“ aus Richtung des eigenen Staatsgebietes. Da in der DDR die für eine Urlaubsreise oder gar Auswanderung benötigten Reisepapiere nur selten gewährt wurden, bedeutete dies de facto die Inhaftierung eines ganzen Volkes. Das Sicherungssystem der SED entfaltete nun seine volle Effizienz durch Kontrolle, Überwachung und Abschreckung.

Markusgrün, Mai 1966
Foto: Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, Fotograf: Achim Kilian

Von diesem Monstrum technischer und personeller Sicherung ist im vereinten Deutschland – von unzähligen Mauerresten an historischer oder auch weniger historischer Stelle einmal abgesehen – lediglich das „grüne Band“ geblieben: Ein einzigartiger Naturschutzraum, der sich vom Priwall bis nach Prex erstreckt. In diesem Deutschland wächst nun eine junge Generation heran, die keine einzige passpflichtige Landesgrenze mehr überqueren muss, um zum Mittelmeer zu gelangen. Jugendlichen in Ost und West erscheint die Zeit der deutschen Teilung als ein Anachronismus, eine überkommene Vergangenheit, die sie nicht mit dem Hier und Jetzt verbinden können und wollen.5)

Dennoch ist von dieser Grenze mehr geblieben, als heute sichtbar ist: Entlang ihres Weges teilte sie nicht nur das Land, sondern vor allem die Menschen. Kolonnenweg und Stacheldraht zerrissen die Bande der über Jahrhunderte gewachsenen Kulturräume6) – wie zum Beispiel im Dreiländereck zwischen Bayern, Thüringen und Sachsen. Jenseits seiner politischen Grenzen war das dortige Gebiet durch Wanderungsbewegungen, zeitweilige territoriale Zusammengehörigkeiten und den gemeinsamen Naturraum wirtschaftlich und gesellschaftlich eng verbunden. Nun geht mit dem Aussterben der Zeitzeugen des einstigen deutschen Reiches auch die Erinnerung an diese überregionale Verflechtung verloren: Die Menschen sind sich über die Zeit fremd geworden.

„Himmelreich“ bei Heinersgrün, Mai 1966
Foto: Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, Fotograf: Achim Kilian

Eine Mehrheit in Ost und West sieht im Jahr 2009 nach einem seit 1990 andauernden Trend des Zusammenwachsens wieder mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zwischen Ost- und Westdeutschen.7) Auch über zwei Jahrzehnte nach dem Kitten der deutschen Einzelteile wird das Land im alltäglichen Sprachgebrauch zunächst nach Ost und West unterteilt und nicht, wie einst, nach Nord und Süd.

In der deutschen Geschichtswissenschaft wie auch in den Gesellschaftswissenschaften spielten und spielen Grenzen als Analysekategorie zumeist eine nachgeordnete Rolle.8) Doch insbesondere für die Geschichte der deutschen Teilung und ihre Auswirkungen auf das deutsche Zusammenwachsen müssen die Folgen von „Grenzziehung“ und dem Leben mit der Grenze zumindest mitgedacht werden. Der folgende Aufsatz will nun zu den Anfängen der Teilung der einstigen Kulturräume durch die innerdeutsche Grenze zurückkehren und den fortschreitenden Zerfall der regionalen Bindungen bis in die sechziger Jahre hinein exemplarisch nachzeichnen. Zunächst werden die geographischen, historischen und kulturellen Gemeinsamkeiten des heutigen Dreiländerecks Bayern – Thüringen – Sachsen herausgearbeitet, um die Kennzeichen des Kulturraums zu verdeutlichen. Die Bezüge zur ehemaligen Tschechoslowakischen Republik (CˇSR)9) können im Rahmen dieses Textes lediglich Erwähnung finden, wobei eine weitere Untersuchung jedoch vielversprechend scheint. Anschließend wird der Ausbau des Grenzregimes als das schrittweise Kappen aller Verbindungen der gemeinsamen Bezüge des Kulturraumes dargestellt. Zentral sind hierbei die Auswirkungen auf die historisch gewachsenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bindungen. Die Entwicklung von Grenzbefestigung und -kontrolle wird im Zusammenhang mit der politischen Entwicklung erfasst und die Auswirkungen des Berliner Mauerbaus auf die Grenzregion DDR –Bayern gesondert in den Blick genommen. Konkretes Beispiel der unmittelbaren Auswirkungen des Grenzregimes auf die Bevölkerung in der Region ist im Folgenden das Dorf Mödlareuth. Die Bewohner des kleinen Ortes hatten die Teilung auf besonders schmerzliche Weise erfahren müssen, da die Grenze die Dorfgemeinschaft über vierzig Jahre trennte und so Familien und Freunde voneinander fernhielt. Den Abschluss der Analyse bildet ein Ausblick auf die Auswirkungen der Zerstörung der historischen, grenzübergreifenden Kulturräume auf das wiedervereinigte Deutschland.

Siedeln und Leben in einem Kulturraum: eine gemeinsame Herrschafts- und Wirtschaftsgeschichte

Der Begriff des „Kulturraums“ beinhaltet ein interdisziplinäres und stark umstrittenes Konzept gemeinsamer Kennzeichen „zugleich kohärenter [und] in sich heterogener Räume“, die zwar in vielen Belangen verschieden, jedoch eng miteinander verbunden und in ständigem Austausch begriffen sind.10) Ursprünglich als Werkzeug der Anthropologie und Ethnologie entwickelt, wurde es durch die „Wissenschaft“ der Nationalsozialisten in der Argumentation ihrer Rassenideologie missbraucht. Seither überdauerte es im Bereich der Regionalstudien und -geschichte und erlebt nun in der Globalisierungsforschung seinen „zweiten Frühling“.

Erkenntnisgewinn verspricht das Konzept grenzübergreifender Kulturräume jedoch weiterhin besonders auf der regionalen Ebene, denn hier werden der Austausch von Menschen, Gütern und Ideen und seine Auswirkungen auf eine Region konkret begreifbar. Im Folgenden soll nun die Entstehung des Kulturraums im Dreiländereck Bayern –Thüringen – Sachsen überblickartig nachvollzogen werden. Der Fokus liegt dabei auf den Gemeinsamkeiten bzw. Verbindungen durch Geographie, Migration, Handel und Sprache.11)

Verbindungen jenseits der Territorialzugehörigkeit: ein gemeinsamer  Naturraum

Topographische Karten mit der inzwischen historischen Grenze zwischen Bayern und der DDR rufen die deutsche Teilung so ins Gedächtnis, wie sie vor allem der Wanderer zu Fuß in eindrucksvoller Weise erleben konnte: Vom nordwestlichen Bayern kommend endet ab 1952 der Weg durch die Rhön am Querenberg im Dreiländereck zwischen Bayern, Hessen und Thüringen vor den Sperranlagen der DDR. Auch durch das sich im Osten anschließende Grabfeld, im frühen Mittelalter Grenzgau der Franken, zieht sich die innerdeutsche Grenze. Heute reicht der thüringische Teil des Grabfeldes von der Werra bis zu den Städten Meiningen und Hildburghausen, der bayerische Teil gehört zu Unterfranken mit seinem regionalen Zentrum Bad Königshofen. Weiter nach Osten schließt sich in Bayern das Coburger Land an. Erst 1920 hatte der damalige Freistaat Coburg gegen den Beitritt zum Freistaat Thüringen gestimmt und damit den Weg für die Angliederung an Bayern geebnet. Selbst der Frankenwald, der sich auf bayerischer Seite über den Landkreis Kronach bis in den Hofer Kreis erstreckt, findet seine Fortsetzung auf dem Gebiet der einstigen DDR und geht in Richtung Thüringen ins Thüringer Schiefergebirge über. Bei Bad Steben im Landkreis Hof passiert die Saale, die im Fichtelgebirge bei Zell ihren Ursprung findet, die innerdeutsche Grenze, durchquert Jena, Naumburg und Halle, bis sie schließlich in die Elbe mündet.

Das heutige Thüringen und Sachsen liegen in einem von Erzgebirge, Thüringer Wald, Harz und Fläming umschlossenen Naturraum; beide Länder sind voneinander durch keine natürliche Grenze, sondern lediglich durch Territorialzugehörigkeit, Kultur und Mundart geschieden. Karlheinz Blaschke, einer der wenigen Regionalhistoriker der DDR, sieht Sachsen und Thüringen „im Laufe vieler Jahrhunderte mehr verbunden als getrennt“.

Dieser topographisch geschlossene und kulturell, gesellschaftlich und wirtschaftlich eng verbundene Raum sei dabei in seinen Außenbeziehungen „besonders auf die Verbindung nach dem Süden“,12) dem heutigen Bayern, orientiert gewesen. An dieser Stelle muss auf die von Bayern lange Zeit unabhängige politische Entwicklung des heutigen Nordbayern hingewiesen werden: Erst nach den napoleonischen Kriegen ein Teil Bayerns, wurde die Region über Jahrhunderte von „verwirrende[r] Vielfalt und Zersplitterung“13) geprägt. Der Raum entwickelte sich ohne größere, geschlossene Territorien mit starken Spannungen zwischen den wirtschaftlichen und religiösen Zentren Nürnberg, Bamberg, Würzburg und Ansbach. Die enge Verbindung zwischen Franken und dem heutigen Thüringen und Sachsen belegt auch Sebastian Münsters Kartenwerk, in dem das Gebiet Thüringen und Meißen bis nach Bamberg als geographische Einheit verzeichnet ist. Münster trägt damit vor allem den Lebensumständen der Menschen und ihren historisch gewachsenen Verbindungen, weniger den tatsächlichen politischen Gegebenheiten dieser Zeit Rechnung. Die einzelnen Gebiete des Dreiländerecks sind vor allem durch Siedlungsbewegungen kulturell eng verbunden, wie z.B. die große Zahl thüringischer Ortsnamen in Franken zeigt. Noch bis zum ersten Drittel des 6. Jahrhunderts n. Chr. erstreckte sich das thüringische Königreich von Magdeburg bis an die Donau und auch das „siedlungsfeindlich[e]“,14) dicht bewaldete Franken war von Thüringern besiedelt. 531 fiel das südliche Gebiet bis an die Unstrut an das Frankenreich. Im folgenden Jahrhundert siedelten sorbische Stämme aus Böhmen östlich der Saale im heutigen Thüringen und Fichtelgebirge, wie zahlreiche Ortsnamen in Nordostoberfranken belegen.15)

Die deutsche „Kleinstaaterei“ führte auch im Dreiländereck zu wiederholten Herrschafts- und somit auch Konfessions- und Zugehörigkeitswechseln der örtlichen Bevölkerung.

Fichtelsee bei Heinersgrün
Foto: Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, Fotograf: Achim Kilian

Zahlreiche politische und kirchliche Verbindungen entstanden in dieser Zeit mit und ohne räumlichen Zusammenhang: Im Frühmittelalter fand beispielsweise eine Ausdehnung herrschaftlicher Gewalt vom bayerischen Maingebiet bis nach Thüringen statt und bayerische Siedler zogen bis ins sächsische Vogtland. Das heutige Grenzgebiet Nordostbayern, Südwestthüringen und Südostsachsen unterstand vom 11. bis 16. Jahrhundert der Verwaltung der Vögte von Weida, Gera, Plauen und Greiz und bis heute wird vom bayerischen, thüringischen und sächsischen „Vogtland“ gesprochen.16) Sebastian Münster zeigt in seiner „Cosmographia“17) auf, dass der Begriff „Vogtland“ für die gesamte Region bis nach Franken hinein verwendet wurde: Den Raum zwischen Coburg, Kronach (Cronach) und Hildburghausen/ Schleusingen (Schleusung) bezeichnet er als „Voitland“. Die Besiedlung von Vogtland und Erzgebirge im 12. Jahrhundert erfolgte vorrangig durch Bauern aus Oberfranken. Ab 154718 begann mit der festen Etablierung des Kurfürstentums Sachsen auch die schrittweise territoriale Konsolidierung Sachsens. Gleichzeitig wurde mit dem Ernestiner Herzogtum und seiner Hauptstadt Weimar der Grundstein der politischen Eigenständigkeit Thüringens gelegt. Das fränkische Gebiet hingegen blieb politisch und deshalb auch konfessionell ein Flickenteppich. Die religiösen Vorstellungen Martin Luthers breiteten sich von Sachsen und Thüringen als „Ursprungsland der Reformation“ von Nürnberg19) über ganz Franken aus und führten zu seiner konfessionellen Durchmischung: Bis zur Angliederung des Gebietes an Bayern bestimmten die Herren der „ungeschlossenen Reichslande“ (lat. territoria non clausa20)) die Konfession ihres Landes und auch heute bildet der fränkische Raum mit einer, wenn auch kwnappen, protestantischen Mehrheit im katholischen Bayern noch immer einen konfessionellen Sonderfall.21)

Die Entwicklung der Infrastruktur und wirtschaftliches Zusammenwachsen

Bauarbeiten an der Saalebrücke bei Hof, September 1964
Foto: ullstein bild

Wie stark sich bereits vor Jahrhunderten der gewerbliche und wirtschaftliche Austausch zwischen Bayern, Sachsen, Thüringen und Böhmen intensivierte, zeigt ein Blick auf den Ausbau des Wegnetzes und der Handelsrouten. Ende des 15. Jahrhunderts verlief neben den reitenden Posten nach Prag aus Süden über Erding und aus Westen von Nürnberg über Waldmünchen lediglich ein weiterer reitender Posten von Bamberg, über Lichtenfels, Kulmbach nach Eger und weiter nach Prag.22) Richtung Leipzig und Dresden führten der Posten des Landsberger Bundes und ein reitender Posten von München über Nürnberg und Truppach. Ende des 18. Jahrhunderts waren diese Strecken aber bereits nicht nur alle als fahrende Posten, also mit befestigten Straßen ausgebaut, sondern unzählige weitere reitende Posten von Bayern gen Norden und Nordosten eingerichtet und zusätzliche fahrende Posten erschlossen. Diese Verbindungen hatten sich nach und nach durch die Wanderung von Siedlern und Kaufleuten entwickeln können, vorrangig aus der fränkischen Reichsstadt Nürnberg nach Norden und Nordosten: So bezeichnet Albert Herzog zu Sachsen die Nürnberger Kaufleute ab ca. 1450 als die „Vertreter fremder Kaufleute schlechthin“23) in der Messestadt Leipzig.24)

In Zusammenhang mit dem fränkischen Engagement in der Ober- und Niederlausitz sowie dem Bergbau im Erzgebirge fand ein reger wirtschaftlicher, aber auch personeller Austausch zwischen Franken und ganz Sachsen statt. In den folgenden Jahrhunderten setzte sich diese Entwicklung fort und in Thüringen, Sachsen, Nordböhmen und Oberfranken bildete sich ein geschlossener Wirtschaftsraum heraus.25)

Der Grenzübergang Saalebrücke bei Hof Anfang der siebziger Jahre
Foto: ullstein bild

Das erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts zu Bayern gehörige Oberfranken bezog seine Rohstoffe bis 1945 aus dem Norden und Nordosten und setzte den Hauptteil seiner gefertigten Konsumgüter innerhalb dieses mitteldeutschen Wirtschaftsraumes ab. So wurden Anfang des 19. Jahrhunderts beispielsweise 80 Prozent der Bierproduktion der Hofer Großbrauereien nach Sachsen und Böhmen geliefert.26) Die wirtschaftskulturelle Nähe wird z.B. im gemeinsamen Schwerpunkt Textil- und Keramikproduktion entlang der Achse der Städte Bayreuth, Hof, Plauen und Chemnitz deutlich.27) Mit fortschreitender Industrialisierung verteilten sich die Fertigungsstufen einzelner Produkte je nach Spezialisierung im gesamten Raum und erzeugten ein dichtes Beziehungsgeflecht wirtschaftlicher Abhängigkeiten.

Ausfluss des Austausches von Menschen und Waren: eine gemeinsame Sprache

„[D]enn das Menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache.“28)
Theodor Fontane (1819–1898)

Der bis heute lebendige Ausdruck der kulturellen Nähe entlang der einstigen Grenze zwischen Bayern und der DDR ist die Ähnlichkeit der Sprechweise. Trotz der hörbaren Unterschiede im Klang überwiegen die Gemeinsamkeiten in Lautfärbung und Ausdrucksweise im Dreiländereck. Wie Steger im ersten derart umfassenden Werk zu den Mundarten „im östlichen Franken“ belegt, liegt innerhalb der Verbindungslinien zwischen den Orten Eisfeld/Thüringen, Greiz/Thüringen, Selb/Oberfranken, Weißenburg/Mittelfranken und Uffenheim/Mittelfranken29) eine sprachliche Raumeinheit der Mundart Oberostfränkisch.

Von den südlichen Mundarten Unterostfränkisch und Nordbayerisch unterscheidet sich diese grundlegend. Nach Norden und Nordosten hingegen geht die Mundart des Oberostfränkischen fließend in die ostfränkischen Ausbaulandschaften Vogtland, Südmeißen, Westerzgebirge und Nordwestböhmen über.30) Zudem lassen sich für diese Sprachgebiete dialektale Überlappungen über die Landesgrenzen hinweg nachweisen, so zum Beispiel vom Thüringischen zum Oberostfränkischen: Nördlich von Kronach zwischen Haßlach und Ludwigsstadt ist im heutigen Bayern eine Form des Thüringischen erhalten geblieben.31) Weiterhin ist der Nailaer Raum in Franken sprachlich eng mit dem reußischen Raum in Thüringen verbunden.32) Als Ursachen für diese sprachliche Nähe nennt Steger den gegenseitigen Einfluss geographisch, politisch und kirchenorganisatorisch verbundener Räume auf die Entwicklung der Mundarten und Siedlungsbewegungen. Für einige Lautgruppen weist Steger zudem eine Ausdehnung der ostfränkischen Mundart bis nördlich von Schleiz nach33) und begründet dies mit der historischen Straße von Münchberg/ Helmbrechts über Hof nach Plauen.34) Die Nordfranken und Südthüringer, aber auch die Südostsachsen sprechen in mancherlei Hinsicht bis heute die „gleiche Sprache“.

Der „eiserne Vorhang“ senkt sich: das Absterben des Kulturraumes im Dreiländereck

Der historische Raum Nordostbayern – Südwestthüringen und Südostsachsen auf einer historischen Karte ca. aus dem Jahr 1885
Karte: Mapp. XI, 92 C–G, Bayerische Staatsbibliothek

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges senkte sich der so genannte „Eiserne Vorhang“35) in der Mitte Europas und riss das einstige „Dritte Reich“ in zwei Teile. Es war der Beginn eines weltweiten „Kalten Krieges“36) zwischen den „zwei Weltlagern“37) der östlichen und der westlichen Hemisphäre, der über vier Jahrzehnte andauern sollte. Bereits im Oktober 1943, noch während des Zweiten Weltkrieges, hatten die führenden alliierten Mächte USA, Großbritannien und die Sowjetunion die Eckpfeiler der Neuaufteilung des Deutschen Reiches bestimmt.38) Auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 unterzeichneten die Staatschefs der zukünftigen Siegermächte des Krieges, Winston Leonard Spencer-Churchill, Franklin Delano Roosevelt und Iosif Vissarionovič Stalin, schließlich den „Bericht über die Krim-Konferenz“: „Gemäß dem in gegenseitigem Einvernehmen festgelegten Plan werden die Streitkräfte der drei Mächte je eine besondere Zone Deutschlands besetzen.“39)

Mit diesen „Besatzungszonen“ entlang der Ländergrenzen der Weimarer Republik40) wurde auch die „Demarkationslinie“ zwischen Thüringen, Sachsen41) und Bayern festgelegt. Die dortige Grenze war bislang lediglich durch Grenzsteine markiert. Auf bayerischer Seite behielt sie diesen durchlässigen, ja lediglich symbolischen Charakter als Erinnerung an die Hülle der einstigen Fürstentümer im Dreiländereck bei. Gen Osten hingegen mutierte die Demarkationslinie über die Jahrzehnte zu einem perfiden Abwehrmechanismus des SED-Regimes.

Minensuche Anfang der sechziger Jahre
Foto: Bundesgrenzschutz

Im Sommer 1945 übergab die US-Armee unter General Patton das von ihr zum Großteil besetzte Sachsen, Thüringen und Westböhmen an die Sowjetarmee, die entsprechend bis an die bayerische Nord- und Ostgrenze heranrückte.42) Zu spüren war dies vor allem in den ober- und unterfränkischen Grenzgemeinden, denn dort lagerten die sowjetischen Vorposten in direkter Blickweite.

Ein anschaulicher Sonderfall ist das kleine Grenzdorf Mödlareuth, zur Hälfte in Bayern, zur Hälfte in Thüringen gelegen. Der Ort wurde im Sommer 1945 entgegen der Vereinbarung der Krimkonferenz in Jalta vollständig von der Roten Armee besetzt: Bereits 1810 war das Dorf entlang des Tannbachs geteilt und unterschiedlichen Herren, dem Königreich Bayern und dem Fürstentum Reuß, zugeschlagen worden.

Explosion einer Mine am Grenzzaun, Mitte der sechziger Jahre
Foto: Bundesgrenzschutz

Am Lebensalltag der Menschen hatte dies nichts geändert. Alle Mödlareuther, ob nun aus dem Ost- oder aus dem Westteil des Dorfes, hatten den gleichen Gottesdienst besucht, zunächst in Töpen, später in Gefell, hatten sowohl auf bayerischer als auch auf reußischer Seite gearbeitet. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg war der Osten des Dorfes Teil des Landes Thüringen, der Westen unter bayerische Verwaltungshoheit gestellt worden, so dass auch hier die Bestimmungen der Krimkonferenz hätten greifen müssen. Im April 1945 erreichten nun US-amerikanische Truppen Mödlareuth und besetzten den gesamten Ort, um sich im Juli gemäß den vereinbarten Besatzungszonen hinter die bayerische Grenze zurückzuziehen. Dabei räumten die Besatzer allerdings auch den Westteil Mödlareuths. Am 7. Juli übernahmen dann sowjetische Truppen den kleinen Ort und errichteten auf der bayerischen Seite ihre Ortskommandantur.

Bis zum Sommer 1946 war den Bewohnern Mödlareuths deshalb unklar, zu welcher der beiden Besatzungszonen sie künftig gehören würden. Erst ein Jahr später erfolgte der Rückzug der sowjetischen Soldaten aus West-Mödlareuth. Die US-Armee rückte bis an die Demarkationslinie entlang des Tannbachs und die Teilung der Dorfgemeinschaft war besiegelt.

In den ersten Jahren der Teilung von 1945 bis 1952 war die innerdeutsche Grenze noch nicht durchgängig befestigt und daher relativ durchlässig. Dennoch wurde sie von Beginn an von sowjetischen Truppen bewacht: In den ersten Monaten nach der bedingungslosen Kapitulation übernahmen die sowjetischen Besatzungstruppen die Grenzsicherung entlang der späteren innerdeutschen Grenze – so auch im Grenzgebiet von Thüringen und Sachsen. Nach dem Scheitern der gemeinsamen Verwaltung Berlins durch die Siegermächte wandelte sich die Zonengrenze zwischen SBZ und US-amerikanischer Zone von einer Verwaltungsgrenze zu einer politischen Zoll- und Wirtschaftsgrenze. Zunächst war der Grenzübertritt noch ohne größere Hindernisse möglich, jenseits der offiziellen Grenzübergänge jedoch illegal. Die Not der Nachkriegsjahre wurde in vielen Regionen durch kalte Winter und Missernten verschlimmert. Im Grenzgebiet des Dreiländerecks entstand in dieser Zeit ein reger Tauschhandel zwischen den Zonen, aber vor allem auch Schmuggel von Nahrungsmitteln, Kleidung und Waren des täglichen Bedarfs. Die „Grenzgänger“ dieser Zeit mussten jederzeit damit rechnen, von den Grenztruppen aufgegriffen oder unter Beschuss genommen zu werden. Nicht wenige junge Leute verschwanden spurlos.

Aus Nachbarn werden Feinde: der Aufbau von Deutscher Grenzpolizei und Bundesgrenzschutz

Grenzpatrouille des Bundesgrenzschutzes am sog. „Flandernzaun“ aus Stacheldrahtgeflecht, 1958
Foto: BGS Bayreuth

Bereits in den ersten Jahren bereiteten die Besatzerarmeen entlang der Demarkationslinie die Übernahme der Bewachung der Grenze durch einheimische Truppen vor. Rekrutiert wurde vorrangig im grenznahen Raum, so dass sich bald auf beiden Seiten vor allem diejenigen als Feinde gegenüberstehen mussten, die ihr Leben gemeinsam unter gleichen Bedingungen in der Region gelebt und die Grenze kaum als solche wahrgenommen hatten. Am 28. November 1946 veranlasste die Sowjetische Militäradministration (SMAD) die Aufstellung einer Deutschen Grenzpolizei (GrePo) und übertrug ihr als Sowjetische Kontrollkommission (SKK) am 10. Juni 1950 die Kontrollaufgaben an den Grenzkontrollpassierpunkten. Als Reaktion auf die Unterzeichnung des Deutschlandvertrages durch die Bundesrepublik wurde im Mai 1952 die Verordnung über „Maßnahmen an der Demarkationslinie“ erlassen. Noch zehn Tage zuvor war die Grenzpolizei dem jungen Ministerium für Staatssicherheit (MfS) unterstellt und das Ministerium somit durch die Verordnung ermächtigt worden, „strenge Maßnahmen“ der Grenzsicherung einzuleiten. Ihre Aufgabe war es, „Grenzverletzungen zu verhindern und aufzuklären, Grenzverletzer zu stellen“. Bereits ab 1956 wurde geplant, die Einsatzmöglichkeiten und -fähigkeiten der Grenzpolizei im militärischen Sinne zu erweitern: Die Deutsche Grenzpolizei sollte in der Lage sein, „nach militärischen Grundsätzen [zu] handeln und mit Teilen der Nationalen Volksarmee gemeinsam Handlungen durchführen [zu] können“.43) Organisatorisch wurde die Grenzpolizei deshalb ab 1961 zum „Kommando der Grenztruppen der Nationalen Volksarmee“ umgeformt und als Teil der Landesverteidigung entsprechend militarisiert.

Personell und organisatorisch blieben die Grenztruppen allerdings mit dem MfS verflochten: „Die Abteilung Aufklärung bei der Deutschen Grenzpolizei wird mit Wirkung vom 20. Mai 1959 dem Minister für Staatssicherheit in der operativen Anleitung und Kontrolle unterstellt.“44)

Bau der 700 Meter langen Betonsperrmauer, 1966
Foto: BGS Bayreuth

Der Dienst in der Grenzpolizei brachte zwar materielle Vorteile, jedoch auch extreme Einschränkungen des alltäglichen Lebens mit sich. Westreisen und entsprechend auch der Kontakt zu Personen, die regelmäßig in den Westen reisten, waren streng verboten. Gleiches galt für die Kommunikation zu den „Grenzern“ der Bundesrepublik. Die Angehörigen der Grenzpolizei waren der beständigen Überwachung durch Kollegen, Vorgesetzte, aber auch Untergebene ausgesetzt. Berichtet wurde über Unmutsäußerungen, DDR-kritische und „westfreundliche“ Aussagen. In einem Sonderbericht ist beispielsweise über die Äußerung eines Angehörigen der Grenzbereitschaft zu lesen: „Der Sperrenbau in Berlin und das Auffahren von Panzern besiegelt die Spaltung Deutschlands. Diese Maßnahmen zeigen die Schwäche der DDR.“45) Die Methode, über jede kritische Anmerkung Protokoll zu führen, wurde von allen staatlichen Organen angewendet. Die Angst vor Denunziation und den Folgen sollte die Linientreue der Staatsdiener garantieren.

Bis Mitte der sechziger Jahre wurden Auflagen und Überwachung der Grenztruppen immer weiter verstärkt, da insbesondere nach dem Bau der Berliner Mauer „Fahnenfluchten; schwere Grenzdurchbrüche und grobe Verstöße gegen die militärische Disziplin und Ordnung“46) innerhalb der Grenzpolizei stark anstiegen. Der Vergleich der jeweils zweiten Jahreshälfte 1960 und 1961 zeigt eine Verdopplung der Fahnenfluchten.

Holzbretterzaun mit Oberer Mühle in Mödlareuth, die im Rahmen der ersten Zwangsaussiedlungswelle abgerissen wurde, 1952
Foto: Friedrich Marx, Hof

Über 40 Prozent der Flüchtigen seien dabei „erst 1961 in die Grenztruppen eingestellt worden“. Dieser Umstand hatte eine Verschärfung der Überprüfung bei Neueinstellungen zur Folge, um Fluchtplänen den Weg nicht weiter über den Dienst bei den Grenztruppen zu ebnen. Die Grenzdurchbrüche aus den Reihen der Truppen wurde aus Sicht der Behörden vor allem auch dadurch begünstigt, dass die Grenzpolizisten bei Fluchtversuchen ihrer Kameraden „von der Schußwaffe […] überhaupt nicht Gebrauch“47) machen würden. Nicht auf ihre Kameraden zu schießen, sei ein Hinweis auf die „Schwäche“ ihrer „klassenmäßigen Erziehung“. In der Folge begannen im Grenzgebiet z.B. bei Meiningen und Suhl intensive „Parteiarbeit“ und ideologische Schulungen der Truppen, um ihre Loyalität zu sichern.

Ab dem 1. Juli 1945 übernahmen Soldaten der US-Army die Überwachung der Grenze zwischen Bayern und den Ländern Thüringen und Sachsen. Bereits jetzt wies die amerikanische Besatzungsmacht die bayerische Staatsregierung unter ihrem ersten Ministerpräsidenten nach dem Zweiten Weltkrieg, Fritz Schäffer, an, eine „Bayerische Landesgrenzpolizei“ einzurichten. Am 15. November wurde die „Anordnung über die Wiedererrichtung der Bayerischen Landesgrenzpolizei“48) erlassen und die ersten Kräfte als „Border Police“ eingestellt.

1947 wurde der Zollgrenzdienst als Spezialeinheit der Grenzpolizei zugeordnet. Ein Jahr später überließen die US-Streitkräfte der Landesgrenzpolizei die Verantwortung für die Grenzüberwachung, Passkontrolle und Gewährung der Sicherheit. Da nach der Gründung der Bundesrepublik und des Bundesgrenzschutzes (BGS) eigentlich der Bund für die Sicherung der Grenze zuständig war, wurde der bayerischen Grenzpolizei im Februar 1953 die Aufgabe des Grenzschutzes offiziell vom Bund übertragen. Diese beinhaltete in erster Linie den Schutz des Bundesgebietes vor „verbotene[n] Grenzübertritte[n]“.49) Die von den westdeutschen Truppen angewandte Grenzpraxis orientierte sich insbesondere in den ersten beiden Jahrzehnten stark am Vorgehen der US-Truppen. Beispielsweise erinnerte die Markierung des Grenzverlaufes auf bayerischer Seite in den Farben Gelb und Weiß bis Mitte der siebziger Jahre an die nach dem Zweiten Weltkrieg in Bayern stationierte 7. US-Armee. Auch ehemalige Beobachtungspunkte der US-Truppen, wie zum Beispiel der Beerberg bei Rodach im Landkreis Coburg, wurden von deutschen Grenzern weiter genutzt. Im Vergleich zur GrePo war der BGS weit weniger militarisiert, waren die Privilegien zwar an Verfassungstreue, nicht jedoch an Untertanenmentalität gekoppelt. Auslandsreisen waren für die Grenzbeamten der Bundesrepublik eine Selbstverständlichkeit.

Vom Provisorium zur Staatsgrenze: die „Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie“50) von 1952

Der 1952 von der SED verkündete „Aufbau des Sozialismus“ beinhaltete auch eine administrative Neugliederung mit dem Ziel, den jungen Staat zu zentralisieren. Während auf bayerischer Seite die Regierungs- und Verwaltungseinheiten über die Jahrzehnte grundsätzlich erhalten blieben, wurden im Juli 1952 die Länder der DDR aufgelöst. Die Grenzländer zu Bayern waren nicht mehr Thüringen und Sachsen, sondern erhielten als Bezirke Suhl, Gera und Karl-Marx-Stadt ein neues Gewand. Auf bayerischer Seite schlossen in den heutigen Regierungsbezirken Unter- und Oberfranken die Landkreise Rhön-Grabfeld, Haßberge, Coburg, Kronach und Hof an die DDR an. Bis 1952 blieben an der Nordgrenze Bayerns verschiedene Übergänge im Güterverkehr eingerichtet, wie beispielsweise zwischen Neustadt im Landkreis Coburg und Sonneberg in Thüringen.

Seit der Gründung der beiden deutschen Staaten 1949 stieg die Zahlen derer, die die DDR nach Westen in die Bundesrepublik verließen, stetig an – bis zum Erlass der „Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie“ im Mai 1952. Diese Maßnahmen bewirkten den Ausbau der Grenzanlagen und die Schließung eines Großteils der Grenzübergänge für Güter- und Personenverkehr.

Grenzverlauf Bayern–DDR51)
Abbildung: Ministerium für innerdeutsche Beziehungen (Hg.): Die innerdeutsche Grenze, Bonn, 1989 nachbearbeitet v. Miriam Müller

An der Grenze zu Bayern wurden bereits im Herbst 1951 die Übergänge Gutenfürst-Heinersgrün an der Autobahn, Höhnebach und Probstzella-Lauenstein (Landkreis Kronach) geschlossen und durch einen einzigen neuen Grenzübergang, den „KPP Juchö“, südlich von Gefell in der Nähe des bayerischen Töpen52) ersetzt. Es folgte die Umleitung des gesamten Interzonenverkehrs auf die „Strasse Juchö-Gefell-Schleiz“. Die historischen Handelsrouten wurden auf beiden Seiten der Grenze zur Sackgasse.

Das Ende wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Bindungen

Der Hofer Hauptbahnhof, seit 1848 eine der „Schaltstellen im europäischen Bahngüterwesen“,53) fand sich nun infrastrukturell nicht mehr im Zentrum Kontinentaleuropas, sondern am östlichen Rand des innerdeutschen Grabens wieder.

Die einstige Textilmetropole litt unter den zusätzlichen Frachtkosten des Transportumweges nach Norddeutschland und der Westverschiebung der Handelsrouten von Italien an die Nord- und Ostsee. Bis heute verharrt Hof deshalb in lediglich lokaler Bedeutung. Die drastischen Auswirkungen der Schließung der Verkehrswege werden beispielsweise auch bei den Personenverkehrsbetrieben deutlich: Anfang der fünfziger Jahre wurde noch regelmäßiger Omnibusverkehr zwischen z.B. Erfurt und Coburg oder Plauen und Hof angeboten. Für die heute 30 km weite Strecke zwischen Plauen und Hof entlang der A72 bedeutete der Umweg über Juchö eine Verdopplung der „kilometrische[n] Länge der Fahrstrecke“.54) Während die andere Stadt heute in etwa einer halben Stunde zu erreichen ist, dehnte sich die Fahrzeit mit Grenzkontrolle nun auf etwa vier Stunden aus. Geschäftsreisen, aber auch private Besuche wurden immer beschwerlicher und die immer weiter verschärften Kontrollvorschriften von Grenzpolizei und Zoll behinderten zusätzlich den Austausch von West nach Ost. Für die einander benachbarten „Puppenstädte“ Neustadt bei Coburg in Bayern und Sonneberg in Thüringen läutete die Verordnung das Ende ihrer über Jahrhunderte gewachsenen Position auf dem weltweiten Spielzeugmarkt ein. Bis 1945 waren beide Städte infrastrukturell und personell Teil des Wirtschaftsraums Südthüringen. Die Abriegelung verursachte einen Einbruch von Produktion und Absatz, von dem sie sich bis heute nicht haben erholen können. Von der Regionalplanung Oberfranken als gemeinsames Mittelzentrum der Region ausgewiesen, haben Neustadt und Sonneberg dennoch weiterhin mit beständigem Einwohner- und vor allem Erwerbstätigenverlust zu kämpfen.55) Dies ist exemplarisch für die gesamte Grenzregion entlang der einstigen Grenze zwischen Bayern und der DDR.56)

Blick von Westmödlareuth nach Ostmödlareuth, damals ...
Foto: Arndt Schaffner

Bis zum Mai 1952 war es auch in Mödlareuth noch möglich, mit Passierschein und „kleinem Grenzschein“ den Tannbach zu überqueren. Mit dem Schließen des Übergangs änderte sich das Leben der Menschen von Grund auf, so zum Beispiel für die Schulkinder. Seit Kriegsende hatten alle Mödlareuther Kinder die Schule in Ost-Mödlareuth besucht. Entsprechend mussten die Schüler aus dem bayerischen Teil täglich die Demarkationslinie passieren.

Nach der Flucht der Ost-Mödlareuther Lehrerin Pribl nach Bayern 1948 wurde der Schulbetrieb in Mödlareuth eingestellt und alle Schüler wanderten täglich zwei Kilometer nach Gebersreuth in Thüringen zur dortigen Schule. Auch nach Gründung der beiden deutschen Staaten passierten die West-Mödlareuther Kinder weiterhin täglich ohne Passierschein die Demarkationslinie auf ihrem Weg dorthin. Die „Verordnung“ von 1952 setzte dem nun ein Ende: Dem letzten bayerischen Schüler Siegfried Seidel wurde am 26. Mai, zwei Monate vor seinem Schulabschluss, der Weg zur Schule in Gebersreuth verwehrt. Wie alle anderen Schüler aus West-Mödlareuth war er nun Schüler der Volksschule im bayerischen Töpen.

... und heute
Foto: Miriam Müller

Im Zusammenhang mit der „Verordnung“ fand entlang der gesamten innerdeutschen Grenze eine Überprüfung der Grenzbewohner auf ihre politische Zuverlässigkeit hin statt. Eine negative Beurteilung z.B. durch die Staatssicherheit führte zur Zwangsaussiedlung ins Landesinnere oder aber in das polnische Grenzgebiet.

Bis zum Herbst 1952 mussten über 2.400 Familien ihre Heimat unweit der Grenze verlassen. Auch in den Kreisen der DDR an der Grenze zu Bayern führten MfS und Volkspolizei Umsiedlungsmaßnahmen unter dem Decknamen „Aktion Ungeziefer“57) durch.

Einige betroffene Familien begingen Selbstmord, da sie eine Aussiedlung bzw. Verbannung in die Sowjetunion fürchteten. Insgesamt waren in den sächsischen Grenzkreisen zu Bayern etwa 400 und in den thüringischen Grenzkreisen gut 1.700 Personen betroffen. Grundlage der Deportationen war nicht selten lediglich die Denunziation, das „Anschwärzen“ durch Nachbarn oder ortsansässige Vertreter der SED bei den zuständigen Behörden. Die eigentlichen Aussiedlungsaktionen führten Volkspolizisten durch, die oft erst in der Nacht der Aktion vom Ziel der Maßnahme unterrichtet wurden.

Die Zwangsausgesiedelten wurden mit Hab und Gut auf Züge verladen und an unbekannte Ziele ins Landesinnere verbracht. Auch einige Familien in Mödlareuth waren betroffen. Die Bewohner der so genannten „Oberen Mühle“ in Ost-Mödlareuth konnten im letzten Augenblick fliehen, denn das Stallgebäude ihres Hofes liegt direkt auf der Grenze. Während die Polizei bereits im Hof auf die Familie wartete, gelang den Eltern und ihren Kindern der Sprung aus den Scheunenfenstern in die Bundesrepublik.

Entlang der gesamten innerdeutschen Grenze wurde nun ein erster Stacheldrahtzaun errichtet und ein etwa zehn Meter breiter Kontrollstreifen angelegt. Darüber hinaus schufen die Grenztruppen einen 500 Meter breiten „Schutzstreifen“ und eine fünf Kilometer tiefe Sperrzone. Wie für Hunderte anderer Dörfer galten für die Ost-Mödlareuther die Vorschriften dieser Sperrzone. Doch da hier die Menschen unmittelbar an der Grenze im „Schutzstreifen“ lebten, waren die Maßnahmen bereits ab diesem Zeitpunkt im Vergleich zum Rest der „grünen Grenze“ verschärft. Außerhalb des Dorfes entsprach der Zehn-Meter-Kontrollstreifen den Grenzsperranlagen der restlichen innerdeutschen Grenze. Im Dorf jedoch zogen die Grenztruppen der DDR einen blickdichten Bretterzaun entlang des Tannbachs. Von nun an fand das tägliche Leben der Ost-Mödlareuther in politisch vorgegebenen, engen Bahnen statt. Übernachtungen unter freiem Himmel oder im Zelt, unangemeldete Zusammenkünfte oder das „Winken nach Drüben“ verbot die SED.

Um im „Schutzstreifen“ wohnen zu können, wurde eine Wohnerlaubnis benötigt, die regelmäßig, in den ersten zwanzig Jahren sogar alle drei Monate, verlängert werden musste. Eine Verlängerung erfolgte nur nach regelmäßiger Überprüfung. Galt ein Bewohner des Grenzstreifens als „fluchtgefährdet“ oder politisch unzuverlässig, drohte ihm die Zwangsaussiedlung ins Hinterland der DDR.

Wie auch die Angehörigen der Grenztruppen waren die Bewohner des „Schutzstreifens“ der beständigen Überwachung durch Parteigänger, Angehörige der Grenztruppen und Nachbarn ausgesetzt. In einer Sonderinformation der Deutschen Grenzpolizei von 1960 hieß es über einen Bürger aus Rustenfelde im Grenzgebiet Kreis Suhl, er habe in einer Gastwirtschaft erklärt: „Wir leben wie unter Hitler, unter der gleichen Diktatur.“58) Doch auch und besonders Mitglieder der SED im Grenzstreifen wurden überwacht. Die Stammtischrede eines Parteisekretärs im Kreis seiner Freunde wurde genau dokumentiert: „In der Partei werde ich nicht mehr mitarbeiten, weil meine westdeutschen Verwandten keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen.“59)

Die „Maßnahmen des 13. August 1961“: der Berliner Mauerbau und die innerdeutsche Grenze

Während die meisten Menschen bis zur „doppelten deutschen Staatsgründung“60) 1949 trotz des Zusammenschlusses der Westzonen 1946/47 von einer baldigen Lockerung der Passierregelungen zwischen Ost und West ausgingen, hatte sich die Situation in den Folgejahren drastisch geändert. Spätestens mit der Errichtung des Grenzregimes auf Seiten der DDR ab 1952 und den in diesem Zusammenhang durchgeführten Zwangsaussiedlungen wurde der Bevölkerung auf beiden Seiten der neuen Grenze klar, dass der Zustand der Trennung von Dauer sein würde. Als Reaktion auf die Lebensumstände in der sich nun nach und nach entfaltenden Diktatur in der DDR entschieden sich immer mehr, vor allem junge Menschen zur Flucht. Unter dem Konformitätsdruck der Parole „Aufbau des Sozialismus“61) blutete der Staat zusehends aus – nicht nur personell, sondern auch moralisch.

Die „Erhöhung der Sicherheit an der Staatsgrenze West“ war deshalb beständiges Thema der Sicherheitsorgane und nach dem Volksaufstand des 17. Juni 1953 wurden die Anforderungen an die Menschen, die im „Schutzstreifen“ entlang der innerdeutschen Grenze lebten, sogar noch weiter verschärft.

Das DDR-Passgesetz von 1954 führte die Republikflucht als Straftatbestand ein, ab 1957 zählte hierzu auch die Nichteinhaltung vorgeschriebener Reiseziele, Reisewege und Reisefristen. Von westlicher Seite existierten seit der Aufhebung des Interzonenpasszwanges hingegen keinerlei Reisebeschränkungen mehr. Trotz des weiteren Ausbaus der Sperranlagen entlang der innerdeutschen Grenze und der Grenze durch Berlin gingen – entgegen der Hoffnung der SED – die Flüchtlingszahlen in den fünfziger Jahren jedoch nicht zurück, vielmehr dynamisierte sich die Entwicklung: Viele Menschen befürchteten eine weitere Verschlechterung ihrer Lebenssituation. Insgesamt wurden im ehemaligen Thüringen im Jahr 1960 „179 Fälle [von Grenzdurchbrüchen, M.M.] mit 275 Personen“62) vor allem durch „LPG-Bauern mit Vieh, Fahrzeugen und Hausrat“ von DDR-Gebiet nach Bayern durch die Grenzpolizei gemeldet. Ein Großteil der Grenzdurchbrüche wurde von den Truppen allerdings weder verfolgt noch registriert, wie z.B in einem Protokoll der 2. Grenzbrigade (Grenze Raum Berlin) vom November 1961 zu lesen ist.63) Von Juli bis August 1961 stieg die Zahl der Flüchtlinge aus West-Berlin von 1.000 auf über 1.500 täglich. Um den Zusammenbruch der DDR und somit das Ende der Macht der SED zu verhindern, überzeugte Walter Ulbricht, Generalsekretär des ZK der SED und somit „Chef der DDR“, Moskau schließlich davon, die Grenze zur Bundesrepublik vollständig abriegeln zu dürfen. Die SED errichtete eine Mauer quer durch die Drei-Millionen-Stadt Berlin.64)

An der innerdeutschen Grenze waren die Flüchtlingszahlen im Sommer 1961 zwar relativ konstant65) geblieben. Dennoch folgt dem Berliner Mauerbau nach und nach auch die Verdichtung und Modernisierung der bestehenden Abwehrmaßnahmen von der Ostsee bis ins Dreiländereck. Bis Mitte der sechziger Jahre mutierte die einstige Demarkationslinie zur bestbefestigten Grenze der Welt. Wie drastisch sich die endgültige Abriegelung der Grenze auf die Menschen und die Wirtschaft in der Grenzregion auswirkte, ist nur schwer zu beurteilen. Aussagen über einzelne Kreise hinaus werden den regionalen Unterschieden und Bezügen meist nicht gerecht. Deutlich wird allerdings, dass der Ausbau der Grenze überall zu häufig untragbaren Situationen für die Bewohner sowie für landwirtschaftliche und industrielle Betriebe im „Schutzstreifen“66) der DDR führte. Beispielsweise wurden in Dorndorf nahe Bad Salzungen Teile der Anlagen des Kalikombinates „Werra“ von der Geschäftsleitung abgetrennt. Im „Schutzstreifen“ gelegen, waren sie für die Arbeiter an einem normalen Arbeitstag aufgrund von Umwegen und Wartezeiten an den Passierpunkten nicht mehr zu erreichen und deshalb nutzlos. Vollständig aufgehoben wurden die Auflagen für die von solchen Absurditäten Betroffenen, die sich sowieso nur noch innerhalb der DDR bewegen konnten, dabei so gut wie nie. Als Lösung wurden meist einzelne Sondergenehmigungen erteilt, die zwar z.B. eine Anfahrt der Arbeiter zu ihrem Arbeitsplatz möglich machten. Der Verwaltungs- und Zeitaufwand verursachte dabei jedoch weiterhin unverhältnismäßig hohe Kosten.

Infrastrukturell waren alle Dörfer entlang der Grenze untereinander und grenzübergreifend eng verflochten. Vor 1945 hatte täglich ein reger Austausch an Gütern und Nachrichten von Sachsen und Thüringen nach Bayern stattgefunden. Die Menschen waren in den nahe gelegenen Ortschaften ihrer Arbeit nachgegangen, hatten die Schule, den Gottesdienst oder den Wochenmarkt in einem der Dörfer jenseits dieser neuen Grenze besucht. Die Region zu beiden Seiten der Zonengrenzen wurde in ganz Deutschland von der Behinderung des Austauschs und der späteren völligen Abriegelung zwischen Ost und West stark beeinträchtigt.

Die Landwirte litten besonders unter dem erschwerten Zugang zu ihren Feldern bzw. konnten diese häufig überhaupt nicht mehr bestellen.67) Die Auflagen von Seiten der DDR wurden immer detaillierter und schwieriger zu erfüllen. Die Menschen reagierten mit Ablehnung und Unwillen. Beispielsweise zeigten sich die Bewohner der Grenzkreise im Süden Thüringens unter Aufsicht der 3. und 4. Brigade unzufrieden und galten als besonders „fluchtgefährdet“.68) Im Kreis Sonneberg erließ der örtliche Kommandeur 1960 deshalb, dass „ganze Familien nicht mehr geschlossen Feldarbeiten im 500-m-Gebiet durchführen dürfen“ und „Fuhrwerke, mit denen Ackergerät mitgeführt wird, 300 Meter vor dem 10-m-Kontrollstreifen so aufzustellen sind, daß die Deichsel in Richtung DDR steht“.69) Vor Ort wurden die Vorgaben noch zusätzlich erweitert: „Das Mitnehmen von Kindern in das 500-m-Gebiet bei Feldarbeiten“ war grundsätzlich verboten. Durch derartige Vorgaben kam die Landwirtschaft im Schutzstreifen beinahe völlig zum Erliegen.

Doch nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem auch sozial waren die Grenzdörfer in nur schwer nachvollziehbarem Ausmaß beeinträchtigt. Der im Juni 1952 durch Mödlareuth errichtete Bretterzaun wurde bereits 1958 durch einen so genannten „Flandernzaun“ aus Stacheldrahtgeflecht und Holzpfählen ersetzt, der keinen Zweifel mehr an der Brutalität und Unmenschlichkeit der Teilung des Dorfes ließ. Als Reaktion auf den Beginn des Mauerbaus in Berlin wurde ein „verbesserter“, mit Betonpfeilern verstärkter Stacheldrahtzaun errichtet und in den Folgejahren um weitere Stacheldrahtreihen ergänzt. 1964 konnten die Mödlareuther einen letzten Blick „nach drüben“ werfen, bevor eine Plattenwand aus Beton- und Holzelementen wieder jeden Sichtkontakt beendete. Zwei Jahre später erfolgte die Wiedergeburt des kleinen Grenzdorfes Mödlareuth als „Little Berlin“: Bäume wurden gefällt, Höfe abgerissen und der Ort mit weniger als hundert Einwohnern erhielt seine eigene „Mauer“, 700 Meter lang, 3,30 Meter hoch.70) Ein Treffen von Ost- und West-Mödlareuthern konnte deshalb während der nächsten Jahrzehnte nur im Hinterland der DDR stattfinden und die Familien, die in „Little Berlin“ nur einen Steinwurf von einander entfernt lebten, mussten Reisen von mehreren Stunden einplanen, um sich von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Die Besuche sind selten und kurz und wie allen anderen Grenzlandbewohnern ging es auch der einstigen Mödlareuther Dorfgemeinschaft: Sie wurden einander fremd.

Innere Einheit und die Heilung der Kulturräume

Die in historischen Karten und Bildern ländliche, aber als lebendig beschriebene Gegend im Norden Bayerns erscheint dem Besucher heute vielerorts verschlafen, im Dreiländereck sogar menschenleer. Für die nachgeborene Generation aus Ost und West ist dies das Echo der Grenzanlagen am „Ende der Welt“. Für sie ist die Zeit der Teilung eine Nacherzählung ferner Vergangenheit.

Geblieben sind die Holzschnitte der gegenseitigen Zuschreibungen zwischen Ost und West wie „Jammerossi“ und „Besserwessi“.71) Die zuvor in Jahrhunderten gewachsenen überregionalen Verbindungen sind den Jugendlichen allerdings völlig fremd – denn auch ihre Eltern haben an das gewachsene Deutschland keine Erinnerungen mehr. Fälschlicherweise wird in Diskussionen zur deutschen Vereinigung „innere Einheit“ häufig als Gleichheit von Einstellungen, Orientierungen und Mentalitäten in ganz Deutschland verstanden. Dabei ist Deutschland als die „verspätete Nation“72) nicht nur als alte, sondern auch als neue Bundesrepublik vor allem historisch gewachsener Föderalstaat. Mit seinen stark ausgeprägten, regionalen Unterschieden soll und kann das wiedervereinigte Deutschland kein „Einheitsstaat“ sein. Sich diese Einheitlichkeit zu wünschen, wie sie auch vor der Teilung nie bestanden hat, ist ein wenig sinnvolles Unterfangen. Mit dem in diesem Aufsatz vorgestellten Fokus auf die ehemalige Grenzregion entlang der einstigen innerdeutschen Grenze zwischen Bayern und der DDR wird jedoch deutlich, dass die Grenze zwar nicht die Kultureinheit Deutschlands teilte, da diese so nie existiert hatte. Doch teilte sie gewachsene Kulturräume, die einmal weit mehr verband als nur die Durchfahrt zum Beispiel auf dem Weg nach Berlin oder München.

Öffnung des Grenzübergangs Mödlareuth, 9. Dezember 1989
Foto: Alfred Eiber, Hof

Die Auswirkungen der Teilung auf diese Kulturräume sind zahlreich und deutlich. Was zuvor nicht nur im engen Austausch stand, sondern häufig sogar eine Einheit bildete, wurde mit der Grenzziehung durch Deutschland zerrissen und entwickelte sich nun zwangsläufig getrennt. Der Einfluss der umliegenden Region erfolgte in Nordbayern nur noch einseitig von Westen. Auf thüringischer und sächsischer Seite der Grenze waren die Menschen zusätzlich in ihrem eigenen Land ein Sonderfall: Die Einflüsse aus dem Hinterland der DDR wurden durch die Bestimmungen für den „Schutzstreifen“ gefiltert. Weiterhin unterlag die gesamte Bevölkerung der DDR im SED-Staat de facto einem „Freizügigkeitsverbot“,73) das zur Grenze hin immer engmaschiger gefasst war. Die konkreten Folgen für die Menschen werden in Ansätzen im Grenzdorf Mödlareuth sichtbar. Nicht allein, dass die Mödlareuther nur noch auf einer Seite der Grenze ihrer Arbeit nachgehen konnten. Auch eine Heirat „nach drüben“, zuvor ein Normalfall, war nicht mehr möglich und es entstanden keine neuen familiären Verbindungen zwischen beiden Dorfteilen oder den umliegenden Ortschaften.

Der Blick aus dem Dorf in Richtung des (heute abgebauten) Beobachtungsturms
Foto: Miriam Müller

Kulturell erinnert besonders der Verlust einer gemeinsamen Sprache schmerzhaft an die Trennung der Mödlareuther. Das Reußische, ein Thüringer Dialekt, ist beinahe vollständig ausgestorben. Diese Mundart wird heute nur noch in Ost-Mödlareuth von den Ältesten der Dorfgemeinschaft gesprochen.

Alle übrigen Ost-Mödlareuther sprechen den Dialekt des thüringischen Umlandes und im Westen des Ortes hat sich das Ostoberfränkische durchgesetzt. Stattet man dem Mödlareuther Wirtshaus im Osten des Dorfes einen Besuch ab, sprechen die Mödlareuther beim Freitagsstammtisch im „Grenzgänger“ wieder miteinander – doch nur ungern über das Vergangene und nie über die Mauer.74)

 

Dokumentation der ehemaligen Grenze im Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth
Foto: Andreas Kolitsch

Die „doppelte deutsche Staatsgründung“, das monströse Grenzregime und vierzig Jahre der geradezu hermetischen Abriegelung der DDR-Bevölkerung nach Westen führten zur Herausbildung unterschiedlicher Erinnerungen und Mentalitäten75) der Menschen in Ost und West. Im gleichen Atemzug zerschnitt die deutsche Teilung über Jahrhunderte gewachsene regionale und landsmannschaftliche Bindungen und Bezüge. In der DDR verdrängte, ersetzte und erstickte der „Aufbau des Sozialismus“ die regionale Kultur und löschte die gewachsenen Gemeinsamkeiten beinahe vollständig aus. Entsprechend muss in der Diskussion um das Zusammenwachsen Deutschlands der gesamtdeutsche Blick besonders auf die einstigen Wundränder der deutschen Teilung gerichtet und an die gemeinsame Geschichte der regionalen Kulturräume erinnert werden. Denn erst wenn sich die Menschen dort wieder zusammenfinden, wo die Trennung der Deutschen ihre tiefsten Spuren hinterlassen hat, ist die Teilung tatsächlich überkommene Vergangenheit.

Miriam Müller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den internationalen Beziehungen deutscher Außenpolitik und Außenpolitikgeschichte sowie der Geschichte des Kalten Kriegs und der deutschen Teilungs- und Grenzgeschichte.

 

Fußnoten

1 Beschluss des Ministerrates der Deutschen Demokratischen Republik vom 12. August 1961, in: Neues Deutschland vom 13.08.1961, Nr. 222, S. 1.

2 Zeitzeugenbericht eines Grenzsoldaten im Berlin-Stadtführer „Die Mauer entlang. Auf den Spuren der verschwundenen Grenze“, Berlin 1996, S.106, nach: Edgar Wolfrum, Die Mauer. Geschichte einer Teilung, München 2009, S. 78f.

3 Nach: Hans-Hermann Hertle, Chronik des Mauerfalls. Die dramatischen Ereignisse um den 9. November 1989, Berlin 2009, S. 20.

4 Vgl. Beschluss des Ministerrates der Deutschen Demokratischen Republik vom 12. August 1961, in: Neues Deutschland vom 13.08.1961, Nr. 222, S. 1.

5 Dies wurde in über 50 Klassengesprächen mit Schülerinnen und Schülern der 8. bis 10. Jahrgangsstufe aller Schulformen aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bayern zur aktuellen Studie des Forschungsverbundes SED-Staat „Kenntnisse, Bilder, Deutungen – das zeitgeschichtliche Bewusstsein Jugendlicher in Deutschland“ von Januar bis Oktober 2010 deutlich.

6 Begriffsverwendung nach: Gerhard Wolf, Formationen, Transformationen und Interaktionen von Kulturräumen in historischer Perspektive, Research Perspectives of the Max-Planck-Society 2010: Cultural Spheres, in: http://perspectives.mpg.de/75728/hm04_Cultural Spheres-basetext.pdf (Stand: 21.12.2010)

7 Vgl. Klaus, Schroeder, Das neue Deutschland, Berlin 2010, S. 54.

8 Vgl. Hans Medick, Grenzziehungen und Herstellung des politisch-sozialen Raumes. Zur Begriffsgeschichte und politischen Sozialgeschichte der Grenzen in der Frühen Neuzeit, in: Monika Eigmüller/Georg Vobruba (Hg.), Grenzsoziologie. Die politische Strukturierung des Raumes, Wiesbaden, 2006, S. 38f.

9 Ab 1960 Tschechoslowakische Sozialistische Republik (CˇČSSR).

10 Wolf (wie Anm. 6), S. 1.

11 Auf die Verbindungen im Bereich der bildenden und darstellenden Kunst kann aufgrund des Textumfangs leider nicht eingegangen werden.

12 Karlheinz Blaschke, Politische Geschichte Sachsens und Thüringens. Hefte zur Bayerischen Geschichte und Kultur, Bd. 13, München 1991, Einleitung.

13 Peter Claus Hartmann: Bayerns Weg in die Gegenwart. Vom Stammesherzogtum zum Freistaat heute, Regensburg 1989, S. 142.

14 Ebd., S. 75.

15 Vgl. z.B. Reinhard Höllerich, Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Oberfranken Band 3: Rehau – Selb, München 1977, S. 21–26.

16 Jörg Maier, Universität Bayreuth (Hg.), Das geographische Seminar Spezial. Exkursionsführer Oberfranken, Westermann Verlag, Braunschweig 2007, S. 286.

17 Sebastian Münster, Cosmographia oder Beschreibung der gantzen Welt, Faksimile nach dem Original von 1628, Lindau 1984.

18 In der Schlacht vom Mühlberg 1547 gelingt dem Albertiner Moritz die Wiederherstellung der Einheit wettinischen Länder und er erringt die Kurwürde für sich. Vgl. Blaschke (wie Anm. 12), S. 23f.

19 In Franken hatte die Reformation in Nürnberg ihren Ursprung und wurde seit 1527 vor allem durch Markgraf Georg von Ansbach-Kulmbach verbreitet.

20 Vgl. Medick (wie Anm. 8), S. 41.

21 Die Annahme, dieses Verhältnis sei durch den Zuzug der Vertriebenen nach 1945 zu Gunsten der Protestanten verschoben worden, ist nachweislich falsch. Die Konfessionsverhältnisse der Einheimischen entsprechen beinahe denen der Ende der vierziger Jahre ankommenden Flüchtlinge. Allerdings findet in Bayern in der Folge wie auch in ganz Deutschland eine konfessionelle Durchmischung der Landkreise statt. Vgl. Martin Kornrumpf, In Bayern angekommen. Die Eingliederung der Vertriebenen. Zahlen – Daten – Namen, München 1979, S. 168.

22 Vgl. Karte 4: Bayerische Verkehrskarte 1551–1650 und Karte 6: Bayerische Verkehrskarte 1764, in: Eckart Schremmer, Die Wirtschaft Bayerns. Vom hohen Mittelalter bis zum Beginn der Industrialisierung. Bergbau. Gewerbe. Handel, München 1970.

23 Albert Herzog zu Sachsen, Die Beziehungen zwischen Bayern und Sachsen in den vergangenen Jahrhunderten, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 40 (1977), S. 264.

24 Vgl. Messeprivilegien der Stadt Leipzig von 1497 und 1507, in: Herbert Helbig, Quellen zur älteren Wirtschaftsgeschichte Mitteldeutschlands Teil II, Weimar 1952, S. 86-88/89f.

25 Vgl. Heiko Steffens/Birger Ollrogge/Gabriela Kubanek (Hrsg.): Lebensjahre im Schatten der deutschen Grenze. Selbstzeugnisse vom Leben an der innerdeutschen Grenze 1945, Opladen 1990, S. 13.

26 Maier (wie Anm. 16), S.216.

27 Ebd.

28 Theodor Fontane, Unwiederbringlich, Ditzingen 1986, Kapitel 13.

29 Hugo Steger, Sprachumbildung und Landesgeschichte im östlichen Franken. Das Lautsystem der Mundarten im Ostteil Frankens und seine sprach- und landesgeschichtlichen Grundlagen, Neustadt/Aisch 1968, S. 2.

30 Ebd., S.7.

31 Dies weist der „Sprechende Sprachatlas Bayerns“ zwischen 2006 und 2008 unter der Leitung von Prof. Dr. Werner König erneut nach. Vgl. http://sprachatlas.bayerische-landesbibliothek-online.de (Stand: 08.Oktober 2010).

32 Steger (wie Anm. 29), S.509ff.

33 Vgl. Lautkarten in: Steger (wie Anm. 29), S.637ff.

34 Steger (wie Anm. 29), S.490.

35 Nach: Winston Churchill, „The Sinews of Peace” am 5. März 1946 am Westminster College in Fulton, Missouri, in: http://www.hpol.org/ churchill/(Stand: 17.12.2010).

36 Begriff nach: Herbert B. Swope 1946, Mitarbeiter des U.S.-Präsidentenberaters Baruch, in: Bernard Baruch, Public Years, New York 1960, S. 80 und 368f.

37 Schdanow, Andrej, September 1947 als Antwort Stalins auf Harry S. Trumans „Kriegserklärung“ vom März 1947, in: Bernd Stöver, Der Kalte Krieg 1947–1991. Geschichte eines radikalen Zeitalters, München 2007, S.73.

38 Zur Außenministerkonferenz in Moskau vgl. Rolf Steininger: Deutsche Geschichte. Darstellung und Dokumente in vier Bänden, Band 1: 1945–1947, Frankfurt/Main 2002, S. 18.

39 Bericht über die Krim-Konferenz vom 03.–11. Februar 1945, in: http://www.documentarchiv.de/index.html (Stand: 08.12.2010).

40 Diese Ländergrenzen hatten mit der „Gleichschaltung der Länder“ zur Zentralisierung des „Dritten Reiches“ durch die NSDAP 1933 ihre Bedeutung verloren.

41 Vor der Verwaltungsreform in der DDR 1952.

42 Wolfgang Zorn, Bayerns Geschichte im 20. Jahrhundert. Von der Monarchie zum Bundesland, München 1986, S. 556.

43 Bericht über die Kontrolle der Durchführung des Beschlusses des Politbüros vom 18./20.12.1956 „Veränderung der Struktur der Polizeikräfte im Bereich des Abschnittsstabes Erfurt der Deutschen Grenzpolizei vom 26.03.1957, S. 5, in: Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO-BArch) DY 30/ IV 2/ 12/ 71.

44 Befehl – Nr. 190/59 des Ministerium des Innern und des Ministerium für Staatssicherheit, in: SAPMO-BArch DY 30/ IV 2/ 12/ 78.

45 Sonderinformation Nr. 024/61 des Kommandos der Deutschen Grenzpolizei, Politische Verwaltung vom 31.08.1961, S.4, in: SAPMO-BArch DY 30 /IV 2 /12 /72.

46 Information über die Lage in den Grenztruppen der Nationalen Volksarmee vom 16.2.1962, S. 3, in: SAPMO-BArch DY 30/ IV 2/ 12/ 73.

47 Auszug aus dem Bericht der Bezirksleitung Suhl an den 1. Sekretär des Zentralkomitees vom 26.02.1962 und Bericht über den Einsatz zum Studium der Erfahrungen in der Arbeit mit Parteiaktivisten der Bezirksleitungen Suhl und Gera, vom 7.03.1962, beide in: SAPMO-BArch DY 30/ IV 2/ 12/ 73.

48 Nach: Reinhold Albert/Hans-Jürgen Salier, Grenzerfahrungen Kompakt. Das Grenzregime zwischen Südthüringen und Bayern/Hessen von 1945 bis 1990, Leipzig 2009, S. 23.

49 Gesetz über den Bundesgrenzschutz und die Einrichtung von Bundesgrenzschutzbehörden vom 16. März 1951, § 2, in: www.bgbl.de (Stand: 17.12.2010).

50 Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und den westlichen Besatzungszonen Deutschlands vom 26. Mai 1952, in: http://www.documentarchiv.de/ddr/1952/demarkationslinie-schutz_vo.html (Stand: 08.12.2010).

51 Aus: Ministerium für innerdeutsche Beziehungen (Hg.): Die innerdeutsche Grenze, Bonn, 1989, Faltkarte, bearb. v. Miriam Müller.

52 Vgl. Befehl Nr. 57/51 HVDVP Betr. Neuerrichtung eines Straßen-KPP in Juchö (südlich Gefell), Hauptverwaltung deutsche Volkspolizei vom 3. Oktober 1951, in: BArch DO/1/2.2 (56086).

53 Ministerium für innerdeutsche Beziehungen (Hg.): Die innerdeutsche Grenze, Bonn, 1989, S. 109.

54 Schreiben der Vereinigung Volkseigener Betriebe Land Sachsen Kraftverkehr an das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen HA Verkehr und Straßenwesen vom 15. Mai 1952 Betreff Innerdeutscher Kraftomnibusverkehr Plauen – Hof, in: BArch DM/1/989 Bestand Generaldirektion Kraftverkehr und Straßenwesen 1950–1952.

55 Maier (wie Anm. 16), S. 200.

56 Vgl. ebd., S. 216.

57 Vgl. Inge Bennewitz/Rainer Potratz, Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze, Berlin 1997, S.12ff.

58 Sonderinformation Nr. 024/61 des Kommandos der Deutschen Grenzpolizei, Politische Verwaltung vom 31.08.1961, S. 5, in: SAPMO-BArch DY 30/ IV 2/ 12/72.

59 Ebd.

60 Vgl. Christoph Kleßmann, Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945–1955, Göttingen 1982.

61 Klaus Schroeder, Der SED-Staat. Partei, Staat und Gesellschaft 1949–1990, hg. v. d. Bayerischen Landeszentrale f. politische Bildungsarbeit, München 1998, S. 119.

62 Zusammenfassung der Berichtswahlversammlungen und Delegiertenkonferenzen 1960, S.7, in: SAPMO-BArch DY 30/ IV 2/ 12/ 72.

63 Protokoll über die erste Zwischenauswertung des Einsatzes der Genossen aus dem Parteiapparat gemäß Beschluß des Sekretariates des Zentralkomitees in der 2.Grenzbrigade (B) vom 30.November 1961, S.5, in: SAPMO-BArch, DY 30/ IV 2/ 12/ 72.

64 Aus: http://www.statistik-berlin.de/statistiken/Grosszaehlungen/vz.htm (Stand: 19.12.2010).

65 Vgl. Peter Joachim Lapp, Frontdienst im Frieden – Die DDR Grenztruppen, Bernard & Graefe, Koblenz 1987.

66 Vgl. Antrag auf Herauslösung der Bergarbeiterwohngemeinde Dorndorf aus dem 5-km-Sperrgebiet, in: SAPMO-BArch DY 30/ IV 2/ 12/ 73.

67 Vgl. auch Elfriede Siegel, Landflucht und Verödung der Dörfer, in: Heiko Steffens/Birger Ollrogge/Gabriela Kubanek (Hg.): Lebensjahre im Schatten der deutschen Grenze. Selbstzeugnisse vom Leben an der innerdeutschen Grenze 1945, Opladen 1990, S. 28.

68 Zusammenfassung der Berichtswahlversammlungen und Delegiertenkonferenzen 1960, S.7, SAPMO-BArch DY 30/ IV 2/ 12/ 72.

69 Zusammenfassung der Berichtswahlversammlungen und Delegiertenkonferenzen 1960, S.5, SAPMO-BArch DY 30/ IV 2/ 12/ 72.

70 Vgl. Robert Lebegern, Mauer, Zaun und Stacheldraht. Sperranlagen an der innerdeutschen Grenze 1945–1990, Weiden 2002.

71 Vgl. Schroeder (wie Anm. 7), S. 9 und 53ff.

72 Vgl. Helmut Plessner, Die Verspätete Nation, Suhrkamp Verlag, Stuttgart 1985.

73 Peter Blickle, Von der Leibeigenschaft zu den Menschenrechten. Eine Geschichte der Freiheit, München 2003, S. 214.

74 Judith Innerhofer/Fenske Sarah, Der Grenzgänger, Little Berlin. Ein Dorf deutscher Geschichte, 2009, in: http://littleberlin.de/?PID=static, DerGrenzgaenger_de (Stand: 12.12.2010).

75 Vgl. Schroeder (wie Anm. 7), S. 182, 187 und 232.

 


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