Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

 

 

1933

 
30. 1. Machtübernahme der Nationalsozialisten durch Berufung von Adolf Hitler zum Reichskanzler. Beginn der Abrechnung mit den politischen Gegnern (KPD, SPD, Gewerkschaften, Demokraten, Pazifisten usw.).
28. 2. Die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat („Reichstagsbrandverordnung“) bildet die „Rechtsgrundlage“ für Konzentrationslager, die das Grundrecht der persönlichen Freiheit außer Kraft setzt.
9. 3. Machtübernahme der Nationalsozialisten in Bayern durch Einsetzung des Generals Franz Xaver Ritter von Epp zum Reichskommissar. Bereits in der darauffolgenden Nacht beginnen in Bayern die ersten Verhaftungen von kommunistischen und sozialdemokratischen Funktionären.
13. 3. Besichtigung einer leerstehenden Munitionsfabrik in der Nähe von Dachau durch eine Kommission der politischen Polizei zum Zwecke der Prüfung auf Eignung des Gebäudes als Konzentrationslager.
20. 3. Heinrich Himmler, in seiner damaligen Funktion als Münchner Polizeipräsident, kündigt in einer Pressekonferenz die Eröffnung des ersten Konzentrationslagers für den 22. 3. 1933 an.
21. 3. In der leerstehenden Munitionsfabrik in Prittelbach bei Dachau bezieht die 2. Polizei-Hundertschaft der Bayerischen Landespolizei unter Führung von Hauptmann Schlemmer Stellung.
22. 3. Die ersten Häftlinge (ca. 150) aus den Münchner Gefängnissen Neudeck und Stadelheim und aus der Strafanstalt Landsberg am Lech treffen ein.
11. 4. Die SS übernimmt (anfangs zusammen mit der Polizei) unter Hilmar Wäckerle die Bewachung des Lagers.
12. 4. Erste Morde an den Häftlingen Benario, Goldmann und Kahn.
8./9. 5. Flucht des KPD-Reichstagsabgeordneten Hans Beimler. Als Kollektivstrafe für alle Häftlinge daraufhin 20 Stunden Strafstehen auf dem Appellplatz.
30. 5. Offizielle Übergabe der Wachdienstführung und des Wach- und Sicherheitsdienstes von der Polizei zur SS.
Juni Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft wegen Häftlingserschießungen in Dachau. Sämtliche Verfahren wurden nach wenigen Monaten eingestellt. Das KZ Dachau wird zum rechtsfreien Raum.
Juni (Ende) SS-Oberführer Theodor Eicke wird Lager-Kommandant.
4. 8. Einweihung eines von den Häftlingen „gespendeten“ Gedenksteines für Horst Wessel. U. a. nehmen SA-Stabschef Röhm, Gauleiter Wagner und Heinrich Himmler an der Veranstaltung teil.
1. 10. Theodor Eicke erläßt eine Disziplinar- und Strafordnung für das Gefangenenlager und Dienstvorschriften für die Begleitpersonen und die Gefangenenbewachung.
12. 11. „Reichtagswahl“ im Lager Dachau.
9. 12. 400 Häftlinge werden im Zuge der „Weihnachtsamnestie“ entlassen.

1934

 
März Amnestie zum Jahrestag der nationalsozialistischen Machtübernahme in Bayern.
20. 6. Versetzung Eickes zum „Stab Reichsführer SS“. (Endgültig verläßt er das Lager erst im Juli.) Bis zur Einsetzung eines neuen Kommandanten steht das KZ Dachau unter der Leitung von Michael Lippert, Führer des Wachsturmbannes Dachau und Günter Tamuschke, Schutzhaftlagerführer.
30. 6. Nach der Entmachtung der SA („Röhmputsch“) fungiert das KZ Dachau als Exekutionsstelle am 1. und 2. 7. 1934. Der angebliche Putsch wurde zum Anlaß genommen, auch andere Gegner des Regimes zu beseitigen. Unter den 17 Opfern waren Dr. Fritz Gerlich, der Herausgeber der oppositionellen Zeitung „Der gerade Weg“, Dr. Bernhard Rudolf Stempfle, Schriftleiter des „Miesbacher Anzeiger“ und Gustav Ritter von Kahr, der sich 1923 als Generalstaatskommissar nicht dem Hitler-Putsch angeschlossen hatte.
7. 7. Eicke wird zum Inspekteur der Konzentrationslager und SS-Wachverbände ernannt. In dieser Funktion organisiert er das System der Konzentrationslager nach dem Muster von Dachau.
10. 12. SS-Oberführer Heinrich Deubel wird neuer Dachauer Kommandant.

1936

 
29. 3. „Reichstags“-Wahl im Lager Dachau.
1. 4. SS-Oberführer Hans Loritz wird Dachauer Kommandant.
3. 12. Der „Illustrierte Beobachter“ bringt einen Propagandabericht über das Lager Dachau.
1937–1938 Umbau und Erweiterung des KZ-Geländes.

1937

 
ab August Als besondere Strafe wurde mehrfach über den Judenblock „Isolierungen“ verhängt.

1938

 
1. 4. 150 Österreicher verschiedener politischer Überzeugungen werden vom Wiener Westbahnhof aus ins KZ Dachau deportiert, weil sie gegen den „Anschluß“ ihrer Heimat an das Deutsche Reich opponierten.
Oktober Eintreffen der ersten sudetendeutschen Häftlinge.
9./10. 11. nach dem Novemberpogrom („Reichskristallnacht“) kommen 10911 Juden ins KZ Dachau zwecks Einschüchterung und um Druck auszuüben auf eine Auswanderung.
Weihnachten Öffentliche Auspeitschung mehrer Häftlinge auf dem Appellplatz neben dem Weihnachtsbaum.

1939

 
23./24. 1. Flucht des Malers Louis Übrig. Als Kollektivstrafe für die ganze Lagerbelegschaft wurde daraufhin nachts bei eisiger Kälte Strafstehen angeordnet, das Todesopfer forderte.
13. 3. Zum Jahrestag des Anschlusses Österreichs Amnestie für einige österreichische Häftlinge.
20. 4. Amnestie anläßlich von Hitlers Geburtstag.
1. 9. Mit dem Überfall auf Polen beginnt der Zweite Weltkrieg.
   
   
27. 9. 1939–18. 2. 1940 Verlegung der Häftlinge in andere Konzentrationslager, damit in Dachau während dieser Zeit die SS-Totenkopfverbände („Waffen-SS“) ausgebildet werden können. 2138 Häftlinge kommen nach Buchenwald, 1600 nach Mauthausen und 981 nach Flossenbürg. Ein Arbeitskommando mit ca. 100 Häftlingen bleibt im KZ Dachau zurück.

1940

 
1. 1. Der SS-eigene Betrieb „Deutsche Ausrüstungswerke“ übernimmt die Werkstätten und Betriebe, die innerhalb des KZ entstanden sind (Schlosserei, Tischlerei, Sattlerei ...).
19. 2. Alex Piorkowski wird Kommandant des KZ Dachau und bleibt dies bis Sept. 1942.
1. 4. Eine zweite Serie der Zuteilung von Häftlingsnummern wird begonnen Nr. 1-37575 vom 22. 3. 1933–31. 3. 1940, Nr. 1-161896 vom 1. 4. 1940–28. 4. 1945.
April/Mai Ankunft von Transporten mit polnischen Häftlingen.

1941

 
Versuchsstation im Krankenrevier des KZ Dachau, in der Tuberkulosekranke mit homöopathischen Mitteln behandelt werden. Leitender Arzt ist Dr. von Weyherns, 114 Versuchspersonen sind registriert.
Febr. Erprobung biochemischer Mittel an Häftlingen.
Mai Ein lagereigenes Standesamt zur Registrierung der Todesfälle wird eingerichtet.
Okt. Dachauer Verkaufsläden gehen von den Deutschen Ausrüstungswerken (DAW) zur Deutschen Lebensmittel GmbH über.
ab Okt. Erschießungen sowjetischer Kriegsgefangener zuerst im Hof des „Bunkers“, später auf dem SS-Übungsschießplatz in Hebertshausen. Diese Erschießungen fordern mehrere tausend Opfer.

1942

 
Mit Beginn dieses Jahres werden die Arbeitskräfte der Konzentrationslager verstärkt für Kriegsaufgaben mobilisiert. Bis 1945 entstehen 169 Außenlager und Unterkommandos, die dem Konzentrationslager Dachau organisatorisch unterstehen. Sie entstehen jeweils dort, wo die Rüstungsbetriebe, die die Arbeitskräfte brauchen, angesiedelt sind oder werden. Bei den beiden großen Außenlagerkomplexen Mühldorf und Kaufering werden die Außenlager z. B. rund um das Areal angesiedelt, wo für das Rüstungsprojekt „Ringeltaube“ unterirdische Fertigungsanlagen von den Häftlingen gebaut werden müssen. Zum großen Teil existieren diese Lager bis Kriegsende. Bau des 2. Krematoriums („Baracke X“) mit einer als Brausebad getarnten Gaskammer (Inbetriebnahme der Gaskammer nicht nachweisbar), Fertigstellung Frühjahr 1943.
2. 1. Erster „Invalidentransport“ vom KZ Dachau zum Schloß Hartheim bei Linz zur Vergasung. Diese Transporte, die bis zum Dez. 1942 32mal zusammengestellt wurden, wurden im Rahmen der „14f13“- oder Invalidenaktion durchgeführt, einer Ausweitung des Euthanasie-Programms auf geisteskranke, arbeitsunfähige oder unliebsame KZ-Häftlinge.
22. 2. Unterdruckversuche des SS-Hauptsturmführers Dr. Rascher und Dr. Rombergs. Bis zum Abschluß der Versuchsreihe in der 2. Maihälfte sterben daran 70–80 Häftlinge.
23. 2. Dr. Claus Schilling macht Experimente mit Dachauer Häftlingen zur Erforschung von Mitteln zur Bekämpfung von Malaria. 1100 Häftlinge werden mit Malaria infiziert und als Versuchspersonen mißbraucht. Es gibt 10 nachweisliche Todesopfer. Diese Versuche werden im Lager bis 5. April 1945 durchgeführt.
Juni Phlegmoneversuche im Block 1, Stube 3 des KZ, die bis zum Abschluß der Versuche im Frühjahr 1943 zu mindestens 17 Todesopfern führen.
1. 9. Martin Weiß wird neuer Lager-Kommandant. Er hat diese Funktion bis Herbst 1943 inne.
15. 8. Unterkühlungsversuche unter der Leitung der Ärzte Holzlöhner, Finke und Rascher. Offizieller Abschluß der Versuchsreihe im Okt. 1942, Dr. Rascher führt jedoch die Versuche auf eigene Faust bis Mai 1943 fort.
Nov./Dez. Ausbruch einer Bauch- und Flecktyphusepidemie.

1943

 
31. 1. Vom Lagerarzt wird eine Quarantäne für das gesamte Lager wegen der Typhusepidemie angeordnet. Diese dauert bis zum 15. 3. an.
1. 10. Eduard Weiter wird neuer und letzter Kommandant des KZ Dachau.

1944

 
22. 2. Im Hof des Krematoriums werden 31 sowjetische Offiziere erschossen.
6. 7. Ankunft des Todestransports aus dem Lager Compiègne, von 2521 Häftlingen sind bereits 984 tot.
Sommer Versuche über den Gebrauch von Meerwasser als Trinkwasser, durchgeführt von Dr. Beiglböck an 44 in Dachau inhaftierten Zigeunern als Versuchspersonen.
4. 9./6. 9. 92 sowjetische Offiziere werden im Hof des Krematoriums erschossen.
Nov. Ausbruch einer neuen Typhusepidemie.

1945

 
Evakuierungstransporte aus bereits geräumten Lagern im Rückzugsgebiet kommen vom Beginn des Jahres bis in den April hinein im KZ Dachau an. Eine unverhältnismäßig große Überfüllung führt zu katastrophalen hygienischen Bedingungen.
Ende März Mehrere hundert deutsche Geistliche werden entlassen. Warum 170 weitere bleiben müssen, ist nicht bekannt.
4. 4. Dänische und norwegische Häftlinge werden dem Internationalen Roten Kreuz übergeben.
14. 4. Himmler befiehlt der Kommandatur von Dachau und Flossenbürg per Funkspruch eine Totalevakuierung, die später auf die Evakuierung von Deutschen, Russen, Polen und Juden „reduziert“ wird.
17. 4./24. 4. Eine Gruppe von prominenten Häftlingen (Niemöller, Piquet Schuschnigg u. a. .) werden in Richtung Tirol abtransportiert.
19. 4. Die Häftlinge Charles Delestraint und Georg Elser werden erschossen.
23. 4. Die Arbeitskommandos verlassen zum ersten Mal das Lager Dachau nicht mehr.
Evakuierungstransport von 2000 Häftlingen über Emmering–München–Wolfratshausen–Seefeld in Tirol–Mittenwald mit der Reichsbahn, der am 4. 5. befreit wird.
25. 4. Evakuierungstransport von 3000 Häftlingen mit der Reichsbahn von Emmering aus über München, Wolfratshausen und Kochel nach Seeshaupt am Starnberger See. Dieser Transport kann am 30. April befreit werden.
26. 4. Evakuierungstransport mit 1759 Juden über Emmering–München–Wolfratshausen–Penzberg–Staltach, der am 30. 4. befreit wird.
  Evakuierungsmarsch von 6887 Häftlingen, für einen großen Teil davon Todesmarsch, der über Pasing, Wolfratshausen, Bad Tölz zum Tegernsee führt, wo er schließlich, um viele Wegopfer vermindert, von den Amerikanern am 30. April befreit werden kann.
27. 4. 2000 Häftlinge werden von Emmering aus mit der Reichsbahn auf einen Evakuierungstransport geschickt, in Wolfratshausen müssen sich die Hälftlinge dem großen Evakuierungsmarsch anschließen.
  Der letzte Kommandant von Dachau, Eduard Weiter, begeht Selbstmord auf Schloß Itter in Tirol, einem Dachauer Außenlager.
28. 4. Dachauer Aufstand. Bürger der Stadt Dachau und geflohene Häftlinge versuchen durch die Besetzung des Dachauer Rathauses die gewaltlose Übergabe der Stadt an die Amerikaner zu erreichen.
29. 4. Die amerikanischen Streitkräfte befreien das Konzentrationslager Dachau mit den 32 335 verbliebenen Häftlingen. Nach der Befreiung muß das Lager noch eine Zeit als Notunterkunft für heimatlose, schwache und todkranke Häftlinge dienen. Es wird eine Proklamation über die Bildung eines Internationalen Häftlings-Komitees veröffentlicht.
Mai An den Folgen der Unterernährung und der Thyphusepidemie sterben noch mehr als 2000 ehemalige Häftlinge.
Juli Die amerikanischen Militärbehörden errichten auf dem KZ-Gelände ein Kriegsverbrecherlager mit einer Aufnahmekapazität von 30 000 Personen
15. 11. Beginn des bis zum 13. Dez. dauernden amerikanischen Militärgerichtsverfahrens gegen den Lagerkommandanten Weiß und 40 SS-Angehörige. 28 Angeklagte werden zum Tode verurteilt. Die Urteile werden im Mai 1946 in Landsberg am Lech vollstreckt. In den folgenden Jahren gibt es noch weitere 118 Verfahren amerikanischer Militärbehörden gegen SS-Personal von Mauthausen und Dachau.

1948

 
Sept. Übergabe des ehemaligen Häftlingslagers an die bayerischen Behörden. Es dient nun als Flüchtlingslager.
1955 Forderung des Dachauer Landrats nach Abbruch des Krematoriums. Unterzeichnung der Deutsch-Französischen Verträge, die die Bundesregierung verpflichten, die Grabstätten der KZ-Häftlinge zu erhalten.
Mai Internationales Treffen der ehemaligen Gefangenen in Dachau anläßlich des 10. Jahrestages der Lagerbefreiung. Das 1945 gegründete Comité International de Dachau wird wiedergegründet. Forderung nach einer würdigen Mahn- und Gedenkstätte auf dem KZ-Gelände.

1960

Ein provisorisches Museum im Krematoriumsgebäude entsteht, Errichtung der Todesangst-Christi-Kapelle.

1964

Errichtung des Karmelklosters Heilig Blut neben dem Lagergebäude.

1965

Errichtung der Evangelischen Versöhnungskirche, Errichtung der Israelitischen Gedenkstätte
5. 5. Eröffnung der Gedenkstätte mit Museum, Archiv und Bibliothek.

1968

Einweihung des Internationalen Mahnmals auf dem ehemaligen Appellplatz.

 


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