Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

 

Das System der Konzentrations- und Vernichtungslager

 

Die folgende Übersicht soll einen Eindruck von den Dimensionen des KZ-Imperiums geben, das Heinrich Himmler, als Münchner Polizeipräsident beginnend mit dem Lager Dachau errichtete. Unter dem Befehl des Reichsführers SS Himmler existierte schließlich ein Lagersystem, das mit Außenlagern und Arbeitskommandos unter der zentralen Leitung des Inspekteurs der Konzentrationslager, Theodor Eicke, und des SS Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts in Oranienburg bei Berlin den gesamten Machtbereich des NS-Staats bedeckte. Nach amtlicher Definition galten nur Lager, die diesen Befehlsstrukturen unterstanden, als Konzentrationslager. Daneben existierten weitere Haftstätten unter verschiedener Zuständigkeit und verschiedenen Bezeichnungen (Arbeits-, Arbeitserziehungslager usw.). Charakteristisch für die KZ war, daß die Häftlinge unter dem Regime der SS keinerlei Rechtsnormen galten. Die KZ waren Instrumente willkürlicher und unumschränkter Herrschaft.

Waren die KZ ursprünglich Orte der Drangsalierung und Demütigung für politische Gegner und Angehörige unerwünschter Randgruppen und Minderheiten, so hatten sie ab Kriegsbeginn eine erhebliche Bedeutung für die Rüstungswirtschaft. Die Arbeitskraft der Häftlinge wurde auch in SS-eigenen Betrieben (Deutsche Erd- und Steinwerke, Deutsche Ausrüstungswerke u. a.) vor allen in Steinbrüchen, Ziegeleien, Kiesgruben und anderen Unternehmungen ausgebeutet.

Mit Chelmno, Auschwitz, Belzec, Sobibor, Treblinka und Maydanek entwickelten sich ab 1941 in der Verwirklichung der nationalsozialistischen Rassenpolitik einige KZ auf polnischem Boden zu Vernichtungslagern, in denen etwa drei Millionen Menschen in geradezu industrieller Weise ermordet wurden.

Am Ende des Krieges wurden die KZ evakuiert, in Todesmärschen und verlustreichen Transporten wurden die Häftlinge ins Innere Deutschlands verlegt. Insgesamt sind bis zu fünf Millionen Todesopfer der Konzentrations- und Vernichtungslager zwischen 1933 und 1945 zu verzeichnen.

Konzentrationslager Existenz von bis
Außenlager
Dachau 22. März 1933 bis 29. April 1945
169
Sachsenhausen Aug. 1936 bis 22. April 1945
61
Buchenwald 15. Juli 1937 bis 11. April 1945
134
Flossenbürg 3. Mai 1938 bis 23. April 1945
92
Mauthausen Juni 1938 bis 5. Mai 1945
56
Neuengamme Herbst 1938 bis 29./30. April 1945
73
Ravensbrück 15. Mai 1939 bis 30. April 1945
42
Stutthof (Danzig) 1. Sept. 1939 bis 27. Jan. 1945
107
Auschwitz (I) 20. Mai 1940 bis 27. Jan. 1945
38
Groß-Rosen 2. Aug. 1940 bis Febr. 1945
99
Natzweiler-Struthof 1. Mai 1941 bis Sept. 1944
49
Lublin-Majdanek Okt. 1941 bis 22./24. Juli 1944
10
Auschwitz (II)  
Birkenau 26. Nov. 1941 bis 27. Jan. 1945
Auschwitz (III)  
Monowitz 31. Mai 1942 bis 27. Jan. 1945
Herzogenbusch-Vught 5. Jan. 1943 bis 5./6. Sept. 1944
13
Riga (Lettland) 15. März 1943 bis 6. Aug. 1944
17
Bergen-Belsen April 1943 bis 15. April 1945
Dora-Mittelbau 27. Aug. 1943 bis 9. April 1945
29
Warschau 15. Aug 1943 bis 24. Juli 1944
Kauen (Litauen) 15. Sept. 1943 bis 14. Juli 1944
8
Vaivara (Estland) 15. Sept. 1943 bis 3. Okt. 1944
10
Klooga (Estland) Sept. 1943 bis 19. Sept. 1944
3
Krakau-Plaszow 11. Jan. 1944 bis 15. Jan. 1945
   
 
Vernichtungslager Vernichtungsaktionen
Todesopfer
   
Mindestzahl
Kulmhof/Chelmno 8. Dez. 1941 bis März 1943,
  Sommer 1944
152 000
Auschwitz-Birkenau Jan. 1942 bis Nov. 1944
1 000 000
Belzec 17. März 1942 bis Frühj. 1943
600 000
Sobibor 7. Mai 1942 bis Herbst 1943
250 000
Treblinka 23. Juli 1942 bis Okt. 1943
900 000
Lublin-Majdanek Sommer 1942 bis Juli 1944
200 000, darunter 6 0000 Juden

Nicht aufgeführt sind die Konzentrationslager, die zwischen 1933 und etwa 1937 unter verschiedener Zuständigkeit (Staat, SA, lokale Instanzen) bestanden, wie zum Beispiel Kemna, Oranienburg, Heuberg, Hohnstein, Fuhlsbüttel.

 


Impressum    •     topnach oben
© Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit   •   letzte Änderung am: 23.04.2013 8:02