Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

Klima im Wandel

Wandzeitung 01/2008

 

 

2007 verlieh das norwegische Nobelpreiskomitee den Friedensnobelpreis zu beiden Teilen an den ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten und unermüdlichen Aufklärer in Sachen Klimaschutz Al Gore und an den Weltklimarat. Der Preis ist nicht nur eine Anerkennung für die Verdienste der beiden Gewinner, sondern auch ein Zeichen dafür, dass das Komitee dem Problem „Treibhauseffekt und Klimaerwärmung“ einen hohen Stellenwert einräumt. Die zunehmende Erderwärmung wird von vielen Politikern und Wissenschaftlern zu den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gezählt. Sie bedroht die Umwelt, den Weltfrieden und die Weltwirtschaft gleichermaßen. Den aktuellen Stand der weltweiten Klimaforschung hat der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) 2007 in seinem vierten Sachstandsbericht zusammengefasst.

Der Weltklimarat wurde 1988 von den Vereinten Nationen (UN) als Klimaexperten-Team ins Leben gerufen. Er legte 1990 seinen ersten Bericht zur Entwicklung des Weltklimas vor, der zweite und dritte folgten 1995 und 2001. Insgesamt arbeiten im IPCC rund 2500 Klimaforscher aus aller Welt zusammen. Der vierte Sachstandsbericht des Weltklimarats baut auf den ersten drei Berichten auf und stellt die neuesten Erkenntnisse der Klimaforschung dar. Eine der wichtigsten Aussagen des aktuellen Berichts: Die Klimaforscher sind sich mittlerweile sehr sicher, dass der beobachtete Temperaturanstieg in der Atmosphäre vom Menschen verursacht („anthropogen“) ist: „Der größte Teil des beobachteten Anstiegs der mittleren globalen Temperatur seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist sehr wahrscheinlich durch den beobachteten Anstieg der anthropogenen Treibhausgaskonzentrationen verursacht“, so der Weltklimarat.

 

Der natürliche und der menschengemachte Treibhauseffekt

Man muss zwei Arten von „Treibhauseffekten“ unterscheiden: den natürlichen und den zusätzlichen, vom Menschen verursachten Treibhauseffekt. Der natürliche Treibhauseffekt ist zunächst durchaus positiv: Er führt zu erträglichen Temperaturen in Bodennähe, die Voraussetzung für die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten. Er hat seine Ursache in der Atmosphäre, die die Erde umgibt. Gäbe es diese „Schutzhülle“ nicht, so hätten wir eine über den ganzen Planeten und alle Jahreszeiten gemittelte Durchschnittstemperatur von schätzungsweise –11° bis –18° Celsius. Tatsächlich beträgt die globale durchschnittliche Lufttemperatur in Bodennähe aber + 15° C. Den Unterschied von 26° bis 33° C bewirkt der wärmende Mantel der Erdatmosphäre.

Für die Erwärmung der bodennahen Luftschichten sind dabei nur einige wenige Spurengase verantwortlich. Nur rund drei Prozent der Masse der Atmosphäre dominieren den Strahlungshaushalt der Erde. Den wichtigsten Beitrag zur Erwärmung der bodennahen Luftschichten liefert der Wasserdampf. Er allein bewirkt eine Erwärmung von über 20° C. Am zweitwichtigsten ist das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2). Es bringt eine Erwärmung um weitere 7° C. Obwohl die Konzentrationen der Treibhausgase Ozon, Lachgas (Distickstoffoxid) und Methan weit unter der von Kohlendioxid liegen, beträgt ihr Anteil am natürlichen Treibhauseffekt immer noch 2,4°, 1,4° und 0,8° C.

Während Wasserdampf und die anderen Treibhausgase die kurzwellige Strahlung der Sonne relativ ungehindert bis zur Erdoberfläche passieren lassen, absorbieren sie die langwellige Wärmerückstrahlung von der Erdoberfläche. Ihre Moleküle erwärmen sich und strahlen Wärme Richtung Weltraum, aber auch Richtung Erde ab. Hierdurch wirken sie ähnlich wie die Fenster eines Treibhauses.

Alle bisher aufgeführten Treibhausgase sind natürlichen Ursprungs: Kohlendioxid wird durch die Atmung von Tieren und Menschen freigesetzt oder durch natürliche Verbrennungsprozesse; Methan entsteht etwa bei Vergärungsprozessen; Wasser verdunstet usw. Es hat sich ein natürliches Gleichgewicht in der Atmosphäre eingependelt, den Quellen für diese Treibhausgase stehen ausreichende „Senken“ (CO2-Speicher wie Wälder und Ozeane) gegenüber.

Dieses Fließgleichgewicht wird durch den Menschen seit zwei Jahrhunderten massiv beeinflusst. Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre nimmt dadurch ständig zu, so dass sich die bodennahen Luftschichten immer stärker erwärmen. Beeinflussten zunächst vor allem Änderungen in der Landnutzung (Rodung der Wälder, Feldbau) das Klima und die Zusammensetzung der Erdatmosphäre, so traten nach der industriellen Revolution Verbrennungsprozesse in den Vordergrund. Auch sind durch die chemische Industrie neue, bis dahin auf der Erde nicht existente Gase (z.B. FCKW, H-FCKW oder FKW) in die Luft gelangt, die ebenfalls als Treibhausgase wirken: Der so genannte zusätzliche, anthropogene Treibhauseffekt ist entstanden.

 

Der vierte Weltklimabericht – wissenschaftliche Grundlagen

In seinem neuesten Bericht gibt der Weltklimarat einen detaillierten Überblick über die Zunahme der Treibhausgaskonzentrationen für Kohlendioxid, Methan und Lachgas in der Atmosphäre sowie die Ursachen hierfür: „Die globalen atmosphärischen Konzentrationen von Kohlendioxid, Methan und Lachgas sind als Folge menschlicher Aktivitäten seit 1750 markant gestiegen und übertreffen heute die aus Eisbohrkernen über viele Jahrtausende bestimmten vorindustriellen Werte bei Weitem.“

Treibhausgas Kohlendioxid CO2

Kohlendioxid ist das wichtigste Treibhausgas. Die globale atmosphärische CO2-Konzentration ist von einem vorindustriellen Wert von etwa 280 ppm auf 379 ppm im Jahre 2005 angestiegen (ppm = parts per million, 379 ppm entsprechen 0,0379 %). Die momentane atmosphärische CO2-Konzentration übertrifft die natürliche Bandbreite der letzten 650.000 Jahre (180 bis 300 ppm) deutlich. Zwischen 1995 bis 2005 nahm die CO2-Konzentration im Schnitt um 1,9 ppm pro Jahr zu. Die Hauptursache für die erhöhte atmosphärische Kohlendioxidkonzentration ist die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Erdöl oder Erdgas. Landnutzungsänderungen wie beispielsweise Abholzung oder Brandrodung liefern einen weiteren wichtigen, aber kleineren Beitrag. Die jährlichen Kohlendioxid-Emissionen aus fossilen Quellen stiegen von durchschnittlich 23,5 Gt (Gigatonnen) CO2 pro Jahr in den 1990er Jahren auf 26,4 Gt CO2 pro Jahr von 2000 bis 2005. Die mit Landnutzungsänderungen verbundenen Kohlendioxid-Emissionen werden auf 5,9 Gt CO2 pro Jahr in den 1990er Jahren geschätzt.

Treibhausgas Methan CH4

Die globale atmosphärische Methan-Konzentration ist von einem vorindustriellen Wert von etwa 715 ppb auf 1732 ppb (parts per billion) in den frühen 1990er Jahre gestiegen und lag 2005 bei 1774 ppb. Die atmosphärische Methan-Konzentration des Jahres 2005 übertrifft die natürliche Bandbreite der letzten 650.000 Jahre (320 bis 790 ppb) deutlich. Die jährlichen Wachstumsraten haben seit den frühen 1990er Jahren abgenommen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der beobachtete Anstieg der Methan-Konzentration auf menschliche Aktivitäten, vor allem Landwirtschaft und Verbrauch fossiler Brennstoffe, zurückzuführen ist, aber die jeweiligen Beiträge von verschiedenen Quellentypen sind nur schwer bestimmbar.

Treibhausgas Lachgas (Distickstoffoxid N2O)

Die globale atmosphärische Lachgas-Konzentration ist von einem vorindustriellen Wert von etwa 270 ppb auf 319 ppb im Jahr 2005 angestiegen. Die Wachstumsrate ist seit 1980 ungefähr konstant. Mehr als ein Drittel aller Lachgas-Emissionen sind vom Menschen und hier vor allem im Bereich der Landwirtschaft (z.B. Kunstdüngereinsatz) verursacht.

Treibhausgas Ozon O3

Die Zunahme des klimaschädlichen Gases Ozon in den bodennahen Luftschichten geht hauptsächlich auf den Kraftfahrzeugverkehr zurück. Der Siegeszug des Automobils begann Ende des vorletzten Jahrhunderts. Seit etwa 1950 hat der Kfz-Verkehr weltweit eine rasante Entwicklung erlebt. Die durch Pkw und Lkw freigesetzten Stickstoffoxide (NOx) bilden sich unter Sonneneinstrahlung zu Ozon (O3) um. Die Konzentration in den bodennahen Luftschichten ist je nach Ort und Jahres- bzw. Tageszeit stark variabel und schwankt zwischen 0,05 und 5 ppb. Der durchschnittliche jährliche Anstieg der Ozonkonzentration in Bodennähe beträgt etwa 1 Prozent.

Weitere Treibhausgase

Die bisher genannten Treibhausgase kommen auch von Natur aus in der Atmosphäre vor, aber eben in geringeren Konzentrationen als heute. Vor allem durch die Tätigkeit der chemischen Industrie finden sich nun auch viele synthetische Gase in der Atmosphäre, die es vor hundert Jahren dort noch nicht gab. Einige Gase verstärken dabei den Treibhauseffekt. Dies sind zum Beispiel die Fluorchlorkohlenwasserstoffe FCKW, die erst seit 1931 produziert werden und beispielsweise als Kühlmittel in Kühlschränken oder als Treibgase in Sprays verwendet wurden. Mittlerweile leisten sie zum Treibhauseffekt einen großen Beitrag und zerstören darüber hinaus die Ozonschicht in der Stratosphäre (so bezeichnet man den Bereich der Atmosphäre in zwölf bis 50 Kilometer Höhe). Auch die H-FCKW und FKW, die die FCKW mittlerweile in vielen Anwendungen ersetzen, sowie Halone und Schwefelhexafluorid (SF6), das z.B. als Isoliergas in der Hochspannungstechnik verwendet wird, wirken in der Atmosphäre als Treibhausgase.

 

Wie warm wird es werden?

Ein großes Problem der Klimaforscher besteht darin, Prognosen für zukünftige Entwicklungen abzugeben. Das Klimasystem ist hochkomplex, es müssen viele Einflussfaktoren berücksichtigt werden, die zum Teil noch nicht genau erforscht sind. Das Klimasystem der Erde wird z.B. beeinflusst durch die Atmosphäre, die Ozeane, die Biosphäre (Pflanzen und Tiere), die Böden, die Eisgebiete und die Gesteinshülle der Erde. Darüber hinaus üben auch der Vulkanismus sowie – in längeren Zeiträumen gesehen – der Erdbahnverlauf, die Solarkonstante und die Kontinentaldrift Einflüsse aus. In der Atmosphäre bestimmen die Konzentration der Treibhausgase, der Wasserdampf und die Wolkenbildung sowie Aerosole (kleine feste Schwebeteilchen in der Luft) das Klimageschehen; die Ozeane sind eine bedeutende CO2-Senke, ihre Zirkulation hat Rückwirkungen auf das Klima; Pflanzen, Algen und Mikroorganismen können ebenfalls durch ein verstärktes Wachstum den CO2-Gehalt der Atmosphäre beeinflussen; die Eismassen an den Polen reflektieren die Sonneneinstrahlung und regeln so den Strahlenhaushalt der Erde mit, usw. Außerdem muss abgeschätzt werden, wie sich die Weltwirtschaft entwickelt, welche Energiequellen in Zukunft den Energiehunger stillen werden, wie die Klimaschutzpolitik vorankommt, wie sich die Weltbevölkerung entwickeln wird, etc. Je nach dem, welche Annahmen in die Klimamodelle einfließen, ergeben sich andere Prognosen für die Zukunft. Die Datenvielfalt jedenfalls verlangt nach Hochleis-tungsrechnern, die entsprechende Szenarien kalkulieren.

Im neuesten Weltklimabericht finden sich sechs Szenarien-Familien mit unterschiedlichen Annahmen zur Entwicklung der Welt(-gesellschaft). Für die nächsten zwei Jahrzehnte wird für eine Reihe von Szenarien eine Erwärmung von 0,2º C pro Jahrzehnt prognostiziert. Selbst wenn die Konzentrationen aller Treibhausgase und Aerosole auf dem Niveau des Jahres 2000 konstant gehalten würden, wäre eine weitere Erwärmung von 0,1º C pro Jahrzehnt zu erwarten. Die Spanne der Prognosen für eine Erderwärmung bis 2100 reicht von 1,1° bis 6,4° C.

Dabei werden die Temperaturen nicht gleichmäßig über die Erde verteilt steigen, sondern der IPCC rechnet damit, dass die Temperaturen auf der Nordhalbkugel stärker zunehmen werden als am Äquator und auf der Südhalbkugel. Am stärksten wird die Temperaturerhöhung wohl über dem Nordpol ausfallen.

Der Weltklimarat geht davon aus, dass die verwendeten Modelle sich wesentlich verbessert haben und eine größere Sicherheit bei den Prognosen als noch im letzten Bericht gewährleisten. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich laut IPCC die Erde bereits im Schnitt um 0,76º C erwärmt.

 

Die Folgen der Klimaerwärmung

  • Erhöhung des Meeresspiegels: Seit 1870 ist der Meeresspiegel bereits um 20 cm gestiegen. Der vierte IPCC-Bericht geht von einem weiteren Meeresspiegelanstieg bis 2095 um 18 bis 59 cm aus. Für den erwarteten Anstieg des Meeresspiegels gibt es zwei Ursachen: Einerseits dehnt sich Wasser bei höheren Temperaturen aus, anderer- seits schmelzen bei einer Erderwärmung die Gletscher und das Grönlandeis; die ant- arktischen Schelfeisflächen brechen häufiger ins Meer ab. Von einem Anstieg des Meeresspiegels besonders betroffen wären Länder mit großen Flussdelta- und niedrigen Küstengebieten sowie viele Inselstaaten. Durch Überflutungen und flussaufwärts dringendes Salzwasser könnte etwa Bangladesch ein Viertel bis ein Drittel aller landwirtschaftlichen Böden verlieren. Deutschland und andere Industriestaaten könnten den mit einer Erhöhung des Meeresspiegels einhergehenden Gefahren wohl durch Deichbaumaßnahmen begegnen.
  • Versauerung der Meere: Diese Folge der zunehmenden CO2-Emissionen wurde 2007 neu in den Weltklima-Bericht aufgenommen. Kohlendioxid aus der Luft wird zum Teil in den Wassern der Weltmeere gelöst. Da sich die Kohlendioxid-Konzentration in der Luft in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich erhöht hat, wurde auch mehr CO2 in den Weltmeeren gelöst. Die Folge: Das Oberflächenwasser wurde saurer. Man kennt das auch von kohlensäurehaltigen Getränken wie Limonade. Der Säuregehalt in einer Flüssigkeit wird an der so genannten pH-Skala gemessen. Je niedriger der pH-Wert einer Flüssigkeit, umso saurer ist sie. Der IPCC schreibt dazu: Die auf den […] Szenarien basierenden Projektionen zeigen über das 21. Jahrhundert Abnahmen des mittleren globalen Meeresoberflächen-pHs von 0,14 bis 0,35 Einheiten, zusätzlich zur bisherigen Abnahme von 0,1 Einheiten seit der vorindustriellen Zeit“. Ebenso wie die Erwärmung der Weltmeere kann der Anstieg des Säuregehalts im Meerwasser fatale Auswirkungen auf die Tierwelt der Weltmeere haben: Insbesondere kalk- bildende Organismen wie Korallen könnten unter der Versauerung zu leiden haben.
  • Rückgang der Gletscher und Eisgebiete: Die Klimaforscher erwarten für die nächs- ten Jahrzehnte einen deutlichen Rückgang von Gletschern, beispielsweise in den Alpen. Bis Ende des 21. Jahrhunderts könnte jeder zweite Gletscher in Europa abge- schmolzen sein. Dies hätte negative Folgen für die Wasserführung von Flüssen im Sommer. Für den Nordpol wird bis Ende des Jahrhunderts prognostiziert, dass er je- weils im Spätsommer komplett eisfrei sein könnte.
  • Verschiebung der Vegetationszonen: Man geht davon aus, dass sich die Klima- und damit auch die Vegetationszonen in den mittleren Breitengraden um 150 bis 550 Kilometer zu den Polen hin verlagern könnten. Wahrscheinlich werden sich auch Wüsten, Steppen und Savannen weiter ausbreiten. Die Wälder des Nordens werden zurückgehen, die Tundra (Kältesteppe in Sibirien und im Norden Kanadas) könnte ganz verschwinden. Die für die Landwirtschaft weltweit zur Verfügung stehenden Anbauflächen dürften sich insgesamt verkleinern.
  • Verstärktes Artensterben: Viele Tier- und Pflanzenarten werden mit einem raschen Klimawechsel nicht zurecht kommen. So sind beispielsweise tropische Korallenriffe in ihrem Bestand durch die zunehmende Erwärmung der Ozeane stark gefährdet. Auch zahlreiche Pflanzenarten dürften mit den sich verschiebenden Klimazonen nicht „mit- wandern“ können und werden vom Aussterben bedroht sein.
  • Zunahme von Dürren: Während in einigen Weltgegenden für die Zukunft eher mehr Niederschläge erwartet werden, könnten in den bereits heute unter Wassermangel lei- denden semiariden Gebieten (Halbwüsten) durch weniger Regenfälle und höhere Verdunstung vermehrt Dürren auftreten. Die IPCC-Experten rechnen damit, dass sich die Zahl der in Ländern mit ungenügenden Trinkwasserreserven lebenden Menschen bis 2025 auf fünf Milliarden verdreifachen wird.
  • Zunahme von Stürmen und Unwettern: Ob sich extreme Wetterereignisse durch eine Zunahme des Energiegehalts in der Atmosphäre häufen werden, ist unter den Forschern bislang umstritten. Viele gehen von einer Zunahme tropischer Wirbelstürme aus, sowie von häufigeren schweren Gewittern, Stürmen und Überflutungen in Europa oder den USA.
  • Ausbreitung von Pflanzenschädlingen: Pflanzenschädlinge bevorzugen warme bzw. feuchtwarme Bedingungen. Diese könnten in Zukunft in größeren Gebieten, auch in den gemäßigten Breiten, vorhanden sein und so zu einer Ausbreitung von Pflanzen-   schädlingen und damit zur Gefährdung von Ernten führen.
  • Ausbreitung von Tropenkrankheiten: Beispielsweise rechnen Wissenschaftler mit einer starken Zunahme von Malaria-Erkrankungen, da der Malariaerreger sich nur dann in der Stechmücke entwickeln kann, wenn das Temperaturminimum im Sommer mindestens einige Wochen lang über 15 Grad Celsius liegt. Diese Bedingung könnte in Zukunft möglicherweise auch in gemäßigten Breiten sowie in Höhenlagen in den Tropen erfüllt sein. Ein Anstieg der Minimaltemperaturen hat schon heute zum Einzug der Malaria in die kenianische Hauptstadt Nairobi geführt, die auf 1670 Meter Höhe liegt und deshalb bisher malariafrei war. Im Dezember 2003 legte die Weltgesundheitsorganisation eine Studie zu den Folgen des Klimawandels für die menschliche Gesundheit vor. Danach ist der Klimawandel für 2,4 Prozent aller Durchfallerkrankungen und für 2 Prozent aller Malariaerkrankungen verantwortlich. Im Jahr 2000 forderte der zusätzliche Treibhauseffekt demnach weltweit 150 000 Todesopfer.

 

Exkurs: Klimawandel in Bayern

Im Umweltbericht Bayern 2007 hat das Bayerische Landesamt für Umweltschutz den Stand und die voraussichtlichen Folgen des Klimawandels für Bayern dargestellt. In Bayern fiel demnach die beobachtbare Erwärmung der Erdatmosphäre mit rund 0,8 Grad Celsius etwas stärker aus als im globalen Durchschnitt (0,7 Grad). Im bayerischen Alpenraum lag die Erwärmung sogar doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. Und die Temperaturen werden im Freistaat voraussichtlich weiter steigen. Der Anstieg wird dabei aller Wahrscheinlichkeit nach in den Monaten November bis April (Winter) stärker sein als in den Monaten Mai bis Oktober (Sommer).

Schon heute sind die Folgen des Klimawandels zu beobachten: Die bayerischen Gletscher schmelzen. Der Schneeferner-Gletscher auf der Zugspitze hat deutlich an Fläche verloren und könnte in 20 Jahren ganz verschwunden sein. Die Frostgrenze in den Alpen ist um rund 250 Meter gestiegen, Dauerfrostböden tauen auf, es kommt vermehrt zu Steinschlag.

Außerdem kann beobachtet werden, dass die Apfelblüte früher einsetzt, Zugvögel früher zurückkommen, und bei Arten und Lebensräumen zeigen sich generell Verschiebungen.

Als weitere Folgen werden bis 2050 erwartet:

  • Deutliche Zunahme der Zahl der Sommertage mit Höchsttemperaturen über 25 Grad.
  • Verdoppelung der Zahl der Heißtage mit Höchsttemperaturen über 30 Grad.
  • Abnahme der Frosttage (Minimumtemperatur unter 0 Grad) und der Zahl der Eistage (Höchsttemperatur unter 0 Grad).
  • Zunahme der Trockentage und im Schnitt niederschlagsärmere Sommer mit negativen Auswirkungen vor allem für die Wasserversorgung der Land- und Forstwirtschaft (Abnahme der Niederschläge im Landesschnitt um bis zu 10 Prozent, in Teilen Mittelfrankens, der Oberpfalz und im östlichen Niederbayern um bis zu 20 Prozent).
  • Zunahme der Niederschlagsmenge im Winterhalbjahr um 5 bis 20 Prozent im Landesschnitt, in Unterfranken bis zu 35 Prozent, und mehr Starkregenereignisse mit Zunahme der Gefahr von Überschwemmungen und Erosion.

Bayern trägt als hochentwickeltes Industrieland einen vergleichsweise hohen Anteil zu den weltweiten CO2-Emissionen bei. Er liegt bei 0,3 Prozent (Deutschland 3,2 Prozent). Die Pro-Kopf-Emissionen an CO2 liegen in Bayern mit 6,8 t pro Jahr deutlich unter dem deutschen Schnitt von 9,9 t. Das liegt unter anderem daran, dass Strom in Bayern zu einem relativ hohen Anteil aus CO2-emissionsfreier Wasserkraft und Kernkraft erzeugt wird.

Mit zahlreichen Maßnahmen versucht Bayern, die Klimaforschung weiter zu intensivieren und dem Klimawandel entgegenzuwirken. Die bayerische Staatsregierung hat das Klimaschutz-Konzept 2000 auf den Weg gebracht, das bis 2010 die Reduzierung des CO2-Ausstoßes auf 80 Mio. t pro Jahr vorsieht. Es wurde mittlerweile überarbeitet und in der „Initiative klimafreundliches Bayern“ 2003 fortgeschrieben. Es gibt einen „Klima-Dialog“ mit der Wirtschaft und eine „Klima-Allianz“ mit den bayerischen Landkreisen, den Kirchen und dem Bund Naturschutz. Mit dem aktuellen „Klimaprogramm 2020“ von 2007 verbindet der Freistaat weitere Reduktionsziele mit Anpassungsmaßnahmen an die Klimaerwärmung. Klimaforschung findet in Bayern u.a. in der Umweltstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze statt. 2008 fiel die Entscheidung, zwei neue Klimaforschungsverbände in Bayern einzurichten. Und vom 31. Mai bis 8. Juni 2008 findet die Bayerische Klimawoche statt, die die Bevölkerung weiter für das Problem sensibilisieren soll.

 

Internationale Klimaschutzpolitik

Der Schwede Svante Arrhenius erkannte schon 1896, dass steigende CO2-Emissionen zu einer globalen Erwärmung führen könnten. Es dauerte bis in die 1970er Jahre, bevor Wissenschaftler begannen, sich ernsthaft mit dieser These auseinanderzusetzen. 1979 fand in Genf schließlich die erste Weltklimakonferenz statt. In der Folge gründete die Weltorganisation für Meteorologie WMO zusammen mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP das Weltklimaprogramm. 1988 wurde von den UN der Weltklimarat IPCC ins Leben gerufen. 1990 folgte die zweite Weltklimakonferenz, auf der zu Verhandlungen über eine Weltklimakonvention aufgerufen wurde.

Die Klimarahmenkonvention

Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 wurde schließlich von 154 Staaten die geforderte Klimarahmenkonvention verabschiedet, die am 21. März 1994 in Kraft trat. Die Unterzeichnerstaaten konnten sich allerdings erst auf den Folgekonferenzen auf verbindliche globale und nationale Reduktionsziele einigen. Dennoch wurden erste wichtige Prinzipien und Vereinbarungen festschrieben: Als Ziel des internationalen Klimaschutzes wurde die Senkung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf ein für das Klima ungefährliches Niveau formuliert. Außerdem wurden folgende völkerrechtlich verbindliche Festlegungen getroffen:

  • Regelmäßige Erstellung von nationalen Bestandsaufnahmen der Treibhausgas-Emissionen und von nationalen Maßnahmen zum Klimaschutz,
  • Unterstützung von „Entwicklungsländern“ bei der Umsetzung der Konvention durch finanzielle und technische Hilfe aus den Industriestaaten,
  • Gründung eines Sekretariats der Konvention mit Sitz in Bonn, einer Kommission für wissenschaftliche Belange, einer Kommission für die Überprüfung der Umsetzung der Klimarahmenkonvention und eines Mechanismus zur Regelung des Finanztransfers an die „Entwicklungsländer“,
  • Einrichtung einer jährlichen Vertragsstaatenkonferenz, auf der die Bestimmungen der   Rahmenkonvention konkretisiert und weiterentwickelt bzw. den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst werden sollen.

Grund für die eher mageren Ergebnisse der Klimarahmenkonvention war die unterschiedliche Interessenlage der einzelnen Staaten. Einige Industrieländer wie etwa Deutschland und andere EU-Mitglieder waren zu weitreichenden Zusagen bereit, andere Staaten hingegen – wie etwa die USA – befürchteten von schnellen Reduktionsmaßnahmen wirtschaftliche Nachteile. Die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Staaten OPEC wollten vermeiden, dass strenge Reduktionsziele ihren Öl-Absatz verringern. Inselstaaten und wirtschaftlich schwache Küstenländer mochten dagegen die Folgen eines möglichen Anstiegs des Meeresspiegels nicht allein tragen und forderten Kompensationszahlungen. Umstritten war schließlich die Frage, ob auch „Entwicklungsländer“ ihren Beitrag zur Reduzierung der weltweiten Treibhausgas-Emissionen leisten sollten. Sie lehnten dies mit dem Argument ab, bisher wesentlich weniger zur Aufheizung der Atmosphäre beigetragen zu haben als die Industriestaaten.

Diese Tatsache wurde von den europäischen Industrienationen auch anerkannt. Deshalb haben sie sich in der Klimarahmenkonvention dazu verpflichtet, bei der Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Einzelne Industriestaaten (z.B. Deutschland) erklärten sich schon 1992 oder früher bereit, ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken.

Anteil einzelner Länder an CO2-Emissionen 2005

Land CO2-Emissionen in Mio. t durch fossile Energieträger CO2-Emissionen pro Kopf in t
USA 5817 19,6
China 5060 3,9
Russland 1544 10,8
Japan 1214 9,5
Indien 1147 1,0
Deutschland 813 9,9
Kanada 549 17,0
Großbritannien 530 8,8
Italien 454 7,8
Südkorea 449 9,3
Iran 407 6,0
Mexiko 389 3,7
Frankreich 388 6,2

Quelle: International Energy Agency IEA, Key World Energy Statistics 2007, S. 48 ff.

 

Das Kyoto-Protokoll

Die erste Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention fand 1995 in Berlin, die zweite 1996 in Genf statt. Ein Durchbruch in der Frage verbindlicher Reduktionsziele für einzelne Staaten konnte erst 1997 auf der dritten Vertragsstaatenkonferenz im japanischen Kyoto erzielt werden. Im Kyoto-Protokoll wurde vereinbart, dass die Industrienationen sowie die Länder des ehemaligen Ostblocks (zusammen 39 Staaten) den Ausstoß bei sechs Treibhausgasen (Kohlendioxid, Methan, Lachgas, Fluorkohlenwasserstoffe H-FKW, Perfluorkohlenwasserstoffe PFKW und Schwefelhexafluorid SF6) bis 2012 um insgesamt 5,2 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 senken müssen. Dabei sind die Reduktionsverpflichtungen auf die betroffenen Staaten ungleich verteilt: Die Europäische Union muss ihren Treibhausgas-Ausstoß um acht Prozent senken ebenso wie einige mittel- und osteuropäische Staaten, die USA müssen nur sieben Prozent, Kanada, Japan, Polen und Ungarn sechs Prozent einsparen. Norwegen (+ 1 %), Island (+10 %) und Australien (+ 8 %) dürfen ihre Treibhausgasemissionen ausweiten, Russland, Neuseeland und die Ukraine brauchen sie nur auf dem Niveau von 1990 zu stabilisieren.

Umstritten ist, dass die Reduktionsverpflichtungen des Kyoto-Protokolls nicht ausschließlich durch Maßnahmen im eigenen Land erzielt werden müssen. Das Protokoll erlaubt den Handel mit Emissionsrechten: Wenn ein Staat seine Treibhausgasemissionen über die festgeschriebenen Werte hinaus senkt, kann er diese zusätzliche Minderung an andere Vertragsstaaten verkaufen, die dann selbst entsprechend weniger ein-

sparen müssen. Außerdem gibt es das Verfahren der „gemeinsamen Umsetzung“ (joint implementation). Es sieht vor, dass Industrie- und „Entwicklungsländer“ gemeinsam treibhausgasmindernde Projekte durchführen können, wobei sich das Industrieland dabei Einsparungen gutschreiben lassen kann. Ein weiterer Weg, eigene Reduzierungen von Treibhausgas-Emissionen zu vermeiden, ist die Anrechnung von Treibhausgassenken wie z.B. die CO2-Aufnahme von Wäldern durch (Wieder-)Aufforstung.

Das Kyoto-Protokoll trat am 16. Februar 2005 in Kraft. Das Inkrafttreten des Protokolls wurde lange durch die USA verzögert, die das Protokoll bis heute noch nicht ratifiziert haben (ein völkerrechtlicher Vertrag wird erst wirksam, nachdem die Parlamente ihre Zustimmung gegeben haben und das Staatsoberhaupt den Vertrag mit seiner Unterschrift bestätigt [= ratifiziert] hat). Im Protokoll ist festgelegt, dass es erst dann in Kraft tritt, wenn es von mindestens 55 Staaten ratifiziert worden ist und diese für zusammen mindestens 55 Prozent der CO2-Emissionen des Jahres 1990 verantwortlich waren. Dieser Status wurde erst durch die Ratifizierung durch Russland am 22. Oktober 2004 erreicht.

Die im Kyoto-Protokoll vereinbarten Reduktionsziele für Treibhausgas-Emissionen reichen nicht aus, um eine globale Erwärmung zu verhindern: Die Klima-Enquete-kommission des Deutschen Bundestages ist beispielsweise der Auffassung, dass zur Verhinderung einer Klimakatastrophe bis zum Jahr 2050 eine Reduzierung der globalen CO2-Emissionen um 50 Prozent gegenüber 1987 nötig wäre. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten die Industriestaaten als die Hauptemittenten von CO2 ihren Ausstoß bis 2050 um 70 bis 80 Prozent reduzieren, da in den Entwicklungsländern mit einem Zuwachs der CO2-Emissionen zu rechnen ist.

Auf der UN-Klimakonferenz auf Bali im Dezember 2007 einigten sich die 190 Konferenzteilnehmer auf einen Fahrplan für ein neues UN-Klimaschutzabkommen, das das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ablösen soll. Ziel ist es, das neue Abkommen bis 2009 auszuhandeln. Auf konkrete neue Einsparziele bei Treibhausgasen konnten sich die Teilnehmer noch nicht einigen. Erfreuliches am Rande: Australiens neuer Premier Kevin Rudd unterzeichnete zu Beginn der Bali-Konferenz das Kyoto-Protokoll. Australien hatte bislang wie auch die USA das Kyoto-Protokoll abgelehnt.

 

Klimaschutzpolitik in Deutschland und der EU

Deutschland sieht sich als Vorreiter des Klimaschutzes. Schon 1987 richtete der Deutsche Bundestag die Enquete-Kommission „Schutz der Erdatmosphäre“ ein, die bis 1994 eine auch international stark beachtete Aufarbeitung der Klimaproblematik geleistet hat. Bereits 1990 beschloss die Bundesregierung eine Reduktion der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2005 um 25 Prozent in den alten und noch wesentlich mehr in den neuen Bundesländern – noch bevor es zu diesbezüglichen internationalen Vereinbarungen im Rahmen der EU oder UN gekommen war.

Diesen Anspruch auf seine Vorreiterrolle machte Deutschland am 5. Dezember 2007 erneut deutlich. An diesem Tag beschloss die Bundesregierung das integrierte Klima- und Energiepaket, das es Deutschland ermöglichen soll, das neue selbstgesteckte Klimaschutzziel zu erreichen: bis zum Jahr 2020 im Vergleich zum Basisjahr 1990 die Treibhausgas-Emissionen um 40 Prozent zu senken.

Wie kann das Klima geschützt werden?

Prinzipiell kann man acht Maßnahmenbereiche unterscheiden:

  1. Neuere, effizientere und CO2-sparendere Kraftwerke
  2. Kraft-Wärme-Kopplung bei der Stromerzeugung in Kraftwerken, d.h. die bei der Stromerzeugung entstehende Abwärme zur Heizung von Gebäuden und Industrieanlagen nutzen
  3. Erneuerbare Energien zur Stromgewinnung ausbauen, sprich Ausbau von Wind-, Wasser- und Solarkraft sowie von Biogasanlagen
  4. Energieeffizientere elektrische Geräte
  5. Gebäude sanieren, so dass sie weniger Heizenergie verbrauchen (Wärmedämmung, effizientere Heizungsanlagen)
  6. Wärme aus erneuerbaren Energien gewinnen (Sonne, Erdwärme und Bio masse wie z.B. Holzabfälle)
  7. Effizientere Automobile und Lastkraftwagen, Verkehrslenkung, Bahnen und öffentliche Verkehrsmittel fördern
  8. Weitere Maßnahmen im Nicht-Energie-Bereich: Methan-Emissionen aus Abfällen und Bergbau reduzieren, naturnahe Landwirtschaft ohne Kunstdünger fördern, Umstellung auf umweltfreundlichere Kältemittel

Mit seiner Vorreiterrolle möchte Deutschland die Klimaschutzpolitik der EU und auf internationaler Ebene voranbringen. So hatten die 27 EU-Staaten unter Führung der Bundesregierung im März 2007 beschlossen, ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 30 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Die EU übernimmt diese Verpflichtung unter der Voraussetzung, dass andere Industriestaaten vergleichbare Anstrengungen unternehmen und Schwellenländer mit hohen Emissionen ebenfalls einen angemessenen Beitrag leisten.

Um die Glaubwürdigkeit des europäischen Engagements zu unterstreichen, beschloss der Europäische Rat zusätzlich, dass die EU ihre Treibhausgas-Emissionen ohne jede Vorbedingung bis 2020 um mindestens 20 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren wird. Mit diesen Zielen geht die Union deutlich über ihre bestehende Verpflichtung im Rahmen des Kyoto-Protokolls hinaus.

Die Staats- und Regierungschefs haben nochmals bestätigt, dass die EU eine Vorreiterrolle beim internationalen Klimaschutz einnehmen möchte. Ziel ist es, internationale Verhandlungen über eine globale und umfassende Vereinbarung für die Zeit nach 2012 – nach dem Auslaufen der ersten Phase des Kyoto-Protokolls – bis 2009 zum Abschluss zu bringen.

Wichtig wäre es dann, dass die Reduktionsziele weiter verschärft werden und dass auch Schwellenländer wie China und Indien, die einen immer größeren Anteil am weltweiten Treibhausgasausstoß zu verantworten haben, Reduktionsverpflichtungen übernehmen. Außerdem sollte ein Weg gefunden werden, die USA wieder in die Vereinbarungen von Kyoto einzubinden.

Persönliche Sofortmaßnahmen zum Klimaschutz

Wer nicht warten möchte, bis die Politik entsprechende Rahmenbedingungen zum Klimaschutz schafft, der kann mit dem Klimaschützen sofort loslegen:

Richtig heizen und lüften
Rund ein Fünftel der Gesamtenergie in Deutschland wird fürs Heizen aufgewendet. Über die Hälfte der pro Jahr in einem Haushalt verbrauchten Energie entfällt auf die Heizung. Wer die Raumtemperatur um ein Grad senkt, spart rund sechs Prozent Energie ein. Noch mehr Energie kann sparen, wer richtig lüftet: Heizung ausdrehen, Fenster weit öffnen, und für einige Minuten für Durchzug sorgen – das ist viel günstiger als Dauerlüften bei leicht gekipptem Fenster und aufgedrehter Heizung.

Duschen statt baden
Mit der Menge Wasser, die man für ein Vollbad benötigt, kann man dreimal duschen. So spart man nicht nur aufwändig aufbereitetes Trinkwasser, sondern auch Energie, die zur Warmwassergewinnung notwendig ist.

Lampen wechseln
Energiesparlampen verbrauchen rund 80 Prozent weniger Strom als herkömmliche Glühbirnen und leben rund zehnmal länger.

Stand-by, good-bye
Viele elektronische Geräte verbrauchen im so genannten Stand-by-Betrieb unnötig Strom. Also, Fernseher, HiFi-Anlage, DVD-Player, Computer, Drucker immer ganz abschalten, wenn sie nicht gebraucht werden, z.B. mit einer abschaltbaren Steckdosenleiste.

Deckel drauf
Wer sein Süppchen mit Deckel auf dem Topf kocht, verbraucht 60 Prozent weniger Energie als „oben ohne“. Ein Dampfkochtopf spart weitere 50 Prozent Energie.

Produkte aus der Region kaufen
Butter aus Bayern statt aus Irland, deutsche statt neuseeländische Äpfel, Wein aus Deutschland statt aus Kalifornien – das verringert den Transport- und damit Energieaufwand für Lebensmittel.

Umweltschonend Autofahren
Langsam fahren, die Reifen immer vorschriftsmäßig aufpumpen, frühzeitig schalten, fünften Gang verwenden, keinen unnötigen Ballast mit herumfahren, bei längeren Stopps (auch an Ampeln), den Motor abschalten – das sind nur einige Tipps für umweltfreundlicheres Autofahren. Außerdem: Beim Kauf eines Autos auf niedrigen Kraftstoffverbrauch achten. Und: Am klimaschonendsten ist ein Auto, das nicht fährt!

Im Urlaub
Möglichst mit der Bahn zum Urlaubsort anreisen und nicht mit dem Auto oder dem Flugzeug. Letztere sind pro Kopf deutlich klimaschädlicher: Es wird mehr Kohlendioxid freigesetzt und es entstehen auch mehr andere Schadstoffe als bei einer Bahnfahrt. Wer dennoch fliegen muss, kann den dabei freiwerdenden Kohlendioxidausstoß über eine Zahlung an eine Klimaschutzagentur wie beispielsweise atmosfair oder myclimate kompensieren.

 

 

Literaturverzeichnis:

  • Bayerisches Landesamt für Umwelt, Umweltbericht Bayern 2007, Augsburg 2007.
  • Fischer Weltalmanach 2008 – Zahlen, Daten, Fakten, Frankfurt a.M. 2007, S. 710–717.
  • Gmelch, Heinz: Globale Umweltprobleme – Dimensionen, Ursachen, Lösungsansätze, in: Mir A. Ferdowsi (Hrsg.): Weltprobleme, München 2007, S. 237–281 (hrsg. von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit).
  • ders.: VN-Umweltpolitik, in: Peter J. Opitz (Hrsg.): Die Vereinten Nationen, München 2007, S. 235–257.
  • Gore, Al: Eine unbequeme Wahrheit, München 2006.
  • IPCC: 4. Sachstandsbericht (3 Teile und eine Zusammenfassung plus jeweils eine Zusammenfassung
    für „policy makers“ im Internet als pdf zum Downloaden unter www.ipcc.ch; außerdem liegt die Zusammenfassung als deutsche Übersetzung vor bei der deutschen IPCC-Koordinierungsstelle, Universität Stuttgart, Hessbrühlstr. 49a, D-70565 Stuttgart).
  • Latif, Mojib: Bringen wir das Klima aus dem Takt? Hintergründe und Prognosen, Frankfurt am Main 2007 (Fischer Taschenbuch 17276).
  • Müller, Michael/Ursula Fuentes/Harald Kohl (Hrsg.): Der UN-Weltklimareport. Bericht über eine aufhaltsame Katastrophe, Köln 2007 (Kiepenheuer & Witsch Taschenbuch 1024).
    Rahmsdorf, Stefan/Hans Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel, München 2006 (C.H. Beck Wissen).

Filme zum Thema:

  • Roland Emmerich, The Day After Tomorrow, 20th Century Fox 2004, Klimathriller.
  • Davis Guggenheim, Eine unbequeme Wahrheit, Dokumentarfilm über die Klimaerwärmung, mit Al Gore, 2006, als DVD bei CIC Video/Paramount Home Ent. 2007 (ein Oscar 2007 in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“).

Internet:

 


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