Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
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Auszug aus der Wandzeitung 3/87

Beschreibung und Erläuterung der

Wappensymbole

des Freistaats Bayern und der sieben Bezirke


  • Freistaat Bayern

  • Mittelfranken
  • Niederbayern
  • Oberbayern
  • Oberfranken
  • Oberpfalz
  • Schwaben
  • Unterfranken



    Freistaat Bayern

    Wappenbeschreibung

    Der Freistaat Bayern führt zwei Wappen. Das Große bayerische Staatswappen besteht aus einem gevierteten Schild mit einem Herzschild. Das erste Feld zeigt in Schwarz einen aufgerichteten goldenen, rotbewehrten Löwen; das zweite Feld ist von Rot und Weiß (Silber) mit drei aus dem Weiß aufsteigenden Spitzen geteilt; das dritte Feld zeigt einen blauen, goldbewehrten, aufgerichteten Panther mit roter Zunge auf weißem (silbernem) Grund; im vierten Feld sind auf Gold drei schwarze, rotbewehrte, schreitende Löwen dargestellt, die übereinander zugeordnet sind und ihre Köpfe dem Betrachter zuwenden. Der Herzschild ist in Weiß (Silber) und Blau schrägrechts gerautet. Als Wappenhalter dienen zwei aufgerichtete goldene Löwen mit roter Zunge und Bewehrung. Auf dem Schild ruht eine Volkskrone. Sie setzt sich zusammen aus einem goldenen Reifen, der mit Steinen geschmückt und fünf ornamentalen Blättern besetzt ist. Das Kleine bayerische Staatswappen besteht aus einem in weiß (Silber) und Blau schrägrechts gerauteten Schild, auf dem die Volkskrone ruht (Gesetz über das Wappen des Freistaates Bayern vom 6. Juni 1950, Bay BSI S. 126, Art. 1).


    Erläuterung der Wappensymbole

    Die Wappenbilder des Großen Staatswappens entstammen den wichtigeren Territorien, aus denen das ehemalige Königreich zusammenwuchs. Der Plfälzer Löwe im ersten Teil erinnert an die 1214 erfolgte Belehnung des bayerischen Herzogs Ludwig mit der Pfalzgrafschaft, zu der die linksrheinische Kurpfalz und die Obere Pfalz nördlich der Donau gehörten. Ebenso läßt er daran zurückdenken, daß seit 1777 die Herrscherpersönlichkeiten auf dem Münchener Thron aus der pfälzischen Linie der Wittelsbacher herkamen.

    Im zweiten Feld daneben steht der "fränkische Rechen", der zuweilen auch als stilisierte mittelalterliche Stadtansicht gedeutet wird. Das Bild entstammt dem Wappen des einst selbständigen, dann in Bayern aufgegangenen Fürstbistums Würzburg, dessen Regenten seit 1168 auch Titularinhaber des Herzogtums Franken waren. Der erste Fürstbischof, der den "fränkischen Rechen" führte, war Johann I. von Egloffstein (1400-1410).

    Der blaue Panther im dritten Feld war ursprünglich das Wappenschild der Herzöge von Kärnten aus dem Hause Spanheim. Eine Linie dieses Geschlechts verfügte in Niederbayern über größere Besitzungen, bis sie Herzog Heinrich von Niederbayern von der Letzten des Hauses Spanheim 1295 durch Kauf erwarb. Mit den Besitzungen übernahm er auch den Panther als Wappentier. Er vertritt im Staatswappen Altbayern (Nieder- und Oberbayern).

    Die Löwen im vierten Feld sind dem alten Wappen der Hohenstaufen, der einstigen Herzöge von Schwaben, entnommen. Sie symbolisieren den Landesteil Bayerisch-Schwaben.

    Der Herzschild trägt das gerautete Wappenschild der Wittelsbacher, die zunächst Herzöge (ab 1180), dann Kurfürsten (ab 1623) und zuletzt Könige (1806 bis 1918) von Bayern waren. Ursprünglich bildeten die Rauten oder Wecken das Wappenschild des Grafengeschlechts von Bogen (an der Donau östlich von Regensburg), das 1242 ausstarb und von den Wittelsbachern beerbt wurde.



    Mittelfranken

    Wappenbeschreibung

    "Gespalten und vorne geteilt; vorne oben geviert von Silber und Schwarz, unten in Rot drei silberne Spitzen; hinten in Gold am Spalt ein rotbewehrter schwarzer Adler."


    Erläuterung der Wappensymbole

    Das Bezirkswappen von Mittelfranken erinnert an die früheren reichsständischen Gebiete in diesem Raum: an die Ländereien der Burggrafen von Nürnberg, aus denen später die Markgrafen von Ansbach-Bayreuth hervorgegangen sind, und an die einstige freie Reichsstadt Nürnberg mit ihrem ausgedehnten Landsitz; daneben steht wiederum der "fränkische Rechen" für Franken allgemein, aber - der Farbenwahl wegen - auch für Eichstätt im besonderen. Für das Gebiet der Markgrafen von Ansbach, das den Hauptteil des heutigen Bezirkes Mittelfranken bildet, wurde der von Silber und Schwarz geviertete Schild aufgenommen, der seit 1240 als Stammwappen der Burggrafen von Nürnberg nachgewiesen ist. Die freie Reichsstadt Nürnberg wird durch einen halben Adler versinnbildlicht, der seiner Herkunft nach Wahrzeichen des alten deutschen Reiches und gemeinsames Sinnbild der einst zum Reich gehörenden Städte ist; die Stadt Nürnberg führt auch heute noch, ebenso wie die Städte Weißenburg i. Bay. und Windsheim, den Adler in ihrem Wappen. Die Farben Weiß und Rot des fränkischen Rechens waren die Farben des früheren Hochstifts Eichstätt, dessen Territorium heute zu Mittelfranken gehört.

    Fundstelle 1969



    Niederbayern

    Wappenbeschreibung

    "Gespalten; vorne die bayerischen Rauten, hinten in Silber ein aufgerichteter roter Panther."


    Erläuterung der Wappensymbole

    Wie Oberbayern war auch der Bezirk Niederbayern sparsam mit Symbolen: Sein Wappen zeigt nur die bayerischen Rauten und einen Panther. Der Panther, auch Pantier genannt, erinnert an das Dynastengeschlecht der Grafen Ortenburg-Kraiburg aus dem Hause Spanheim, das im 12. Jahrhundert nach Besitz und Rang an erster Stelle in Altbayern stand. Erst im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts wurde es durch die Wittelsbacher zurückgedrängt. Die Spanheimischen Güter bildeten schließlich den Kern des 1255 errichteten Herzogtums Niederbayern-Landshut. Der Panther im Bezirkswappen von Niederbayern ist (im Gegensatz zum blauen Panther im bayerischen Staatswappen) rot tingiert, weil er nach den neuesten Forschungen für die niederbayerischen Herrschaftsgebiete der Spanheimer einst in dieser Färbung üblich war.

    Die Rauten im Bezirkswappen verweisen auf ganz Altbayern und versinnbildlichen allgemein die Zugehörigkeit zum Bayerischen Staat; auch sie waren im Wappen der Landshuter Herzöge enthalten.

    Fundstelle 1969



    Oberbayern

    Wappenbeschreibung

    "Unter einem Schildhaupt mit den bayerischen Rauten in Schwarz ein rotgekrönter und rotbewehrter goldener Löwe."

    Erläuterung der Wappensymbole

    Der Bezirk Oberbayern hat sich in seinem Wappen zwei allgemeine Symbole des Bayerischen Staates zu eigen gemacht: die Rauten (heraldisch auch als "Wecken" bezeichnet) und den pfalz-bayerischen Löwen. Die Rauten sind seit 1204 als Wappen der Grafen von Bogen nachgewiesen; sie wurden nach dem Aussterben dieses Grafengeschlechts 1242 von den Wittelsbachern übernommen. Die Übernahme dieser überörtlichen, das gesamte bayerische Staatsgebiet repräsentierenden Symbole läßt sich damit rechtfertigen, daß Oberbayern das Kernstück des alten wittelsbachischen Territoriums mit der Residenzstadt München bildete und der heutige Bezirk Oberbayern nach Fläche und Einwohnerzahl der größte unter den bayerischen Bezirken ist. Die bayerischen Rauten erscheinen außerdem noch in den Wappen der Bezirke Oberbayern und Oberpfalz, der pfalz-bayerische Löwe kommt auch im Wappen der Oberpfalz vor. Im Großen bayerischen Staatswappen sind beide Symbole enthalten. Während aber Oberbayern den Löwen mit der traditionellen Krone zeigt, ist er im bayerischen Staatswappen ungekrönt.

    Fundstelle 1969



    Oberfranken

    Wappenbeschreibung

    "Über rotem Schildfuß, darin drei silberne Spitzen, zweimal gespalten: vorne in Gold ein mit einer silbernen Schrägleiste überdeckter, linksgewendeter, rotbewehrter schwarzer Löwe; Mitte geviert von Silber und Schwarz; hinten fünfmal geteilt von Schwarz und Gold, belegt mit einem schräggestellten und geschwungenen grünen Rautenkranz."


    Erläuterung der Wappensymbole

    Das Wappen von Oberfranken enthält vier geschlossene Symbole und ist damit das vielgestaltigste unter den bayerischen Bezirkswappen. Wie die beiden anderen fränkischen Bezirkswappen weist es den sog. "fränkischen Rechen" (drei in rotem Feld aufsteigende silberne Spitzen) auf, der als ein allgemeines Wahrzeichen für Franken zu verstehen ist. Dieses ursprünglich als Wappen des Domkapitels Würzburg und später auch des Hochstifts Würzburg geführte Wahrzeichen ist seit 1803 auch Bestandteil des bayerischen Staatswappens. Die übrigen Wappensymbole für Oberfranken beziehen sich auf die alten Territorien, die heute den Bezirk ausmachen, nämlich das frühere Hochstift Bamberg (mit silberner Schrägleiste überdeckter schwarzer Löwe), das Markgrafentum Brandenburg-Bayreuth (Vierung von Silber und Schwarz der Nürnberger Burggrafen) und schließlich das ehemalige Herzogtum Coburg, das erst nach dem Ersten Weltkrieg im Jahre 1920 zu Bayern kam (grüner Rautenkranz auf fünfmaliger Teilung von Schwarz und Gold aus dem Wappen der Weltiner, die bis 1918 das Herzogtum Sachsen-Coburg regierten).

    Fundstelle 1969



    Oberpfalz

    Wappenbeschreibung

    "Gespalten durch eine aufsteigende und eingeschweifte rote Spitze, darin zwei schräg gekreuzte silberne Schlüssel; vorne in Schwarz ein linksgewendeter, rotbewehrter und rotgekrönter goldener Löwe, hinten die bayerischen Rauten."

    Erläuterung der Wappensymbole

    Das Wappen des Bezirks Oberpfalz lehnt sich eng an ein seit 1563 nachweisbares, für den Kern der heutigen Oberpfalz geführtes Landschaftssiegel an. Dieses Gebiet wurde einst als "Land zu Baiern zu der Pfalz gehörig", als die "kurfürstliche Pfalz hieroben zu Baiern", als "Pfalz des oberen Fürstentums zu Bayern" und schließlich seit Anfang des 16. Jahrhunderts einfach als "obere Pfalz" und dann schließlich als "Oberpfalz" bezeichnet. Symbole des Landschaftssiegels waren der Pfälzer Löwe, die Rauten, und in einer aufsteigenden Spitze schwebend der Reichsapfel. Nach der neuen Kreiseinteilung von 1837 sprach man (bis 1933) von der "Oberpfalz und Regensburg". Mit Rücksicht hierauf wurde im neuen Bezirkswappen der Reichsapfel durch die gekreuzten Schlüssel des hl. Petrus, das Symbol für die ehemalige Reichsstadt Regensburg als Sitz der Regierung der Oberpfalz, ersetzt.

    Fundstelle 1969



    Schwaben

    Wappenbeschreibung

    "Unter goldenem Schildhaupt, darin ein wachsender, rotbewehrter und golden nimbierter schwarzer Doppeladler, gespalten; vorne gespalten von Rot und Silber, hinten fünfmal schräglinks geteilt von Silber und Rot, überdeckt mit einem goldenen Pfahl."

    Erläuterung der Wappensymbole

    Das Wappen des Bezirks Schwaben enthält drei hervorragende Symbole, die auf die schwäbischen Reichsstädte mit dem Doppeladler des Reichs hinweisen und auf die geistlichen Besitztümer mit dem Symbol des Hochstifts Augsburg und auf die weltlichen Besitztümer mit dem Wappen der Markgrafschaft Burgau, die repräsentativ für die zahlreichen in diesem Gebiet Ende des 18. Jahrhunderts bestehenden Grundherrschaften herausgestellt sind. Der Doppeladler des alten Reichs verkörpert neben den schwäbischen Reichsstädten auch das ehemalige, umfangreiche Reichsgut der Staufer und die reichsritterschaftlichen Territorien. Der von Rot und Silber gespaltene Schild des Hochstifts Augsburg ist stellvertretend für die geistlichen Territorien bis 1803. Das Wappen der Markgrafschaft Burgau (goldener Pfahl auf fünfmaliger Schräglinksstellung von Silber und Rot) vertritt insbesondere Mittelschwaben und die weithin verstreuten fuggerischen Gebiete, den Besitz der Linien des Hauses Oettingen und Nördlingen und schließlich die alten wittelsbachischen Gebiete.

    Fundstelle 1969



    Unterfranken

    Wappenbeschreibung

    Unter rotem Schildhaupt, darin drei silberne Spitzen, gespalten von Blau und Rot; vorne eine schräggelegte, von Silber und Rot gevierte und zweimal gekerbte Standarte an goldener Lanze, hinten ein sechsspeichiges silbernes Rad."


    Erläuterung der Wappensymbole

    Das Wappen des Bezirks Unterfranken spiegelt die wichtigsten früheren Herrschaftsverhältnisse wider. Für das Hochstift und Domkapitel Würzburg stehen dessen drei silberne Spitzen in Rot - der "fränkische Rechen" -, die seit Einführung des bayerischen Staatswappens unter König Ludwig I. im Jahre 1835 zugleich als fränkisches Gemeinschaftssymbol gelten. Die gevierte Standarte (Sturmfahne) ist das alte Banner des Fürstbistums Würzburg und Herzogtums Ostfranken; das Rad (Mainzer Rad) ist das alte Wahrzeichen des Erzstifts und Kurstaates Mainz und versinnbildlicht den großen Herrschaftsbesitz von Mainz im heutigen Gebiet des Bezirks Unterfranken, vor allem am unteren Main.

    Fundstelle 1969



    Impressum

    Redaktion: Dr. Wolfgang Seidl
    Text: Helmuth Hoffmann
    Dokumentation und Gestaltung der Wandzeitung: Heike Schäfer
    Gestaltung und Erstellung der WWW-Seiten: Alexander Wald
    Redaktion der Internetseiten: Dr. Zdenek Zofka
    © 7/97 - 4/98, Stand vom 30.4.1998




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