Parlamentarierprojekt
Schüler forschen auf den Spuren der ersten bayerischen Abgeordneten

Willenlose Untertanen oder selbstbewusste Volksvertreter? Wie verstanden sich die Abgeordneten der Ständeversammlung, die König Max I. Joseph 1819 einberufen hat? Welchem Beruf gingen sie im Alltag nach und welche Spuren haben sie der Nachwelt hinterlassen? Diesen und anderen Fragen gingen Schülerinnen und Schüler aus ganz Bayern im Rahmen des Projektes „Die Ständeversammlung von 1819 und ihre Abgeordneten – 200 Jahre Verfassung in Bayern“ nach. Ihre Antworten präsentieren sie bei der Abschlussveranstaltung am 4. Februar 2019 im Beisein von Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Kultusminister Michael Piazolo.

2019 ist ein in besonderes Jahr für die bayerische Geschichte, vor allem die bayerische Verfassungsgeschichte:

1818 wurde Bayern von seinem Monarchen Max I. Joseph eine relativ moderne Verfassung oktroyiert. Auch wenn eine weiterreichende Beteiligung der Repräsentanten am Gesetzgebungsverfahren nicht vorgesehen war, sicherte der Monarch doch zu, dass er „alle Rechte der Staatsgewalt“ entsprechend der Bestimmungen der Verfassung ausüben werde. 1819 berief der König die Stände-Versammlung ein – mit einem Zweikammersystem. Vor nahezu genau 200 Jahren, Anfang Februar 1819, trat die Ständeversammlung in München in der Prannerstraße zusammen. Sie bestand aus 120 Abgeordneten und 47 Reichsräten. Bis 1918 blieb die freilich mehrfach veränderte Verfassung Rechtsgrundlage in Bayern.

Die darin vorgesehene Ständeversammlung bestand aus einer Ersten Kammer der Reichsräte (mit Prinzen, mediatisierten Erzbischöfen und ernannten Reichsräten usw.) und einer Zweiten Kammer der Abgeordneten, die nach einem Zensuswahlrecht bestimmt wurden. Die Rechte der Ständeversammlung waren klar beschrieben und begrenzt. Kaum mehr als fünf Prozent der Bevölkerung hatten das aktive Wahlrecht für die Zweite Kammer. Die Ständeversammlung hatte das Recht der Steuerbewilligung. Es gab ein Petitions- und Beschwerderecht und ein Recht auf Mitwirkung bei der Gesetzgebung, ferner das Recht auf Ministeranklage, aber kein Recht der Abberufung der Regierung. Die Praxis musste zeigen, ob sich das Selbstverständnis des Königtums mit dem der Ständeversammlung in Einklang bringen ließ.

Das Projekt

Das Projekt „Die Stände-Versammlung von 1819 und ihre Abgeordneten – 200 Jahre Verfassung in Bayern“ wurde gemeinsam von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, vom Haus der Bayerischen Geschichte und vom Verband bayerischer Geschichtsvereine e.V. initiiert. Es wurde begleitet vom Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte. Die Hauptarbeit haben Schülerinnen und Schüler bayerischer Schulen gemeinsam mit ihren Lehrkräften sowie den Geschichtsvereinen und Kultureinrichtungen im Freistaat geleistet. Sie haben damit einen Beitrag zur Erforschung der Parlamentsgeschichte und zugleich einen Beitrag zur Förderung von Partizipation und Mitsprache geleistet. Sie haben sich mit Lebensläufen von Abgeordneten, ihrer Lebenssituation und ihrer Arbeit in der Ständeversammlung beschäftigt. Und haben so die Abgeordneten des frühen 19. Jahrhunderts auch in ihrer Region in den Blick gerückt.

Folgende Schulen haben sich beteiligt:

SchuleErforschter Abgeordneter
Robert-Koch-Gymnasium Deggendorf Johann-Nepomuk Freiherr von Pelkhoven
Karl-von-Closen-Gymnasium EggenfeldenKarl Ferdinand Freiherr von Closen
Paul-Klee-Gymnasium GersthofenCarl Ernst Freiherr von Gravenreuth
Gymnasium Kirchseeon Anton von Hofstetten
Sigmund-Loewe-Schule Staatliche Realschule Kronach Heinrich Karl Löwel
Berufsoberschule Schönbrunn Landshut Maurus Magold
Karl Rottmanner
Josef Ritter von Utzschneider
Otto-Hahn-Gymnasium Marktredwitz Carl Philipp Sigismund de Paula Cajetan Freiherr von Weißenstein Notthafft
Karolinen-Gymnasium Rosenheim Georg Karl Rieder
Staatliche Realschule Schonungen Gottfried Baumann
Grundschule Sommerach Wilhelm Joseph Behr
Humboldt-Gymnasium Vaterstetten Anton Grandauer
Luitpold-Gymnasium Wasserburg Johann Georg Buchauer
Berufsschule I Schweinfurt Georg Christoph Stolle

Weitere Informationen

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
Logo
Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus
Suche Kontrast Schriftgröße