Kunst & Politik

Kunst und Politik – zwei Begriffe, die in vielfacher Weise miteinander verflochten sind. Kunst ist immer politisch, auch wenn sie vorgibt, es nicht zu sein. Das Verhältnis der Politik zur Kunst ist ein zuverlässiger Indikator für den aktuellen Status Quo eines Staates bzw. einer Gesellschaft – und umgekehrt.

Kunst geißelt, verspottet, karikiert Politik, verachtet sie, passt sich ihr an, stützt sie, dient ihr oder huldigt ihr gar. Politik fördert Kunst, ohne ihre Freiheit zu beschneiden, sie zensiert und diszipliniert sie, bedient sich ihrer oder unterdrückt sie.

Die Skala dieses gegenseitigen Verhältnisses enthält viele Abstufungen. Nicht immer ist es eindeutig bestimmbar. Die Bücherverbrennung „wider den undeutschen Geist“ von 1933, denen die Werke der bedeutendsten Schriftsteller zum Opfer fielen, und das rücksichtslose Vorgehen gegen die „entartete Kunst“, die Werke der genialsten Maler der Moderne, definiert das Verhältnis der Nationalsozialisten zur eigenständigen, schöpferischen Kunst ebenso wie das, was den Nazis als Kunst galt: Das Bild „Hitler als Bannerträger“ von Herbert Lanzinger z.B., „Barb. Roman einer deutschen Frau“ von Kuni Tremel-Eggert, das Chorwerk „Führerworte“ von Gottfried Müller: Kunst hat sich in den Dienst der herrschenden Ideologie zu stellen, sonst darf sie nicht existieren. Qualität spielt dabei keine Rolle.
Nicht anders ist die Kunst des Stalinismus zu beurteilen: Monströse Bildwerke wie „Stalin ist unser Banner“, sozialistische „Erziehungsromane“ oder pompöse Werke wie das „Poem auf einen Komsomolzenkämpfer“ (Lew Knipper) hatten der Politik und ihrem Führerkult zu dienen; geniale und avantgardistische Musiker wie Dimitri Schostakowitsch wurden psychisch und künstlerisch vernichtet.
Sehr häufig aber ist das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Politik nicht so einfach aufzulösen. Wie sind die Statuen der Augustuszeit zu beurteilen? Von höchster künstlerischer Qualität waren sie doch nichts anderes als Herrscherlob. Die Bildwerke des Mittelalters und der Renaissance? Großartige Kunst und doch diktiert von einer allmächtigen Kirche.

Wie sind Komponisten wie Sergej Prokofjew, Richard Strauß, Hans Pfitzner zu beurteilen, die herausragende Werke geschaffen, sich aber immer mit den Mächtigen arrangiert haben?
Wie schwierig das Verhältnis von Kunst und Politik zu beurteilen, wie leicht die Forderung an die Kunst, sich den Mächtigen nicht zu beugen, zum Unrecht werden kann, zeigt die Diskussion, die nach dem Krieg über die Musiker des Ghettos Theresienstadt geführt wurde: Die jüdischen Künstler/innen, von den Nazis nach dorthin verschleppt und mit Instrumenten ausgestattet, um der Welt in übelster Propaganda zu demonstrieren, wie „gut“ das Nazi-Regime doch mit den Juden umginge, merkten bald, dass Dichtung und Musik ihre Verzweiflung linderten und ihnen neuen Lebensmut gaben. So mancher Leidensgenosse aus anderen Lagern warf ihnen, wenn sie denn überlebt hatten, nach dem Krieg vor, sich in den Dienst des Nazi-Terrors gestellt zu haben.

Die Frage, was Kunst denn dürfe, ohne ihre schöpferische Freiheit und Eigenständigkeit an die Politik, an die Mächtigen, zu verlieren, darf und muss immer wieder gestellt werden. Wenn sie aber so sehr die Menschlichkeit um des Prinzips willen hintanstellt, ist sie nicht besser als die Politik, die sich der Kunst und der Künstler bedient.

 

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