Tagung
Revolution und Räterepublik in München

Hundert Jahre nach den dramatischen Ereignissen in München spürte die Tagung der Geschichte nach und beleuchtet ihre Folgen. Es ging nicht nur um Helden, um „Haupt- und Staatsaktionen“, sondern auch um Bilder davon, wie Menschen die Umbruchsepoche erlebten.

Es diskutierten Prof. Dr. Manfred Görtemaker, Elisabeth Angermair, M.A., Prof. Dr. Peter Longerich, Dr. Ulrike Haerendel, Cornelia Naumann, M.A. und Martin Platt, M.A. (v. links)

Als die Revolutionäre um Kurt Eisner am 7. November 1918 in München das Heft des Handelns in die Hand nahmen, waren sie die Ersten in Deutschland, die den Rückzug der Monarchie erzwangen. In der gleichen Nacht verließen König Ludwig III. und seine Familie heimlich die Stadt, während Eisner vor seinen Mitstreitern die „Bayerische Republik“ ausrief. In der kriegsmüden Gesellschaft konnte sich die Revolution sowohl in Bayern wie auch im gesamten Deutschen Reich durchsetzen.

Die Regierung Eisner stützte sich auf den in der Revolutionsnacht gebildeten Provisorischen Nationalrat. Die Legitimität ihrer Beschlüsse wurde allerdings spätestens seit den Landtagswahlen vom Januar 1919 offen in Frage gestellt. So scheiterte die Regierung an vielem: an mangelnder Unterstützung – vor allem der Landbevölkerung –, an der Uneinigkeit der sozialdemokratischen Parteien, an dem Unvermögen, die Straße zu beruhigen und die Versorgungslage der Bevölkerung zu konsolidieren. Als Eisner auf dem Weg, seinen Rücktritt zu erklären, am 21. Februar 1919 ermordet wurde, entstand eine Mächtekonkurrenz, die der Revolutionäre Zentralrat schließlich für sich entscheiden konnte. Am 7. April rief er die Räterepublik aus und die sozialdemokratische Regierung von Johannes Hoffmann floh nach Bamberg. Von dort setzte sie Ende April preußische und württembergische Regierungstruppen sowie Freikorpseinheiten gegen München in Bewegung. In München hatte inzwischen eine zweite – kommunistische – Räteregierung die Macht übernommen, deren „Rote Armee“ gegen die militärische Übermacht freilich keine Chance hatte.

Die blutige Niederschlagung der Räterepublik wurde zur „Befreiung“ Münchens stilisiert und bot eine Erzählung für das schnell anwachsende rechtsextreme Lager in München. Zu ihm gehörte der Frontsoldat Adolf Hitler, der hier eine politische Basis für seinen Aufstieg fand. Deshalb wird sich die Tagung abschließend der Frage widmen, welche Rolle Revolution und Räterepublik für den Weg in den Nationalsozialismus spielten.

Hundert Jahre nach den dramatischen Ereignissen in München hat die Tagung "Revolution und Räterepublik in München" der Geschichte nachgespürt und ihre Folgen beleuchtet. Es ging nicht nur um Helden, um „Haupt- und Staatsaktionen“, sondern auch um Bilder davon, wie Menschen die Umbruchsepoche erlebten. Das Axensprung Theater aus Hamburg gastierte mit seinem Theaterstück „Revolution!?“, das ein vielschichtiges Porträt der Nachkriegsgesellschaft an der Nahtstelle zwischen dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und dem Anfang der Weimarer Republik zeichnete.

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