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Einsichten und Perspektiven 2 | 19

Stationen, Verbindungen und Weichenstellungen der bayerischen Verfassungsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert

Stationen, Verbindungen

und Weichenstellungen

der bayerischen

Verfassungsgeschichte im

19. und 20. Jahrhundert

1

von Hermann Rumschöttel

Konstitutionelle Tradition als Geschichtspolitik und

Verfassungspatriotismus

1

Staatliche Geschichtspolitik und gesellschaftliche Erin-

nerungskultur haben in Bayern einen hohen Stellenwert.

Etwas überspitzt könnte man sogar sagen, dass histori-

sches Bewusstsein, dass geschichtliche Tiefenschärfe gera-

dezu Verfassungsrang genießen. In der Präambel der nach

der Katastrophe von Nationalsozialismus und Zweitem

Weltkrieg im Jahr 1946 in Kraft getretenen Verfassung

des Freistaates Bayern wird die Vergangenheit mit ihren

positiven und negativen Traditionen als wesentliche Vor-

aussetzung und Grundlage der konstitutionellen Neu-

ordnung angesprochen. Das „Bayerische Volk, eingedenk

seiner mehr als tausendjährigen Geschichte“ gibt sich

eine demokratische Verfassung. Geschichte als Anker, als

Rückspiegel auf dem Weg in die Zukunft.

1 Öffentlicher Vortrag der Tagung „100 Jahre Bamberger Verfassung“ der Ge-

sellschaft für bayerische Rechtsgeschichte und des Leopold-Wenger-Insti-

tuts für Rechtsgeschichte am Freitag, 07. Juli 2017, 19.00 Uhr in Bamberg.

Für die Drucklegung wurde die Vortragsform im Wesentlichen beibehalten

und durch Nachweise ergänzt. Erstveröffentlichung in: Horst Gehringer u.a.

(Hg.): Demokratie in Bayern. Die Bamberger Verfassung von 1919 (Veröf-

fentlichungen des Stadtarchivs Bamberg 30), Bamberg 2019, S. 19-35.

Die sog. Konstitutionssäule in Gaibach/Unterfranken, die zum zehnjährigen

Jubiläum der Verfassung von 1818 von Leo von Klenze gestaltet wurde

Foto: ullstein bild - imageBROKER/Dr. Wilfried Bahnmüller