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Frauen im Ministerium für Staatssicherheit

Einsichten und Perspektiven 3 | 19

zwar vorwiegend junge Frauen, „die“, wie es in einer Beur-

teilung Heinritz‘ von 1973 heißt, „über keine Erfahrun-

gen in der Arbeit des MfS verfügten“.

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Heinritz habe, so

die Beurteilung weiter, „entscheidenden Anteil daran, dass

sich diese Mitarbeiterinnen gute Fachkenntnisse aneig-

neten, ihr Aufgabengebiet schnell beherrschten und die

Arbeitsleistungen rasch anstiegen“. Schließlich vermerkte

die Beurteilung auch: „Sie fühlt sich für die Sorgen ihrer

Genossen voll verantwortlich und es gelingt ihr […],

den jungen Genossen tschekistische Verhaltensweisen

anzuerziehen“

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.

Was das heißt, deutet eine Beurteilung an, die Hein-

ritz im September 1972 über eine untergebene, 24-jäh-

rige Unteroffizierin verfasste. Neben Formulierungen, die

zum Standardrepertoire solcher Beurteilungen gehörten,

notierte sie: „Genn. Uffz. K[.] pflegt gute Sitten und

Umgangsformen, hat ein sehr gepflegtes Äußeres und

kleidet sich mit viel Geschmack. Sie neigt allerdings zur

äußerlichen Auffälligkeit. In ihrem charakterlichen Ver-

halten zeigt sich manchmal ein überbetontes Wesen und

hinterlässt den Eindruck, dass sie sich stark in den Vor-

dergrund schiebt. […] Sie muss darauf bedacht sein, sich

17 BStU, MfS, Abt. XII 5148, S. 11 ff., hier S. 11.

18 BStU, MfS, Abt. XII 5148, S. 11 ff., hier S. 12.

natürlicher zu geben und wird damit mehr Anklang bei

ihrer Umwelt finden.“

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Über eine weitere junge Mitarbei-

terin schrieb Heinritz im gleichen Jahr: „Genn. B.[…] hat

eine derbe aber nicht verletzende Art und müsste oftmals

in ihrer Ausdrucksweise gewählter sein, obwohl sie auch

auf diesem Gebiet bereits an ihrer Persönlichkeitsformung

gearbeitet hat.“

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Zwar finden sich auch in – von männlichen wie weib-

lichen Vorgesetzten geschriebenen –Beurteilungen männ-

licher Hauptamtlicher in der Regel Einschätzungen

des Charakters und des Verhaltens gegenüber Kollegen,

schließlich wollte das MfS umfassend über seine Mitar-

beiter informiert sein. Doch weisen einige Bemerkun-

gen Heinritz‘ – zum Beispiel das „gepflegte Äußere“, die

„guten Sitten“ und die Kleidung – darauf hin, dass bei

Frauen zusätzliche Kriterien hinzukommen konnten.

Kritisch vermerkte Heinritz in ihrem Text über die

Untergebene K., dass diese geplante Qualifizierungsmaß-

nahmen habe ablehnen müssen, da sie „durch die Abho-

lung ihrer beiden Kinder vom Kindergarten und deren

Betreuung den regelmäßigen Besuch der Studienveran-

19 BStU, MfS, Abt. XII 2680, S. 11 ff., hier S. 13.

20 BStU, MfS, Abt. XII 3323, S. 14 ff., hier S. 16.

Mitarbeiterin der Abt. XII an der Personenkartei F 16. Die Kartei diente dem zentralen Nachweis von Personen, die in

das Blickfeld operativer Diensteinheiten des MfS geraten waren.

Abbildung: BStU, MfS, Abt. XII Fo 92, Bild 2