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Frauen im Ministerium für Staatssicherheit

Einsichten und Perspektiven 3 | 19

Wie das Beispiel Redmann zeigt, hatten sich die Lebens-

und Karrierewege leitender hauptamtlicher Mitarbeiterin-

nen imMfS somit durchaus analog zu den in der gesamten

DDR-Gesellschaft sich wandelnden Rahmenbedingungen

geändert.Trotzdemblieb die Geheimpolizei eine „Männer-

welt“, in der Frauen weiterhin keine bedeutende Rolle im

Blick auf Führungspositionen spielten – Redmanns Auf-

stieg war auch in der Abt. XII in dieser Zeit eine Ausnahme.

Frauen in der „Männerwelt“ des MfS

Der Bedeutung von Frauen im MfS wird man jedoch

nicht gerecht, wenn man allein auf die leitenden Kader

blickt, zumal eine solche Perspektive dazu führen könnte,

die Mitverantwortung von Frauen für das Wirken der

Geheimpolizei gering zu schätzen – eben weil es so wenige

weibliche Führungskräfte gab. In der Abt. XII arbeiteten

nämlich auch Dutzende von Frauen an untergeordneter

Stelle und verrichteten hier über Jahre Tag für Tag ihren

Dienst: bei der Dateneingabe, an den Karteiumlaufschrän-

ken, bei der Aktenausgabe, als Sekretärin, bei der Postver-

teilung, in der Verwaltung der archivierten Unterlagen. Sie

bildeten gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen die

Voraussetzung für die Repressions- und Überwachungs-

maßnahmen, mit denen das MfS die DDR-Gesellschaft

unter Kontrolle zu halten versuchte.

Eine ehemalige hauptamtliche Mitarbeiterin aus der

Abteilung Rückwärtige Dienste erläuterte 1993 in einem

Zeitungsinterview, sie und ihre Kolleginnen seien im

MfS „nicht als Frauen […], sondern als funktionierende

Schräubchen“ wahrgenommen worden – sie hätten „in

einem doppelten Patriarchat gelebt: in dem der Gesell-

schaft und in dem des Militärs“. Tatsächlich waren Frauen

bei der Staatssicherheit jedoch nicht nur „Schräubchen“

oder „Opfer“ männlicher Dominanz. Sie trugen vielmehr

an vielen Stellen zum Funktionieren des Repressionsappa-

rates bei. Der Blick auf die weiblichen Hauptamtlichen –

im Jahr 1989 immerhin rund 14 000 – kann somit unsere

Erkenntnisse über die Tätigkeit und Wirkungsweise des

Ministeriums für Staatssicherheit und unser Bild vom

MfS weiter schärfen.