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Teil II: „Es lebe die Weltrevolution!“ – Die Kommunistische Räterepublik

Einsichten und Perspektiven 3 | 19

Mit der Niederschlagung des Palmsonntagsputsches schlug in Bayern die

Stunde der Kommunistischen Partei. Zentrale Figur der Zweiten Räterepublik

wurde der gebürtige Russe Eugen Leviné, von Sebastian Haffner später als

deutscher Lenin oder Trotzki bezeichnet.

2

Aus der russischen Oberschicht stammend hatte sich

Leviné während seines Jurastudiums in Heidelberg zum

glühenden Sozialrevolutionär entwickelt. 1909 war er der

SPD beigetreten, seit 1913 war er deutscher Staatsbürger.

Die Haltung seiner Partei zum Ersten Weltkrieg hatte ihn

der SPD entfremdet und zum Spartakusbund geführt, der

für eine sozialistische Revolution kämpfte. Zum Jahres-

wechsel 1918/19 hatte Leviné die Kommunistische Partei

Deutschlands mitbegründet.

3

1 Nähere Informationen zum Gemälde gibt Dr. Matthias Bader unter htt-

ps:/

/www.bavarikon.de/object/bav

:MSM-OBJ-0000000000000004?view

=meta&lang=de [Stand: 23.09.2019].

2 Sebastian Haffner: Die deutsche Revolution 1918/19, München 1991, S. 178.

3 Rosa Meyer-Leviné: Eugen Leviné. Leben und Tod eines Revolutionärs. Er-

innerungen, München 1972.

Auch in Bayern war im Januar 1919 aus Spartakusbund

und diversen linken Gruppierungen eine bayerische KPD

entstanden. Sie hatte keine Berührungsängste mit ande-

ren politischen Gruppierungen und arbeitete sowohl mit

der USPD als auch mit Anarchisten zusammen. Für die

Bayerische KPD bemaß sich der Revolutionär nicht nach

dem Parteibuch. Eugen Leviné schrieb später nach Ber-

lin: „Meine Freunde hier sind die reinsten Kinder. Alle

Erfahrungen scheinen an ihnen spurlos vorübergegan-

gen zu sein. Es herrscht eine ungeheure Verwirrung. Die

meisten Mitglieder tragen an ihrer Brust die Bilder von

Karl Liebknecht und Kurt Eisner friedlich nebeneinander.

Wenn man sie darauf aufmerksam macht, erklären sie:

‚Auf unseren Eisner lassen wir nichts kommen. Er war ein

aufrechter Revolutionär‘.“

4

Die wenig linientreue Politik der bayerischen Kom-

munisten wurde in der Berliner Parteizentrale nicht gern

gesehen. Um die Genossen wieder auf Kurs zu bringen

und davon abzuhalten, sich der Ersten Räterepublik anzu-

schließen, wurde Eugen Leviné Anfang März 1919 nach

München entsandt, wo er den Vorsitz der Münchner KPD

übernahm. Doch je länger er in der bayerischen Haupt-

stadt war, umso mehr zweifelte er an der Richtigkeit der

Direktive aus Berlin, sich der Mitarbeit an einer Räte-

republik zu verweigern. Zwei Tage vor dem sog. Palm-

sonntagsputsch erklärte Leviné auf einer Versammlung

der Betriebsräte, dass sich die KPD dem revolutionären

Willen der Menschen nicht länger verschließen könne.

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Noch während die Partei beriet, ob sie der bestehenden

Räteregierung ihre Unterstützung anbieten oder selbst die

Regierung übernehmen sollte, überstürzten sich mit dem

Palmsonntagsputsch die Ereignisse und zwangen die KPD

zum Handeln.

Am 14. April 1919 begann der erste Versuch, auf deut-

schem Boden eine Diktatur des Proletariats zu errichten.

Die Betriebs- und Kasernenräte, wie die Arbeiter- und

Soldatenräte nun hießen, gründeten einen Aktionsaus-

4 Dies.: Aus der Münchner Rätezeit, Berlin 1925, S. 8.

5 Michaela Karl: Die Münchner Räterepublik. Porträts einer Revolution,

Düsseldorf 2008, S. 222.

Eugen Leviné war Mitbegründer der KPD und Vorsitzender des Vollzugsrats

der zweiten Räterepublik in München. Er wurde am 13. Mai verhaftet und

am 5. Juni 1919 wegen Hochverrats hingerichtet. Bei dem Foto handelt es

sich um eine Aufnahme des Erkennungsdienstes der Polizeidirektion

München vom 16. Mai 1919.

Foto: Sammlung Megele/Süddeutsche Zeitung Photo