Table of Contents Table of Contents
Previous Page  2 / 72 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 2 / 72 Next Page
Page Background

2

Einsichten und Perspektiven 4 | 19

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ich lerne jetzt schon wochenlang Englisch, aber glaubst Du, ich komme

weiter? Ausgeschlossen. Ich glaub, dass ich‘s nie kapiere. Das kommt wohl

auch davon, weil ich all diese lateinischen Ausdrücke wie ‚Verb’, ‚Adverb’

und Maskulinum und was weiß ich, nicht in unserer Dorfschule gelernt

habe. Es wird aber auch daher kommen, weil ich zu wenig unter Ameri-

kaner komme, und zum dritten endlich – weil ich einfach in der Gefan-

genschaft der deutschen Sprache als Schriftsteller bleibe.

(Oskar Maria Graf an Kurt Kersten 14.4.1943)

Oskar Maria Graf beschreibt, wie schwer es für ihn ist, Englisch zu

lernen als Deutscher im amerikanischen Exil. Nachdem er 1933 das

Land verlassen und zur Verbrennung seiner Bücher mit den anderen

auf den Listen der Nationalsozialisten stehenden Werken aufgerufen

hatte, war er über mehrere Umwege dorthin emigriert. Waldemar

Fromm beleuchtet in seinem Beitrag die Verbindung von Literatur

und Politik bei Graf, der dieses Jahr 125 Jahre alt geworden wäre.

Um Sprache und ihre Komplexität geht es auch in den Artikeln von

Sybille Krämer und Konrad Sziedat, die den Zusammenhang von

Sprache und Gewalt bzw. den Begriff „Friedliche Revolution“ analy-

sieren.

Auch wenn man des Englischen mächtig ist, versteht man die Vor-

gänge in Großbritannien rund um den Brexit bisweilen kaum noch.

In unserem Artikel zeichnen wir den Weg seit dem Referendum 2016

bis heute nach und lassen Briten aus Nordengland dazu zu Wort kom-

men.

Bernhard Schoßig stellt dar, wie die bayerischen Opernhäuser in

München und Nürnberg ihre NS-Geschichte aufarbeiten, und Anke

Buettner erläutert ausgehend von der aktuellen Ausstellung über Erika

Mann, wie die Monacensia, das „literarische Gedächtnis Münchens“,

arbeitet.

Wir laden Sie wieder ein, sich auf historisch-biographische Spurensu-

che zu begeben und wünschen Ihnen eine fröhliche Weihnachtszeit

sowie einen guten Start in ein glückliches neues Jahr 2020, in dem Sie

uns hoffentlich als Leserinnen und Leser gewogen bleiben.

Die Redaktion

Autorinnen und Autoren dieses Heftes

Dr. Anke Buettner

ist Literaturwissenschaftlerin

und leitet seit 2019 die Monacensia im Hildebrand-

haus in München.

Dr. Waldemar Fromm

ist apl. Professor am Institut

für Deutsche Philologie der LMU in München und

Vorsitzender der Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft.

Christina Gibbs

ist Referentin bei der Bayerischen

Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.

Prof. Dr. Sibylle Krämer

lehrte bis 2018 am Institut

für Philosophie der Freien Universität Berlin. Ihre

Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der

Sprach- und Medienphilosophie.

Prof. Dr. Rainer F. Schmidt

hat eine Professur für

Neueste Geschichte und Didaktik der Geschichte an

der Universität Würzburg inne.

Dr. Bernhard Schoßig

ist Lehrbeauftragter im

Bereich Didaktik der Geschichte und Public History

am Historischen Seminar der LMU in München.

Dr. Konrad Sziedat

ist Referent bei der Bayerischen

Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.

Editorial

Leserbriefe richten Sie bitte an folgende

E-Mail-Adresse:

landeszentrale@blz.bayern.de

,

Stichwort: Einsichten und Perspektiven.

Hier können Sie auch ein kostenloses

Abonnement der Zeitschrift beziehen.