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Einsichten und Perspektiven Themenheft 1 | 18

einer effizienten Staatsorganisation. Erste Voraussetzung

dazu war die klare Trennung von Staat und Dynastie, die

sich fiskalisch in der Einführung einer Zivilliste für den

Monarchen zeigte. Aber nicht nur die Vermögen wurden

klar getrennt, sondern auch die Regierungsaufgaben. Vier,

ab 1808 fünf Fachministerien mit klar umschriebenen

Ressortzuständigkeiten waren nun in den Bereichen Äuße-

res, Inneres, Finanzen, Justiz und Krieg jeweils für den

Gesamtstaat zuständig. Anstelle früherer Kollegialorgane

trat jetzt die Leitung und Verantwortlichkeit des Minis-

ters gemäß dem Direktorialprinzip. Diese im Gesamtmi-

nisterium bzw. Kabinett vereinigten Ministerien waren

zugleich die Spitzen von Regierung und Verwaltung, die

dreistufig und hierarchisch aufgebaut wurden.

Die oberste Ebene nahm die Ministerialverwaltung ein,

als Mittelbehörden fungierten die Generalkommissariate

der Kreise bzw. später die Regierungen der Bezirke, auf

der untersten Ebene waren die Landgerichte und sonsti-

gen Ämter angesiedelt, nicht zuletzt die für die Steuer-

verwaltung zuständigen Institutionen. Zu diesem Zwecke

wurde das Land 1808 nach dem französischen Vorbild

der Departements in 15 Kreise eingeteilt, die nach statis-

tischen und organisatorischen Gesichtspunkten gebildet

und nach dem Lauf von Flüssen der jeweiligen Region

benannt wurden. Sie sind nach einer Reduzierung auf

zunächst neun und dann acht Kreise die Vorläufer der spä-

teren Regierungsbezirke geworden. Auf der unteren Ebene

wurde das Land in Landgerichtssprengel aufgeteilt, die in

ihren regionalen Aufgliederungen mit den Landkreisen

vergleichbar sind. Während bei den Mittelbehörden Ver-

waltung und Justiz bereits klar getrennt waren, blieben in

den Landgerichten beide Bereiche bis 1862 verbunden.

Daneben bestanden als im Grunde systemfremde Sonder-

gewalten die adeligen Patrimonialgerichte weiter, Orts-

gerichte mit niederer Gerichtsbarkeit, die erst 1848 im

Gefolge der Revolution abgeschafft wurden.

Die Eigenständigkeit der Kommunalverwaltung hat

Montgelas zunächst rigoros eingeschränkt und damit die

Städte und Gemeinden der fast totalen staatlichen Auf-

sicht unterstellt. Mit zwei Edikten aus dem Jahre 1808

wurden die Städte in den Staat integriert und ihrer einsti-

gen Autonomie beraubt.

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11 Dazu Dirk Götschmann: Die kreisunmittelbare Stadt im Königreich Bay-

ern, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 73 (2010), S. 497-525;

knapper und konziser Überblick bei Hans-Joachim Hecker, Die bayerischen

Gemeinden im 19. und 20. Jahrhundert, in: Kommunalarchive - Häuser

der Geschichte, hg. von Dorit-Maria Krenn u.a., Würzburg 2015, S. 41-55.

Die Gemeinden wurden als öffentliche Körperschaften

anerkannt und zugleich der staatlichen Kuratel unterstellt.

Eingeteilt waren sie in drei Kategorien, in Ruralgemein-

den, Städte und Märkte mit bis zu 5.000 Einwohnern und

Städte mit über 5.000 Einwohnern. In den Landgemein-

den entschied eine Versammlung der Gemeindemitglie-

der über die Gemeindeangelegenheiten, bei allen anderen

war ein „Municipalrat“ einzurichten, dessen Umfang von

der Größe der jeweiligen Kommune abhing. Dabei blie-

ben den Kommunen nur noch administrative Befugnisse

erhalten, die sie auf der Basis staatlicher Verordnungen,

unter staatlicher Aufsicht und Kontrolle, in größeren Städ-

ten sogar nur unter der Oberaufsicht durch einen staatli-

chen Kommissär ausüben konnten. Besonders schwer traf

die Städte der Verlust der Verfügungsgewalt über das städ-

tische Stiftungswesen, das eine wichtige Grundlage für das

kommunale Wohlfahrts- und Bildungswesen bildete.

Immerhin hat später die Gemeindeordnung vom 17.

Mai 1818, die der Verfassung als Gemeindeedikt angefügt

wurde, einige dieser harten Eingriffe wieder abgemildert.

Durch das Gerichtsverfassungsgesetz von 1808 wurde

die Gerichtsbarkeit als unabhängige dritte Gewalt etab-

liert, dreistufig im Aufbau und mit Instanzenwegen, so

dass sich durchaus ein modernes Gerichtswesen heraus-

bilden konnte. Dazu trugen auch neue Gesetzeswerke bei,

die vor allem in der Rheinpfalz auch unter dem Einfluss

französischen Rechts standen.

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Allgemeine Schulpflicht und Ansätze eines Sozial-

staats

Moderne Organisationsformen fanden auch Eingang in

das Bildungssystem, wo mit der allgemeinen Schulpflicht

seit 1802 und dem Aufbau einer Schulverwaltung ent-

scheidende Schritte getan wurden, und im Militärwesen,

das sich durch Einführung der allgemeinen Dienstpflicht

im Jahre 1805 grundlegend wandelte.

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Dazu kamen Einrichtungen des Medizinalwesens, der

Armen- und Krankenfürsorge, der Landesbrandversiche-

rung, die bereits in Richtung auf den künftigen Sozialstaat

12 Hermann Rumschöttel: Auf dem Weg zum modernen Rechtsstaat, in: „Ge-

rechtigkeit erhöht ein Volk“. Recht und Rechtspflege in Bayern im Wandel

der Geschichte. Ausstellungskataloge der Staatlichen Archive Bayerns, hg.

von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, Bd.28, Mün-

chen 1990, S. 207.

13 Zur frühen Heeresreform Stefanie Buchhold: Johann Nepomuk Graf von

Triva (1755-1827) und die bayerische Heeresreform nach 1804, München

2012; umfassend zur bayerischen Militärgeschichte des 19. Jahrhunderts

die ausgezeichnete Arbeit von Gundula Gahlen, Das bayerische Offiziers-

korps 1815-1866, Paderborn u.a. 2011 und Achim Fuchs, Einführung in die

Geschichte der bayerischen Armee, München 2014.

Mit Krone und Verfassung ins neue Jahrhundert