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Streiflichter zur bayerischen Geschichte und doch mehr

Die jüngsten 200 Jahre bayerische Geschichte sind prall gefüllt von Ereignissen: Die erste Bayerische Verfassung nach

dem Ende des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation und dem Aus der Herrschaft des französischen Kaisers

Napoleon – eine Verfassung noch von Bayerns König Maximilian I. oktroyiert und doch mit verfassungsgeschichtlich

durchaus modernen Elementen. Die erste bayerische Vertretung auf einer breiteren Grundlage, und doch ohne den

Charakter einer Vertretung der Bevölkerung. Die zunächst zaghafte, dann rasche Entwicklung von Liberalismus und

Demokratie. Die Restauration unter Vorherrschaft aus Wien. Die Einordnung Bayerns in ein von Preußen dominiertes

Deutsches Kaiserreich – mit ausgeprägten Reservatrechten. Dann der Erste Weltkrieg, das Ende der Monarchie, eine

mehr als fragile demokratische Republik mit Bamberger Verfassung für Bayern und Weimarer Verfassung für das Deut-

sche Reich. Doch eine Republik, die weltweit nicht nur mit dem Wahlrecht für Frauen Zeichen setzte – für Partizipation.

Finstere Vorboten des Braunen Regimes wie der Marsch auf die Feldherrnhalle in der „Stadt der Bewegung“, dann die

zunächst fast unbemerkte Machtübernahme und das dramatische Ende von Rechtsstaat, Demokratie und der Men-

schenrechte unter dem Symbol des Hakenkreuzes. Kapitulation, Entnazifizierung, Erziehung zu Demokratie und Aufbau

einer demokratischen Staatsordnung – für die Verfassungsväter unter Berufung auf Gott. Der Wandel von einer stark

agrarisch geprägten zu einer Mittelstandsgesellschaft, zu der Industrieproduktion, Dienstleistung und Landwirtschaft

in wandelndem Verhältnis ihren Beitrag leisteten. Das Ziel gleichwertiger Lebensbedingungen in einem Flächenstaat

mit seinen fast 13 Millionen Menschen – mit einem Volksbegehren vor wenigen Jahren in der Verfassung verankert –

bleibt auch anno 2018 erstrebenswert.

Selbst in der Aufzählung sehr vieler Ereignisse werden wichtige Begebenheiten unerwähnt bleiben. Gründe sind die

schiere Fülle, aber auch die subjektive Einschätzung der Vorgänge, die von Bedeutung sind und der Erwähnung wert

erscheinen.

Diese 200 Jahre bayerische Geschichte in einem „Themenheft“ abzubilden, erweist sich als keine leichte Aufgabe, weil

die Idee eines Themenhefts in enger Verbindung mit der entstand, in einem Kalender mit zwölf Monatsblätter die

bayerische Geschichte – visuell ansprechend und leicht verdaulich – möglichst vielen Nutzern zugänglich zu machen.

Dies gilt aber auch deshalb, weil sich 200 Jahre bayerische Geschichte auch in Streiflichtern nicht auf eine Geschichte

von Verfassungsrecht und Politik reduzieren lassen. 200 Jahre bayerische Geschichte bedeutet politische und soziale

Entwicklung, heißt Wirtschaft und Gesellschaft im Wandel, umschließt Kunst und Kultur.

Und so legt die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit „Streiflichter zur bayerischen Geschichte“ vor.

Und vielleicht sind es mehr als Streiflichter, weil sich diese zu einem größeren Ganzen, zu einer Art Skizze bayerischer

Geschichte zusammensehen lassen.

Wir danken den Autoren für Ihre Arbeit, dafür, dass sie jeweils ihr Streiflicht den Leserinnen und Lesern aufberei-

tet haben. Und wir wünschen den Leserinnen und Lesern viel Spaß bei den Streiflichtern zu 200 Jahren bayerische

Geschichte – und doch mehr.

Dr. Ludwig Unger

Katharina Fischer

Vorwort