Table of Contents Table of Contents
Previous Page  5 / 94 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 5 / 94 Next Page
Page Background

5

Einsichten und Perspektiven Themenheft 1 | 18

Mit Krone und Verfassung ins neue Jahrhundert

Der moderne bayerische Staat ist geprägt vom Geist der

Aufklärung und den Folgen der Französischen Revolution.

Geformt aber wurde er durch den Einfluss Napoleons und

vor allem durch die starke Hand des führenden Politikers

dieser Jahre, Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas’,

der in einer „Revolution von oben“ das neue Staatswesen

schuf.

1

Nach dem kinderlosen Tod Karl Theodors übernahm

1799 Max IV. Joseph, der aus einer Pfälzer Nebenlinie

stammte, die Herrschaft in München. Und mit ihm kam

Montgelas und stieg in den folgenden Jahren zum all-

mächtigen Minister auf. Bayern aber wurde nun vom Sog

des napoleonischen Systems erfasst, außenpolitisch durch

die enge Bindung an Frankreich, innenpolitisch durch

ein forciertes Reformprogramm. Von ausschlaggebender

Bedeutung dabei war die Nähe zu den politischen Ideen

1 Zur Persönlichkeit und zu allen Facetten der Politik Montgelas, das un-

übertreffliche Meisterwerk von Eberhard Weis: Montgelas Bd.2: Der Ar-

chitekt des modernen bayerischen Staates 1799-1938, München 2005.

und zur Lebensart Frankreichs, von denen sowohl Max

Joseph als auch Montgelas bestimmt waren.

2

Von Österreich verlassen, mit Frankreich liiert

Als Max Joseph die Herrschaft übernahm, war die poli-

tische Situation Bayerns prekär: Die linksrheinische Pfalz

war von Frankreich besetzt, die rechtsrheinische bedroht;

in Bayern selbst standen über 100.000 österreichische Sol-

daten, die jederzeit zur Annexionsarmee werden konnten.

Die Entscheidung für ein Bündnis mit Österreich, Eng-

land und Russland war daher im zweiten Koalitionskrieg

gegen Frankreich eine Frage des Überlebens. Österreich

gab allerdings den bayerischen Verbündeten bald den

französischen Heeren preis und erlitt 1800 bei Hohenlin-

den eine so schwere Niederlage, dass dieser Waffengang

schnell beendet war. Im Frieden von Lunéville stimmte

Kaiser Franz 1801 der endgültigen Abtretung der links-

rheinischen Gebiete zu. Durch eine gezielte Indiskretion

wurde bekannt, dass Österreich während dieser Verhand-

lungen sich erneut um eine Abtretung Bayerns bemüht

hatte.

Die Folge war ein bayerisch-französisches Abkommen

im selben Jahr, in dem Frankreich einen Länderausgleich

für die annektierten linksrheinischen Gebiete in Aussicht

stellte.

Die Kompensation für die linksrheinischen Gebiete

war für Bayern von erheblicher Bedeutung und daher der

bayerischen Regierung viel Bestechungsgeld wert.

Bei der Aufhebung der geistlichen Fürstentümer, der

Hochstifte und Reichsabteien, und der Klöster und Stifte

von Lunéville bis zum Reichsdeputationshauptschluss

(1803), der die Säkularisation reichsrechtlich sanktio-

nierte, kam Frankreich die Schlüsselrolle zu. Das beson-

dere Bemühen Bayerns um die Aufhebung auch der nicht

reichsunmittelbaren Klöster war schließlich ebenfalls von

Erfolg gekrönt. Für Bayern hat sich dieser Einsatz mehr als

gelohnt, weil durch die Säkularisation eine der entschei-

denden Voraussetzungen für die Errichtung des modernen

Monopolstaates, wie ihn Montgelas anstrebte, geschaffen

wurde.

Mit dem bayerisch-französischen Abkommen von 1801

begann auch die allmähliche Hinwendung Bayerns zum

2 Übersicht dazu Wolfgang Wüst (Hg.), Tobias Riedl (Red.): Aufbruch in die

Moderne? Bayern, das Alte Reich und Europa an der Zeitenwende um

1800, Stegaurach 2010. Einen besonders anregenden vergleichenden

Überblick gibt Wolf D. Gruner, in: Süddeutsche Geschichtslandschaften

zwischen regionaler, gesamtstaatlicher und europäischer Integration

(1789-1993), in: Blätter für deutsche Landesgeschichte, Teil I (1789-

1848),149/2013, S. 59-123.

„Revolution von Oben“: Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas

Quelle: Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv