13.10.2019 Eisfeld An die Diktatur erinnern, an der Einheit bauen

„Ich bin dankbar für so vieles, was wir seit 1989 erleben durften.“ Mit diesen Worten fasste der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Heinrich Bedford-Strohm, die Gefühle vieler Besucher der Veranstaltung „30 Jahre offene Grenzen“ in Eisfeld zusammen. In dieser Botschaft fanden sich Zeitzeugen aus Franken und Thüringen wieder, die mit Experten die Vorgänge 1989/90 und die Situation anno 2019 diskutierten.

Gerd Braun, an der Wende Bürgermeister in Eisfeld und bis heute Kommunalpolitiker, erinnerte mit dem damaligen Seßlacher Kollegen Hendrik Dressel an den völlig unerwarteten Wandel 1989/1990. Der habe den Menschen in der DDR Freiheit und Freizügigkeit gebracht. Dressel hat rund 10 Jahre später gemeinsam mit seiner Amtskollegin Anita Schwarz aus Heldburg-Bad Colberg und weiteren Bürgermeistern aus den Landkreisen Coburg und Hildburghausen die Initiative Rodachtal ins Leben gerufen. Diese kümmert sich um die regionale Wirtschaft, trägt aber auch dazu bei, die Geschichte der Menschen unter dem Grenzregime des SED-Staats nicht zu vergessen.

Wiedervereinigung noch nicht abgeschlossen

Die deutsche Einheit habe auch für die Menschen in Thüringen große Errungenschaften gebracht, so Bürgermeister Sven Gregor aus Eisfeld. Aber längst seien nicht alle Probleme gelöst: Die Wiesen blühten noch nicht überall, daran erinnerte Gerd Braun. Und Heinrich Bedford-Strohm will die bestehenden Mauern in den Herzen und Köpfen einreißen: „Was wir in Deutschland am meisten brauchen, ist, dass wir uns in andere hinein fühlen können“ – mit Blick auf die Wiedervereinigung, in die Menschen im ehemals anderen Teil Deutschlands. 

Für Dr. Ludwig Unger von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit müsse auch künftig die Erinnerungsarbeit an die DDR-Diktatur fortgesetzt werden. Das Ummerstadter Kreuz, der Gedenkstein für das geschleifte Bilmuthausen, die Gedenkstätte Grenze in Eisfeld und das Deutsch-Deutsche Museum erzählen vom Unrecht in der DDR. Das „Grüne Band“ stehe für die Einheit und schreibe die Geschichte fort, so die Vertreterin der Initiative Verena Volkmar.

Die Landeszentrale hat zusammen mit der Initiative Rodachtal und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen die Expertengespräche ausgerichtet.

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
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