Aktionstage Netzpolitik und Demokratie
Das Phänomen "Internet" und die Demokratie

Vom 07. bis zum 09. Juni fanden in ganz Deutschland im Rahmen eines Kooperationsprojekts aller Zentralen für politische Bildung die Aktionstage Netzpolitik und Demokratie statt. In zahlreichen Veranstaltungen wurde diskutiert, welchen politischen Einfluss das Internet nicht nur auf uns als „User“ sondern auch auf die Demokratie an sich hat.

In Bayern ging es am 07. Juni 2018 an der Ludwig-Maximilian-Universität in München los. Dort hatte das Institut für Kommunikationswissenschaften zu einem Workshop mit dem Titel „Verdeckter Extremismus, offener Hass? – Extremismus in sozialen Medien und die Rezeption extremistischer Botschaften unter Jugendlichen“ eingeladen. Prof. Dr. Carsten Reinemann, Angela Nienierza und Dr. Claudia Riesmayer stellten dabei nicht nur Ergebnisse aus ihrer Studie mit Jugendlichen vor, sondern verdeutlichten auch an etlichen Beispielen, wie (nicht nur) Jugendliche mit extremistischen Inhalten im Internet geködert werden sollen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dabei vor allen Dingen von den subtilen Methoden überrascht – Extremismus im Netz ist oft schwer zu erkennen.

Passau

In Passau sahen sich Schülerinnen und Schüler eine Vorstellung des Dokumentarfilms „Pre-Crime“ an, der sich mit den Möglichkeiten aber auch Gefahren der Verbrechensbekämpfung mittels Datenüberwachung beschäftigt: „Code hat kein Gewissen“ - Ein Filmzitat, das bei den Zuschauern besonders im Gedächtnis blieb und die Frage in den Raum warf, wer eigentlich die moralische Verantwortung für den Umgang mit Daten trägt.

Konnersreuth

Wie präsent das Thema Fake News im Leben junger Erwachsener ist, zeigte sich beim "Fake News Bingo": Innerhalb weniger Minuten fanden die neun Teilnehmer ebensolche im News Feed ihrer Social Media Accounts. Bei einem interaktiven Quiz, ob ausgewählte Meldungen Fake sind oder nicht, lag die Erfolgsquote bei unter 50%. Da wurde den Teilnehmern klar, dass der Weg nicht über die Abstimmung mit der eigenen Lebenswelt gehen sollte, sondern über die Überprüfung der Quelle einer Nachricht. Beim Umgang mit Hate Speech erzählten die Teilnehmer von ihren Erfahrungen. Philipp Reich vom Jugendmedienzentrum T1, der den Workshop leitete, stellte die Wichtigkeit von Counter Speech hervor und zeigte einfache Möglichkeiten auf.

Nürnberg

„Wie den Hass bekämpfen?“ fragte sich eine Diskussionsrunde aus Medienvertreten, Künstlerinnen und Künstlern und Wissenschaftlern  im Z-Bau Nürnberg. Gemeinsam mit dem Publikum suchten dabei Prof. Benjamin Jörissen (FAU Erlangen), Ella Schindler (Neue deutsche Medienmacher), Bird Berlin (Performance Künstler), Carmen Westermeier (bildende Künstlerin) und Roland Hindl (BR 24, Social Media Manager) nach künstlerischen und kreativen Möglichkeiten, Hasskommentaren im Internet zu begegnen.

Neu-Ulm

Am 08.06. berichtete der Journalist Dr. Till Krause (SZ-Magazin) in zwei Vorträgen am Berta-von-Suttner Gymnasium Neu-Ulm und an der FOSBOS Neu-Ulm  von seiner Recherche rund um die Löschzentren von Facebook:  Welche Kriterien gelten für die Löschungen? Betreibt Facebook hier Zensur? Oder geht es um den Schutz der Öffentlichkeit? Und was macht ein Job mit Menschen, die in diesen Löschzentren die expliziten, oft gewalttätigen Inhalte meist unvorbereitet sichten müssen? Im Anschluss stellte sich Till Krause dann den zahlreichen Schülerfragen, auch das Thema Wahrheit in Presse und Internet spielte dabei eine zentrale Rolle.

Erlangen

Den Abschluss bildete in Bayern ein Vortrag an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, dort hatte das Departement Informatik zu einem Vortrag mit dem Titel „Google, Whats App die NSA und DU! Ein Blick hinter die Kulissen von Datenhändlern und Geheimdiensten“ eingeladen. Das breite Interesse zeigte sich schon an dem überfüllten Raum, Dr. Christian Götz zeigte in einem sehr unterhaltsamen aber für Teile des Publikums auch erschreckenden Vortrag, welche Datenspuren wir alle im Internet hinterlassen und verdeutlichte im Anschluss, was dann mit diesen Daten passiert Nach dem  den Vortrag mussten Prof. Dr.-Ing. Felix Freiling und Dr. Götz etliche Fragen beantworten, viele Zuhörer fragten sich, welche Möglichkeiten man hat, seine Spuren zu verwischen und die eigene Privatsphäre zu schützen.

Landshut

Eine Veranstaltung für Eltern und Kinder fand in der Stadtbücherei Landshut statt – allerdings beschäftigten sich beide unabhängig voneinander mit dem Einfluss der Digitalisierung auf ihre Lebenswirklichkeit:

Die Kinder überlegten sich in einem Workshop, welche Art des Spielens am meisten Spaß macht, die am Handy oder doch die klassische Variante am Spielebrett? Zunächst erhielten die jungen Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmer  Informationen zu Apps im Allgemeinen und auch im Hinblick der  Gefahr,  hier auf massive Werbung oder In-App-Käufe zu stoßen.

Dann durften sie in der Bücherburg etliche Spiele testen. Zuerst das Brettspiel, dann die jeweilige  App-Version. Sieger der erprobten Spiele war Blockus, hinter Ubongo und den Klassikern Mensch ärgere dich nicht und Memory. Die Kinder zwischen 8 und 12 Jahren kannten sich mit dem Handling der Tablets bereits gut aus, sodass sie hier gleich loslegen konnten. Beim Favoriten Blockus fanden sie das Spielfeld als Mehrspielerpartie zu klein und damit zu unübersichtlich, das Setzen der Spielsteine und das Würfeln eher schwierig. Damit beschlossen sie einstimmig: Das gute alte Brettspiel ist besser  als das App-Spiel! Nur wenn man gerade keine Mitspieler hat, würden die Kinder zum Tablet greifen, um gegen den Computer zu spielen.

Für die Eltern hielten fand in dieser Zeit ein Vortrag zur Medienkompetenzvermittlung statt,  wobei Erklärungen und Tipps zur altersgerechten Benutzung, Sicherheit, Kosten- und Gefahrenvermeidung im Vordergrund standen. Gleichzeitig, wurde aber auch das kreative Potential und der heutzutage notwendige Zugang zu den neuen Medien erklärt, was besonders die sehr vorsichtigen Eltern ansprach.

Doch nicht nur vor Ort, auch im  Netz selbst wurde diskutiert: Bereits am 06. Juni 2018 suchten unter der Fragestellung „Freies Netz-faires Netz?“ unter anderem  nach Wegen, was Zivilgesellschaft und Politik für eine demokratische Kultur tun können.

Eins hatten aber alle Veranstaltungen gemein: Sie zeigten, dass wir alle noch lange und intensiv diskutieren müssen, wie wir politisch und gesellschaftlich mit dem technischen Phänomen „Internet“ umgehen wollen – eine Frage, zu den auch die Aktionstage noch keine eindeutige Antwort liefern konnten, aber viele spannende Denkansätze.

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
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