19.05.2021
Themenforum Flucht und Vertreibung
Flucht und Vertreibung. Die Tschechoslowakei und ihre Nachfolgestaaten

Ein Bus, der im Jahr 1959 zwischen Mezholezy im ehemaligen Sudetenland und Pilsen pendelte Foto: Süddeutsche Zeitung Photo/CTK Photobank/Fotograf Viktor Lomoz

von Tobias Weger

Die Vertreibung der großen Mehrheit der Deutschen aus der Tschechoslowakei unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und infolge der Potsdamer Konferenz betraf im tschechischen Landesteil etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung und bedeutete für die Tschechoslowakei in mehrfacher Hinsicht einen tiefen Einschnitt. Ihre ethnische Struktur, ihr kulturelles Gefüge und ihre Bevölkerungsdichte in den grenznahen Gebieten veränderten sich, was sich auch auf die Wirtschaft des Landes auswirkte. Die Wiederbesiedelung zurückgelassener Städte und Dörfer gestaltete sich zu einer Herausforderung für die von sechs Jahren Besatzung, Krieg, Unterdrückung, Demütigung und für zahlreiche Menschen auch vom Verlust von Angehörigen geprägte tschechische Gesellschaft.

Die Zwangsumsiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei war bereits während des Krieges von der Exilregierung in London geplant, vorbereitet und mit den alliierten Mächten koordiniert worden. Auf der Potsdamer Konferenz stimmten die Vertreter der USA, Großbritanniens und der UdSSR im Sommer 1945 diesem Vorgehen zu, damit es – so die Verlautbarung der Teilnehmer – „in ordnungsgemäßer und humaner Weise“[1] – durchgeführt werde.

Wie wurde die Vertreibung der Deutschen in der Tschechoslowakei gedeutet, welchen Stellenwert hatte und hat sie in der kollektiven Erinnerung? Wie geht man in den beiden Nachfolgestaaten seit 1993, der Tschechischen Republik und der Slowakei, mit diesem Thema um? Eines lässt sich schon vorab konstatieren: Eine „Tabuisierung“ der Vertreibung, wie gelegentlich behauptet wurde, hat es in der tschechischen und slowakischen Gesellschaft seit 1945 nie gegeben, sondern lediglich unterschiedliche Phasen, in denen jeweils unterschiedliche offizielle und nicht-offizielle Sichtweisen auf die Ereignisse und ihre Folgen dominierten. Je nach dem Grad der aktuellen gesellschaftspolitischen Verfasstheit des Landes gingen diese Sichtweisen mit gewandelten Konnotationen einher. Dieser Beitrag vermittelt schlaglichtartige Einblicke in die Entwicklung des Vertreibungsdiskurses in der Tschechoslowakei bzw. ihren Nachfolgestaaten, der Tschechischen Republik und der Slowakei, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Politische Diskurse und zivilgesellschaftliche Stimmen bis 1948

In der unmittelbaren Nachkriegszeit herrschte im tschechoslowakischen Diskurs ein breiter Konsens dahingehend, dass die Vertreibung der Deutschen für das Land eine politische und gesellschaftliche Notwendigkeit gewesen sei. Die gemeinsame Basis bildete die antifaschistische Nationale Front, ein Parteienbündnis aus Sozialdemokraten, Demokraten, Kommunisten, Nationalen Sozialisten und Christdemokraten, das die erste Nachkriegsregierung stellte. Die aus diversen Lagern vorgetragenen Argumente lassen sich folgendermaßen auf den Punkt bringen: Die „Beseitigung“ der deutschen Minderheit sei ein Akt der Vergeltung und Revanche für die Erniedrigungen gewesen, die die Tschechen in den 1930er Jahren seitens der aus dem „Dritten Reich“ fremdgesteuerten Sudetendeutschen Partei (SdP), durch die Abtrennung der so genannten sudetendeutschen Gebiete infolge des Münchner Abkommens im Herbst 1938 und durch die nationalsozialistische deutsche Besatzungspolitik der Jahre 1938/39–1945 erfahren hätten. Die Konfiszierung der zurückgelassenen materiellen Besitztitel der Deutschen wurden als Entschädigung für das durch Deutsche verübte Unrecht interpretiert, die Aburteilung und Bestrafung führender sudetendeutscher Funktionäre als juristische Wiedergutmachung. In dem Maße, in dem die Kommunistische Partei im politischen Leben zur einflussreichsten Kraft wurde, setzte sich auch die Legende durch, der Aufbau einer neuen, sozialistischen Gesellschaft und die Integration des bis 1945 mehrheitlich von deutschsprachigen Bürgern bewohnten Grenzlandes seien nur infolge der Vertreibung der Deutschen möglich gewesen.

Die zur Schau gestellte Einmütigkeit der Nationalen Front wurde in allen Sphären des öffentlichen Lebens verankert. Die Schüler des Staatlichen Realgymnasiums im mährischen Holešov hatten beispielsweise 1947 im Rahmen ihrer Abschlussprüfungen das Erörterungsthema Odsun Němců, jeho důvody, provedení a důsledky [Die Abschiebung der Deutschen – seine Ursachen, Durchführung und Folgen] zu bearbeiten.[2]

Bei genauerer Betrachtung wiesen jedoch die Legitimierungsstrategien in den Jahren vor dem kommunistischen Umsturz vom Februar 1948 signifikante Nuancen auf. In seinen 1948 veröffentlichten Erinnerungen begründete Staatspräsident Edvard Beneš (1884–1948), der 1945 aus dem Londoner Exil nach Prag zurückgekehrt war, die Vertreibung als Konsequenz aus dem mehrheitlichen Verhalten der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei in den 1930er-Jahren sowie des Münchner Abkommens. Eine Bedrohung, die das tschechische Volk an den Rand seiner Existenz gebracht habe, sei durch die „Abschiebung der Deutschen“ endgültig überwunden worden.[3] Während Beneš in erster Linie nationalpolitisch argumentierte, sah der kommunistische Informationsminister Václav Kopecký (1897–1961) die Vertreibung der Deutschen als eine unter vielen Errungenschaften, die der tschechoslowakische Staat der „Befreiung aus dem Osten“ – dem Bündnis mit der UdSSR – zu verdanken habe.[4] Kopecký interpretierte die Vertreibung der Deutschen aus einer marxistisch-leninistischen Position heraus; für ihn war sie eine revolutionäre Tat, die die Weiterentwicklung der Gesellschaft befördert habe.

Ungeachtet des breiten Konsenses wurden in der Tschechoslowakei der Nachkriegsjahre durchaus zivilgesellschaftliche Einwände gegen die Vertreibung der Deutschen – und wie sie umgesetzt wurde – vorgebracht. Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder beanstandete beispielsweise schon am 26. Juni 1945 die „grobe Behandlung der deutschen Bevölkerung, die zu unserem Bedauern und zu unserer Schande“ noch andauere.[5] Der Journalist Michal Mareš (1893–1971) schrieb kritische Reportagen aus dem Grenzgebiet für die Zeitung Dnešek [Heute].[6] Junge katholische Intellektuelle um den Publizisten Pavel Tigrid (1917–2003) äußerten in der Zeitschrift Obzory [Horizonte] ihr Unbehagen in Anbetracht der Art und Weise, wie die Zwangsaussiedlung durchgeführt wurde.[7] Die Redaktion dieser Zeitschrift erkannte einen Widerspruch zu den Prinzipien, aufgrund derer die Tschechoslowakische Republik einst errichtet worden war: „Wir werden von einem sehr großen Teil der urteilenden öffentlichen Meinung der Grausamkeit, der Unmenschlichkeit und der Abartigkeit bezichtigt, die den Groll der Welt erregen und deren Gewissen provozieren. Das ist die schwerwiegendste Anschuldigung, die gegen die Nation Masaryks erhoben werden kann.“[8]

Diese Haltung war in den Jahren nach 1945 keine Einzelmeinung. Aus den Berichten deutscher Vertriebener lässt sich herauslesen, dass es neben ungezählten grausamen Akten im Verlauf der Jahre 1945/46 auch immer wieder Beispiele humanen Handelns von Tschechen und Slowaken gegenüber ihren ehemaligen Nachbarn gegeben hat, indem man ihnen beispielsweise Kleidung und Nahrungsmittel auf den Weg ins Unbekannte zusteckte oder Bedauern über die erzwungene Abreise äußerte. Der evangelische Pädagoge und Geistliche Přemysl Pitter (1895–1976), der unmittelbar nach Kriegsende zunächst überlebende jüdische Kinder aufgenommen und versorgt hatte, rettete auch etwa 400 elternlos gewordenen deutschen Kindern das Leben und bemühte sich, den Kontakt zu deren Eltern zu vermitteln.[9]

Die erste literarische Verarbeitung des Vertreibungsthemas in der tschechischen Belletristik stammt schon von 1947. In ihrem Roman Dům na zeleném svahu [Das Haus am grünen Hang] schildert Anna Sedlmayerová (1912–1995) – noch unter dem frischen Eindruck der Ereignisse – die komplexen und vielfältigen zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich an einem fiktiven Ort im Erzgebirge zwischen tschechischen Neusiedlern, die während des Zweiten Weltkriegs unter der deutschen Besatzung gelitten hatten, und den nach und nach ausgesiedelten deutschen Einwohnern entwickeln.[10] Dabei scheint durchaus Empathie für die Menschen auf, die ihre Heimat verlassen mussten. Sedlmayerovás Schriftstellerkollege Vojtěch Cach (1914–1980) verarbeitete diese Romanvorlage zu einem Bühnenstück, das 1947 in Teplitz/Teplice und Prag/Praha aufgeführt wurde.[11]

In der kommunistischen Tschechoslowakei, 1948–1989

Der kommunistische Staatsstreich vom Februar 1948 unterband offene Debatten und zwang zahlreiche demokratisch gesinnte Tschechen und Slowaken in die Emigration ins Ausland. Während der folgenden Jahrzehnte dominierte in der Tschechoslowakei das Meinungsmonopol der Kommunistischen Partei und deren geschichtliche Deutungshoheit. Dies spiegelte sich im kulturellen Schaffen des Landes, etwa in der Literatur. 1951 erschien in Prag die Erstauflage eines später mehrmals nachgedruckten Romans von Václav Řezáč (1901–1956) unter dem Titel Nástup [Die ersten Schritte].[12] Sein Protagonist Jiří Bagár gelangt 1945 aus Mittelböhmen ins Umland der Stadt Kaaden/Kadaň, wo er Deutschen begegnet, die zumeist noch immer unbelehrbar dem Nationalsozialismus anhängen. Sie werden – mit Ausnahme eines deutschen Antifaschisten – vom Autor mit negativen Stereotypen belegt, denen er Bagár als Lichtgestalt für diejenigen Tschechen entgegenstellt, die sich am Aufbau des Grenzgebiets beteiligen. Die Neugestaltung des Grenzgebiets präsentiert der Autor als eine Pionierleistung.

Im gleichen Jahr kam ein weiterer populärer Roman auf den Buchmarkt, der die Vertreibung und ihre Folgen sehr viel subtiler thematisiert hat: Země dokořán [Das Land sperrangelweit offen] von Bohumil Říha (1907–1987).[13] Die beiden tschechischen Hauptfiguren des Textes nehmen ein verlassenes, ehemals von Deutschen bewohntes Haus in den Bergen in Besitz und begründen dort für sich und ihre Familien einen neuen Lebensmittelpunkt. Anders als Řezáč sah Říha von eindeutigen politischen Stellungnahmen ab. Gleichwohl lässt sich auch sein Buch als Kolonialroman interpretieren, indem der Sieg über die einstigen „Feinde“, ihre Ausweisung und die Inbesitznahme ihrer ehemaligen Wohnstätten zu Voraussetzungen für ein neues tschechisches Leben in Frieden und Selbstbestimmung werden.

Das offizielle Geschichtsbild hielt bis 1989 am Prinzip der durch internationale Vereinbarungen legitimierten Revanche für Verfehlungen der deutschen Minderheit fest. Zu den Jahrestagen des Kriegsendes wurde die Abschiebung der Deutschen in Ansprachen und Gedenkzeremonien entsprechend den ideologischen Prämissen des Regimes als heroischer Akt gefeiert. Wie die konkrete Umsetzung dieses gewaltigen Bevölkerungstransfers erfolgt war, blieb in solchen offiziellen Verlautbarungen jedoch stets vage. Diese Darstellung der Geschichte spiegelt sich beispielhaft in einem 1960 vom Historischen Institut der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften publizierten Standardwerk zur Zeitgeschichte wieder:

„Die deutsche Bevölkerung der Tschechoslowakei, die größtenteils der faschistischen Ideologie anhing, wurde nach der Befreiung der gesamten Republik abgeschoben, wobei das Recht zu ihrer Vertreibung von allen Großmächten international anerkannt wurde; die deutschen Antifaschisten konnten jedoch in der Tschechoslowakei bleiben und die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft behalten. [...] Der Tschechoslowakei wurde von der gesamten Welt das Recht zugestanden, die Abschiebung der deutschen Minderheit durchzuführen – entsprechend ihrer Haltung in den Jahren 1938–39, als sie als Werkzeug der deutschen imperialistischen Aggression auftrat. Alle Siegermächte waren der Ansicht, dass die deutsche Minderheit nicht nur eine innerstaatliche tschechoslowakische Angelegenheit, sondern vor allem ein Problem der internationalen Sicherheit und des Weltfriedens sei. Die Zustimmung der Siegermächte und der übrigen Weltöffentlichkeit zur Durchführung der Abschiebung war vor allem von dem Bemühen getragen, dass in der Zukunft nicht erneut die aggressiven Kräfte des deutschen Imperialismus die deutschen Minderheiten in Zentraleuropa missbrauchen und damit einen weiteren Krieg auslösen.“[14]

Debatten unter Dissidenten und Exil-Tschechoslowaken

Mitte der 1960er-Jahre liberalisierte sich in der Tschechoslowakei des Reformkommunismus das gesellschaftspolitische Klima verglichen mit der vorangegangenen stalinistischen Ära ein wenig. Diese veränderte Grundstimmung ermöglichte öffentliche Äußerungen, die das offizielle Geschichtsverständnis hinterfragten und zuvor noch kaum denkbar gewesen wären. In den Prager Barrandov-Studios verfilmte 1966 der tschechische Regisseur Karel Kachyňa (1924–2004) einen Roman seines Kollegen Jan Procházka (1929–1971) unter dem Titel Kočár do Vídně [Wagen nach Wien].[15] Dies war möglich, da Procházka selbst dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei angehörte. Die Handlung spielt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Deutsche Soldaten hängen einen tschechischen Soldaten wegen angeblicher Plünderei. Krista, dessen junge Frau, beschließt, für dieses Verbrechen Rache an den Deutschen zu nehmen und bekräftigt ihr Vorhaben mit einem Gelübde. Zwei junge Wehrmachtssoldaten, die von den Vorkommnissen nichts wissen, beschließen, den Krieg Krieg sein zu lassen und über die grüne Grenze nach Niederösterreich zu desertieren. Sie verpflichten ausgerechnet Krista, sie mit einem Pferdegespann an die Grenze zu fahren. Über einsame Waldwege geht die Fahrt, während derer einer der beiden Soldaten seinen Verletzungen erliegt und am Wegesrand bestattet wird. Mit Hans, dem zweiten Österreicher, setzt Krista die Fahrt fort. Zwischen beiden erwächst, den Umständen zum Trotz, eine Art menschlicher Verbundenheit; gleichwohl möchte Krista ihre Rache einlösen und nähert sich dem schlafenden Hans mit einer Axt. Der wacht auf, ruft nach seiner Mutter und kann sich dem Hieb entziehen. Schließlich obsiegt die Menschlichkeit bei Hans und Krista, und sie kommen einander näher. Dabei werden sie von tschechischen Partisanen überrascht. Diese ermorden Hans und misshandeln Krista als angebliche „Nazihure“. Bei der Vorführung auf dem Internationalen Filmfestival von Karlsbad/Karlovy Vary fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Während ein Teil des Publikums Kachyňas Film, der verbreitete nationale Stereotypen hinterfragt, mit verständnislosem Schweigen quittierte, erkannte der polnische Kritiker Boleslaw Michalek (1925–1997) in ihm eine Darstellung ethischen Verhaltens in Extremsituationen.[16] Kočár do Vídně erhielt schließlich einen der drei Hauptpreise des Filmfestivals. Am 3. Juli 1967 strahlte das ZDF den Film für das deutsche Fernsehpublikum aus. Kachyňa fiel 1970 bei der Prager Parteiführung in Ungnade und durfte bis 1989 nur noch Kinderfilme drehen.

Zu einem wichtigen Sprachrohr einer tschechoslowakischen Debattenkultur wurde die 1956 in New York begründete und zwischen 1960 und 1990 in Paris herausgegebene Exilzeitschrift Svědectví [Zeugnis]. Unter den Argusaugen des kommunistischen Regimes in Prag und des staatlichen Geheimdienstes entspann sich auf dieser extraterritorialen Plattform eine angeregte Diskussion über die Vertreibung der Deutschen aus der Nachkriegs-Tschechoslowakei. Den Anfang machte 1978 unter dem Pseudonym „Danubius“ der slowakische Dissident Jan Mlynárik (1933–2012) mit seinen Thesen zur Aussiedlung der tschechoslowakischen Deutschen.[17] Er verurteilte darin das nach 1945 angewandte Prinzip der Kollektivschuld. Die Vertreibung der Deutschen habe nur dank des Bündnisses der Exilregierung unter Edvard Beneš mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Josef Stalin durchgeführt werden können. Mlynárik erteilte der These, wonach sich die gesamte deutsche Geschichte linear auf das „Dritte Reich“ und Adolf Hitler hin entwickelt habe, eine Absage. Die NS-Verbrecher hätten individuell zur Verantwortung gezogen werden können, womit man eine Kollektivbestrafung umgangen hätte. Die Vertreibung sei den „Abgründen einer irrationalen Rache“ entsprungen und habe Unschuldige bestraft. Sie stehe im Widerspruch zu den Menschenrechten. Mlynárik appellierte an die tschechoslowakischen Dissidenten, sich nicht nur in der Gegenwart für die Einhaltung der Menschenrechte zu engagieren, sondern auch in einem geschichtlichen Sinn für vergangene Taten Verantwortung zu übernehmen. Die Vertreibung der tschechoslowakischen Deutschen sei nicht nur eine „deutsche Tragödie“, sondern auch eine Tragödie für die Tschechoslowakei gewesen, mit der man sich auch in der tschechoslowakischen Öffentlichkeit auseinandersetzen solle..

Mlynáriks Thesen riefen sowohl Dissidenten in der Tschechoslowakei als auch zahlreiche Emigranten auf den Plan, deren Reaktionen zum Teil ebenfalls in der Zeitschrift Svědectví abgedruckt wurden. Führende Redaktionsmitglieder empfanden Mlynáriks Text als grob vereinfachend, indem er die Elite der Jahre 1945–1948 pauschal verurteile, ohne den historischen Kontext zu berücksichtigen. Der Historiker Milan Hübl (1927–1989) bemängelte, Mlynárik habe sich argumentativ ausschließlich mit der Situation der Deutschen in den Böhmischen Ländern auseinandergesetzt und die Karpatendeutschen in der Slowakei ignoriert.[18] Hübl warf Mlynárik einen selektiven Umgang mit den historischen Fakten vor und stigmatisierte dessen Text als „politisches Pamphlet“. Rückendeckung erhielt Mlynárik von dem in Wien lebenden Politologen Zdeněk Mlynář (1930–1997),[19] während sich der Historiker Luboš Kohout (1925–2012) eher auf Hübls Seite stellte. Der Philosoph und Literaturwissenschaftler Rio Preisner (1925–2007) meinte in seinem Beitrag, die Tschechoslowakei habe durch die Vertreibung ihre geopolitische Stellung in Europa in einer Weise verschoben, das ihrem früheren Selbstverständnis widerspreche.[20] An dem Gedankenaustausch beteiligten sich noch zahlreiche weitere Persönlichkeiten, etwa der in London lebende deutsche Exil-Sozialdemokrat Harry Hochfelder (1914–1991)[21] und die im Münchner Exil wohnenden Schriftsteller Ota Filip (1930–2018)[22] und Hanuš J. Hájek (* 1919).[23] Im Jahr 1980 fand diese Debatte ihre Fortsetzung in einem weiteren Exil-Organ, dem in Zürich herausgegebenen Právo lidu [Recht des Volkes]. Dort meldeten sich vor allem Historiker zu Wort, etwa Johann Wolfgang Brügel (1905–1986), Vilém Prečan (* 1933), Bedřich Loewenstein (1929–2017) und Jaroslav Šabata (1927–2012). Diese im westlichen Exil herausgegebenen Publikationen wurden über in die Tschechoslowakei geschmuggelte Exemplare und Samizdat-Abschriften in den Kreisen des politischen Untergrunds und der Bürgerrechtsbewegung verbreitet, in denen sie zu angeregten Diskussionen, etwa unter den Unterzeichnern der Charta 77, führten. Die Dissidenten setzten die Debatten ihrer in der Bundesrepublik Deutschland, in Frankreich, Großbritannien oder den USA lebenden Landsleute als eine Art Ersatzöffentlichkeit in der kommunistischen Tschechoslowakei fort.

Historiografische Aufarbeitung

Während der Jahre der kommunistischen Diktatur waren in der Tschechoslowakei Forschungen zu den Hintergründen, zum Ablauf und zu den Folgen der Vertreibung der Deutschen nicht oder nur in wenigen Ausnahmefällen erwünscht. Zu groß war die Angst der Kommunisten, ihre oben skizzierte Deutungshoheit könne durch das Studium der Quellen und deren Neuinterpretation in Frage gestellt werden. Die erste einschlägige Studie eines tschechischen Historikers, des einstigen Widerstandskämpfers Radomír Luža (1922–2009), erschien daher 1964 in amerikanischen Exil.[24] Auch der Prager Historiker Jan Křen (1930–2020) verwies in der Zeit des politischen Tauwetters Ende 1967 in der Zeitschrift Dialog mit Blick auf die Nachkriegsvertreibungen auf Defizite der „sozialistischen Historiografie“ in der ČSSR, in Polen, Ungarn, Jugoslawien und der DDR, während gleichzeitig in Westdeutschland eine Vielzahl von Arbeiten zu diesem Thema erschien. Křen verortete die Vertreibung deutscher Minderheiten aus dem östlichen Europa im Kontext der allgemeinen Nachkriegsentwicklungen und widersprach damit dem offiziellen Geschichtsbild.[25] Die Ende 1968 beginnende „Normalisierung“, das Ende der kurzzeitigen innenpolitischen Liberalisierung, verhinderte, dass dieser Appell an die Historikerzunft in großem Stil aufgegriffen werden konnte.

Das öffentlich dokumentierte Interesse tschechischer Zeithistoriker und Ethnologen galt in den folgenden Jahren stärker den gesellschaftlichen Prozessen, die ab 1945/46 in den „neu besiedelten Gebieten“ stattgefunden hatten.[26] Gleichwohl lassen sich im Zeitraum 1968-1989 bereits Ansätze zu einer geschichtswissenschaftlichen Auseinandersetzung feststellen. Die ersten Aufsätze dazu erschienen häufig nicht in der Hauptstadt Prag, sondern in regionalen Zeitschriften wie dem in Troppau/Opava herausgegebenen Slezský sborník [Schlesische Zeitschrift]. In den 1980er-Jahren sammelte der Zeithistoriker Tomáš Staněk (* 1952) in tschechischen Archiven Materialien zur Geschichte der Vertreibung. Unmittelbar nach der politischen Wende von 1989/90 konnte er als einer der ersten fundierte Erkenntnisse präsentieren,[27] die er in den folgenden Jahren um weitere Detailstudien und Diskussionsbeiträge[28] ergänzte. Mit seinem Schweizer Kollegen Adrian von Arburg (* 1974) initiierte er später eine Quellenedition mit Dokumenten aus tschechischen Archiven.[29]

Bereits 1990 publizierte der renommierte Academia-Verlag die 368 Seiten umfassende Anthologie Češi, Němci, odsun [Die Tschechen, die Deutschen, die Abschiebung] mit einer Zusammenstellung derjenigen Texte, in denen sich Exil- und Untergrund-Historiker während der vorausgegangenen Jahre zur Vertreibung geäußert hatten.[30] Damit gewann die interessierte Öffentlichkeit in der Transformationszeit Zugriff auf jene wichtigen Diskussionsbeiträge, die bis 1989 nur im Geheimen zirkuliert hatten. Einen nicht unbeträchtlichen Anteil an der historiografischen Aufarbeitung der tschechoslowakischen Geschichte seit 1945 hat auch die 1990 auf Anregung der Außenministerien beider Staaten ins Leben gerufene Deutsch-Tschechische und Deutsch-Slowakische Historikerkommission, die sich insbesondere mit der bilateralen Konfliktgeschichte im 19./20. Jahrhundert beschäftigt.[31]

Der Vertreibungsdiskurs nach 1989 im Kontext der deutsch-tschechischen und deutsch-slowakischen Beziehungen

In einer am 23. Dezember 1989 vom staatlichen Fernsehen noch vor seiner Wahl zum tschechoslowakischen Staatspräsidenten ausgestrahlten Ansprache erklärte der Dissident Václav Havel (1936–2011):

„Ich denke, dass wir uns bei den Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschoben wurden, entschuldigen sollten. Denn dies war ein Akt der sehr harten Wegnahme der Heimat von einigen Millionen Menschen, und es war ein Übel, mit dem vorausgegangenes Übel vergolten werden sollte. Und ich denke, wenn wir auf Übel mit Üblem reagieren, so wird das Übel nur weiter hinausgeschoben.“[32]

Diese Entschuldigung, die zeitweise sogar mit dem Angebot einer doppelten Staatsbürgerschaft für ehemalige tschechoslowakische Staatsbürger deutscher Nationalität einherging,[33] musste Havel später auf Druck politischer Berater und Behörden zurücknehmen. Gleichzeitig erhöhte die Sudetendeutsche Landsmannschaft (SL) den Druck auf deutsche Politiker, bei der Gestaltung der bilateralen Beziehungen die rechtlichen Interessen deutscher Vertriebener energisch zu vertreten. Das Thema „Vertreibung“ drohte die politischen Beziehungen zwischen dem wiedervereinigten Deutschland und der vom Kommunismus befreiten Tschechoslowakei zu belasten, während sich gleichzeitig ein breites Netz an zivilgesellschaftlichen und wissenschaftlichen Kontakten entwickelte, das diese Belastung abzufedern vermochte.

Diplomaten aus beiden Ländern erarbeiteten ein Dokument, das das Nachbarschaftsverhältnis neu regeln und an die Stelle des so genannten Prager Vertrags (Vertrag über die gegenseitigen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik) vom 11. Dezember 1973 treten sollte. Damals war zwar erklärt worden, dass „das Münchner Abkommen vom 29. September 1938 der Tschechoslowakischen Republik durch das nationalsozialistische Regime unter Androhung von Gewalt aufgezwungen“ worden sei, doch hatte man sich einer darüber hinausgehenden historischen Einordnung und Beurteilung enthalten. Das sollte sich nun ändern. Am 27. Februar 1992 unterzeichneten die Repräsentanten beider Staaten den Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit.[34] Darin wird in der Präambel „der zahlreichen Opfer, die Gewaltherrschaft, Krieg und Vertreibung gefordert haben“, gedacht. Der Gebrauch der Vokabel „Vertreibung“, die in der tschechischen Vertragsfassung mit der wortwörtlichen Entsprechung „vyhnání“ wiedergegeben wurde,[35] führte in der tschechoslowakischen Innenpolitik zu heftigen Kontroversen. Im tschechischen Sprachgebrauch war seit 1945 für die Vertreibung der Deutschen der Terminus „odsun“ verwendet worden, der wortwörtlich „Abschiebung“ oder „Umsiedlung“ bedeutet, aber auch dem aus historischen Kontexten bekannten „Schub“, also der Ausweisung unliebsamer Personen aus dem Staatsgebiet, entspricht.[36]

Die Teilung der Tschechoslowakei in zwei Staaten brachte das Thema „Vertreibung“ erneut aufs Tapet der internationalen Politik. Nach langwierigen diplomatischen und publizistischen Diskussionen einigten sich die tschechische und die deutsche Seite darauf, strittige Fragen in einer bilateralen Regierungserklärung zu lösen. Auf diese Weise kam die Deutsch-tschechische Erklärung über die gegenseitigen Beziehungen und deren künftige Entwicklung vom 21. Januar 1997 zustande. Darin bekannte sich Deutschland zu seiner Verantwortung für das Zustandekommen des Münchner Abkommens, für die „Flucht und Vertreibung“ von Tschechen aus dem Grenzgebiet 1938 und die Zerschlagung der Tschechoslowakischen Republik. Die nationalsozialistische Besatzungspolitik wurde als Ursache der Vertreibung der Deutschen nach 1945 anerkannt. Die Tschechische Republik bedauerte die Vertreibung und Zwangsaussiedlung der Deutschen nach 1945 und das in diesem Kontext zugefügte Leid. Bei der Aushandlung dieses Textes war es zu einem terminologischen Dissens gekommen, der im Endergebnis dazu führte, dass in der tschechischen Version als Pendant zu „Vertreibung“ nicht die sprachliche Grundform „vyhnání“, sondern die Verlaufsform „vyhánění“ verwendet wurde. Als konkrete Ergebnisse der Erklärung entstanden der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds, aus dessen Fördermitteln seither auch zahlreiche kulturelle und wissenschaftliche Projekte mit Bezug zur Vertreibung der Deutschen finanziert wurden, sowie das regelmäßig tagende Deutsch-Tschechische Gesprächsforum, mit dessen Unterstützung es gelang, in der Zivilgesellschaft Diskussionen über strittige (auch historische) Themen anzustoßen. Dank dieser Vereinbarungen hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten das Verhältnis beider Staaten deutlich verbessert.

Der Freistaat Bayern, der 1954 die „Schirmherrschaft“ über die seither als „vierter Stamm“ neben Altbayern, Schwaben und Franken geltenden[37] Sudetendeutschen übernommen hat, sah sich über Jahrzehnte als Fürsprecher der von der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) vertretenen außenpolitischen Ansprüche und Forderungen. Dies führte in der Vergangenheit zu einer Verhärtung der nachbarschaftlichen Beziehungen auf politischer Ebene. Im Dezember 2010 fuhr Horst Seehofer (* 1949) als erster bayerischer Ministerpräsident offiziell nach Prag; im Februar 2013 fand ein Gegenbesuch des tschechischen Ministerpräsidenten Petr Nečas (* 1964) in Bayern statt, der in einer Rede vor dem Bayerischen Landtag sein Bedauern über die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei äußerte.

Positionen innerhalb der Tschechischen Republik und in der Slowakei

Das Thema „Vertreibung der Deutschen“ ist bis heute in der Tschechischen Republik stark präsent: Es ist nicht nur Gegenstand historischer Aufarbeitung, gesellschaftlicher Debatten, politischer Kontroversen, sondern der Bevölkerung auch durch das verbliebene Kulturerbe der Sudetendeutschen allgegenwärtig. Gelegentlich wird es zu innenpolitischen Zwecken instrumentalisiert, etwa als im Präsidentschaftswahlkampf Miloš Zeman (* 1944) seinem  Gegenkandidaten Karel Schwarzenberg (* 1937) aufgrund seiner Position zu den so genannten Beneš-Dekreten in einer Fernsehdebatte am 18. Januar 2013 vorhielt, er rede wie ein „Sudeťák“,[38] ein abfälliger Ausdruck für Sudetendeutsche.

Jenseits der Politik spielen solche emotionsgeladenen Diskurse keine größere Rolle mehr. Allerdings lassen Spiel- und Dokumentarfilme, Rundfunkbeiträge, Romane und Erzählungen, Theaterstücke, Denkmäler, Internetportale, ritualisierte Gedenkveranstaltungen auf lokaler Ebene und zahlreiche andere Formate das Thema in der tschechischen Öffentlichkeit nahezu omnipräsent erscheinen. Aus der kaum mehr zu überblickenden Zahl der literarischen Beispiele sei hier nur der Roman Vyhnání Gerty Schnirch [„Gerta. Das deutsche Mädchen“] der Brünner Schriftstellerin Kateřina Tučková (* 1980) über das Schicksal einer mehrsprachigen Brünnerin herausgegriffen.[39] Die Vertreibung der Deutschen nach 1945 ist aber auch ein Thema im tschechischen Schulunterricht, für das inzwischen Lehrer- und Schülerhandreichungen mit Ausarbeitungen namhafter tschechischer Historiker vorliegen.[40]

Eine originelle plastische Auseinandersetzung mit der Vertreibung der Deutschen lieferte 2015 der Kunststudent Jakub Hadrava in der baufälligen Kirche des Dorfes Lukau/Luková. Aus Gips und Tüchern komponierte er seine Installation Věřící [Die Gläubigen]. Die 32 geisterähnlichen Gestalten in den Kirchenbänken sollen an die einstigen Bewohner des Dorfes erinnern.

Auf nationaler wie auf regionaler Ebene haben sich in der Zivilgesellschaft seit 1990 zahlreiche Initiativen gebildet, die sich mit unterschiedlichen Zugängen dem Thema „Vertreibung“ widmen. Prager Geschichtsstudenten gründeten 1998 die gemeinnützige Organisation „Antikomplex“, die einen kritischen gesellschaftlichen Dialog über die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei anstoßen wollte. Die Gruppe organisiert Ausstellungen, Begegnungen, Diskussionsveranstaltungen und Lehrerfortbildungen. Problematisch erscheint bei dieser Gruppe die unreflektierte Verwendung des historisch belasteten, da nur zwischen 1938 und 1945 für den gleichnamigen NSDAP-Gau gebrauchten Begriffs „Sudetenland“ für alle ehemaligen Gebiete der Tschechischen Republik, in denen einst Deutsche lebten.[41] Im Jahre 2006 wurde in der einstigen Industriestadt Aussig/Ústí nad Labem von der dortigen Stadtverwaltung, der örtlichen Universität, der Gesellschaft für Geschichte der Deutschen in Böhmen und dem tschechischen Kulturministerium das Collegium Bohemicum ins Leben gerufen, das derzeit eine Dauerausstellung zur Geschichte der deutschen Bevölkerung der Böhmischen Länder vorbereitet. Sie wird den dem Diskurs der Zwischenkriegszeit entlehnten Titel Naši Němci [„Unsere Deutschen“] tragen. Die Vertreibung der Deutschen wird dort im Kontext einer langen gemeinsamen Geschichte thematisiert. Regionale Gruppen bemühen sich darum, nach 1945 in Vergessenheit geratene Kulturlandschaften wieder sichtbar zu machen, indem historische Gebäude restauriert, Denkmäler dokumentiert und über einschlägige Publikationen, Ausstellungen und Online-Portale einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Anders als bei „Antikomplex“ steht hier nicht die Vertreibung der Deutschen im Mittelpunkt. Vielmehr geht es darum, mittels besserer Kenntnis der vorgefundenen Kulturlandschaften und der „Aneignung“ des als „deutsch“ konnotierten materiellen Kulturerbes den heute dort lebenden Menschen die Identifikation mit ihrer Heimat zu erleichtern und so Beheimatung zu ermöglichen.

Was für Tschechien festgestellt werden konnte, gilt in ähnlicher Weise auch für die Slowakei. Historische Abhandlungen zur Geschichte der Deutschen im historischen Oberungarn bzw. der Slowakei liegen in großer Zahl vor, und auch das weitgehende Ende des einstigen Zusammenlebens wird – im Übrigen deutlich entspannter als in der Tschechischen Republik – thematisiert. Als Außenstelle des Slowakischen Nationalmuseums entstand 1997 in Pressburg/Bratislava das Museum der Kultur der Karpatendeutschen/Múzeum kultúry karpatských Nemcov. Es zeigt die kulturelle und historische Vielfalt derjenigen Gebiete auf dem Staatsgebiet der Slowakei, in denen Deutsche lebten.

Fußnoten

[1] Mitteilung über die Dreimächtekonferenz von Berlin vom 2. August 1945. In: Amtsblatt des Kontrollrats in Deutschland 1945, S. 13, Art. XIII.

[2] XXXI. výroční zpráva Státního reálného gymnasia v Holešově za školní rok 1946–47 [31. Jahresbericht des Staatlichen Realgymnasiums Holešov für das Schuljahr 1946–47]. Holešov 1947, S. 30.

[3] Edvard Beneš: Paměti. Od Mnichova k nové válce a k novému vítezství [Erinnerungen. Von München in einen neuen Krieg und zu einem erneuten Sieg]. Praha 1948, S. 328–330.

[4] Václav Kopecký: Lásku k Sovětskému svazu si již náš národ vzíti nedá [Die Liebe zur Sowjetunion lässt sich unser Volk nicht mehr nehmen]. In: Rudé právo, Nr. 156, 7.11.1945, S. 5. Übersetzung dieses und der weiteren tschechischen und slowakischen Zitate: Tobias Weger.

[5] Zitiert nach Jiří Otter: Naše církev a odsun Němců po 2. světové válce [Unsere Kirche und die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg]. In: Evangelický časopis Český bratr 72 (1996), S. 4.

[6] Vgl. Michal Mareš: Ze vzpomínek anarchisty, reportéra a válečného zločince [Aus den Erinnerungen eines Anarchisten, Reporters und Kriegsverbrechers]. Praha 1999, passim.

[7] Vgl. dazu Christiane Brenner: „Zwischen Ost und West“. Tschechische politische Diskurse 1945–1948. München 2009, S. 184–197 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum 118).

[8] Otázka mravní [Eine moralische Frage]. In: Obzory, 1. Jg., Nr. 12, 1945, S. 177. – Tomás G. Masaryk (1850-1937) war Soziologe und Politiker sowie ab 1918 der erste Staatspräsident der Tschehoslowakei.

[9] Vgl. Olga Fierzová: Dětské osudy z doby poválečné. Praha 1992.

[10] Anna Seldmayerová: Dům na zeleném svahu. Havlíčkův Brod 1947.

[11] Jinrich Cerny: Osudy ceskeho divadla po druhe svetové válce. Divadlo a spolecnost (1945–1955) [Wege des tschechischen Theaters nach dem Zweiten Weltkrieg. Theater und Gesellschaft (1945–1955)]. Praha 2007, S. 140.

[12] Václav Řezáč: Nástup. Praha 1951; in deutscher Übersetzung: Die ersten Schritte. Übersetzt von Zora Weil-Zimmering. Berlin 1955. Der Roman wurde 1953 auch verfilmt. Vgl. Gertraude Zand: Václav Řezáčs Nástup – ein tschechischer Kolonialroman. In: Kakanien revisited, <http://www.kakanien-revisited.at/beitr/fallstudie/GZand1.pdf>, 11.4.2021.

[13] Bohumil Říha: Země dokořán. Praha 1951.

[14] Přehled československých dějin [Übersicht der tschechoslowakischen Geschichte]. Band III: 1918–1945. Praha 1960, S. 574, S. 591.

[15] Jan Procházka: Kočár do Vidně. Praha 1967.

[16] Bolesław Michałek: Mówią twórcy ‚Wozu do Wiednia‘ [Es sprechen die Autoren des ‚Wagen nach Wien’]. In: Film, Nr. 35/1966, S. 12f.

[17] Danubius: Tézy o vysídlení československých Nemcov. In: Svědectví 15 (1978) H. 57, S. 105–122.

[18] Milan Hübl: Glosy k Danubiovým tezím o vysídlení Němců [Anmerkungen zu Danubius‘ Thesen zur Aussiedlung der Deutschen]. In: Svědectví 15 (1978) H. 58, S. 387–396.

[19] Zdeněk Mlynář: Vážená redakce [Sehr geehrte Redaktion]. In: Svědectví 16 (1979) H. 58, S. 396–405.

[20] Rio Preisner: Váženy pane redaktore [Sehr geehrter Herr Redakteur]. In: Svědectví 16 (1979) H. 59, S. 571f.

[21] Vážená redakce [Sehr geehrte Redaktion]. In: Svědectví 16 (1979) H. 59, S. 585f.

[22] Ota Filip: Milý redaktore [Lieber Redakteur]. In: Svědectví 16 (1979) H. 59, S. 588–590.

[23] Hanus Hájek: Vážená redakce [Sehr geehrte Redaktion]. In: Svědectví 16 (1979) H. 59, S. 590f.

[24] Radomír Luža: The Transfer of the Sudeten Germans. A Study of the Czech-German Relations, 1933–1962. New York 1964.

[25] Jan Křen: Odsun Němců ve světle nových dokumentů [Die Abschiebung der Deutschen im Lichte neuer Dokumente]. I. část. In: Dialog 16 (1967) H. 4, S. 5, II. část. In: ebenda, Nr. 6, S. 13; dazu auch Pavel Čapek: Jak vznikal plán na odsun Němců. In: Křesťanská revue 35 (1968) H. 2, S. 46–48.

[26] Vgl. etwa Alexandra Navrátilová u. a. (Hgg.): Etnické procesy v nově osídlených oblastech na Moravě. Na příkladě vybraných obcí v jihomoravském a severomoravském kraji [Ethnische Prozesse in den neubesiedelten Gebieten in Mähren. Am Beispiel ausgewählter Gemeinden in Süd- und Nordmähren]. Brno 1986.

[27] Tomáš Staněk: Odsun Němců z Československa 1945–1947 [Die Abschiebung der Deutschen aus der Tschechoslowakei 1945–1947]. Praha 1991.

[28] Historik Staněk: Odsun? Jsou to naše dějiny, jejich připomínaní je na místě [Abschiebung? Das ist unsere Geschichte, und deren Erinnerung ist angebracht]. In: Deník, 1.8.2015, <https://www.denik.cz/z_domova/historik-stanek-odsun-jsou-to-nase-dejiny-jejich-pripominani-je-na-miste-20150731.html>, 11.4.2021.

[29] Adrian von Arburg, Tomáš Staněk (Hgg.): Vysídlení Němců a proměny českého pohraničí 1945–1951. Dokumenty z českých archivů. – mehrere Bände.

[30] Bohumil Černý, Jan Křen, Václav Kural, Milan Otáhal (Hgg.): Češi, Němci, odsun. Diskuse nezávislých historiků [Die Tschechen, die Deutschen, der Abschub. Diskussionen der unabhängigen Historiker]. Praha 1990.

[31] Vgl. etwa Ivona Řezanková, Václav Kural (Hgg.): Cesta do katastrofy. Československo-německé vztahy 1938–1947 [Der Weg in die Katatrophe. Die deutsch-tschechoslowakischen Beziehungen 1938–1947]. Praha 1993; Detlef Brandes, Edita Ivaničková, Jiří Pešek (Hgg.): Vynútený rozchod. Vyhnanie a vysídlenie z Československa 1938–1947 v porovnaní z Poľskom, Maďarskom a Juhosláviou [Erzwungener Abgang. Vertreibung und Aussiedlung aus der Tschechoslowakei 1938­–1947 im Vergleich mit Polen, Ungarn und Jugoslawien]. Bratislava 1999.

[32] Zitiert nach: ‚Odsun‘ rozděloval i Chartu 77. Chartisté stáli při vzniku česko-německé deklarace [Die ‚Abschiebung‘ spaltete auch die Charta 77. Die Chartisten begleiteten das Zustandekommen der Deutsch-Tschechischen Erklärung]. In: Lidové noviny, 27.2.2017, <https://www.lidovky.cz/domov/odsun-rozdeloval-i-chartu-77-chartiste-stali-pri-vzniku-cesko-nemecke-deklarace.A170127_090844_ln_domov_mpr>, 11.4.2021.

[33] Vgl. Jan Křen: Nachwort. In: Samuel Salzborn: Geteilte Erinnerung. Die deutsch-tschechischen Beziehungen und die sudetendeutsche Vergangenheit. Frankfurt am Main u. a. 2008, S. 125–134, hier: S. 130.

[34] Gesetz zum Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik über gute Nachbarschaft und freundschaftlichen Zusammenarbeit. In: Bundesgesetzblatt 1992, Teil II, Nr. 21 vom 15.7.1992.

[35] Sdělení federativního ministerstva zahraničních věcí o sjednaní Smlouvy mezi Českou a Slovenskou Federativní Republikou a Spolkovou republikou Německo o dobrém sousedství a přátelské spolupráci [Mitteilung des Föderativen Außenministeriums über die Aushandlung des Vertrags zwischen der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik und der Bundesrepublik Deutschland über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit]. In: Sbírka zákonu c. 521/1992, 14.9.1992.

[36] Eintrag „odsun“. In: Hugo Siebenschein (Hg.): Česko-německý slovník [Tschechisch-Deutsches Wörterbuch]. Band A–O. Praha 41983, S. 705.

[37] Vgl. dazu ausführlich K. Erik Franzen: Der vierte Stamm Bayerns. Die Schirmherrschaft über die Sudetendeutschen 1954–1974. München 2010.

[38] Jan Kaczor: Mluvíte jako Sudeťák, řekl Zeman Schwarzenbergovi [Sie reden wie ein „Sudeťák“, sagte Zeman zu Schwarzenberg]. In: Lidové noviny, <https://www.lidovky.cz/domov/aplausy-buceni-a-skandovani-duel-zeman-schwarzenberg-na-prime-pripomina-ring.A130118_212137_ln_domov_jkz>, 11.4.2021.

[39] Kateřina Tučková: Vyhnání Gerty Schnirch. Brno 2009; deutsch: Gerta. Das deutsche Mädchen. Übersetzt von Iris Milde. Berlin 2018.

[40] Zum Beispiel Zdeněk Beneš u. a. (Hgg.): Téma: Odsun-Vertreibung. Transfer Němců z Československa 1945-1947. Informační materiál pro učitele k výuce na základních a středních školách [Thema: Odsun-Vertreibung. Der Transfer der Deutschen aus der Tschechoslowakei 1945-1947. Informationsmaterial für die Lehrer zum Unterricht an Grund- und Mittelschulen]. Praha 2002.

[41] Petr Mikšíček (Hg.): Zmizelé Sudety/Das verschwundene Sudetenland. Praha 2004; Sarah Scholl-Schneider (Hg.): Sudetské příběhy. Vyhnanci – starousedlíci – osídlenci/Sudetengeschichten. Vertriebene – Alteingesessene ­– Neusiedler. Praha 2010.

Autor

PD Dr. Tobias Weger ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas der LMU München (IKGS).

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