Augsburg Tagung: 100 Jahre politische Bildung

Leuchtturm der Demokratie, staatliches Feigenblatt, politischer Oktroy? - Welche Bedeutung hat politische Bildung in Deutschland? Drei Tage lang diskutierten politische Bildner und Multiplikatoren verschiedener Institutionen über die Frage wo die politische Bildung heute steht und welchen Themen und Aufgaben sie sich in Zukunft zu stellen hat.

Die Ergebnisse der Tagung wurden durch die Graphic Recorderin Angelina Robl vom Albert-Einstein-Gymnasium München festgehalten

100 Jahre politische Bildung in Deutschland: Im März 1918 wurde die "Reichszentrale für Heimatdienst" gegründet. Heute, 100 Jahre nach ihrer Gründung, stehen die Bundeszentrale sowie 16 Landeszentralen in der Nachfolge dieser ersten staatlichen Institution für politische Bildung in Deutschland. Ihre vielfältigen Angebote reichen von Elementarangeboten wie Demokratiespielen bis hin zu wissenschaftlichen Tagungen und digitalen Formaten.

Dieses Jubiläum nahm die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit zum Anlass, um Experten aus Institutionen der politischen Bildung, Schule und Wissenschaft zum Austausch nach Augsburg einzuladen. Von 15. Mai bis 17. Mai 2018 widmeten sich die Teilnehmer der Tradition und Zukunft der politischen Bildung. Bei dieser Standortbestimmung tauschten sie sich über Methoden, Medien und zielgruppenspezifische Angebote aus.

Die Gäste wurden durch Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl (Stadt Augsburg), Ministerialdirektor Herbert Püls (Kultusministerium) und Direktor Dr. Hald Parigger (Landeszentrale) begrüßt. Als Auftakt der Veranstaltung referierte anschließend Jürgen Kaube (FAZ) zur Frage: „100 Jahre (staatliche) Politische Bildung: Leuchtturm der Demokratie, staatliches Feigenblatt, politischer Oktroy?“.

Die einzelnen Programmpunkte

Moderator Dr. Harald Parigger (2. v. links) im Gespräch mit Jürgen Kaube, Dr. Martina Weyrauch und Thomas Krüger (v. links) © Ruth Plössel (Stadt Augsburg)

"Schmerbauch vs. Wutbauch"

Im Anschluss an seine Ausführungen diskutierte der Chefredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Jürgen Kaube, mit Thomas Krüger (Bundeszentrale für politische Bildungsarbeit) und Dr. Martina Weyrauch (Brandenburgisch Landeszentrale für politische Bildung) über die Frage, ob Emotionen einen Platz in der politischen Bildung haben. Moderiert wurde das Gespräch von Dr. Harald Parigger (Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit).

Tradition und Zukunft der (staatlichen) politischen Bildung

Der zweite Tag des Kongresses begann ganz dem Anlass entsprechend mit einem Rückblick auf die Ursprünge der staatlichen politischen Bildung in Deutschland. Prof. Dr. Gudrun Hentges von den Universitäten Wien / Köln zeichnete in ihrem Vortrag den Weg von der Reichszentrale für Heimatdienst zu den heutigen Zentralen für politische Bildung nach.

Anschließend diskutierte sie mit Dr. Karl-Ulrich Gelberg (Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften) und Dr. Sabine Bamberger-Stemmann (Landeszentrale für politische Bildung Hamburg) über die Frage, ob die heutigen Zentralen Einrichtungen der Demokratieförderung oder doch eher der staatlichen Propaganda sind. Moderiert wurde die Diskussion von Monika Franz (Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit).

Methoden & Medien der politischen Bildung. Trends-Analysen-Standpunkte

In der zweiten Sektion beschäftigten sich die Teilnehmer in insgesamt vier Diskussionsrunden mit aktuellen Methoden und Medien der politischen Bildung.

Werner Rellecke (Sächsische Landeszentrale für politische Bildung), Dr. Hans-Georg Golz (Bundeszentrale für politische Bildung), Michael Döschner-Apostolidis und Herbert von Halem (Herbert von Halem Verlag) diskutierten moderiert durch Monika Franz (BLZ) über den Stellenwert von Print angesichts der zunehmenden Digitalisierung.

Moderiert von Dr. Harald Parigger (BLZ) tauschten sich im parallel stattfindenden Panel Prof. Dr. Markus Gloe (LMU München), Denise Wiedemann und Sabrina Scholl (beide CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH - Projekt Fachkraft für Leichte Sprache) über ihre Einschätzung des Einsatzes von Leichter Sprache aus.

Im zweiten Teil der Sektion unterhielt sich Uta Löhrer (BLZ) mit Karolina Salamon (Redaktion „heute show“), Kathrin Demmler (JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis) und Mirko Drotschmann (Blogger) über die Frage, ob die klassische "Institutionenkunde" ausgedient habe und Twitter, Webinaren und Rapsongs die Zukunft der politischen Bildung gehöre.

Parallel tauschten sich Prof. Dr. Stefan Rappenglück (Hochschule für angewandte Wissenschaften München), Dipl. oec. Birgit Zürn (Zentrum für Managementsimulation DHBW Stuttgart, Mitglied des Vorstands des Planspielfachverbands SAGSAGA e.V.), Dr. Erik Harms-Immand (Saarländische Landeszentrale für politische Bildung) und Sebastian Hebler (Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung Rheinland-Pfalz) über ihre Erfahrungen mit Interaktion und Simulation in der politischen Bildung aus. Moderiert wurde die Diskussion von Robby Geyer (Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg).

Historisch-politische Bildung und Extremismusbekämpfung

Im dritten Themenkreis der Tagung stand die Frage im Mittelpunkt, welchen Stellenwert die Geschichtsvermittlung im Rahmen der politischen Bildung hat.

Prof. Dr. Michele Barricelli (LMU München) ging in seinem Votrag der Frage nach, wieviel Geschichte politische Bildung überhaupt braucht. Anschließend diskutierte er mit Dr. Ulrike Haerendel (Evangelische Akademie Tutzing), Nico Nolden, M.A. (Universität Hamburg) und Dr. Alexander Jehn (Hessische Landeszentrale für politische Bildung). Die Moderation zum Panel "Geschichte als Selbstzweck oder Fundament der politischen Bildung?" übernahm Monika Franz (BLZ).

Zur Frage "Wirkt die Aufklärung über den Nationalsozialismus gegen neue Radikalismen?" referierte parallel Dr. Michael Kohlstruck (Zentrum für Antisemitismusforschung / TU Berlin). In der anschließenden Diskussion erörterte er gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer (Universität Duisburg-Essen), Dr. Alexander Schmidt (Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände) und Burak Yilmaz (Heroes Duisburg) geeignete Mittel zur Extremismusbekämpfung in der politischen Bildung. Moderiert wurde die Diskussion von Tom Waurig (Couragiert-Magazin).

Zielgruppen der politischen Bildung am Beispiel des Themas Migration

Für das abschließende Panel des zweiten Tages wechselte ein Teil der Teilnehmer den Veranstaltungsort: Im "Grandhotel Cosmopolis" erhielten sie zunächst auf einem Rundgang eine Einführung in das Konzept dieser sozialen Plastik. Das Grandhotel vereint unter seinem Dach eine Unterkunft für geflüchtete Menschen, ein Hotel, Ateliers, Werkstätten eine Café-Bar und Veranstaltungsräume.

In einem der Veranstaltungsräume referierte Prof. Dr. Friedrich Heckmann (Europäisches Forum für Migrationsstudien (efms)/ Universität Bamberg) zu den Herausforderungen, die die "Flüchtlingskrise" für die politische Bildung darstellt. Anschließend diskutierte er mit Dr. Tabea Kretschmann (FAU Erlangen Nürnberg), Philipp Rabl (Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit) und Philip Zölls (Stadtarchiv München) über die Veränderungen die die "Flüchtlingskrise" für die politische Bildung in Deutschland bedeutet. Moderiert wurde die Diskussion von Uta Löhrer (BLZ).

 

Politische Bildung in europäischer Perspektive

Parallel dazu verortete im Glaspalast Marc Schoentgen (Zentrum fir politesch Bildung, Luxemburg) sein politisches Zentrum in der europäischen Bildungslandschaft. Anschließend diskutierte er mit Lea Sedlmayr (Bayerischer Jugendring), Prof. Dr. Tilman Grammes (Universität Hamburg) und Dr. Robert Żurek (Stiftung Kreisau) über die Frage, ob eine europäische Politische Bildung notwendig ist und inwiefern diese einer Institutionellen Verankerung bedarf. Moderiert wurde das Gespräch von Alexander Müller (BLZ).

Politische Bildung in der schulischen Praxis

Zum Auftakt am dritten Tag der Tagung "100 Jahre politische Bildung" rückte die schulische Praxis in den Mittelpunkt. Prof. Dr. Markus Gloe (LMU München) erläuterte in seinem Vortrag das Verständnis von politischer Bildung als Unterrichtsprinzip. Im Anschluss diskutierte der mit Prof. Armin Scherb (FAU Erlangen-Nürnberg), Lukas Straubinger (Landesschülerrat Bayern) und Dr.E. Karin Oechslein (ISB) über Möglichkeiten, die schulische politische Bildung für die Zukunft zu rüsten. Moderiert wurde das Gespräch von Uta Löhrer (BLZ).

In die Zukunft blickten auch die Diskussionsteilnehmer der Abschlussdiskussion. Prof. Dr. Ursula Münch (Akademie für politische Bildung Tutzing), Prof. Dr. Thomas Sandkühler (Humboldt-Universität Berlin) und Prof. Stephan Russ-Mohl (Universität Lugano) entwarfen Zukunftsszenarien für die historisch-politische Bildung, moderiert von Tom Waurig (Couragiert-Magazin).

Zwischen den Panels konnten die Teilnehmer Installationen des Wintertollwoods 2017 entdecken und ausprobieren © Ruth Plössel (Stadt Augsburg)
Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
Logo
Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus
Suche Kontrast Schriftgröße