29.09.2019 Bayreuth Viele Akteure waren dem NS-Regime eng verbunden

Die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte – die NS-Herrschaft – und mögliche Lehren daraus standen im Mittelpunkt der Veranstaltung der Wilhelm-Leuschner-Stiftung – gefördert von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit – in der Geburtsstadt des geistigen Vaters der Einheitsgewerkschaft.

Stiftungsratsvorsitzender Wolfgang Hasibether wies nach, dass Wilhelm Leuschner lange in seiner erfolgreichen Netzwerkbildung gegen die NSDAP unterschätzt worden sei. Der am 29. September 1944 von den Nazis hingerichtete Leuschner habe ein reichsweites Netz von Gewerkschaftern und Sozialdemokraten über den Goerdeler-Kreis bis zum Militär und in Wehrkreiskommandos hineingewoben, etwa in Bayern und Hessen. Leuschner habe damit die Voraussetzungen für eine gesellschaftliche Neuordnung schaffen helfen können.

Landeshistoriker Dr. Ludwig Unger verortete unter der Themenstellung „Widerstand in Oberfranken“ auch Leuschner als wichtigen Akteur. In nahezu allen gesellschaftlich relevanten Einrichtungen wiesen viele Akteure nach Hitlers Machtübernahme auch in Oberfranken eine gewisse Nähe zum Regime auf, bis hin zum evangelischen Kreisdekan Otto Bezzel und dem katholischen Erzbischof Jakobus von Hauck. Daneben sei aber auch Widerstand geleistet worden: z. B. von dem evangelischen Pfarrer von Mistelgau Friedrich Seggel, seinem Kulmbacher Kollegen Walter Höchstädter oder von dem katholischen Kuraten Martin Förtsch, die jeweils die Judenpolitik der Nazis kritisierten, und dem Chef des kirchlichen Ottoverlags Georg Meixner.

Rechtsanwalt Hans Wölfl habe NS-Gegner verteidigt und sei dafür 1944 hingerichtet worden. In der anschließenden Podiumsdiskussion unter Moderation von Hans-Otto Hemmer, dem Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung, wurde auch die Rolle des hessischen Innenministers Leuschners beim Zustandekommen eines Landfahrergesetzes in der Weimarer Zeit diskutiert. Kommunisten, Sozialdemokraten wie auch Bürgerliche hätten die wenigen Chancen zum Widerstand ergriffen, die sich ihnen boten. An der Podiumsdiskussion nahmen auch Dr. Barbara Distel und Matthias Eckard vom DGB Oberfranken teil.

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