Resilienz & Demokratie

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Resilienz – Demokratie in herausfordernden Zeiten

Warum behält ein Schwamm nach starkem Druck seine Form, während ein Stück Lehm dauerhaft verformt bleibt? Der Vergleich macht den Grundgedanken von Resilienz anschaulich: Es geht nicht darum, Belastungen unverändert zu überstehen, sondern darum, nach einer Erschütterung wieder handlungsfähig zu werden. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Materialwissenschaft. Das lateinische Verb resilire bedeutet „zurückspringen“ oder „abprallen“ und beschreibt dort die Fähigkeit eines Materials, nach einer Belastung oder Verformung in seinen ursprünglichen Zustand zurückzukehren (vgl. https://www.haufe.de/id/beitrag/resilienz-11-herkunft-des-begriffs-HI7563955.html).
 
Heute wird Resilienz in zahlreichen wissenschaftlichen Disziplinen verwendet. Während die Psychologie darunter die Fähigkeit von Menschen versteht, Krisen und Belastungen zu bewältigen, betrachten die Sozial- und Politikwissenschaften zunehmend auch die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit von Gemeinschaften, Institutionen und demokratischen Gesellschaften.
 
Resilienz gilt dabei nicht als unveränderliche Eigenschaft, sondern als dynamischer Prozess, der durch individuelle Voraussetzungen ebenso geprägt wird wie durch soziale Beziehungen, politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Ressourcen.
 
Auch demokratische Gesellschaften stehen immer wieder vor der Aufgabe, auf Krisen zu reagieren, ohne ihre grundlegenden Werte und ihre Handlungsfähigkeit zu verlieren. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie vielfältig diese Herausforderungen sind: die COVID-19-Pandemie, Kriege und internationale Konflikte, Klimawandel, wirtschaftliche Unsicherheiten, Digitalisierung, Desinformation oder gesellschaftliche Polarisierung.
 
Resilienz bedeutet in diesem Zusammenhang weder Unverletzlichkeit noch die bloße Rückkehr zu einem früheren Zustand. Vielmehr beschreibt sie die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren, aus Krisen zu lernen und sich weiterzuentwickeln, ohne die Grundlagen des demokratischen Zusammenlebens aus dem Blick zu verlieren.
 
Der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel versteht demokratische Resilienz als die Fähigkeit demokratischer Systeme, äußeren und inneren Erschütterungen standzuhalten, sich an veränderte Bedingungen anzupassen und sich zu erneuern, ohne ihre grundlegenden demokratischen Strukturen und Prinzipien aufzugeben (Wolfgang Merkel: Demokratische Resilienz als Konzept, in: Julian Nida-Rümelin, Timo Greger, Andreas Oldenbourg (Hrsg.): Normative Konstituenzien der Demokratie, Berlin/Boston 2024, S. 341–358).
 
Demokratie ist damit nicht resilient, weil sie Krisen vermeiden kann, sondern weil sie über die Fähigkeit verfügt, mit ihnen umzugehen, Konflikte innerhalb des demokratischen Verfassungsrahmens auszutragen und aus Herausforderungen zu lernen.
 
Gerade für die politische Bildung ist diese Perspektive von besonderer Bedeutung. Demokratie lebt von Bürgerinnen und Bürgern, die Informationen kritisch einordnen, unterschiedliche Positionen abwägen und sich eine eigenständige Meinung bilden können.
 
Ebenso ist sie auf Institutionen angewiesen, die auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig bleiben, sowie auf eine Gesellschaft, die Konflikte friedlich austrägt und Vielfalt als Stärke begreift.
 
Politische Bildung vermittelt Orientierungswissen, stärkt Urteils- und Dialogfähigkeit und befähigt Menschen, demokratische Prozesse zu verstehen und verantwortungsvoll mitzugestalten. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Resilienz einer offenen und pluralistischen Demokratie.
 
Dieses Themenforum sammelt die Angebote der BLZ zum Thema. 

Angebote der BLZ zum Thema (in Auswahl)

BLZ
Deutschland im Ernstfall
„Deutschland im Ernstfall“ wirft einen fundierten Blick auf die Frage, wie Staat, Gesellschaft und jede einzelne Person auf Krisen und Ausnahmesituationen vorbereitet sein können. Die Autoren Ferdinand Gehringer und Johannes Steger beleuchten aktuelle Herausforderungen, zeigen Zusammenhänge auf und regen dazu an, über Resilienz, Sicherheit und Verantwortung neu nachzudenken. Verständlich geschrieben und nah an den gesellschaftlichen Debatten unserer Zeit bietet das Buch wertvolle Impulse für alle, die (sicherheits-)politische Entwicklungen besser einordnen möchten.

Die Autoren des Buches sind zu Gast in unserem Podcast „Zeit für Politik“. Außerdem erscheint im Herbst eine Handreichung zur Publikation.
Zudem greift die Zeitschrift Einsichten und Perspektiven in der Ausgabe 1/26 die Thematik „Wehrpflicht/Wehrdienst“ im Schwerpunkt auf. Diese finden Sie unter: E+P 1/26.
BLZ
Podcast: Deutschland im Ernstfall - wie kann Vorbereitung auf Krisenszenarios im Unterricht gelingen?
In dieser Folge werfen wir einen schonungslosen Blick auf Deutschlands Krisenfestigkeit: Was bedeutet die "Zeitenwende" für uns alle, und wie sieht der Ernstfall tatsächlich aus? Gemeinsam mit unseren Gästen, den Autoren von "Deutschland im Ernstfall", diskutieren wir Szenarien von hybrider Kriegsführung bis zum großflächigen Stromausfall und fragen, wie wir als Gesellschaft handlungsfähig bleiben können und wir an Schulen daran mitwirken können. Wir beleuchten, warum Zivilschutz mehr als Bunkerschulungen umfasst und wie Medienkompetenz und strategische Kommunikation unsere Resilienz stärken. Außerdem sprechen wir darüber, wie Desinformation und hybride Bedrohungen gezielt unser Vertrauen in die Demokratie untergraben – und was wir dagegen tun können.
 
BLZ
Die Bundeswehr. Von der Wiederbewaffnung bis zur Zeitenwende
Im November 1955 wurde die Bundeswehr gegründet. Unumstritten war sie nie, und die Deutschen wurden nie so richtig warm mit ihr. Im Kalten Krieg bildete sie den Kern der NATO-Landstreitkräfte. Doch nach 1990 wurden Personalstand, Ausrüstung und Fähigkeiten drastisch reduziert, schließlich auch die Wehrpflicht abgeschafft. Der Schwerpunkt verlagerte sich von der Landes- und Bündnisverteidigung hin zu Auslandseinsätzen. Seit dem 24. Februar 2022 ist alles anders. Fähigkeiten müssen schnell wiedererlangt werden und die Bevölkerung muss ihre Haltung zur Armee überdenken. Sönke Neitzel analysiert die Geschichte der Bundeswehr und zeigt die aktuellen Herausforderungen.
 
BLZ
E+P 1/26: Schwerpunkt Wehrpflicht
Die US-amerikanische Nationalfigur „Uncle Sam“ ist aller Wahrscheinlichkeit nach im frühen 19. Jahrhundert nach dem Vorbild eines Metzgers entstanden, der die Army mit Fleischwaren belieferte. Sie steht häufig konkret im Kontext der Anwerbung von Soldaten in den Vereinigten Staaten und scheint im übertragenen Sinn als globale Symbolfigur die Frage an Betrachterin/Betrachter zu richten: Wie bringst Du Dich für Dein Land ein?

Nach langen Perioden eines sehr hohen Wohlstandslevels in Friedenszeiten, die viel Raum individuelle Lebensgestaltungen ließen, kommen durch die Rückkehr von bedrohlichen Kriegsszenarien und damit verbundenen weiterreichenden Herausforderungen wieder Grundsatzfragen zurück, die längst ad acta gelegt schienen. Wie muss sich Europa, wie muss sich die Bundesrepublik auf mögliche Krisen- und Kriegsszenarien einstellen? Welchen Beitrag hat der/die Einzelne dabei zu leisten?
So ist auch die Frage nach Wehrdienst und Wehrpflicht mit neuer Dringlichkeit in den politischen und gesellschaftlichen Diskurs zurückgekehrt. Dabei geht es nicht allein um militärische Notwendigkeiten, sondern ebenso um Grundfragen von Freiheit, Verantwortung und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Der Schwerpunkt dieser Ausgabe widmet sich diesem Themenfeld aus unterschiedlichen Perspektiven. Jörg Echternkamp eröffnet mit einem Leitartikel, der die Entwicklung der Wehrpflicht historisch nachzeichnet und die gegenwärtigen Diskussionen um ihre mögliche Wiedereinsetzung sowie um neue Modelle des Wehrdienstes einordnet. Gregor Köstler richtet den Blick sowohl auf Formen der Werbung für Wehrdienst und Wehrpflicht als auch auf die Geschichte und Gegenwart der Wehrdienstverweigerung und zeigt damit die Bandbreite gesellschaftlicher Positionen auf. In einem weiteren Beitrag beleuchtet er zudem, wie vielfältig Engagement für Deutschland gedacht und praktiziert werden kann – sei es in militärischer oder in ziviler Form.
Hendrik-Meyer-Magister widmet sich der Position der Evangelischen Kirche in Deutschland und zeichnet nach, wie sich deren Haltung zur Wehrpflicht und zum Wehrdienst verändert hat.
 
 

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