Bayern Parlamentariern in Bayern nachspüren: von 1919-1933

Die strittigen Fragen zwischen dem jungen Freistaat Bayern und der katholischen Kirche löste Ministerpräsident Heinrich Held (rechts vorn auf dem Stuhl) mit einem Konkordat mit dem Apostolischen Nuntius Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII. Foto: Sz-Photo

Ab dem Frühjahr 2020 richten wir mit dem Parlamentarierprojekt II den Blick auf die Umsetzung der Bamberger Verfassung von 1919 durch den Landtag und die Abgeordneten vor Ort in der Zeit von 1919 bis 1933.

Die Landeszentrale lädt Sie dazu ein, sich mit Ihren Schülerinnen und Schülern z. B. in einer Projektwoche, einem W- oder P-Seminar eine Biographie oder ganz einfach im Unterricht das Alltagsleben vor Ort und/oder die parlamentarische Arbeit ihrer Abgeordneten genauer anzuschauen und aufzubereiten: als Seminararbeit, als Video, als Plakat, als Podcast, als Text usw

Zwei Auftaktveranstaltungen mit Lehrerfortbildungen sind in Bayern geplant, um Ihnen Ideen an die Hand zugeben:

  • für Südbayern und Schwaben in München, dem Sitz des Bayerischen Landtags, und
  • für Nordbayern in Bamberg, dem Ort der parlamentarischen Beratungen im Schicksalsjahr 1919

Die Teilnahme an einer Auftaktveranstaltung verpflichtet nicht dazu, das Projekt durchzuführen; sie kann auch als reine Lehrerfortbildung besucht werden. Aber vielleicht macht sie doch neugierig darauf, Parlamentarier aus schwieriger Zeit erkennbar werden zu lassen.

Unterrichtsmodelle sollen online publiziert werden

Es ist beabsichtigt, eine Auswahl der fachlichen und pädagogisch-didaktischen Ansätze der Lehrkräfte online zu publizieren.

Wir würden uns freuen, wenn Sie in Ihrer Schule Interesse an dem Thema finden. Es bereichert den Unterricht in Geschichte und Sozialkunde mit Blick auf die Weimarer Zeit, zeigt Vorgänge auf und schafft Identifikation mit der Region und dem demokratischen Wirken im Freistaat.

Wir bitten Sie um Rückmeldung bis Donnerstag, 2. April 2020, wenn Ihre Schule Interesse hat mit uns dem Bayerischen Landtag der Weimarer Zeit ein Gesicht zu geben. Der Abschluss des Projekts ist terminiert auf Juli 2021. Es soll in diesem Zeitraum nach den Impulsveranstaltungen zwei Arbeitstagungen und eine Abschlussveranstaltung geben.

Dazu motiviert wurde die Landeszentrale durch das erfolgreiche Projekt zur ersten bayerischen Ständeversammlung 1819: https://www.blz.bayern.de/meldung/schueler-forschen-auf-den-spuren-der-ersten-bayerischen-abgeordneten.html

Bei Fragen melden Sie sich gerne bei Dr. Ludwig Unger: Ludwig.Unger@blz.bayern.de

Historische Einordnung

Lange demokratische Tradition – aber mit dramatischer Unterbrechung

Bayern hat eine lange, über 100-jährige Tradition von Demokratie und Rechtsstaat. Nach dem Ersten Weltkrieg erarbeiteten die Mitglieder des Bayerischen Landtags eine hochmoderne Verfassung mit starken Elementen der repräsentativen und der direkten Demokratie – erstmals hatten Frauen und Männer das aktive und passive Wahlrecht. Es gab eine Parlamentskammer – den Landtag, das Wahlrecht war ein Verhältniswahlrecht und es wurde ein Bayerischer Staatsgerichtshof eingerichtet. Die Verfassung schuf einen guten rechtlichen Rahmen für die parlamentarische Arbeit. Aber angesichts der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation und der Zersplitterung des Parteienspektrums mit extremen Rändern war die parlamentarische Arbeit weder 1918/1919 noch 1932/1933 einfach – und auch Mitte der 1920er Jahre war die junge Demokratie nicht ohne Gegner. Das Gegenteil war der Fall.

Entscheidung zugunsten der parlamentarischen Demokratie 1918

Die Geburtsstunde der Demokratie in Bayern datiert parallel zu der Auseinandersetzung mit Arbeiter-, Soldatenräten und mancherorts Bauernräten – im Januar 1919 wählten die Menschen in Bayern ihr Parlament. Die Todesstunde der bayerischen Demokratie in der Weimarer Zeit näherte sich angesichts des Gegeneinanders extremistischer Kräfte, der Nationalsozialisten rechts außen und der Kommunisten links außen.

Zunächst stimmte das Gros der Bayern für die demokratischen Parteien wie Bayerische Volkspartei, SPD, DDP und Bauernbund – doch Gegner der jungen Republik versuchen von Anfang an mit Gewalt deren Etablierung zu untergraben.  

Und weite Teile der bayerischen Gesellschaft taten sich mit der Demokratie noch schwer: Der verlorene Weltkrieg und die sich darum rankenden Mythen, Bayern wird Teil und „Kostgänger“ des Deutschen Reichs ohne besondere Vorrechte, die hohen Reparationen an die Siegermächte, die Besetzung des Ruhrgebiets durch die Franzosen und die Inflation belasteten die Republik immer wieder.

Der immer wieder anschwellende Ruf nach einer Rückkehr der Monarchie oder nach einer starken Hand und der Versuch der Machtübernahme durch extreme Kräfte machten eine Stabilisierung der jungen Staatsform schwierig. Unübersehbare Vorgänge mit krisenhaftem Charakter waren z. B.:

  • die Ermordung Kurt Eisners von der USPD auf dem Weg zur Eröffnung des Parlaments, die Verwundung von Karl Auer von der SPD, die Räterepublik und ihre Niederschlagung durch Freikorps noch 1919,
  • die anhaltenden Konflikte zwischen dem föderalistischen Bayern und dem Deutschen Reich – um Kompetenzen und Gelder,
  • der Hitlerputsch 1923, bei dem sich der Bohèmien Adolf Hitler zusammen mit General Ludendorff anschickte, mit dem Marsch auf die Feldherrnhalle die Republik umzustürzen.

Da waren die Regierungschefs wie Kurt Eisner (USPD), Johannes Hoffmann (SPD), der parteilose Gustav Ritter von Kahr, Hugo Graf Lerchenfeld (BVP), der parteilose Eugen von Knilling und Heinrich Held (BVP), die der Demokratie verpflichtet waren. Da gab es Gestalten, die selbst Macht auf sich häufen wollten wie Gustav Ritter von Kahr und Ernst Pöhner. Und da präsentierten sich Regierungschefs nach der Agonie des Rechtsstaats unter dem Hakenkreuz wie Franz Ritter von Epp oder Ludwig Siebert in braunem Gewand.

Bamberger Verfassung – eine moderne Grundordnung mit Vorbildcharakter

Grundlage für das parlamentarische Wirken im Freistaat Bayern in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bot die „Bamberger Verfassung“ vom 14. August bzw. 15. September 1919. Sie ist nach dem Tagungsort des Landtags und dem Sitz der Bayerischen Regierung während massiver politischer Unruhen in München 1919 benannt. Denn im April 1919 sahen sich die Regierung von Johannes Hoffmann und der Landtag gezwungen, nach Bamberg auszuweichen. Hoffmann setzte im Handeln auf eine Koalition von SPD, BVP und DDP.

Für je 40.000 bayerische Bürgerinnen und Bürger zog vor rund 100 Jahren eine Abgeordnete oder ein Abgeordneter in den Landtag ein. Darunter befinden sich Personen wie der Ministerpräsident und langjährige Kultusminister Johannes Hoffmann (SPD), gebürtig in Ilbesheim/Pfalz, der langjährige Ministerpräsident Heinrich Held (BVP), geboren in Erbach im Taunus.

Dazu gehören Persönlichkeiten, die schon am Tag der Konstituierung des Landtags im Februar 1919 getötet wurden: der erste Regierungschef Kurt Eisner (USPD), geboren in Berlin, und Heinrich Osel (BVP), gebürtig in Hallstadt. Sie bezahlten mit ihrem Leben für Rechtsstaat und Demokratie. Da gab es einen Landtagspräsidenten Georg Stang (BVP), der den NSDAP-Abgeordneten auch noch 1932 das Tragen der Parteiuniform im Plenarsaal untersagte und der bald ebenso wie der BVP-Fraktionsvorsitzende Fritz Schäffer von der SA inhaftiert wurde.

Beachtung verdienen die ersten weiblichen Mitglieder des Bayerischen Landtags: z. B. Ellen Amann (BVP), geboren in Stockholm, Aurelie Deffner (SPD), gebürtig in Handzell, und Käthe Günther (DDP), geboren in Gnötzheim/Unterfranken, die einzige Frau im Präsidium des Landtags.

Goldene Zwanziger Jahre auch in Bayern

Doch mit dem Anschluss Coburgs an den Freistaat 1920, mit dem Scheitern des Hitler-Putsches, dem vorläufigen Verbot von NSDAP und KPD, der Rückkehr der Pfalz unter bayerische Verwaltung sowie dem Erstarken der bayerischen Wirtschaft auf der Grundlage der Währungsreform lässt sich auch in Bayern unter dem Ministerpräsidenten Heinrich Held von goldenen Zwanziger Jahren sprechen und als Folge dieser Entwicklung verlieren die extremen Parteien bei den Landtagswahlen 1928 an Unterstützung. Das Verhältnis zwischen Staat sowie katholischer und evangelischer Kirche wird einvernehmlich geregelt.

Doch selbst in dieser Phase der Festigung der parlamentarischen Demokratie in Bayern kann die wiedergegründete NSDAP neue Kräfte sammeln: Sie zieht 1924 erstmals in den Landtag ein; Hitler wird vorzeitig aus der Festungshaft entlassen, erhält allerdings nach einer antisemitischen Ansprache 1925 Redeverbot. Die NSDAP gründet eine Schutzstaffel (SS), macht mit einem Parteitag in Nürnberg im Jahr 1927 von sich reden und erzielt kurz nach dem Schwarzen Freitag an der New Yorker Börse bei den Kommunalwahlen in Bayern 1929 in Coburg erstmals die absolute Mehrheit in einem Stadtrat. 1931 tritt Lindaus Oberbürgermeister zur NSDAP über. Parallel dazu geraten die Regierung Held und das Parlament aufgrund mangelnder Kompromissfähigkeit in die Krise. Das Kabinett regiert oft nur mit Notverordnungen, während die Arbeitslosenzahlen nach oben schnellen und der politische Kampf von der NSDAP und der KPD in scharfer Form auf die Straße getragen wird.

Auch in dieser Phase der Agonie der Republik von Weimar – z. B. Reichstagswahlen im Juli und im November 1932 – bleibt der Anteil der NSDAP-Wähler in Bayern noch deutlich hinter dem deutschlandweiten Ergebnis zurück, die BVP erweist sich als stabil. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch Reichspräsident von Hindenburg, dem die BVP ins Amt geholfen hatte, markiert das nahende Ende eines freien parlamentarischen Handelns auch im Freistaat.

Das Aus für die parlamentarische Arbeit

1933 endeten die erste bayerische Demokratie und die parlamentarische Arbeit in der Münchner Prannerstraße. Am 10. März wurde von den Nationalsozialisten Franz Ritter von Epp als Reichskommissar bestellt und Ministerpräsident Held abgesetzt. Auf der Grundlage des vorläufigen Gesetzes zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich wurde der Landtag aufgelöst. Die letzte Sitzung fand formaliter am 29. April 1933 statt, im Hintergrund des Landtagspräsidiums prangte die Hakenkreuzfahne – Symbol der Herrschaftsübernahme.

Faktisch hatten die Nationalsozialisten – gestützt auf „Reichstagsbrandverordnung! und „Ermächtigungsgesetz“ – bereits zuvor im gesamten Deutschen Reich Demokratie und Rechtsstaat zu Grabe getragen. Die totalitäre, menschenverachtende Herrschaft hatte unter dem Hakenkreuz Einzug gehalten.

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