1. April 2020 Webtalk Social Scoring – welche Werte zählen?

Der digitale Wandel bringt eine stetig wachsende Menge an persönlichen Daten hervor. Sei es die Anzahl der täglich gegangenen Schritte, oder die Zeit, die man täglich am Smartphone verbringt: Gewollt oder ungewollt sammeln wir fortlaufend Daten über unsere Lebensführung. Zugleich vermessen wir jedoch nicht nur uns selbst, sondern werden auch dazu aufgerufen, andere Menschen auf verschiedenen Onlineplattformen zu bewerten.

Die so erhobenen Daten können zu eigenen Kennzahlen zusammengefügt werden, sogenannten Scores, die zum Teil erheblichen Einfluss auf die Verteilung von Lebenschancen haben können. Wer keinen passenden SCHUFA-Eintrag vorweisen kann, findet schon heute im angespannten Wohnungsmarkt der großen Metropolen nur schwer eine Wohnung.

Das chinesische Sozialkreditsystem ist ein prominentes Beispiel dafür, wie Aufzeichnungen aus verschiedensten Lebensbereichen zu einem einzigen umfassenden Score zusammengeführt werden, um dadurch die soziale Reputation von chinesischen Bürger*innen und Institutionen zu beziffern. Kritiker befürchten, dass damit ein umfassendes System der Verhaltenssteuerung etabliert wird: Ein negativer Score kann beispielsweise dazu führen, dass man kein Flugticket kaufen kann.

Ein Sozialkreditsystem wie in China lehnen die meisten Menschen in Deutschland laut einer repräsentativen Studie von YouGov in Zusammenarbeit mit dem SINUS-Institut ab. Allerdings stellt sich auch hierzulande die Frage, welche Daten für welche Zwecke genutzt und zusammengeführt werden dürfen. In der gleichen Umfrage gaben 40 Prozent der Befragten an, dass sie es gut fänden, wenn sie ihre Mitmenschen in ihrem Verhalten online positiv oder negativ bewerten könnten.

Im Webtalk werden wir mit Expert*innen und Ihnen darüber diskutieren, in welchen Bereichen heute bereits Scores zum Einsatz kommen und inwiefern dies eine neue Entwicklung darstellt. Könnten vergünstigte Krankenkassentarife für besonders gesundheitsbewusstes Verhalten nicht auch einen Fortschritt darstellen? Wie sehen verbrauchergerechte Scores aus und in welchen Bereichen überwiegen jeweils die Chancen oder Risiken?

Referierende:

Prof. Dr. Gert G. Wagner, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Dr. Andrea Timmesfeld, Head of Public Affairs & Community Engagement Generali Deutschland Thomas Staehelin, +zone | Research, Berlin

Moderation: Patrick Lenz, BLZ
Ansprechpartner BLZ: Maximilian Nominacher
Ansprechpartnerin lpb: Sabine Keitel

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
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