Einsichten und Perspektiven. Bayerische Zeitschrift für Politik und Geschichte Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

Der Krieg, der noch schmerzt

Frankreich und das Ende des Algerienkonflikts vor 50 Jahren

Von Rainer Volk

 

Nach der Eroberung der Kasbah in Algier, 30. August 1962
Foto: ullstein bild/AP

Frankreich erinnert sich in diesem Jahr des Algerienkriegs, der 1962 zu Ende ging. Dabei konzentrieren sich die Diskussionen in bemerkenswerter Weise auf die anhaltenden Folgen dieses Konflikts. Denn der Rückblick zeigt zwar eine enorme Integrationsleistung des Landes, die durch die Vertreibung von einer Million Kolonialfranzosen und einheimischen Hilfssoldaten notwendig wurde. Doch sind die Defizite der historischen Aufarbeitung des Konflikts ebenfalls nicht zu übersehen.
Auch Algerien spürt bis heute Nachwirkungen des Geschehens, nicht zuletzt, da der Sieg über die Kolonialmacht dem Regime nach wie vor Legitimität verleiht.

Eine Suche nach Überresten des Konflikts in Frankreich ist leicht: Vor allem im Süden des Landes finden sich viele Zeitzeugen, wurden Erinnerungsorte gebaut. So steht im Hofgarten eines ehemaligen Klosters in der Altstadt von Perpignan, der Hauptstadt der Region Languedoc-Roussillon, eine „Mauer der Verschwundenen“ („mur des disparus“). Sie wurde auf Initiative von Interessenverbänden ehemaliger Algerien-Franzosen („Pieds Noirs“) im Jahr 2007 eingeweiht und soll an die ungefähr 2.700 Opfer erinnern, die in der Endphase des Konflikts entführt und ermordet wurden. Als Ergänzung des Ensembles wird in naher Zukunft auch ein „Memorial“ (Dokumentationszentrum) eröffnet.

In der Gemeinde Rivesaltes unmittelbar vor den Toren Perpignans sind aktuell zudem Vorarbeiten für eine zweite Gedenkstätte im Gang. Am Rand des Weinorts unterhielt Frankreich 1962–64 auf einem Areal von 300 Hektar, das bereits vor dem Zweiten Weltkrieg als Lager für geflüchtete Spanien-Kämpfer diente, ein Aufnahme-Zentrum für knapp 10.000 ehemalige algerische Hilfswillige der Armee („Harkis“) und deren Familien. Rivesaltes hat seither bei allen Diskussionen zum Algerienkrieg hohe symbolische Bedeutung. Die Autorin Fatima Besnaci-Lancou, die selbst als Kind ein Jahr in Rivesaltes lebte und darüber in ihrer preisgekrönten Autobiographie „Fille de harki“1) berichtet hat, erzählt von einer 80-jährigen Harki-Frau, die ihr berichtete, sie habe mal ihre Enkelin gefragt: „Kennst Du das Land, aus dem Oma und Opa kommen? – Das Mädchen war noch klein und antwortete: ‚Ja, ich kenne das Land – es heißt Rivesaltes.‘“ Besnaci-Lancou schlussfolgert daraus: „Die familiäre Erinnerung beginnt erst hier. Als sei da 1962 eine Mauer – und hinter der Mauer nichts.“2)

In den Medien und der Publizistik spielte das Schicksal der Harkis zum 50. Jahrestag des Waffenstillstands ebenfalls eine große Rolle. Frankreichweit erregte vor allem ein Themenheft der Zeitschrift „Les Temps Modernes“ Aufsehen, da sie unter ihren Gründern Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir einst für die Unabhängigkeit Algeriens gestritten hatte. Nun schrieb Redaktionsdirektor Claude Lanzmann (bei uns bekannt als Regisseur des Films „Shoah“) in der Einleitung der mit „Harkis 1962–2012 – Mythen und Fakten“ betitelten Ausgabe: „Wir müssen die Geschichte der Harkis während und nach dem Algerienkrieg genauer kennen lernen und sie im Zusammenhang sehen, um die Wirklichkeit zu erhalten und die groben Vereinfachungen… zu beenden, die nichts zur Erforschung und zum Erreichen der Wahrheit beigetragen haben.“3)

Zwei weitere Beispiele fanden sich im Nachrichtenmagazin „L’Express“, das dem Konflikt und seinen Folgen ein „Dossier“ widmete,4) sowie in einem Themenheft (‚hors-série‘) von „Le Monde“. Im Vorwort stellte der verantwortliche Redakteur Michel Lefebvre skeptisch nach einem halben Jahrhundert fest: „Es gibt nicht einen, sondern viele Algerienkriege. Ein Wehrpflichtiger, ein Fallschirmjäger-Offizier, ein Sympathisant der FLN (Front de libération nationale) in Frankreich, ein Guerillakämpfer, ein algerisches Kind, ein vertriebener Pied Noir…ein Harki erzählen jeder eine andere Geschichte.“5)

Algerien: das Ende eines Projektes

1962 ging für Frankreich mit dem Algerienkrieg de facto die Kolonialära zu Ende. Es ist nicht übertrieben, diesen Moment im Rückblick als eine ‚Zeitenwende‘ zu bezeichnen. Die Kolonien hatten sich – besonders nach 1945, wie Olivier Guez anmerkt, zu einem Projekt entwickelt, das nach Vichy und der nationalen Uneinigkeit im Zweiten Weltkrieg geradezu notwendig wurde, um dem Land Identität zu stiften: „In diesem Reich gab es ein Juwel, eine Perle, eine Modellkolonie, eine Fortsetzung des Mutterlandes auf der Südseite des Mittelmeeres…: Algerien.“6) Dass das Modell der „Französisierung“7) der algerischen Departements im Zeitalter der Entkolonialisierung wenig zukunftsverheißend war, übersahen die Zeitgenossen.

So standen in Algerien etwa einer Million Europäern – vorwiegend verarmten Franzosen, aber auch Spaniern, Italienern und Malteken – etwa neun Millionen Muslime gegenüber, die kaum politische Rechte besaßen und vom wirtschaftlichen Aufschwung der Kolonie wenig profitierten. Die 26.000 europäischen Gutsherren besaßen im Schnitt eine Fläche von 90 Hektar; die muslimische Bevölkerung verdingte sich dagegen fast ausschließlich als Kleinbauern, Pächter oder Tagelöhner.8) Die Einschulungsquote der Algerier – oft als „indigènes“ (Eingeborene) oder „arabes“ (Araber) bezeichnet – lag 1954 bei nur 15 Prozent.9) „Algerier und Franzosen lebten nicht im gleichen Land”, bilanziert die Historikerin Sylvie Thénault vom Centre National des Récherches Scientifiques in Paris. Sie spricht von einer klassischen Kolonialgesellschaft mit einer dominanten Minderheit von Feudalherren: „Die Algerien-Franzosen waren zu mindestens 80 Prozent Städter, hatten Schulen, Krankenhäuser, Geschäfte. Bei den Algeriern war das Gegenteil der Fall: 80 Prozent lebten auf dem Land, in abgelegenen Dörfern, wo sie selten Franzosen sahen.“10)

Allerdings wäre es falsch, die Pieds Noirs insgesamt als ‚reich’ anzusehen – was in der französischen Öffentlichkeit lange der Fall war. Häufig sind deshalb in Gesprächen mit Pieds Noirs verteidigende Sätze zu hören wie: „Alle sagen, wir waren Siedler. Das stimmte aber nur für eine kleine Minderheit, der Rest waren Arbeiter. Siedler, die Wein anbauten, gab es nur vier bis fünf Prozent.“11) Ein Blick in die Sozialstatistiken bestätigt zudem, dass das Wohlstandsniveau der Kolonie insgesamt unter dem des Mutterlandes lag.12) So findet man nur selten ehemalige Pieds Noirs, die von einer materiell sorglosen Kindheit in großbürgerlichen Verhältnissen berichten. Die Regel sind viel mehr Erinnerungen an äußerst beengte familiäre Verhältnisse, zum Teil ohne Bad und Kinderzimmer.13)

Immerhin hatten jedoch auch die ärmsten Pieds Noirs, anders als muslimische Algerier, alle staatsbürgerlichen Rechte. Diese wurden per Gesetz nämlich abhängig gemacht von einer „Assimilation“, der Übernahme europäischer Verhaltens- und Wertmuster. Die über Jahrzehnte propagierte Zivilisierung der Kolonie („mission civilisatrice“) brachte in der Praxis allerdings nur sehr begrenzt Ergebnisse, weshalb nur wenige tausend Einheimische vor Beginn des Konflikts einen französischen Pass erhalten hatten.14)

Zeittafel des Algerien-Krieges:

1. November 1954: „toussaint rouge“ (Rotes Allerheiligen) mit ersten Anschlägen der FLN auf französische Einrichtungen in der Kolonie

1. April 1955: Die französische Nationalversammlung erklärt für Algerien den „Ausnahmezustand“.

20. August 1955: ‚Bauernaufstand’ in der Region nördlich von Constantine; nach der Niederschlagung gibt die Armee 1273 tote Algerier an; algerische Angaben sprechen von 12.000 Toten.

12. März 1956: Die Nationalversammlung gewährt „Sondervollmachten“ für Algerien, die wiederholt verlängert werden.

30. September 1956: Bombenanschläge der FLN auf Bars in Algier

7. Januar 1957: Beginn der „Schlacht um Algier“. 8.000 Fallschirmjäger sollen in der ‚Kasbah’ (Altstadt) die Macht der FLN zerschlagen.

13. Mai 1958: In Algier übernimmt ein „Wohlfahrtsausschuss“ unter dem Fallschirmjäger-General Salan die Macht.

29. Mai 1958: Charles de Gaulle wird aus dem ‚Ruhestand’ in Colombey-les-deux-Eglises nach Paris gerufen, um eine neue Regierung zu bilden.

4.–7. Juni 1958: erste Algerien-Reise de Gaulles als Ministerpräsident. In Algier hält er seine umjubelte „Je vous ai compris“-Rede.

3. September 1958: Gründung einer „provisorischen Regierung der Republik Algerien“ (GPRA); sie soll Frankreich als Verhandlungspartner dienen.

21. Dezember 1958: De Gaulle wird Staatspräsident (Beginn der „Fünften Republik“).

24. Januar 1960: Auftakt zur „Woche der Barrikaden“: rechtsextreme Siedler greifen Polizei und Ordnungskräfte an (Bilanz: 20 Tote, 150 Verletzte)

14. Juni 1960: De Gaulle bietet den Anführern des algerischen Nationalismus Verhandlungen an.

8. Januar 1961: Referendum zur Selbstbestimmung Algeriens. Die Ja-Quote beträgt in Frankreich 75 Prozent, in der Kolonie 69 Prozent.

Februar 1961: Gründung der OAS (Organisation d’armée secrète);

22. April 1961: „Putsch der Generale“ in Algier; der Umsturz findet kaum Unterstützer und wird nach vier Tagen niedergeschlagen.

20. Mai 1961: Beginn der Waffenstillstands-Verhandlungen in Évian (Schweiz)

18. März 1962: Unterzeichnung der Verträge von Evian

1. Juli 1962: Abstimmung in Algerien zur Unabhängigkeit: die Befürworter-Quote liegt bei über 99 Prozent.

3. Juli 1962: offizielle Anerkennung Algeriens durch Frankreich

 

Drei Etappen bis zur Unabhängigkeit

Besuch de Gaulles in Constantine, Algerien, 6. Mai 1958
Foto: ullstein bild, Fotograf: Roger Viollet

Im Zweiten Weltkrieg kämpften zehntausende Algerier auf französischer Seite – teils auch wegen Versprechungen, die Kolonie erhalte nach Kriegsende mehr Autonomie. Nach 1945 machte das Mutterland den Muslimen jedoch nur einige Zugeständnisse und hielt am Kolonialstatus fest. Dies und eine vermutete Schwäche Frankreichs nach dem ver-lorenen Indochinakrieg stachelte radikale Nationalisten der FLN zu gewaltsamen Aktionen an. Der 1. November 1954 ging als „Toussaint rouge“ (Rotes Allerheiligen) in die Geschichtsbücher ein, da es der bis dahin unbekannten Gruppe in dieser Nacht gelang, die Sicherheitsbehörden mit einer Serie koordinierter Sprengstoff-Anschläge zu überraschen.15)

Der nachfolgende Krieg wird oft in drei Phasen eingeteilt: Bis 1956 gelang es der FLN, sich mit weiteren Attentaten und Überfällen militärisch zu etablieren. Im zweiten Zeitabschnitt (bis 1958) schaffte es Frankreich, mit Truppenverstärkungen und einer gezielten Anti-Guerilla-Strategie, der FLN zunehmend Paroli zu bieten. Phase 3 (bis zum Waffenstillstand 1962) sah militärisch eine Pattsituation, deren politische Kosten jedoch für Frankreich langfristig untragbar waren. So entließ de Gaulle nach Abstimmungen im Mutterland und in der Kolonie Algerien im Juli 1962 in die Unabhängigkeit – aus Pariser Sicht war dies das geringere Übel.16)

Ohnmacht des Politischen

Kurz nach dem „Roten Allerheiligen“ hatte der damalige Innenminister Francois Mitterrand noch dogmatisch zum Status Algeriens festgestellt: „Algerien ist französisch, eine Abspaltung daher nicht vorstellbar.“17) Doch musste die instabile Vierte Französische Republik bald bitter erfahren: Sie hatte nicht nur die FLN zum Gegner, sondern auch eine Kolonialelite, deren ultrakonservative politische Ansichten allen Reformbemühungen und politischen Kompromissen zuwiderliefen. Hellsichtig wies Albert Camus (selbst Algerien-Franzose) Anfang 1956 darauf hin, dass der Obstruktionskurs der Pieds Noirs langfristig fatale Folgen haben werde: „Ich weiß, dass sie Paris fürchten, und sie liegen nicht immer falsch. Aber was machen sie in der Zwischenzeit, was schlagen sie vor? Wenn sie nichts tun, erledigen es andere für sie und weshalb sich nachher darüber beklagen? Algerien braucht Erfindungsreichtum, keine faule Parolen.“18)

Die Historikerin Sylvie Thénault ist der Ansicht, die Abwärtsspirale der militärischen Logik und wechselseitigen Gewaltanwendung beginne bereits 1956 mit der Übertragung von Sondervollmachten an die Kolonial-Armee: „In jedem Krieg gibt es das Risiko einer Machtübernahme durch die Militärs. Normalerweise sollten Soldaten der politischen Macht unterstellt sein. Aber im Handeln des Kabinetts von Ministerpräsident Mollet 1956 sind mehrere Übertragungen von Macht an die Militärs zu erkennen, die diese vor Ort dann umsetzten.“19)

Die Machtfülle der örtlichen Generäle erklärt wahrscheinlich am besten, weshalb der Algerienkonflikt zu einem „schmutzigen Krieg“ („guerre sale“) eskalierte, dessen Gräueltaten zum Teil bis heute nicht aufgeklärt sind. Die Folterzentren von Armee und Geheimdienst sorgten in Frankreich bereits während des Kriegs für heftige Debatten und markierten den Beginn der Spaltung der französischen Öffentlichkeit in Befürworter und Gegner des Kolonialgedankens. So veröffentlichte die Tageszeitung „Le Monde“ Ende 1957 einen geheimen Bericht dieser Praktiken; das Buch „La Question“ des Journalisten Henri Alleg, in dem dieser seine Erlebnisse in einem der Gefängnisse schilderte, wurde von der Zensur beschlagnahmt.20) Dass die Pariser Regierung nicht genügend Autorität besaß, um die illegalen Verhörmethoden zu beenden, bestärkte den radikalen Kern der Pieds Noirs und führende Generäle der Algerienarmee in ihrem fatalen Glauben, den Weg einer weiteren Eskalation des Konflikts fortsetzen zu können.

Was de Gaulle wollte

Im Mai 1958 fiel auch die Vierte Französische Republik dem Krieg zum Opfer: Angesichts einer Drohung von Militärs in Algier, die Armee könne bei Verhandlungen mit der FLN putschen, fanden weder rechte noch linke Parteien die Kraft, die Militärs mit einer entschlossenen Antwort in die Schranken zu weisen. Die Rolle de Gaulles beim Untergang des veralteten politischen Systems ist bis heute nicht ganz klar. Sicher ist: Personen seines Vertrauens hatten bei den Intrigen, die zu seiner Rückkehr an die Macht führten, ihre Finger mit im Spiel.21) Allerdings beteuerte der General bei seinem Regierungsantritt am 1. Juni 1958, er habe nicht vor „mit 67 Jahren eine Karriere als Diktator zu beginnen.“22)

Die Algerien-Politik, die de Gaulle in der Folgezeit betrieb, bezeichnen die Pieds Noirs, deren heutige Zahl (samt Nachkommen) auf etwa 3,2 Millionen geschätzt wird,23) im Rückblick oft kurzerhand als „Verrat“. Viele Menschen, die das Ende der Kolonialzeit in Algerien miterlebt haben, äußern die Ansicht, de Gaulle habe von Beginn eine Unabhängigkeit Algeriens und einen Rückzug Frankreichs betrieben.24)

Allerdings kann die historische Forschung diesen Verdacht nicht eindeutig erhärten. Zwar finden sich durchaus Äußerungen de Gaulles, in denen dieser früh den Fortbestand der französischen Herrschaft in Algerien anzweifelt. Wahrscheinlicher ist aber, dass de Gaulle zunächst unentschieden war. Michèle Cointet schreibt zum Beispiel, bis zur Präsidentenwahl im Januar 1959 habe sich de Gaulle als „bester Verteidiger Französisch-Algeriens benommen.“25) Auch die Algerien-Spezialistin Sylvie Thénault verweist für die Anfangszeit auf Reformpläne und erklärt: „Zunächst unterschied sich seine Politik nicht von der der Vierten Republik. Er greift die Reformankündigungen wieder auf, die zuvor nicht durchgeführt wurden und bezieht sich vor allem auf Projekte der Vorgänger-Regierungen.“26)

Entscheidend für den charismatischen General könnte gewesen sein, dass auch ihm die ultrakonservative Allianz aus Spitzen-Militärs und Großgrundbesitzern beträchtlich zusetzte. Selbst die Ablösung einiger der aufsässigsten Generäle von ihren Kommandos und die Ernennung ziviler Beamter auf wichtige Posten, durch die man die Vormacht militärischen Denkens zurückdrängen wollte,27) brachten nur Teilerfolge. So blieb das ideologische Konzept eines „revolutionären Krieges“ unangetastet.

Es führe unter anderem zur zwangsweisen Umsiedlung von über zwei Millionen muslimischer Zivilisten aus ihren Dörfern in Lager („camps de regroupements“), die mit Stacheldraht umzäunt und von Posten bewacht wurden. Diese Strategie sollte der FLN-Guerilla Unterstützung entziehen.28) Prominente Wissenschaftler wie die Ethnologin Germaine Tillion und der Soziologe Pierre Bourdieu (dessen erste Arbeiten im algerischen Bürgerkrieg entstanden) sahen die Folgen der Entwurzelung einer traditionsreichen Agrargesellschaft sehr skeptisch und hielten die offiziellen Argumente, in den Lagern sei die medizinische Versorgung besser und eine Schulbildung möglich, für vorgeschoben.29)

Der Taumel der Endphase

Ein Putsch-Versuch von vier Generälen und die Gründung der ultra-radikalen Miliz OAS (Organisation armée secrète) sorgten ab dem Frühjahr 1961 für eine weitere fühlbare Verschärfung des Konflikts. Die Schilderungen der Zeitzeugen und Forschungen von Zeithistorikern lassen nur den Schluss zu, dass es sich in der Endphase um einen echten Bürgerkrieg unter Einbeziehung aller Bevölkerungsteile handelte. So erinnern sich Zeitzeugen ab der Jahreswende 1960/61 an „Terror… Attentate… Ausgangssperren… Angst“.30)

Die Aussagen machen im Rückblick in ihrer Summe einerseits deutlich, wie dringlich eine Beendigung des Konflikts für Frankreichs Regierung nunmehr wurde, was mit den Verträgen von Évian auch gelang.31) Zum anderen frappiert bei den persönlichen Begegnungen, wie sehr das selbstherrlich-brutale Vorgehen der OAS von großen Teilen der Pieds Noirs bis heute – zumindest teilweise – gerechtfertigt wird. Die Sympathie wird dabei häufig nur von Formeln bemäntelt wie „Man hat uns verraten“, „Das Mutterland wollte uns nicht hören“, „Es war der Kampf um die letzte Chance“.32)

Michèle Cointet erklärt die zeitgenössische Radikalisierung auf Seiten der Pieds Noirs mit deren Ängsten, von OAS-Anführer genährten Illusionen, subjektiv-empfundener Erniedrigung, Vorstellungen künftiger Unterwerfung und dem Gefühl eines Im-Stich-Gelassen-Werdens durch ein egoistisches und gleichgültiges Mutterland. Als Beispiel für die „Atmosphäre der Gewalt“ führt Cointet die 30 Banküberfälle an, die die OAS allein in der zweitgrößten Stadt Oran in den Monaten Februar bis März 1962 verübte.33)

Diese Terror-Strategie der Ultras trug erheblich zur Fluchtwelle aus der Kolonie bei, die Anfang 1962 einsetzte. „Nichts als verbrannte Erde sollten die Franzosen dem unabhängigen Algerien hinterlassen. Das Hauptziel einer Mordserie, der Tausende zum Opfer fielen, wurde vollständig erreicht. Ein Zusammenleben von Franzosen und algerischen Muslimen war danach nicht mehr möglich“, schreibt Rudolph Chimelli über die tragischen Schlussmonate den Konflikts.34) Die Alternative der Pieds Noirs wird dabei auf die Formel „Koffer oder Sarg“ (d.h. Abreise oder Ermordung) zugespitzt, wobei sich weit über 90 Prozent verständlicherweise nicht für den Tod entschieden.

Offensichtlich wurde die französische Regierung von diesem Exodus, der in den ersten Monaten des Jahres 1962 einsetzte, wirklich überrascht. Zwar hatten hohe Beamte in Paris in der Endphase der Verhandlungen von Évian befürchtet, bis zu 350.000 Pieds Noirs könnten ins Mutterland übersiedeln. Tatsächlich jedoch weist allein eine Statistik von Juni 1962 diese Zahl von Flüchtlingen aus. Sie spricht für das gesamte Jahr von über 700.000 Heimkehrern (rapatriés).

Wie peinlich der offiziellen Politik ihre Fehleinschätzung war, zeigt die über Wochen aufrechterhaltene Sichtweise, es handele sich bei den Ankömmlingen lediglich um „Urlauber“, die nach dem Ende der sommerlichen Hitze wieder nach Algerien zurückkehrten.35) Statt auf die humanitären Aspekte der Dekolonisierung zu achten, legte Paris in den Évian-Verträgen großen Wert darauf, für eine mehrjährige Übergangszeit weiterhin Truppenkontingente in dem Land stationieren zu können, unter anderem, um in der Sahara Atomversuche zu unternehmen.36) Auch blieben französische Konzerne an der Ausbeutung der algerischen Ölquellen beteiligt.

Das Trauma der Ankunft

Aufständische stürmen in Oran die französische Präfektur, 13. Mai 1958.
Foto: ullstein bild

Ein Teil der Verbitterung, die bis heute bei den Pieds Noirs spürbar ist, rührt von den chaotischen Umständen der Vertreibung und der Ankunft. Sätze wie „Als wir in Marseille ankamen, war niemand da, um uns zu empfangen“ oder „Alle weinten, Menschen fielen in Ohnmacht, weil sie Alte und Schwache trugen“ finden sich geradezu als feste Formeln, wenn Zeitzeugen ihre Vertreibung aus der Kolonie schildern.37) Das subjektive Gefühl, persona non grata im Mutterland zu sein, lässt sich nachträglich sogar durch zeitgenössische Meinungsumfragen bestätigen, denen zufolge weniger als die Hälfte aller Franzosen Solidarität mit den Algerien-Franzosen empfand. Staatschef de Gaulle äußerte seinem Mitarbeiter Alain de Peyrefitte gegenüber: „Alles das wäre ihnen nicht widerfahren, wenn sich die OAS nicht wie ein Fisch im Wasser hätte bewegen können. Sie waren Komplizen bei 20 Morden pro Tag! Sie haben die Verträge von Évian sabotiert, die zu ihrem Schutz abgeschlossen wurden. Sie haben eine Gewaltwelle ausgelöst und nach all dem sind sie erstaunt darüber, dass es nun auf sie zurückschlägt.“38)

Hatten die Pieds Noirs als französische Bürger noch ein Recht darauf, vom Mutterland aufgenommen zu werden, so war die Situation für die mehr als 200.000 „Harkis“, die der Armee als Hilfstruppen („suppletifs“) im Krieg gedient hatten (ein Teil sogar als Wehrpflichtige), weitaus komplizierter. Die Pariser Regierung versuchte zunächst, ihre ehemaligen Verbündeten mithilfe einer Prämie loszuwerden, die bei einem freiwilligen Austritt aus dem Armeedienst gezahlt wurde.39) Eine Übersiedlung nach Frankreich hielten die Behörden dagegen für nicht wünschenswert, weil man glaubte, die Harkis seien nicht anpassungsfähig genug für die französische Gesellschaft. Zudem wollte Paris nicht dem „Geist der Zusammenarbeit“ mit der FLN, der in den Évian-Verträge vereinbart worden war, zuwider handeln.40)

General de Gaulle, Georges Pompidou, Raymond Triboulet und Pierre Messmer, Paris, 13. Mai 1962
Foto: ullstein bild, Fotograf: Roger Viollet

So kam es etwa ab Juli 1962 zu massiven Racheakten von FLN-Anhängern an Harkis und ihren Familien, wobei unklar ist, ob diese organisiert wurden oder sich mehr oder weniger ‚spontan‘ entwickelten. Oft bewahrte nur eine rasche Flucht in ein Versteck die Harkis vor Folterqualen und Tod. Repräsentativ für viele Zeitzeugenschilderungen sind die Erinnerungen von Mohamed Blashef (57), dessen Vater in Todesangst seine Familie verließ: „Mein Vater ist nach Tenès (Hafenstadt im Norden Algeriens) geflüchtet, nachts zu Fuß, 60 Kilometer weit – anders wäre es zu gefährlich gewesen. Täglich kam die FLN für eine Art Bestandsaufnahme. Sie sagten: ‚Rührt Euch nicht weg von hier!’ Als mein Vater geflüchtet war, konnten wir auch nicht lange warten. Wir sind dann zu einem Schwager in einem Dorf, das acht Kilometer entfernt lag. Da blieben wir drei Tage und sind dann auch nach Tenès. Irgendwie besorgte mein Vater Papiere und wir kamen in einer Kaserne unter.“

Andere sahen ihre untergetauchten Väter erst im Auffanglager Rivesaltes wieder. Rachid Guemrirène (60), Sohn eines Uhrmachers, der sich im Krieg als Ratsherr einer Kleinstadt in der Kabylei kompromittiert hatte, berichtet von den Illusionen, die bei der Ankunft in Frankreich zerstoben: „Wir glaubten, das Leben hier sei herrlich und konnten uns nicht vorstellen, dass es in Frankreich Steine gab. Bei der Ankunft in Marseille dachten wir zunächst: Nicht schön, hier wollen wir nicht wohnen! Und dann wartete Rivesaltes auf uns – fürchterlich. Meine Mutter und mein Vater wurden krank. Es war so schlimm, dass meine Mutter nach Algerien zurück wollte. Rivesaltes war noch elender als Algerien.“42) Der ehemalige Unteroffizier Abed Souifia (74) kann sich sogar noch an den Tag seiner Ankunft erinnern: „Es war der 21.Oktober 1963. Ich weiß heute nicht mehr: war es ein Schock oder eine Überraschung? An die Einzelheiten darf mich keiner erinnern: vier Familien in einem Zimmer, eine einzige Toilette für eine Siedlung. Eine einzige – für Männer und Frauen!“43)

Die Vergessenen eines Krieges?

Abed Souifia

Es ist heute unstrittig, dass die französische Regierung bis in den Herbst 1962 hinein alles Erdenkliche unternahm, um eine Flucht von Harkis ins Mutterland zu verhindern. So beweisen Dokumente, wie energisch die zuständigen Minister die noch in Algerien stationierten Armee-Einheiten anwiesen, keinem Harkis Unterschlupf und Schutz zu gewähren. Das hinderte einzelne Kommandeure jedoch nicht daran, ihren ehemaligen Untergebenen diskret Möglichkeiten zu verschaffen, mitzukommen, als die Einheiten nach Frankreich zurückverlegt wurden.44)

Rachid Guemrirène Beide
Fotos: Rainer Volk

Ab Spätsommer 1962 konnte die Regierung jedoch nicht mehr länger die Augen vor den immer dringender werdenden Meldungen verschließen, in Algerien sei ein groß angelegtes Massaker an den ehemaligen Hilfswilligen im Gange. Der Historiker Abderrahmen Moumen stellt jedoch nüchtern fest, dass die Strukturen für die Aufnahme einer größeren Zahl von Flüchtlingen in Rivesaltes (und anderen Auffanglagern, die bis 1963 bestanden) zunächst mehr als unzureichend waren: „Das führte dazu, dass Zivilisten das Betreten des Lagers (Rivesaltes) ohne Erlaubnis verboten war, besonders Journalisten, damit die tragische Situation nicht öffentlich und politisch ausgeschlachtet werden konnte.“45)

Die Zahl der 1962 ermordeten Harkis liegt bis heute im Dunklen. Die diversen Angaben schwanken wegen fehlender statistischer Grundlagen zwischen 2.000 (algerische Angaben) und 150.000 Toten (was einem Genozid gleich käme). Die neueste Fachliteratur hält eine Opferzahl zwischen 10.000 und 25.000 für wahrscheinlich. Immerhin führten die alarmierenden Meldungen aus Algerien dazu, dass Premierminister Pompidou im September 1962 einen Transfer jener Harkis erlaubte, denen es gelungen war, mit ihren Familien in französische Armeelager oder Kasernen zu flüchten. In der Folgezeit bis 1964 bemühte sich Frankreich, auf diplomatischem Weg eine Freilassung seiner ehemaligen Hilfssoldaten zu erreichen. Insgesamt gelang es so nach glaubhaften französischen Dokumenten, etwa 140.000 muslimische Algerier, deren Leben wegen ihrer Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht gefährdet war, ins Land zu holen.47)

Wenn in Medien und Publizistik die Geschichte dieses Personenkreises mit Titeln wie „La blessure“ (Die Verletzung) oder „Die Harkis oder die Vergessenen der Geschichte“ überschrieben wird, dann lässt das erahnen, wie wenig dessen weiteres Schicksal der französischen Nation zur Ehre gereicht. Zum 50. Jahrestag schreibt der Journalist Rudolph Chimelli: „Dass es Frankreich nicht gelang, eine relativ kleine Zahl von Muslimen zu integrieren, die sich nichts sehnlicher wünschten, als Franzosen zu sein, wirft einen Schatten auf alle Bemühungen, ganze Vorstädte in die Gesellschaft einzugliedern.“48)

Gespräche mit Harkis lassen über alle Generationen hinweg erkennen, dass es bereits innerhalb der Familien schwierig war, sich über die Geschehnisse auszutauschen. Die erste Generation schwieg allzu häufig und ließ Söhne, Töchter und Enkel häufig über Herkunft und Gründe der Existenz in Frankreich im Unklaren.49) Dazu gesellte sich das Gefühl einer gesellschaftlichen Isolierung und eines Paria-Status innerhalb der französischen Gesellschaft. So erklärt Mohamed Blashef am Ende eines ausführlichen Interviews: „Keiner wurde so ausgeschlossen wie wir – lokal, regional, landesweit. Wir werden als Gemein-schaft verachtet. Wir sind die Ausgeschlossenen, die Ernied-rigten. Dabei ist doch das einzige, was wir falsch gemacht haben, dass wir treu zur Republik gestanden sind.“50)

Andere äußern ihre Enttäuschung in Sätzen, sie hätten das Gefühl „nie Franzose gewesen zu sein“ oder in ihrem Leben die Wahl „zwischen Diabetes und Rheuma“51) gehabt zu haben.

Die Verbitterung ist vor allem bei jenen Familien zu finden, die nach der Phase in Auffangzentren wie Rivesaltes nicht in ein ‚normales’ Leben in Frankreich entlassen wurden, sondern eine Einweisung in isolierte Vertriebenen-Lager wie St.Maurice-de-l’Ardoise (bei Avignon) oder eine Baracken-Siedlung für Waldarbeiter (hameau forestier) erhielten. Fatima Besnaci-Lancou, deren Familie in einem solchen Lager außerhalb von Mouans-Sartoux (bei Cannes) eingewiesen wurde, schreibt: „Städte, in denen unsere Väter, die keine Ausbildung hatten, eine Stelle als Arbeiter hätten finden können, waren uns verboten. Man wollte um jeden Preis auf französischem Boden eine Konfrontation zwischen Anhängern der FLN und ehemaligen Harkis verhindern. Wir waren derart traumatisiert nach unseren Erlebnissen, dass wir nicht in der Lage waren, uns gegen diese Maßnahme zu wehren.“52)

Es erstaunt Außenstehende, dass einzelne dieser „Harki-Dörfer“ über Jahrzehnte betrieben wurden; die Waldarbeitersiedlung „Le Logis d’Anne“ im Departement Bouches-du-Rhone zum Beispiel bis 1994,53) in St. Maurice-de-l’Ardoise standen Stacheldrahtzäune und Baracken immerhin bis 1976. Ehemalige Bewohner wie Rachid Guemrirène schildern die dortigen Verhältnisse als von militärischen Strukturen und Denkweisen geprägt. So hätten französische Unteroffiziere gegenüber den Bewohnern auch Schläge und Tritte angewandt, wenn sich diese nicht Anordnungen fügten.54) Die menschenunwürdigen Zustände fanden ab Mitte der siebziger Jahre wegen ihrer Skandalträchtigkeit auch Beachtung in die Medien, nicht zuletzt, weil es 1975 eine Protestwelle von Harkis der zweiten Generation gab, der Anfang der neunziger Jahre eine weitere folgen sollte.

Zeithistoriker warnen jedoch davor, aus Zeitungs- und Medienberichten eine falsche Homogenität der Harkis als Gemeinschaft abzuleiten. Eine hohe Arbeitslosigkeit und fehlende Sprachkenntnisse (der ersten Generation) sei vor allem ein Phänomen bei jenen Harkis, die lange in Lagern lebten, erklärt Abderrahmen Moumen. Er veranschlagt den Anteil derer, die mehr als nur eine Übergangs-zeit unter staatlicher Aufsicht verbrachten auf 20 Prozent und begründet dies mit antiquierten Ansichten der Behörden: „Man glaubte, die Harkis benötigten einen ‚Häuptling‘, eine soziale Führung, damit sie die Grundbegriffe des Lebens in Frankreich lernten. Es gab eine Infantilisierung aller, die man ,Harkis’ nannte.“55)

Zeitzeugen-Interviews lassen sehr rasch erkennen, dass die Mehrzahl der Harkis tatsächlich so früh wie möglich die Auffanglager verließ, nötigenfalls auch ohne Erlaubnis der Behörden und auf eigene Faust. So berichtete Mohamed Blashef, dass sich seine Familie sehr bald am Stadtrand von Perpignan in einem weitgehend in Selbsthilfe errichteten Baracken-Viertel eine Bleibe suchte; Abed Souifia erklärte sogar, bereits nach nur zwei Wochen in Rivesaltes habe er als Lastwagenfahrer Arbeit in Burgund gefunden und habe sehr bald seine Frau dorthin nachgeholt.56)

In Wirklichkeit ist die soziale Lage der Harkis kaum besser oder schlechter als die anderer nordafrikanischer Einwanderer in Frankreich. Problematischer sind dagegen die Identitätsprobleme und Animositäten anderer Arbeitsmigranten aus Nordafrika gegenüber den Nachkommen der ehemaligen Hilfswilligen, obwohl auch hier mit Stereotypen vorsichtig umgegangen werden sollte.57)

Ein Kampf der Erinnerungen

Anders als es im Ausland wahrgenommen wurde, ist der Algerienkrieg nie wirklich aus dem kollektiven Gedächtnis Frankreichs verschwunden. Unter Hinweis auf Forschungen von Benjamin Stora, dem wohl wichtigsten Historiker zum Algerienkonflikt und seinen Folgen, schreibt Daniel Mollenhauer: „Tatsächlich lässt sich in den 1960er und 1970er Jahren zumindest auf dem Büchermarkt eine Fortführung der innerfranzösischen Debatten feststellen. Jedoch war die Erinnerung wenigstens bis in die 1980er Jahre hinein weitgehend gruppenspezifisch.“58)

Die mitunter als „Nostalgérie“ bezeichnete Verklärung der Vergangenheit durch die Mehrheit der Pieds Noirs gipfelt oft in dem Credo, „ein schönes Land“ verloren zu haben. Aussagen wie „Nie wieder habe ich einen Himmel gesehen, der so blau war wie der in Algerien“59) sind durchaus repräsentativ.

Der Politikwissenschaftler Prof. Eric Savarese von der Universität Nizza bezeichnet die in großer Zahl veröffentlichten Erinnerungen als „interessant“, da sie eine Analyse der verschiedenen Positionen ermöglichen: „Bei den Pieds Noirs geht es um eine Strategie der (geistigen) Rekonstruktion eines verlorenen Landes. Die Literatur ist ein Mittel zur Definition ihrer Identität.“ Gleichzeitig blende man jedoch geradezu kollektiv aus, dass die Übersiedlung – bei aller persönlichen Tragik – zu einem historisch günstigen Zeitpunkt standfand, nämlich mitten in den „trentes glorieuses“, den 30 Jahren des französischen Wirtschaftsbooms: „Es gab damals sieben bis acht Prozent Wirtschaftswachstum, sie erhielten billige Kredite und bevorzugt Wohnungen zugewiesen. Rein wirtschaftlich gesehen war die Integration ein Erfolg.“60)

Wenn von einem Beiseite-Schieben des Algerienkriegs gesprochen werden kann, so eher auf staatlicher Seite. Als Begründung für die fehlenden Gedenktage, Denkmäler und Museen führen Historiker aus, der Algerienkrieg sei wegen seines Verlaufs, der gespaltenen Haltung der Öffentlichkeit und seines Ausgangs lange für „nicht mythenfähig“ befunden worden. Eine breite öffentliche Debatte stellte sich so erst Anfang der neunziger Jahre ein, als zunächst ehemalige Soldaten ihre Stimme erhoben, danach auch Vertreter der muslimischen Verbündeten, sodass die Debatte rasch an Geschwindigkeit und Umfang zunahm.61)

Aus der Sicht des Politikwissenschaftlers betont Eric Savarese, alle Beteiligten an der Debatte seien bemüht, den Staat für ihre Zwecke einzuspannen: „Der Staat wird hier in eine Art Schiedsrichterrolle gedrängt.“ Das Problem sei weniger der Bau eines Museums, Mahnmals oder Dokumentationszentrums an sich, sondern deren politische Stoßrichtung, der da laute: im historischen Kontext Recht zu bekommen.62) Exemplarisch sind die heftigen Diskussionen, die um die „Mauer der Verschwundenen“ und das Dokumentationszentrum in Perpignan stattfanden. Benjamin Stora hat den Standpunkt der Pieds Noirs in dieser Sache polemisch auf die Formel gebracht: „Französisch-Algerien, das weiße Algerien – das ist vorbei. Deshalb nehmen sie Zuflucht in einem Museum.“63)

Ähnlich verbissen verliefen zuvor auch frankreichweite Debatten um eine Erinnerungstafel an der Pariser Metro-Station „Charonne“, an der die Pariser Polizei am 17.Oktober 1961 ein Massaker an friedlich demonstrierenden Algeriern verübt hatte, oder um den 25. September, der seit 2001 als Gedenktag an das Schicksal der Harkis begangen wird.

Die französische Politik und Algerien

Es ist bezeichnend, dass in der offiziellen französischen Politik lange keineswegs von „Krieg“ die Rede war, wenn es um den Algerienkonflikt ging. Die Wortwahl war vielmehr beschönigend und nahm Zuflucht zu Begriffen wie „événements“ (Ereignisse). Erst seit einer Abstimmung in der Pariser Nationalversammlung im Jahr 1999 ist auch offiziell der Terminus „Krieg“ anerkannt.64)

Aufruf in Paris, April 1961
Foto: ullstein bild, Fotograf: Roger Viollet

Wie sehr die Feinheiten des öffentlichen Umgangs mit der Kriegserinnerung auch in die Politik hineinspielen, zeigten unlängst die Wahlen zu Präsidentschaft und Nationalversammlung. Da die Milieus der Pieds Noirs und Harkis insgesamt etwa acht Prozent der Wähler ausmachten, galten sie als wichtige Klientel in einem engen Rennen um die Macht. So buhlte der (später unterlegene) Amtsinhaber Sarkozy im März in einem Zeitungsinterview offen um die Stimmen der Pieds Noirs, indem er erklärte: „Die militärischen Interventionen Frankreichs in Algerien, das damals zum nationalen Territorium gehörte, …wurden von legitimen und demokratisch gewählten Regierungen geleitet. Frankreich kann nicht bereuen, diesen Krieg geführt zu haben.“65) Auch die Tatsache, dass Sarkozy unmittelbar vor Beginn der heißen Wahlkampfphase ein Gesetz verabschieden ließ, das Beleidigungen und Diffamierungen von Harkis mit Geldstrafen belegt, war kaum allein dem anstehenden 50. Jahrestag des Waffenstillstands oder der Dringlichkeit der Sache geschuldet.66)

Sarkozy musste dabei weniger die Sozialisten als Profiteure fürchten als den rechtsradikalen Front National. Dessen Ehrenpräsident Jean-Marie Le Pen (dessen Rolle als Fallschirmjägeroffizier in Algerien äußerst dubios ist) umwirbt Pieds Noirs wie Harkis seit Jahrzehnten. Im Wahlkampf 2012 besuchte Le Pen eine bekannte Siedlung eines Harki-Clans unweit von Marseille, und sorgte im Hintergrund für einen Wahlaufruf von Pieds Noirs für seine Tochter Marine Le Pen.67)

Als Provokation wurde auf der konservativen Seite des französischen Politik-Spektrums hingegen der Roman „L’Art francaise de la guerre“ von Alexis Jenni empfunden, indem dieser – fiktiv – von Soldaten erzählt, die nach dem Zweiten Weltkrieg und Indochina in Algerien eingesetzt werden. Das Brisante daran ist, dass Jenni sein Sujet bis in die Gegenwart hinüberzieht und eine Verbindung zwischen dem Rassismus des Algerienkriegs und der Fremdenfeindlichkeit der französischen Vorstädte herstellt.68)

Das diplomatische Verhältnis Frankreichs zur ehemaligen Kolonie rückte angesichts des kurzfristigen Wahlkalküls in den Hintergrund der Betrachtung. Dass Algeriens Präsident Bouteflika wiederholt eine Art ‚Entschuldigung’ für die Verbrechen der Kolonialzeit verlangte, lieferte letztlich nur Munition für die Pariser Parteipolitik. In dieser Hinsicht stimmt die Schlusspointe eines Artikels von Olivier Guez: „Das Gespenst des Algerien-Kriegs geht auch heute noch um in Frankreich.“69)

Algerische Befindlichkeiten

Algeriens Präsident Adelaziz Bouteflika mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Algiers, 4. Dezember 2007
Foto: ullstein bild, Fotografin: Zohra Bensemra

Gespräche mit französischen Wissenschaftlern und Publizisten über den Algerien-Krieg münden häufig in Äußerungen, es sei wünschenswert stärker mit Kollegen in Algerien zusammenzuarbeiten. Diese Sätze enden indes in der Regel mit der resignierenden Floskel, dies sei leider kaum möglich. So diagnostiziert Sylvie Thénault ein „Ungleichgewicht“ in der Quantität der wissenschaftlichen Literatur. Während auf französischer Seite sehr viel produziert werde, gebe es nur wenige Arbeiten, die in Algerien erschienen. Thénault veranlasst das zu der These, es sei dringend nötig, sich dem Konflikt von der algerischen Seite zu nähern.70)

Eric Savarèse plädiert für eine „Geschichte ohne Grenzen“ und nennt die gemeinsame Erforschung der Vergangenheit eine „Notwendigkeit“. Allerdings schränkt der Politologe zugleich ein, die meisten qualifizierten algerischen Historiker arbeiteten inzwischen in Frankreich.71) Für Journalisten und Historiker ist es nach wie vor praktisch unmöglich, vor Ort ohne staatliche Aufsicht beispielsweise Gespräche mit Harkis zu führen, die vor 50 Jahren von Racheakten und Gewalt verschont blieben.72)

Dies verdeutlicht die anhaltende Empfindlichkeit des Landes im Umgang mit dem Thema. Der Schlüssel der Erklärung hierfür liegt zum einen in der großen personellen Kontinuität der algerischen Führung. Der jetzige Präsident Abdelaziz Bouteflika nahm bereits als Mitglied der FLN-Delegation an den Verhandlungen von Évian teil und war unter dem langjährigen Staatsoberhaupt Boumediène unter anderem Außenminister.73) Ebenso hinderlich für eine umfassende Erforschung ist der weitere politische Weg des Landes seit der Unabhängigkeit, der kaum als „Erfolgsstory“ bezeichnet werden kann.

Algeriens Nachkriegsgeschichte ist eine Abfolge von Machtkämpfen innerhalb einer relativ kleinen Elite von Militärs und Bürokraten. Bereits das Regime von Ahmed Ben Bella stellte  ab Herbst 1962 ehemalige Kampfgenossen aus den Guerilla-Jahren kalt; 1965 wurde Ben Bella selbst von Boumediène entmachtet.

Werner Herzog, der das ‚neue’ Algerien als Allianz von Offizieren und Kleinbürgern subsumiert, meint zur langfristigen Entwicklung: „Streng genommen kann man behaupten, dass die Militärs sich im neuen Staatsapparat einfach an die Posten der abgezogenen französischen Spitzenbeamten setzten.“74) Der Verstaatlichungskurs und die forcierte Industrialisierung, die Boumediène bis zu seinem Tod 1979 einschlug, brachten jedoch nicht die erhofften Ergebnisse. Die Abhängigkeit von den Einnahmen aus dem Geschäft mit Öl und Gas führte das Land bereits Ende der achtziger Jahre in eine schwere Krise, die 1988 in den „Oktober-Aufstand“ Streikender und Arbeitsloser mündete.

Die anschließend folgende Öffnung des FLN-Regimes war nur vorübergehend. Als Parlamentswahlen Ende 1991/Anfang 1992 eine Mehrheit für die islamistische Heilsfront (FIS) zu bringen drohten, ließ das Militär den Urnengang abbrechen, erklärte die FIS für illegal und holte den seit Jahrzehnten im Exil lebenden FLN-Mitgründer Muhammed Boudiaf als Präsidenten zurück ins Land.75) Die folgenden Jahre (bis 1999) waren für Algerien ähnlich tragisch und blutig wie der Konflikt mit Frankreich: In dem Krieg, den die Armee gegen die FIS anstrengte, starben zwischen 150.000 und 200.000 Algerier.76) Obwohl die Regierung Bouteflika im Februar 2011 den vor 19 Jahren verhängten Ausnahmezustand aufgehoben hat, kann keine Rede von einer wirklichen Befriedung des Landes sein. Im Frühjahr 2011 kam es beim „arabischen Frühling“ auch in algerischen Städten zu Demonstrationen, ohne dass allerdings das Regime ernsthaft in Gefahr geraten wäre.

Wenig Hoffnung auf einen Dialog

Der algerische Präsident Ben Bella mit Oberst Boumediène, 1965
Foto: ullstein bild/dpa

Der Zusammenhang zum ‚historischen’ Algerienkrieg ergibt sich aus dem Rechtfertigungsdruck, den die anhaltende Wirtschaftsmisere für das Regime bedeutet. So schreibt Rudolph Chimelli: „Der Jugend Algeriens bedeuten die heroischen Erzählungen vom Freiheitskampf nicht mehr viel. Sie lebt in einem Staat, der durch Erdöl- und Gas-Exporte reich ist wie Kuwait, aber ihnen nur einen Lebensstandard bieten kann, der hinter dem von Tunesien und Jordanien liegt.“77) Die Geschichtspolitik der Regierung Bouteflika beruht also auf einem innenpolitischen Kalkül, indem sie sich vor allem bei der Frage der Harkis unnachgiebig zeigt. Seitdem Bouteflika anlässlich eines Besuchs in Frankreich im Jahr 2000 in einem Fernsehinterview meinte, für Heimatbesuche von Harkis in Algerien sei es noch zu früh, das sei „als ob man von einem Widerstandskämpfer verlange, einem Kollaborateur die Hand zu schütteln“, ist die Behandlung des Themas für beide Seiten hochpolitisch.78) In der Harki-Frage eine Lösung zu finden gilt als Schlüssel für die Unterschrift unter einen Freundschaftsvertrag, den Frankreich und Algerien seit einigen Jahren anstreben.

Zwar schlug Bouteflika in späteren Stellungnahmen einen konzilianteren Ton an, doch duldet man in den algerischen Medien weiterhin Stellungnahmen, die wenig Hoffnung verbreiten. Der Historiker Mohammed Harbi (Jahrgang 1933), selbst einst militanter Kämpfer auf Seiten der FLN und seit fast 40 Jahren in Frankreich lebend, erklärt in einem Interview: „Wir kommen noch nicht zu einer gemeinsamen Geschichte (‚histoire commune‘), dafür ist es zu früh, aber wir können zu einer teilnehmenden Geschichte (‚histoire partagée‘) gelangen. Das Wichtige dabei ist, sich von einem emotionalen Ansatz und einer moralischen Debatte zu lösen.“79)

Das gilt sicherlich auch für die französische Seite, wo Anfang 2011 noch die Teilnahme des algerisch-französischen Films „Hors la loi“ am Filmfestival von Cannes – eine fiktive Geschichte über FLN-Kämpfer in Frankreich –  genügte, um zu beachtlichen Demonstrationen der Pieds Noirs vor dem Festival-Kino zu führen.80) Wenn selbst die Freiheit der Künste für Proteste sorgt, haben Wissenschaft und Politik noch einen steinigen Weg vor sich. Dass der Algerienkrieg ‚historisiert’ wird, scheint in dieser Atmosphäre in naher Zukunft schwer vorstellbar.

Nachbemerkung

Mitte April 2012 druckte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einen ausführlichen Nachruf auf den ersten Präsidenten des unabhängigen Algerien, Ahmed Ben Bella, der wenige Tage zuvor im Alter von 95 Jahren in Algier gestorben war. Die Überschrift lautete kryptisch-distanziert: „Held des algerischen Freiheitskampfes“. Ben Bellas Lebenslauf steht geradezu exemplarisch für die algerisch-französische Geschichte des 20. Jahrhunderts. Dazu gehören Kindheit und Jugend in der Kolonie, Teilnahme am Zweiten Weltkrieg als französischer Soldat, Kampf gegen die Kolonialmacht (einschließlich Entführung und Gefängnis), Machtübernahme 1962 und anschließende Enttäuschung an den Schalthebeln des Landes. Der Autor, Wolfgang Günter Lerch, schreibt zu letzterem: „Später führte die Verstaatlichung zur Misere. Auch die Gefängnisse füllten sich wieder, diesmal mit Leuten, die seinen Kurs kritisierten oder einfach als politische Rivalen anzusehen waren.“ Über die letzte Lebensphase, nach Entmachtung, Arrest, Exil und erfolglosen Comeback-Versuchen, heißt es bezeichnenderweise: „Schon damals gab es in der jungen Nation Algerien zu wenige, die mit seinem Namen überhaupt noch etwas verbinden konnten. Der „Mythos Ben Bella“ war verblasst.“81) Ob die algerische Politik dieses „sic transit gloria mundi“ versteht, dürfte für den weiteren Verlauf der Aussöhnung entscheidend sein.

 

Dr. Rainer Volk arbeitet seit 2003 als Hörfunkredakteur beim Bayerischen Rundfunk, Redaktion Politik, mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Zeitgeschichte.

 

Fußnoten

1 Fatima Besnaci-Lancou: Fille de harki, Paris 2003.

2 Hörfunk-Interview mit Fatima Besnaci-Lancou in Mouans-Sartoux (Alpes-Maritimes) am 2. März 2012 (Audioversion im Besitz des Autors).

3 Claude Lanzmann: Les parias de la guerre d’Algerie, in: Les Temps Modernes 66, November/Dezember 2011, S. 4.

4 L’Express v. 7. März 2012, hier S. 98–108.

5 Vorwort zu „Le Monde Hors-Série: La Guerre d’Algerie – Mémoires parallèles“ März 2012, S. 3.

6 Olivier Guez. Algerische Erinnerungen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23. 3. 2012, S. 34.

7 Diesen Begriff benutzt Daniel Mollenhauer: Die vielen Gesichter der pacification: Frankreichs Krieg in Algerien (1954–1962), in: Thoralf Klein/Frank Schumacher (Hg.): Kolonialkriege. Militärische Gewalt im Zeichen des Imperialismus, Hamburg 2006, S. 329–366, hier S. 330.

8 Werner Herzog: Algerien. Zwischen Demokratie und Gottesstaat, München 1995, S. 37.

9 Nach: Sylvie Thénault : Histoire de la guerre d’indépendance algerienne, Paris 2005, S. 34.

10 Hörfunk-Interview mit dem Autor am 21. 1. 2011 in Paris, Transkript und Audio-Version sind im Besitz des Autors.

11 Hörfunkinterview mit Huguette Augé (am 15. 1. 2011 in Brignoles/Var); Audioversion im Besitz des Autors.

12 So bei: Thénault (wie Anm. 9), S. 32.

13 Exemplarisch in ihren Gegensätzen sind die Hörfunkinterviews mit dem Gutsbesitzer-Sohn Jacques Pradel, aufgenommen am 20. 1. 2011 in Marseille (Audioversion im Besitz des Autors) und mit Huguette Augé (wie Anm. 11).

14 Mollenhauer (wie Anm. 7), S. 331, nennt die Zahl von 4.298 eingebürgerten Muslimen für die Zeit von 1865 bis 1937.

15 Sylvie Thénault : 4 idées recues sur la guerre d’Algerie, in: „Le Monde 2012“, S. 19–22, hier S. 19.

16 Zur Periodisierung des Algerienkriegs s. Mollenhauer (wie Anm. 7), S. 333–335.

17 Zit. in: Dominique Lagarde: Algerie – la désillusion, Paris  2011 (Sammelband des Wochenmagazins “L’Express” mit zeitgenössischen Artikeln), S. 25.

18 Le Monde 2012, S. 28.

19 Interview mit dem Autor (wie Anm. 11).

20 S. dazu: Le Monde 2012, S. 32.

21 S. dazu: Thénault (wie Anm. 9), S. 161/2.

22 Le Monde 2012, S. 55.

23 Diese Zahl findet sich bei: Rudolph Chimelli: Koffer oder Sarg, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 65 v. 17./18. 3. 2012, S. 17.

24 So erklärte z.B. Huguette Augé in einem Hörfunk-Interview (wie Anm. 11): „Ich erinnere mich nur zu gut. Mein Vater hat gesagt: Wir (die Franzosen, die Pieds Noirs) begehen eine Dummheit, weil er (de Gaulle) uns verraten wird … Er hatte Recht.“

25 Michèle Cointet: De Gaulle et l’Algerie francaise, Paris 1995, S. 18.

26 Vgl. Anm. 10.

27 S. dazu: Thénault (wie Anm. 9), S. 198 f.

28 Herzog (wie Anm. 8), S. 45.

29 S. dazu: Fabien Sacriste, Germain Tillion, Jacques Berque, Jean Servier et Pierre Bourdieu: Des ethnologues dans la guerre d’indépendance algérienne, Paris  2011.

30 So z. B. die Erinnerungen von Ghislaine Ruvira in einem Hörfunkinterview am 16.1.2011 in Toulon (die Audioversion befindet sich im Besitz des Autors).

31 Herzog (wie Anm. 8), S. 46.

32 So Ruvira (wie Anm.  30).

33 Cointet (wie Anm. 25), S. 353 f.

34 Chimelli (wie Anm. 23).

35 Zu den Zahlen: Cointet (wie Anm. 25). S. 370 f.

36 S. dazu zum Beispiel den Artikel in „Le Monde 2012“, S. 80–81.

37 Zitate aus dem Interview mit Augé (wie Anm. 11).

38 Cointet (wie Anm. 25), S. 378.

39 S. Thénault (wie Anm. 9), S. 256.

40 Fatima Besnaci-Lancou/Abderrahmen Moumen, Les Harkis, Paris  2008, S. 31.

41 Hörfunkinterview mit dem Autor in Perpignan am 28. Februar 2012 (Audio-Version im Besitz des Autors).

42 Hörfunkinterview am 2. 3. 2012 in St.-Maurice-de l’Ardoise (Audio-Version im Besitz des Autors).

43 Hörfunkinterview mit dem Autor in Perpignan am 28. 2. 2012 (Audio-Version im Besitz des Autors).

44 Ein Beispiel findet sich in: Danielle Clarke/Daniel Costelle: La Blessure. La tragédie des harkis, Paris  2010, S. 62.

45 S. dazu den Essay von Abderrahmen Moumen in „Les Temps Modernes 2011“, S. 105–119, das Zitat auf S. 109.

46 S. zu dieser Debatte: Thénault (wie Anm. 9), S. 258 f.

47 Besnaci-Lancou/Moumen (wie Anm. 40), S. 50.

48 Chimelli (wie Anm. 23).

49 Beispielhaft ist die Lebensgeschichte von Ali Aissaoui, die im Themenheft von „Le Monde“ nacherzählt wird, in: Le Monde, 2012, S. 26/27.

50 Hörfunkinterview mit dem Autor (wie Anm. 40).

51 Äußerungen von Abed Souifia und Rachid Guemrirène in Hörfunk-Interviews mit dem Autor (wie Anm. 41 und 41).

52 Besnaci-Lancou (wie Anm. 1), S. 104.

53 Besnachi-Lancou/Moumen  (wie Anm. 40), S. 74.

54 S. dazu das Hörfunk-Interview mit Rachid Guemrirème (wie Anm. 41), in dem er berichtet: „Morgens war Fahnenappell – die Harkis kamen zum Teil aus den Gefängnissen in Algerien, sie hatten gebrochene Rippen und alles. … Und wenn es nach dem Fahnenappell zur Arbeit ging und es hieß, mach Du dies und Du das – Zwangsarbeit übrigens – unbezahlt! – und einer sagte: Ich kann nicht, ich bin krank. Dann hieß es: Wie? Erzähl‘ nichts. Bumm! Dann gab’s Tritte.“

55 Hörfunk-Interview mit dem Autor in Perpignan am 28. 2. 2012 (Audio-Version im Besitz des Autors).

56 Wie Anm. 42.

57 So Chimelli (wie Anm. 23).

58 Mollenhauer (wie Anm. 7), S. 356.

59 Die Bemerkung fällt im Hörfunk-Interview mit Augé (wie Anm. 11). 

60 Hörfunkinterview mit dem Autor am 21. 1. 2011 in Perpignan (Audioversion und Transkript sind im Besitz des Autors).

61 Mollenhauer (wie Anm. 7), S. 358 f.

62 Wie Anm. 59.

63 New York Times v. 4. 3. 2009, Seite C 1; im Internet recherchierbar unter http://www.nytimes.com/2009/03/05/world/europe/05iht-kimmel.4.20622745.html?pagewanted=all [Stand: 20. 6. 2012].

64 S. dazu den Artikel „Mémoires sous tension“ von Benjamin Stora, in: Le Monde 2012, S. 14/15.

65 So zit. bei: Gero v. Randow: Schmerzende Narben, in: Die Zeit v. 15. 3. 2012, S. 56.

66 Michaela Wiegel: Weg in die Unabhängigkeit, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17. 3. 2012, S. 10.

67 S. dazu den vom 28.11.2011 datierten Internet-Artikel von Abderrahmen Moumen: „Le Front National et les harkis, De l’Algérie francaise à Marine Le Pen“ auf der Webseite „Fragments sur les Temps Présents“; http://tempspresents.wordpress.com/2011/11/28/abderrahmen-moumen-front-national...“ [Stand: Juni 2012].

68 Wie Anm. 64; das Buch von Alexis Jenny: L’Art francais de la guerre, ist bei Éditions Gallimard im Jahr 2011 erschienen. 

69 Guez (wie Anm. 8), 2012.

70 Hörfunk-Interview mit dem Autor (wie Anm. 10).

71 Hörfunk-Interview mit dem Autor am 21. 1. 2011 (wie Anm. 59).

72 So berichtete der Produzent des Fernsehfilms „La Blessure“, man habe den Versuch, in Algerien ehemalige Harkis zu interviewen, schließlich abgebrochen, um Gesprächspartner und Interviewer nicht zu gefährden (Interview mit Louis Vaudeville am 3. 3. 2012 in Paris; Audioversion im Besitz des Autors).

73 S. dazu Herzog (wie Anm. 8), S. 53.

74 Ebd., S. 52.

75 Ebd., S. 92.

76 Die Zahlenangabe findet sich bei Chimelli (wie Anm. 23).

77 Ebd.

78 Das Zitat findet sich bei: Besnaci-Lancou/Moumen (wie Anm. 40), S. 119.

79 Interview in: Le Monde, 2012, S. 73–75, hier S. 75.

80 Zur Diskussion über „Hors la loi“ s. z.B.: Steven Erlanger: Films open French wounds from Algeria, in: New York Times v. 03.01. 2011, S. A 4; im Internet recherchierbar unter: http://www.nytimes.com/2011/01/04/world/europe/04algeria.html?pagewanted=all  [Stand: Juni 2012].

81 Wolfgang Günter Lerch: Held des algerischen Freiheitskampfes, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13. 4. 2012, S. 6.

 


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