Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

 

Dachauer Außenkommandos

 

Das Konzentrationslager Dachau war räumlich keineswegs auf den Ort beschränkt, der ihm den Namen gab. Nicht nur, daß Dachau als Prototyp des KZ überhaupt und als Ausbildungsstätte für das Personal der SS diente, es war auch Zentrum eines Systems von Außenlagern, die in der Regel als Arbeitskommandos begannen und oft als eigener Lagerkomplex von großer Dimension endeten. Das KZ Dachau wurde auch zur Keimzelle neuer, selbständiger Konzentrationslager wie Mauthausen in Oberösterreich, dessen Geschichte mit der Ankunft eines Häftlingskommandos von 300 Mann aus Dachau am 8. August 1938 beginnt.

Ein Netz von Außenkommandos überzog von Dachau aus das Land. Sie dienten, oft weit entfernt vom Hauptlager, der Versorgung von SS-eigenen Betrieben oder Firmen der Rüstungswirtschaft mit Arbeitskräften, wie auch der Errichtung von neuen Produktionsstätten. Schließlich mußten Häftlinge in den großen Städten an Aufräumungsarbeiten nach Luftangriffen mitwirken. Ihnen wurden dabei die gefährlichsten und unangenehmsten Arbeiten, wie Bomben unter Trümmerschutt zu suchen oder Sprengkörper zu entschärfen, zugewiesen.

Das KZ Dachau war mit 169 Außenkommandos der größte Lagerkomplex überhaupt. Der Begriff „Außenkommando“ galt ungeachtet der Größe der jeweiligen Einheit für alle dem Hauptlager unterstellten Stätten, an denen Häftlinge Zwangsarbeit verrichten mußten. Die Sollstärke lag bei 500 Mann, die Iststärken bewegten sich zwischen einem Häftling und vielen tausenden. Manche Außenkommandos hatten noch Unterkommandos, so gab es in Rothschwaige ein Unterkommando, das zum Außenkommando Karlsfeld des KZ Dachau gehörte. (Arbeitgeber war in beiden Fällen die Oberbauleitung der Organisation Todt, das heißt, die Häftlinge waren bei kriegsrelevanten Bauarbeiten eingesetzt.)

Die Außenkommandos dienten auf Verfügung der SS, organisiert vom SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt, der ökonomischen Zentrale des KZ-Imperiums, vielen Herren und Zwecken, in erster Linie aber den Kriegsanstrengungen des NS-Regimes. Als Arbeitssklaven für die Flugzeugindustrie, bei Zulieferern von Waffen- und Munitionsfabriken, bei Ausrüstungsbetrieben, in Uniformschneidereien, bei der Fertigung von Soldatenstiefeln, in allen möglichen Branchen waren die Häftlinge eingesetzt. KZ-Häftlinge schufteten in Außenkommandos – die in der Organisation und Methode, einschließlich des ausgeübten Terrors dem Hauptlager genau entsprachen, also jeweils kleinere Kopien des Dachauer Originals darstellten – in Friedrichshafen am Bodensee bei der Luftschiffbau Zeppelin GmbH, in Gablingen (und an vielen anderen Orten) für die Messerschmitt AG, in Ellwangen (Württemberg) für das SS-Kraftrad-Ersatz-Bataillon, in Gendorf für IG-Farben, im Germering, Tutzing und Landsberg für die Dornier Flugzeugwerke, in Riederloh für die Dynamit AG Kaufbeuren, in Bad Ischl im Salzkammergut, der Sommerfrische des letzten Kaisers von Österreich, für ein Sägewerk, in Ottobrunn bei München u. a. für die Luftfahrtforschungsanstalt.

An vielen Orten in Süddeutschland, in Bayern, Württemberg und Baden, aber auch in Tirol, Oberösterreich, Vorarlberg und Salzburg waren Dachauer KZ-Häftlinge an Unternehmer vermietet. Für Firmen der Baubranche wie Moll, Dyckerhoff und Widmann, die Hochtief AG, Sager und Woerner waren sie tätig, aber auch im Agfa-Camerawerk oder bei Loden-Frey in München. Einrichtungen wie die (SS-eigene) „Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung“ in Heppenheim (Hessen) oder das „Institut für wehrwissenschaftliche Zweckforschung“ (Schlachters bei Sigmarszell) ließen sich Häftlinge zuteilen. Behörden wie die Parteikanzlei in München, das Reichsstraßenbauamt
Innsbruck, die Geheime Staatspolizei München, die Polizeidirektion Salzburg, aber auch die Landräte von Freising,
Ingolstadt, Sonthofen, Starnberg, Weilheim, die Oberbürgermeister von Augsburg, München, Kempten, der Bürgermeister von Ebersberg bedienten sich Dachauer Außenkommandos. Die Kommunen setzten die Häftlinge auf verschiedene Weise ein, vor allem beim „Katastropheneinsatz“, d. h. bei der Beseitigung von Luftkriegsschäden.

Außenkommandos existierten beim Reichsbahnbetriebsamt Augsburg, bei der Reichsbahndirektion München und beim Reichsbahnausbesserungswerk München-Freimann. Sogar auf der Ochsenalm bei Valepp gab es ein Außenkommando, ein Häftling war dort von Ende Oktober 1944 bis Ende April 1945 bei einem Bauern eingesetzt. Am Spitzingsee mußten Häftlinge eine Skihütte bauen, ein anderes Kommando war auf dem Sudelfeld bei Bayrischzell von Juni 1940 bis April 1945 mit der Errichtung einer Versuchsanlage für Hochfrequenzforschung beschäftigt. In Feldafing am Starnberger See bauten die Häftlinge des dortigen Außenkommandos für die Hochtief AG an der Reichsschule der NSDAP.

Auch in Betrieben des gewerblichen Mittelstands, in einer Gärtnerei, in Großschlachtereien und Konservenfabriken, von Augsburg (5 Außenkommandos und ein Unterkommando) bis Zangberg gab es größere oder kleinere Außenkommandos des Dachauer KZ. Das nördlichste befand sich in Woxfelde in Brandenburg, dort arbeitete ein Kommando, das aus einem Häftling bestand, von November 1944 bis April 1945 für einen Berliner Musik-Verlag.

Die SS hatte auch beträchtlichen Eigenbedarf an Häftlingsarbeitskraft. Die SS-eigene Firma „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“, deren Konzept auf der Ausbeutung von Sklavenarbeit in Steinbrüchen, Ton- und Kiesgruben, Ziegeleien und Baustoffwerken beruhte, war seit 1938 vor allem in den KZ Flossenbürg, Mauthausen, Groß-Rosen, Natzweiler, Schsenhausen-Oranienburg, Neuengamme, Stutthof, Auschwitz u. a. tätig. Die „Deutschen Ausrüstungswerke GmbH“ (als SS-Konzern im Mai 1939 gegründet) produzierten in oder in unmittelbarer Nähe von Konzentrationslagern Einrichtungen für Unterkünfte, Büromöbel, Mobiliar für Umsiedler und Bombengeschädigte, Holzhäuser, Haushaltsgegenstände. Daneben gab es Textilbetriebe, Webereien, Flechtereien und Schuhmachereien. In steigendem Maße wurden im Lauf des Krieges Rüstungsgüter hergestellt. Aber auch für andere Zwecke beutete die SS Arbeitskraft von Häftlingen aus, etwa für die Pläne, die Ernährungsgewohnheiten des Deutschen Volkes im Zeichen der „Lebensreform“ zu verändern (das gehörte zu den fixen Ideen Heinrich Himmlers). Aus den Heilkräuterkulturen im Stammlager Dachau, in denen 1941 täglich 1000 Häftlinge eingesetzt waren, ging ein SS-eigener Betrieb unter dem Namen „Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung GmbH“ hervor, der landwirtschaftliche Produktionsstätten an vielen Orten (auch in der Umgebung des Frauen-KZ Ravensbrück) betrieb, die teilweise von Häftlingen bewirtschaftet worden sind.

Unter Regie der „Bauleitung der Waffen-SS und Polizei“ arbeiteten Dachauer Außenkommandos in Fischbachau und Fischhorn (bei Salzburg), in Garmisch-Partenkirchen und Gmund am Tegernsee, in Hallein, am Plansee, in Markt Schwaben und München-Oberföhring, in Nürnberg und Oberstdorf, in Seehausen bei Uffing am Staffelsee und andernorts. Eingesetzt waren die Häftlinge dieser Kommandos vor allem beim Bau von SS-Einrichtungen (Kasernen, Schulen, Erholungsheimen). In St. Wolfgang am Wolfgangsee arbeitete ein Außenkommando im Sommer 1938 auf der Baustelle des Landhauses für den Kommandanten des KZ Dachau, und in Halfing (Oberbayern) werkte ein Kommando von 6 bis 10 Häftlingen am Landhaus „Brüningsau“ des Chefs des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamts, des mächtigen SS-Obergruppenführers Oswald Pohl.

In München-Riem war ein Außenkommando bei der SS-Reit- und Fahrschule eingesetzt (es arbeitete vor allem auf dem Flughafen), ein anderes stand in Steinhöring in Diensten eines „Lebensborn“-Heimes. In der SS-eigenen Porzellan-Manufaktur Allach am Rande Münchens arbeiteten Häftlinge eines Außenkommandos; die Porzellanmanufaktur erzeugte im wesentlichen kunstgewerbliche Dinge für den Bedarf des Reichsführers SS Himmler, etwa die „Jul-Leuchter“, die er zu Weihnachten zu verschenken pflegte. Ein Dachauer Kommando, das südlichste, befand sich bei der SS-Hochgebirgsschule in Neustift im Stubaital.

Die Zahl und die Belegstärke der Außenlager war nicht konstant, auch existierten die 169 Außenkommandos nicht alle zur gleichen Zeit. Mitte April 1945, kurz vor dem Ende der NS-Herrschaft, gab es noch etwa 80 Außenlager. In ihnen waren mehr als 30 000 Gefangene inhaftiert, das waren mehr als im Hauptlager mit damals rund 27 000 Insassen. Viele Außenkommandos bestanden nur einige Wochen oder Monate, die Belegstärke betrug bei den meisten weniger als einhundert Mann, viele lagen sogar unter zehn. Frauen gab es in den Dachauer Außenlagern nur in Ausnahmefällen, so in den Agfa-Camera-Werken in München-Giesing. Dort arbeiteten zwischen September 1944 und Ende April 1945 etwa 500 Frauen an der Herstellung von Zündern und anderer Kriegsproduktion. Man hatte sie – es waren hauptsächlich Polinen und Holländerinnen – aus dem Frauen-KZ Ravensbrück geholt.

Die Mehrzahl der Dachauer Außenkommandos – etwa 50 – befand sich in München oder in unmittelbarer Umgebung (Schleißheim, Karlsfeld) der Landeshauptstadt. Das größte und für die Rüstungsproduktion wichtigste Münchener Außenlager lag in Allach. Dort arbeiteten ab 22. Februar 1943 bis zur Befreiung Ende April 1945 Tausende von Häftlingen in einem Werk der BMW in der Produktion von Flugzeugmotoren. Trotz des enormen Tempos, mit dem die Fließbänder liefen, um das äußerste an Arbeitsleistung zu erzwingen, und trotz der drakonischen Strafen, die bei Sabotageverdacht verhängt wurden (und jedes Versehen konnte als Sabotage gewertet werden), wurde die Arbeit in den BMW-Fabrikationshallen von den Häftlingen als erträglicher empfunden als das, was andere Kommandos unter Regie der Organisation Todt beim Bau von Bunkern und neuen Fertigungsanlagen machen mußten. Ein französischer Häftling erinnert sich: „Schrecklicher waren die Kommandos bei Bauunternehmen, wie beim Unternehmen Dyckerhoff, wo eine große Zahl von Allacher Häftlingen beschäftigt war. Dort starb man schnell, erschöpft beim höllischen Transport schwerer Zementsäcke, niedergestreckt von der Kälte (in manchen Nächten fiel das Thermometer unter –27 Grad Celsius), ... vom Hunger (zwei Liter klare Suppe und 200 Gramm Brot am Tag), erschlagen oder als Opfer von Unfällen (Stürze von den hohen Gerüsten aufgrund von Schwindelanfällen).“

Das Außenkommando BMW-Allach wurde, als die SS die Häftlinge anderer Lager evakuierte, um sie nicht in die Hände der vorrückenden Alliierten fallen zu lassen, im Frühjahr 1945 immer überfüllter. Die ohnehin kaum erträglichen Lagerbedingungen verschlechterten sich dadurch noch einmal. Bewacht wurden die Häftlinge im Außenlager Allach, deren Höchstzahl sich zwischen 17 000 und 22 000 bewegte, von 800 SS-Leuten. Am 26. April wurde die Evakuierung befohlen, in langen Kolonnen setzte sich der Todesmarsch in Bewegung. Die SS-Mannschaften ergriffen in der Nacht zum 28. April die Flucht, als die Amerikaner zwei Tage später das Lager befreiten, fanden sie noch 8970 Männer und 1027 Frauen vor. In unmittelbarer Nähe des Lagers „Allach-BMW, Bau und Fertigung“ (so hieß das Außenkommando offiziell) gab es weitere Lager, in denen Kriegsgefangene und „Fremdarbeiter“ untergebracht waren, sowie Wohnlager für deutsche Arbeiter. Seit dem 11. Juli 1944 existierte dort auch noch ein Außenlager von Dachau mit der Bezeichnung „OT-Lager Karlsfeld“, in dem vor allem rumänische und ungarische Juden Zwangsarbeit für die Organisation Todt verrichten mußten.

Ab 1944 wurde der Bau unterirdischer Rüstungsfabriken in Deutschland forciert. Für Konstruktion und Ausführung war die dem Reichsminister Albert Speer unterstehende „Organisation Todt“ zuständig, die für ihre Zwecke auch private Baufirmen in Regie nahm. Für die Arbeitskräfte sorgte die SS. Speziell zum Bau unterirdischer Fertigungshallen hatte Hitler im Frühjahr 1944 die Deportation von 10 0000 ungarischen Juden befohlen, da es in Polen keine jüdischen Zwangsarbeiter mehr zu rekrutieren gab. Arbeitsfähige Juden entgingen so der Ermordung in Auschwitz, für sie war statt dessen Vernichtung durch Arbeit vorgesehen. Die jüdischen Sklaven konterkarierten auf makabre Weise die Behauptung der Nationalsozialisten, das Gebiet des Deutschen Reiches sei judenfrei.

Im März 1944 war eine eigene Behörde ins Leben getreten, der „Jägerstab“, in dem Vertreter der Rüstungsindustrie, der SS und des Rüstungsministeriums daran arbeiteten, die deutsche Flugzeugproduktion von alliierten Luftangriffen unabhängig zu machen. Das Rezept bestand in der Verlegung der Fertigung in unterirdische Fabrikhallen. Gleichzeitig sollte die Rüstungsproduktion dezentralisiert werden. Für die Verlagerung der Produktionsstätten und den Neubau der unterirdischen Anlagen wurden im Bereich des KZ Dachau zwei große Lagerkomplexe errichtet. Unter dem Decknamen „Ringeltaube“ wurden im Frühjahr 1944 bei Landsberg am Lech drei Bauwerke in Angriff genommen. Es handelte sich um halb unterirdische Betonbunker von riesigem Ausmaß (240 m Länge, Bogen-Spannweite 83 m, innere Höhe 25,4 m). Für die Bauarbeiten wurden bei Kaufering mehrere Häftlingslager eingerichtet, die mit römischen Ziffern bezeichnet waren. Durch Bodenreste sind einige dieser Lager noch identifizierbar, von anderen gibt es keine Spur mehr. Wegen der strikten Geheimhaltung gibt es auch kaum schriftliche Quellen, die weiterhelfen könnten. In der Nähe der Rüstungsbauten (deren Tarnbezeichnungen lauteten „Weingut II“, „Diana II“ und „Walnuß I“), nordwestlich von Landsberg befanden sich die Lager I, II, III und XI. Bei Hurlach war Lager IV und bei Erpfting das Lager VII. Zwei weitere Lager (vermutlich V und X) waren bei Utting am Ammersee gelegen. In Türkheim befand sich Lager VI, bei Obermeitingen und bei Seestall sind auf Luftbildern zwei weitere erkennbar.

Insgesamt waren es wohl elf Lager, sie unterschieden sich in der Größe, kaum in der Ausstattung. Die Häftlinge hausten entweder in Erdhütten oder in „Schwedenzelten“ aus Sperrholz. Ein ehemaliger Häftling, Miroslav Kárny aus Prag, erinnert sich an Kaufering III: „Es war dort sehr feucht, wir lagen auf bloßen Brettern, jeder Mann hatte nur eine Decke. Unter den Kopf gab es nichts. In dem einzigen kleinen Ofen wurde nur abends geheizt. Ein wenig Heizmaterial bekamen wir als Zuteilung, aber viel mehr waren wir angewiesen auf das, was ,organisiert‘ wurde. Den ganzen Tag über wurden die Kleider und Schuhe feucht oder gänzlich durchnäßt, und natürlich genügte der kleine Ofen nicht, die Bekleidung von sechzig Menschen zu trocknen. Was tagsüber getragen wurde, das hatte man auch nachts an. Zum Umziehen gab es nichts – nur die Schuhe zogen wir aus. Zu meiner schönsten Erinnerung an Kaufering gehört, wie wohl ich mich fühlte, als ich einige Zeit in der Nähe des Ofens schlief.“

An der Spitze aller Kauferinger Lager stand ein Kommandant, der dem Dachauer KZ-Kommandanten unterstellt war. Zwischen Juni 1944 und April 1945 waren – bei starker Fluktuation – insgesamt etwa 30 000 Häftlinge in den Kauferinger Außenlagern als Zwangsarbeiter beschäftigt.

Aus gleichem Anlaß wie im Raume Landsberg entstanden auch im Landkreis Mühldorf Außenlager von Dachau. Die Lagergruppe Mühldorf, die mit der Ankunft eines Dachauer Arbeitskommandos von 50 Mann im Juli 1944 begann, umfaßte das Lager „M 1“ unweit des Flugfelds des Luftwaffenstützpunkts Mettenheim, das „Waldlager V, VI“ südlich von Ampfing, ein Lager zwischen Jettenbach und Mittergars und ein Lager in der Nähe von Thalham, Gemeinde Obertaufkirchen. Die Häftlinge waren zusammen mit russischen Kriegsgefangenen und Fremdarbeitern beim Bau des Rüstungsprojekts „Weingut I“ eingesetzt, wie in Kaufering handelte es sich um unterirdische Fertigungsanlagen und wie in Kaufering waren die Häftlinge in Erdhütten und Schwedenzelten untergebracht.

Ende April 1945 versuchte die SS, die Mühldorfer Lager zu evakuieren. Mehrere tausend Häftlinge wurden in Eisenbahnwaggons getrieben und mit dem Ziel Dachau abtransportiert. In Poing hielt der Zug, den amerikanische Tiefflieger angriffen. Den Häftlingen wurde mitgeteilt, der Krieg sei zu Ende, sie könnten nach Hause gehen. Dann wurde der Befehl zurückgenommen, die SS schoß auf die Häftlinge und trieb sie wieder in die Waggons. Der Zug wurde geteilt, ein Teil fuhr Richtung Tutzing, der andere nach Seeshaupt am Starnberger See. Die Befreiung durch die Amerikaner erlebten diese Mühldorfer Häftlinge am 29. und 30. April. Die in den Außenlagern zurückgebliebenen wurden am 1. und 2. Mai 1945 befreit.

 

Literatur

Edith Raim, „Unternehmen Ringeltaube“. Dachaus Außenlagerkomplex Kaufering, in: Dachauer Hefte 5 (1989), S. 193–213.

Edith Raim, Die Dachauer KZ-Außenkommandos Kaufering und Mühldorf. Rüstungsbauten und Zwangsarbeit im letzten Kriegsjahr 1944/45, Landsberg 1992.

Peter Müller, Die Konzentrationslager im Kreis Mühldorf, in: Das Mühlrad. Blätter zur Geschichte des Inn- und Isengaues 23 (1981), S. 5–33.

Ladislaus Ervin-Deutsch, Nachtschicht im Arbeitslager III in Kaufering, in: Dachauer Hefte 2 (1986), S. 79–122.

Zdenek Zofka, Allach – Sklaven für BMW. Zur Geschichte eines Außenlagers des KZ Dachau, in: Dachauer Hefte 2 (1986), S. 68–78.

Ludwig Eiber, KZ-Außenlager in München, in: Didaktische Arbeit in KZ-Gedenkstätten. Erfahrungen und Perspektiven, München 1993 (Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit), S. 43-57.


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