28.02.2020 Nürnberg Explizit Rap: Rückschau

Podiumsdiskussion zu „Sexismus im Deutschrap“: v.l. Vassili Golod, Salwa Houmsi, Axel Ballreich, B-Tight, Sophie Künstler, Jan Kawelke

Kaum etwas hören Jugendliche lieber als Rap – vielleicht gerade wegen der oft expliziten Texte. Aber wo liegt die Grenze zwischen Kunst und Diskriminierung? Ist beleidigende Sprache nur Pose, ist sie wirklich gedeckt von der Meinungs- und Kunstfreiheit? Und kann Rap auch ein Werkzeug gegen Ausgrenzung und Unterdrückung sein? „Wir müssen drüber reden“, erklärte Mitorganisator Johannes Uschalt zum Auftakt der Veranstaltung, die die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit und der z-bau/Haus für Gegenwartskultur mit zahlreichen Partnern Ende Februar ausrichteten.

Nicht über, sondern mit der Szene reden – das war das Motto des dreitägigen Events. Veranstalter*innen, Booker*innen, Journalist*innen, Konzertgänger*innen, Jugendliche und Pädagog*innen aus Schule, Jugend- und Sozialarbeit kamen dazu nach Nürnberg. Zum Diskutieren, aber auch zum Feiern: Jeden Abend standen zwei Konzert-Acts auf der Bühne, die zeigten, dass Rap auch anders geht. Haiyti, 3Plusss, Presslufthanna, Pöbel MC, Ebow und die Argonautiks gaben sich das Mikro in die Hand.

Durch das Tagungsprogramm führten Vassili Golod und Jan Kawalke vom „Machiavelli“-Podcast, dem Podcast über Rap und Politik. Schon zu Beginn trafen gegensätzliche Positionen aufeinander: „Um im Rap mitzumischen, musst du superviel lernen – warum nicht auch, ohne Diskriminierung zu rappen?“, fragte Jule Wasabi von Schacht & Wasabi im ersten Talk. Wie das geht, darüber gingen die Meinungen in der anschließenden Podiumsdiskussion auseinander. Über den hartnäckigen Sexismus in der Szene stritten Rapper B-Tight, früher bei Aggro Berlin, und Eventmanager Axel Ballreich mit Sophie Künstler von der Initiative Music Women Germany und mit der Journalistin und DJane Salwa Houmsi, die feststellte: „Mehr Frauen im Deutschrap ist eine Frage der Zeit, aber auch der Strukturen. Die Strukturen machen es Männern, die schlecht rappen, leichter.“

Ben Salomo erzählt vor ca. 200 Schüler*innen von seinen Erfahrungen mit Antisemitismus.

Für weitere Formen von Diskriminierung in Texten, Musikvideos und Szenekultur sensibilisierten Input-Vorträge an den folgenden Tagen. Dass Antisemitismus im Rap eine lange Tradition hat, verdeutliche Annette Seidel-Arpaci von der Recherche- und Informationsstelle RIAS Bayern. Der jüdische Rapper Ben Salomo, Gründer der legendären Battlerap-Veranstaltung „Rap am Montag“, berichtete, warum er der Szene den Rücken gekehrt hat und heute als Autor gegen Antisemitismus kämpft (mehr dazu im Interview der neuen Ausgabe des BLZ-Magazins Einsichten+Perspektiven). Dass selbst Neonazis seit einigen Jahren auf Rap setzen, schilderte Markus Schwarz von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus. Am Beispiel von Chris Ares zeigte er zudem, dass rechtsextremer Rap auch vergleichsweise subtil auftreten und es damit bis an die Spitze der Charts schaffen kann. Heidi Süß von der Uni Hildesheim analysierte, wie Hypermaskulinität – betont „harte“ Männlichkeit – in der Rapkultur dem Kampf gegen Unterdrückung dient(e), zugleich aber andere Geschlechter, sexuelle Orientierungen und Rollenbilder abwertet. Inwieweit sprachliche Provokation und Tabubrüche generell zum Rap gehören und sich auch emanzipativ einsetzen lassen, diskutierten anschließend Rapper David P. von Main Concept und Rapper und Rap-Pädagoge Boshi San gemeinsam mit Journalistin und DJane Salwa Houmsi.

Bei einer Fortbildung für Pädagog*innen geht es um die Ursprünge der Rapmusik und um Rap als ein pädagogisches Mittel.

Praxiserfahrungen ausgetauscht und Kontakte geknüpft wurden an allen drei Tagen bei Netzwerktreffen, Runden Tischen und Workshops. Den Anfang machte die mittelfränkische Rap-Szene. Später trafen sich Aktive aus den Clubs, aus der schulischen und außerschulischen politischen Bildung, aus der sozialen Arbeit und aus dem Journalismus in eigenen Foren. Am letzten Tag folgten Workshops für Pädagog*innen und Schüler*innen aus allen Schulformen. Rap für Empowerment zu nutzen, aber auch problematische Inhalte zu erkennen und kritisch zu hinterfragen, war auch hier das Anliegen. Die Jugendlichen lernten, selbst zu texten und ihre ganz persönlichen Sorgen und Träume authentisch zu verpacken – ohne dabei Klischees zu bedienen. „Beim Rappen können Jugendliche erfahren: Meine Gedanken sind wertvoll“, erklärte Lena Stoehrfaktor, die ihren Workshop exklusiv für Mädchen anbot, anschließend im Podiumsgespräch mit Rapper-Kollege Schlakks. Wie man bei Events etwa Frauen vor Übergriffen und Diskriminierung schützen kann, zeigten DJane Carmen Westermeier und Eventmanagerin Mirca Lotz im Workshop über Safe Spaces.

Zum Abschluss des Tagungsprogramms entwarfen DJane Josi Miller und Journalist Jan Wehn Zukunftsvisionen des Deutschrap. Die „Master-Lösung“, ein Patentrezept im Umgang mit Diskriminierung, war in den drei Tagen nicht gesucht worden. Doch positive Beispiele, neue Ideen, ein geschärftes Bewusstsein und der Wille, die Probleme der Szene anzugehen, waren in Nürnberg allgegenwärtig. „Eigentlich braucht es eine solche Veranstaltung in jedem Bundesland, und nicht nur einmal im Jahr“, lautete das Fazit eines Teilnehmers. Die Auseinandersetzung mit Diskriminierung im Deutschrap ist in vollem Gange. Abgeschlossen ist sie noch lange nicht.

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
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