Unsere Tipps für Sie

Aus aktuellem Anlass: Unsere Publikationen aus den Bereichen Didaktik/Vermittlung, Geschichte/Zeitgeschichte, Politik/Gesellschaft sowie unsere Themenhefte aus der Reihe Einsichten+Perspektiven bieten jede Menge Lese- und Lernstoff für Fernunterricht, Selbststudium oder auch einfach zur Unterhaltung. Hier finden Sie eine Übersicht unserer aktuellen Titel, die monatlich aktualisiert wird:

Unter der Rubrik „Zum Lesen und zum Schauen“ möchte Ihnen die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit während der Zeit der Ausgangsbeschränkungen – aber auch darüber hinaus – Anregungen für die Auseinandersetzung mit politisch-historischen Fragestellungen geben. In diesem Angebot sind unterschiedliche Genres enthalten. Jede Woche gibt es drei neue Vorschläge.

Urlaubslektüre

Lange nicht gelesen – Roman-Klassiker zu aktuellen Themen

Wo auch immer Sie den Urlaub in diesen Wochen verbringen – ein gutes Buch gehört sicherlich dazu! Schmökern SIe doch in einem der zahlreichen Klassiker und entdecken Sie ferne (Gedanken-)Welten neu. Hier kommt eine kleine Auswahl von wunderbaren Büchern mit Themen, die noch immer brennend aktuell sind.

Harper Lee: Wer die Nachtigall stört

Scout und ihr älterer Bruder Jem erleben im Südstaaten-Amerika der 30er Jahre die grausamen Folgen von Vorurteilen und Rassismus. Ihr Vater Atticus verteidigt als Anwalt den schwarzen Landarbeiter Tom Robinson, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. Scout und ihr Bruder unterstützen das demokratische Gerechtigkeitsempfinden ihres Vaters, was sie selber in Gefahr bringt. Harper Lee (1926-2016) erhielt für diesen 1960 erschienenen Roman, der in 40 Sprachen übersetzt wurde, 1961 den Pulitzerpreis.
Es gibt auch eine mit mehreren Oscars ausgezeichnete Verfilmung des Romans.

Rowohlt Taschenbuch, Berlin, 7. Auflage 2016, 448 Seiten, 10,- Euro, ISBN: 978-3-499-21754-8

Tschingis Aitmatov: Dshamilja

Eine der schönsten Liebesgeschichten der Welt – historisch eingebettet in die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Dshamilja lebt 1943 allein in einem kleinen Dorf in Kirgisien. Ihr wenig geliebter Mann zog kurz nach der Hochzeit in den Krieg. Bei den täglichen Getreidetransporten der Kolchose zum Bahnhof lernt sie den Frontheimkehrer Danijar kennen, der sehr scheu und in sich gekehrt lebt und von den Menschen im Dorf gemieden wird. Eines Abends singt er auf dem Heimweg ein Lied, das Dshamilja tief bewegt. Dshamilja muss sich zwischen Danijar und ihrem Mann, zwischen Tradition und Aufbruch entscheiden. Der 1958 erschienene Roman gehörte in der DDR zur Pflichtlektüre in den Schulen, was ihn aber nicht weniger lesenswert macht. Tschingis Aitmatov (1928-2008) war ein kirgisischer Schriftsteller und Journalist, der hauptsächlich auf Russisch veröffentlichte und sich auch politisch engagierte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war er u.a. Botschafter für Kirgisistan in Frankreich und den Benelux-Staaten.

Insel-Bücherei, Suhrkamp/Insel, Berlin 2009, 109 Seiten, 16,- Euro, ISBN: 978-3-458-20009-3

Robert Harris: Die Cicero-Trilogie

Imperium, Titan, Dictator

Intrigen, politische Verwicklungen und Verschwörungen führten im ersten Jahrhundert vor Christus zum Untergang der Römischen Republik und zur Etablierung des Kaiserreichs. Rund um den bedeutenden Politiker, Redner, Schriftsteller und Philosophen Marcus Tullius Cicero erweckt der britische Autor Robert Harris in drei Romanen (erschienen 2006, 209 und 2015) eine der bekanntesten Zeitspannen des Römischen Reiches zum Leben. Cäsar, Pompeius, Marcus Antonius sowie der spätere Augustus sind bedeutende Figuren in den spannenden Politkrimis, die sich nicht nur für Antike-Fans eignen, sondern nebenbei aufzeigen, wie leicht staatliche Funktionen und Institutionen ausgehebelt und missbraucht werden können.

Band 1: Imperium, Heyne Verlag, München, 2. Auflage, 2015, 496 Seiten, 10, 99 €, ISBN-13: 978-3453419353

Band 2: Titan, Heyne Verlag, München, 2. Auflage, 2015, 560 Seiten, 10, 99 €, ISBN: 978-3453419360

Band 3: Dictator, Titan, Heyne Verlag, München 2017, 528 Seiten, 10, 99 €, ISBN: ISBN-13: 978-3453438668

Empfehlungen zu den Themen Rassismus, Vorurteile und Identität

Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen: aber wissen sollten

Eindrücklich schildert die Journalistin ihre Erfahrungen mit Rassismus in Deutschland und den USA. Sie schafft es mit Vorurteilen aufzuräumen und Denkanstöße zu geben, ohne belehrend oder verurteilend zu sein.

Hanserblau, Berlin 2019,  208 Seiten, 17 Euro,  ISBN: 978-34462642

Tupoka Ogette:  exit RACISM: rassismuskritisch denken lernen

Mit praktischen Übungen führt Tupoka Ogette ihre Leser*innen an das rassismuskritische Denken heran. Man kommt dadurch möglicherweise aus seiner eigenen Komfort Zone oder wie die Autorin schreibt, aus „Happyland“ heraus. Durch Übungen, die Ogette auch als Trainerin anwendet, hinterfragt man sich selbst und andere. Eine Reise, die sich gerade in diese Zeiten, noch mehr lohnt anzutreten.

Unrast Verlag, Münster 2019, 136 Seiten, 12, 80 Euro, ISBN: 978-3897712300

Chimamanda Ngozi Adichie:  Americanah

In ihrem Roman Americanah erzählt die Autorin Chimamanda Ngozi Adichie eindrücklich die Geschichte von Ifemelu und Obinze. Was wie eine Liebesgeschichte beginnt, spinnt sich über die Seite zu einem Roman über Identität und Rassismus und über den eigenen Platz in der Welt und wo die Heimat eines jeden einzelnen liegt.

Fischer Taschenbuch, Berlin 2015, Seiten 608, 13 Euro, ISBN: 978-3596185986

Empfehlungen zum Thema Utopien

Gesellschaftliche Umbrüche und Krisen wie etwa die derzeitige Corona-Pandemie sind Situationen, in denen Staaten oder Kulturen in Frage gestellt oder ganz zerstört werden können. Diese Prozesse sind schmerzhaft und lösen Ängste aus -  aber aus ihnen kann auch etwas Neues hervorgehen; oder zumindest kann der Mensch daraus Schlüsse über Fehler ziehen, die es in Zukunft zu vermeiden gilt.

Eine Weltkarte, in der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient keinen Blick, denn sie lässt die Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird. Und wenn die Menschheit da angelangt ist, hält sie Umschau nach einem besseren Land und richtet ihre Segel dahin. Der Fortschritt ist die Verwirklichung der Utopie (Oscar Wilde).

In Zeiten wie dieser, in denen ein Virus die Welt zum Stillstand zu bringen scheint, könnte man meinen, dass –  ganz im Gegenteil zu Wildes Bonmot –  die düsteren Visionen mancher Dystopien Wirklichkeit werden.

Einen gut lesbaren Überblick über die Geschichte der Utopie bietet das Buch von Thomas Schölderle dazu. Als philosophische Untermauerung kann die Analyse von Ágnes Heller herangezogen werden. Mit der Gegenwart beschäftigt sich in einem viel diskutierten und umstrittenen Buch Rutger Bregman. Wem das zu viel Theorie ist, der kann sich in zahlreichen Romanen und Filmen einmal mit Dystopien auseinandersetzen. Einige wenige Anregungen dazu: Aldous Huxley, Schöne neue Welt (1949)/ George Orwell, 1984 (1949)/ Margret Atwood, Der Report der Magd (1985)/ Robert Harris, Vaterland (1992)/ Kazuo Ishiguro, Alles, was wir geben mussten (2005) – fast alle sind auch verfilmt!

Thomas Schölderle: Geschichte der Utopie

Ein gut lesbarer, chronologischer Überblick über die Geschichte der Utopie, ihre wichtigsten Entwürfe, ihre wesentlichen Merkmale, Ziele und Funktionsweisen. An Denkern wie Platon, Joachim von Fiore, Thomas Morus, Francis Bacon, Tommaso Campanella, J.G. Schnabel, William Morris und George Orwell u.v.a. werden Denkströmungen von der Antike bis zur Gegenwart vorgestellt.

UTB/Böhlau, Köln, Weimar, Wien, 2. Überarbeitete und aktualisierte Auflage 2017, 211 Seiten, 17,99 €, ISBN 978-3825248185

Ágnes Heller: Von der Utopie zur Dystopie. Was können wir uns wünschen?

In einem lesenswerten philosophischen Essay legt die Autorin dar, wie unsere Vorstellungen von der Zukunft zustande kommen. Dabei geht sie auf die wichtigsten historischen Utopien ein und diskutiert, ob Utopien überhaupt erstrebenswert sind, bzw. unweigerlich einen totalitären Charakter haben. Sie analysiert moderne Dystopien von Aldous Huxley bis Michel Houellebecq und kommt zu dem Ergebnis, dass diese durch ihre ganz konkreten Vorstellungen eine Warnfunktion vor den Gefahren für Freiheit und Demokratie übernehmen.

Edition Konturen, Wien, Hamburg, 2016, 95 Seiten, 19,80 €, ISBN 978-3902968203

Rutger Bregman: Utopien für Realisten

Der niederländische Journalist und Historiker fordert dazu auf, „das Unmögliche zu denken“, um den großen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. Bewusst provokant behauptet er beispielweise: „Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen“. Er geht davon aus, dass historischer Fortschritt immer auf utopischen Ideen basierte. Seine Thesen sind heftig umstritten – regen aber zum Nachdenken und zur Diskussion an.

Rowohlt, Hamburg, 8. Auflage 2020, 302 Seiten, 10,00 €, ISBN 978-3499633003

Empfehlungen zum Thema 30 Jahre Wiedervereinigung

Ines Geipel: Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass
Die ehemalige DDR-Leichtathletin und Wissenschaftlerin stellt die Frage, woher die große Wut im Osten Deutschlands kommt. Das Buch sucht Antworten auf das Warum der Radikalisierung, ohne die aktuell bestimmende Opfererzählung nach 1989 zu bedienen. Es erzählt von den Schweigegeboten nach dem Ende der NS-Zeit, der Geschichtsklitterung der DDR und den politischen Umschreibungen nach der deutschen Einheit.
Klett Cotta, Stuttgart 2019, 277 Seiten, ISBN 978-3-608-96372-4

Wolfgang Hilbig: Das Provisorium
Der Schriftsteller C. aus Leipzig darf in den achtziger Jahren die DDR vorübergehend mit einem Visum verlassen; in der Bundesrepublik verliebt er sich in eine Westdeutsche. Obwohl sich C. im Westen nach wie vor unwohl und fremd fühlt, obwohl er immer mehr in Alkoholexzessen und in Schreibhemmungen versinkt, lässt C. den Termin für seine Rückreise verstreichen, wodurch der Osten für ihn unerreichbar wird.
Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2000, 320 Seiten, ISBN 3-10-033623-2

Das Leben der Anderen
1984, Ostberlin: Das Leben der Anderen ist für Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler nur bezüglich einer Frage interessant: Handelt es sich um Feinde des Staates? Wiesler ist ein linientreuer Abhörexperte, dem die Arbeit zum einzigen Lebensinhalt geworden ist. (Netflix)

Empfehlung zum Thema Krisen, die in der Weltgeschichte tiefe Zäsuren hinterlassen haben

Jared Diamond: Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen.

Jared Diamond war Professor für Physiologie an der UCLA in Los Angeles und hat untersucht, warum manche hoch entwickelte Kulturen wie die Maya oder die Wikinger untergegangen sind, während andere überlebten. In dieser spannenden Studie geht es unter anderem um die Wikinger, die Kulturen von Angkor oder China. Diamond stellt dabei fest, dass ein wesentlicher Faktor des Untergangs vieler Kultur der falsche Umgang mit ökologischen Ressourcen war.
Fischer Verlag, Frankfurt am Main 32014, 724 Seiten, ISBN 978-3-596-19258-8

Pankaj Mishra: Aus den Ruinen des Empires. Die Revolte gegen den Westen und der Wiederaufstieg Asiens
Nachdem die letzten Erben des Mogul-Reiches getötet worden waren und der Sommerpalast in Peking zerstört, schien die asiatische Welt vom Westen besiegt. Pankaj Mishra erzählt, wie in dieser Situation drei Intellektuelle aus Indien, China und Afghanistan eine Fülle an Ideen entwickelten, die zur Grundlage für ein neues Asien wurden.

Der Autor zeigt dabei die Dimensionen eines von Arroganz und Selbstgerechtigkeit geprägten Eurozentrismus auf, „der nicht in der konstruierten Überlegenheit der westlichen Weltauffassung, sondern in der Konstruktion unterschiedlicher gesellschaftlicher Lebensformen als auch durch religiöse Weltauffassungen“ bedingt ist (S. 387).
Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2013, 441 Seiten, ISBN 978-3-10048838-1

Persepolis
Die sog. „Iranische Revolution“ fegte 1979 das vom Westen unterstützte Regime des Schah weg; mit Ayatollah Khomeini begann die bis heute andauernde Herrschaft der Mullahs. Marjane Satrapi erzählt die Geschichte ihres Lebens, ihre Jugend im Iran und ihr späteres Leben im europäischen Exil in Form einer Graphic Novel, die 2007 in der kongenialen Verfilmung „Persepolis“ veröffentlicht wurde.

Empfehlungen zum Thema Macht und Ohnmacht

Tim Marshall: Die Macht der Geographie

Tim Marshall erklärt die Weltpolitik anhand der Geografie. Sein Geographie-Begriff umfasst nicht allein die Topografie, sondern auch die Lage von Staaten, ihre Grenzen, ihre Position zueinander, ihre Land- und Seewege, ihre territorialen Interessen, ihre Geschichte, Kriege, Religionen und dergleichen mehr.

dtv, München 2015, 304 Seiten, 22,90 EUR, ISBN 978-3423280686

Jared Diamond: Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen.

Warum gehen manche hoch entwickelte Kulturen wie die Maya oder die Wikinger unter, während andere überlebten? Der Autor zeichnet in seiner Studie die Muster nach, die dem Untergang von Gesellschaften (oder ihrem Überleben) zugrunde liegen, und zeigt, was wir für die Zukunft daraus lernen können.

Fischer Verlag, Frankfurt am Main 32014, 724 Seiten, ISBN 978-3-596-19258-8

Chernobyl

Die Fernsehserie zeichnet das Reaktor-Unglück aus dem Jahr 1986 nüchtern und akkurat aus etlichen Perspektiven nach; neben den schauspielerischen Leistungen beeindrucken auch die Settings.

(Sky Original)

Empfehlung zum Thema Münchner, bayerische, deutsche und europäische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert

Ian Kershaw: Höllensturz. Europa 1914 bis 1949

Der britische Historiker präsentiert einen Überblick über die Entwicklungen in den europäischen Staaten in der Zeit von 1914 bis 1949, die von Krisen, Kriegen, Völkermorden, Vertreibungen und politischen Unruhen geprägt sind. Anschaulich erzählt und doch genau analysiert sind Unterschiede, Parallelen, Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Wandlungen im damaligen Europa.

Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2016, 768 Seiten, 34,99 Euro,ISBN 978-3421047229

Löwengrube - Die Grandauers und ihre Zeit (1991)

Schon etwas in die Jahre gekommen, immer noch eindrucksvolle Serie, die die Entwicklungen von ca. 1900 bis in die 1950 aus der Perspektive einer kleinbürgerlichen bayerischen Familie erzählt.

(Netflix)

Barbara Bronnen: Feldherrnhalle

Die Auseinandersetzung der Autorin mit ihrer Münchner Wahl-Heimat ist weniger ein idyllischer Spaziergang, sondern viel mehr ein kritisch-historischer Streifzug quer durch die Geschichte nicht nur der bayerischen Hauptstadt, mit ständigem Bezug zur politischen und sozialen Situation der Gegenwart.

Europa Verlag, Berlin 2016, 285 Seiten, ab 6,99 Euro,ISBN 978-3-95890-044-8

Empfehlung zum Thema Widerstand während der Zeit des Nationalsozialismus

Through The Darkest of Times
Ein historisches Strategiespiel über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus während des Dritten Reichs in Berlin. Der/die Spielende ist Mitglied einer kleinen Widerstandsgruppe in Berlin zur Zeit des Nationalsozialismus. Das Spiel zeigt, wie schwer es ist sich dem faschistischen Regime entgegenzustellen und den Widerstand zu organisieren: Flugblätter zu verteilen, herauszufinden und aufzuklären, was die Nazis wirklich vorhaben, Botschaften zu senden, Informationen zu sammeln, mehr Anhänger zu gewinnen und Leben zu retten.  Und das alles unter großer Gefahr und im Wettlauf gegen die Zeit!

Computerspiel, Paintbucket Games, 2019
Das Spiel wurde mit dem Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie „Bestes Serious Game“ ausgezeichnet.

Der Fotograf von Mauthausen (Graphic Novel)
Die Graphic Novel basiert auf dem Schicksal von Francisco Boix, einem katalanischen Fotografen, der wie 7.000 seiner republikanischen Genossen von den Nationalsozialisten ins Lager Mauthausen deportiert wurde. Zu Beginn ist er nur daran interessiert, diesen wahrhaftigen Alptraum irgendwie zu überleben. Aber als er auf den SS-Hauptscharführer Paul Ricken trifft, einen perversen Nazi-Ästheten, der sich daran erfreut, das Grauen zu fotografieren, versteht der junge Mann, dass dies ein einzigartiges Zeugnis ist. Für den sogenannten Erkennungsdienst gelang es Boix Häftlinge, SS-Aufseher und den Lageralltag abzulichten. Allein beim Besuch Heinrich Himmlers im April 1941 entstanden 4.000 Aufnahmen. Während seiner fünfjährigen Lagerhaft konnte Boix zehntausende Fotos aus dem Lager schmuggeln. Hilfe leisteten ihm Mithäftlinge und eine mutige Bewohnerin von Mauthausen, Anna Pointner, die die Bilder bis zum Kriegsende bei sich im Garten versteckte. Nach der Befreiung sagte Boix als einziger spanischer Zeuge bei den Nürnberger Prozessen aus. Seine Aufnahmen wurden zur Verurteilung der Täter sowohl bei den Dachauer Prozessen als auch in Nürnberg herangezogen.

bahoe books, Wien, 1. Auflage 201, 176 Seiten, 24 €, ISBN: 3903290009
„Der Fotograf von Mauthausen“ ist auch als Film bei Netflix erhältlich.

Der Bankier des Widerstandes
Die Brüder Gijs und Walraven van Hall hatten eigentlich keine politischen Ambitionen. Sie waren Banker, mehr wollten sie gar nicht sein. Als die Niederlande 1940 jedoch von Nazideutschland erobert und besetzt wird, die Unterdrückungen immer heftigere Formen annehmen, sehen sie sich gezwungen zu handeln. Als Teil des Widerstands finanzieren unterstützen die beiden Banker mit Hilfe eines ausgeklügelten Betrugs Notleidende und finanzieren Streiks und Ausrüstung für den Widerstand. Die Aktivitäten bleiben nicht lange geheim, die Deutschen sind der Sache bereits auf der Spur und suchen fieberhaft nach den Hintermännern.

Der Film gibt einen Einblick in die niederländischen Untergrundaktivitäten. Die Waffen dieser Helden sind Zahlen, Papiere und die Idee eines Systems, um mitten im Krieg Geld aufzutreiben. Es geht nicht nur um den Triumph von Gut über Böse, sondern auch von Verstand über brutale Gewalt.

Dutch Filmworks, Utrecht, 2018; Der Film ist bei Netflix erhältlich.

Empfehlung zum Thema Thema Verschwörungstheorien

Julia Ebner: Radikalisierungsmaschinen. Wie Extremisten die neuen Technologien nutzen und uns manipulieren.                                                                                                                                               

Welchen Mustern folgen Wahlmanipulationen, Desinformationskampagnen, Anschlagsplanungen? Ein Erfahrungsbericht auf den Spuren von Hacker*innen, Trollen, Verschwörer*innen und Terrorist*innen.

Suhrkamp Verlag, Berlin 2019, 334 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3518470077

Bernhard Pörksen, Friedemann Schulz von Thun: Die Kunst des Miteinander-Redens. Über den Dialog in Gesellschaft und Politik

Der Gesprächsband hilft verstehen, warum das Diskutieren etwa mit Verschwörungstheoretiker*innen so schwierig ist – aber auch, worauf sich achten lässt.

Hanser Verlag, München 2020, 224 Seiten, 20,00 Euro, ISBN 978-3446265905

Unter dem Tellerrand

Die Dokumentation begleitet einige Anhänger der Flat-Earth-Theorie in ihrem Alltag. Diese glauben, dass die Erde eine Scheibe sei und dass alle Menschen (außer ihnen natürlich) einer Lüge von „denen da oben“ aufgesessen seien. Ein aufschlussreicher Einblick in die Welt von Verschwörungstheorien und den Menschen dahinter.

Die Dokumentation ist über Netflix erhältlich.

Empfehlung zum Thema Diversity

David Mayonga: Ein Neger darf nicht neben mir sitzen

David Mayonga alias Roger Rekless ist Moderator, Produzent und Pädagoge. In seinem Buch schildert er seine persönlichen Erlebnisse mit dem alltäglichen Rassismus in Deutschland. Scharf analysiert mit einer Prise Humor, aber immer mit einem positiven Blick, der nach vorne gerichtet ist.

Komplett Media, München 2019, 240 Seiten, 18 Euro, 978-3831204854

Madeleine Hofmann: Macht Platz! – Über die Jugend von heute und die Alten, die überall dick drinsitzen und über fehlenden Nachwuchs schimpfen                 

Ein spannendes Buch über die Generationenfrage, das nicht belehrend daherkommt. Mit vielen anschaulichen Statistiken und Beispielen und einem mitreißenden Schreibstil gibt die Autorin Anregungen und Argumente für die gemeinsame Diskussion.

Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2018, 192 Seiten, 17,95 Euro, ISBN 978-3593509150

Christina Dachler: VOX

Eine spannende Dystopie, die in den USA spielt. Frauen wird es untersagt zu sprechen und das Sprechen gar unter Strafe gestellt. Die Autorin skizziert eine Welt, in der das weibliche Geschlecht verstummen soll.

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2018, 397 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3103974072

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