Bayernweit Weniger Amateurfußball, aber mehr e-Sports

Wie ist es eigentlich um den deutschen Amateurfußball bestellt und werden eSports in Zukunft immer wichtiger werden? Im zweiten Teil der Reihe „Mikrokosmos Amateurfußball“ standen vor allem diese Fragen im Fokus.

Am Freitag dem 10. Mai 2019 trafen sich Journalisten, Vertreter des Amateurfußballs und andere Interessierte im Kleeblatt Campus Fürth zum zweiten Teil der Reihe „Mikrokosmos Amateurfußball“. Ziel der Veranstaltung ist es, gesellschaftliche Veränderungen und politische Themenstellungen anhand der Auseinandersetzung mit dem Amateurfußball zu beleuchten. Bei dieser Ausgabe des Mikrokosmos wurden die Auswirkungen des demographischen Wandels und des eSports auf den Amateursport in Bayern diskutiert.

Dr. Andreas Groll, Sportstatistiker der TU Dortmund, nahm diesen Anspruch in seine Rede auf und illustrierte die demographischen Probleme für den bayerischen Amateurfußball. Er belegte, dass die Zahl der (männlichen) Amateurfußballer in allen Altersklassen in den letzten Jahren kontinuierlich abnahm und dass diese Entwicklung nicht auf den demographischen Wandel zurückzuführen ist, da die Bevölkerungszahlen in den jeweiligen Altersklassen konstant blieben bzw. deutlich weniger stark sanken.

In einer Podiumsdiskussion identifizierten Tim Frohwein, Projektleiter von „Mikrokosmos Amateurfußball“, Andreas Groll, die Schiedsrichterin Julia Boike und der Amateur des Jahres 2018, Thomas Ballbach, neben den sinkenden Mitgliederzahlen ein Ende der traditionellen Vereinskultur als ein Hauptproblem des Amateurfußballs und schlugen vor, dem eine Diversifizierung des Sportangebots sowie lockerere, an die heutige Gesellschaft angepasste, Vereinsstrukturen entgegen zu setzen.

Michael Fischer, Sportredakteur der Nürnberger Nachrichten, und Andreas Niklaus, Betreuer der Fußballabteilung des Post SV Nürnberg, widmeten sich anschließend in einem anregenden Gespräch der schwindenden Rolle von Vereinen als Fixpunkte des sozialen Lebens in Bayern und der Rolle von Ehrenamtlichen. Andreas Niklaus befürchtete aufgrund seiner Erfahrungen in den letzten Jahren sogar ein Ende der zentralen Rolle der Vereine und ein Ende des traditionellen Ehrenamts.

Auch die mögliche Herausforderung des e-Sports für den Amateurfußball war ein Diskussionspunkt. Der Sportsoziologe Andreas Hoffmann (Universität Stuttgart) erklärte in einem kurzen Vortrag zunächst seine Ablehnung gegenüber einer Anerkennung des eSports  – welchen er als Konkurrenz zu klassischen Sportarten wie dem Fußball betrachtete – als Sport und dessen Aufnahme in das Angebot von Amateurvereinen. In einer hitzigen Diskussion unter der Leitung von Kathrin Lehmann, der Geschäftsführerin des „Sportbusiness Campus“ in den Räumlichkeiten des Stadions der SpVgg Greuther Fürth, konnten anschließend neben Andreas Hoffmann auch Benjamin Engler, Dozierender in der eSport Weiterbildung des „Sportbusiness Campus“, und Dr. Daniel Illmer, Leiter der Stabstelle Verbandsentwicklung des „Deutschen Olympischen Bundes“ ihren Standpunkten Gehör verschaffen. Während Dr. Daniel Illmer die Position des DSOB darlegte – eine Anerkennung des eSports kann nur unter bestimmten Bedingungen erfolgen, etwa wenn es sich um Spiele handelt, die auch Sport thematisieren – sprach sich Benjamin Engler für eine zeitgemäße Aufnahme und Anerkennung des eSports in die Reihen analoger Sportarten aus.

Auch das Publikum diskutierte intensiv mit. Es wurde deutlich, dass es sich bei dem Thema eSports um ein emotionales Thema handelt, das weder die Sport- noch die Gaming-Begeisterten kaltlässt.

Die nächste Ausgabe des „Mikrokosmos Amateurfußball“ findet im Herbst im Großraum Hof statt und wird –  auch anlässlich des 30jährigen Jubiläums des Mauerfalls – die Rolle des Amateurfußballs in den deutsch-deutschen Beziehungen vor und nach 1989 thematisieren.

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